Brasilien: Tausende demonstrieren in Rio de Janeiro gegen 9 Prozent teurere Bus-Tickets

Was für Touristen aus West-Europas reichen Ländern eher günstig ist, ist für den durchschnittlichen Brasilianer teuer. Deshalb gehen nun Tausende überwiegende jugendliche Demonstranten in Rio mit Plakaten auf die Straße, viele waren aus Schutz gegen Rios berüchtigte Militärpolizei vermummt.

Tausende demonstrieren in Rio gegen noch teurerer Busse und Bahnen.

Knapp 1 Euro, genau 85 Cent (2,75 Brasilianische Real), kostete bislang eine 15-minütige Fahrt in Rio de Janeiro mit den Bussen der Linie 511 oder 512 vom Zuckerhut zum Copacabana-Strand. Jetzt sollen die Tickets für Busse sowie Rios U-Bahn von 2,75 Brasilianischen Rial auf 3 erhöht werden - eine drastische Preiserhöhung von 9 %.

Das durchschnittliche Einkommen liegt in Rio bei lediglich rund 450 Euro im Monat - bei mittlerweile fast so hohen Lebenshaltungskosten wie in Deutschlands Hauptstadt Berlin. Vor allem die Millionen ärmeren Brasilianer, aber auch die einfache Mittelschicht, lebt oft in den Randbezirken von Rio. Sie müssen sich bereits jetzt von Tag zu Tag retten, um wirtschaftlich überleben zu können. Entsprechend sind sie auf bezahlbare Tickets für Busse oder U-Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) angewiesen.

"Ohne bezahlbare Mobilität gibt es auch in Brasilien keinen sozialen Aufstieg. Das Ticket für den Bus oder die U-Bahn zur besseren Schule oder Universität muss schließlich bezahlt werden können. Wird ihnen auch noch das genommen, dürften weitere erhebliche soziale Spannungen die Konsequenz sein", erklärt ein Deutscher, der in Rio ein kleines Hotel betreibt gegenüber Netz-Trends.

Bus in Rio de Janeiro: Für Touristen sind sie tagsüber - gerade in der Innenstadt - sicher.Foto: cc

Um rund 10 % sollen Busse und Bahnen in Rio teurer werden. Deshalb demonstrierten nun Tausende vor allem junge Brasilianer in Rios Innenstadt. Versammlungsort war die berühmte katholische Candelaria-Kirche im Zentrum Rios. Unter den Demonstrierenden waren auch Vertreter der politischen Parteien - von den linken bis hin zu den eher konservativen Parteien. Wie üblich in Rio, war auch die brasilianische Militärpolizei vor Ort und versuchte Ausschreitungen zu verhindern.

Trotz der überwiegend friedlichen Demonstrationen soll es angeblich dennoch zum Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken in Rio gekommen sein. Angeblich hätten "die Vandalen Metallplatten, die als Schutzschild für Grundstücke oder Häuser aufgestellt wurden, versucht einzureißen" - behauptet zumindest das brasilianische Nachrichtenportal globo.com.

Zudem wird berichtet, wonach während den Demonstrationen gegen die drastischen Ticketpreiserhöhungen von Bus und U-Bahn in Rio eine hausgemachte Bombe einen Kameramann des brasilianischen TV-Senders Bandeirantes verletzt habe.