Sperrung Google DNS-Server in Türkei wegen YouTube-Blockade

Es heißt, wonach jetzt ein Gericht die Blockade von Googles DNS-Server in der Türkei verfügt habe. Grund sei, dass sich Google mit seinem Video-Portal YouTube geweigert habe, ein höchstrichterlich verfügtes Verbot zum Verbreiten von illegal mitgeschnittenen und im Internet veröffentlichten Telefonaten des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan offline zu nehmen und nicht mehr im Such-Index anzubieten. Unklar ist allerdings bislang, inwiefern hier wirklich für jeden Schritt auch Gerichtsurteile- und Gerichtsverfügungen vorliegen oder ob es sich um eher recht willkürliche behördliche Anordnungen handelt, ohne einen oder mehrere rechtskräftige Gerichtsbeschlüsse.

Screenshot: Google News Türkiye
Kein großes Thema in der Türkei: Die Sperrung von Google DNS-Servern.

Mit dem Wahlsieg des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan scheint nun das verschärfte Vorgehen der türkischen Gerichte und Staatsanwaltschaften gegen den amerikanischen Internet-Giganten Google (60 Milliarden Dollar Umsatz) weiter an Schärfe zuzunehmen.

"Scheinbar hat das amerikanische Portal Google auf Grund seiner Größe gedacht, man müsse gerichtlichen Anordnungen türkischer Gerichte nicht komplett Folge leisten, da die Rechtslage in den USA wohl etwas anders aussehen würde", berichtet ein IT-Fachmann aus der Türkei gegenüber Netz-Trends.de. Dennoch wird es für Google eng: Die Türkei könnte nur der Anfang von zahlreichen Regierungen sein, die zunehmend die Internet-Blockade vorwiegend gegen US-Internet-Monopolisten wie Google einführen könnten.

Dass nun womöglich und wahrscheinlich ein türkisches Gericht die Blockade von Googles DNS-Servern in der Türkei verfügt hat, liegt daran, dass Internetfreaks in der Türkei stolz verkündet hatten, sie hätten den gerichtlichen Erlass YouTube oder Twitter in der Türkei zu sperren, spielend umgehen können. Derzeit scheint es so zu sein, dass Anfragen an Googles DNS-Server an türkische DNS-Server umgeleitet werden. So sei es, wird berichtet, nicht mehr möglich, das US-Portal YouTube aufzurufen.

Derzeit liegt angeblich eine Bestätigung von Google vor, wonach Nutzer-Zugriffe auf Google-Server automatisch auf mehrere türkische Server umgeleitet würden.

Auch wenn das Thema DNS-Sperre in der Türkei in Europa und den USA einigermaßen hochkocht, so spielt es in der Türkei selber faktisch keine große Rolle. Das galt schon für die Sperrung von Twitter und später auch für die Blockierung von Googles Videoportal YouTube. Das liegt daran, dass die türkische Gesamtbevölkerung weniger im Internet aktiv ist, als die Verbraucher in Ländern wie Deutschland oder den USA. Selbst in Deutschland sind bislang nur rund zweidrittel der Bevölkerung online. Ein Drittel ist faktisch noch offline.

Derzeit berichten lediglich eine Handvoll eher unbedeutender türkischsprachiger Randmedien über die DNS-Sperrung von Google in der Türkei - wie beispielsweise das Portal avrupagazete.com, welches eine Kooperation mit dem britischen TV-Network BBC hat.

Ein Artikel versucht hier zu erklären, wie man möglicherweise die DNS-Sperre umgehen könne. Die Rede ist mit Blick auf die Umleitung der Google DNS-Server von einer "Entführung" sowie "DNS-poisoning". Ebenfalls ist die Rede davon, wonach angeblich "DNS-Adressen gefälscht" würden, um eine DNS-Umleitung zu ermöglichen. Allerdings steht im Artikel auch, wonach es sehr gefährlich sei, gerichtliche Anordnungen zu umgehen:

"Leiten Sie normalerweise den Verkehr von DNS-Servern auf staatlich nicht gewünschte Weise um, begehen Sie eine schwere Straftat, da dies in der Regel nur kriminelle Organisationen tun."

Ein anderes türkischsprachiges Portal, "radikal.com.tr", schreibt wiederum, wonach nun mit der "DNS-Vergiftung in der Türkei begonnen" worden sei. Letztlich erklärt das Portal, warum man mit einem Proxyserver (der auch in Deutschland offiziell verboten ist), nun die türkischen Behörden bezüglich Twitter oder YouTube nicht mehr narren könne. So schreiben die Autoren:

"DNS-Poisoning-oder DNS-Hijacking sind jene Methoden, mit deren Hilfe sie in ihrem persönlichen Computer einige öffentliche DNS (Domain Name Resolution)-Server verwenden". Hier hätten nun einige Personen in der Türkei begonnen, diese DNS-Server-Anfragen selber umzuleiten, um die IP-Adresse zu verschleiern (also ein typisches Proxyserver-Thema).

Mit Hilfe einer so generierten falschen IP-Adresse, eines falschen IP-Routings, habe man anschließend beispielsweise Twitter angesteuert. Proxyserver generieren häufig falsche Länder-IPs, also Computer-Kennungen. So kann es sein, dass ein türkischer Nutzer mit Hilfe eines Proxyservers "Twitter Türkei" plötzlich so ansteuert, als käme sein Computer, seine IP, aus den USA - obwohl das nicht der Fall.

So führt "radikal.com.tr" weiter aus, wonach beispielswiese kriminelle Computer-Hacker diese Methode nutzen würden, "um ihnen gefälschte Bank-Websites" auf dem PC unterzujubeln.

Nun sei es so gewesen, schreibt "radikal.com.tr", dass seit Sonntagabend "der türkische Google DNS- und Open DNS-Dienstleister Anfragen an Googles Portal YouTube" auf türkische Server umgeleitet hätte. "Mit anderen Worten hat eine Änderung der technischen Infrastruktur nun dazu geführt, dass die Nutzer der gesperrten Seiten häufig von Open DNS-Servern" auf andere - eben türkische - Server umgeleitet würden ("entführt" würden). Das Portal behauptet, wonach die nun verfügten DNS-Sperren darauf beruhten, dass "IP-Adressen auf DNS-Servern gestohlen" worden sein.

Doch ob gestohlen oder nicht: Grundsätzlich gilt auch in der Türkei, dass Google Gerichtsurteile aus der Türkei umsetzen muss. Das scheint im Falle von YouTube nicht gänzlich erfolgt zu sein, was wohl der Hauptgrund der Konfrontation ist. Auch in Deutschland gibt es oder gab es diverse Gerichtsverfahren gegen YouTube oder Google, in denen es darum ging oder geht, dass Gerichte den Internetgiganten aufgefordert haben, bestimmte Verweise nicht mehr zugänglich zu machen. Dabei kämpft Google stets im Spagat zwischen dem eigenen Credo, ein Vorreiter einer maximalen Freiheit im Internet sein zu wollen, und den Bedürfnissen auch staatlicher Institutionen, dass im Internet nicht alles verbreitet wird.