Stasi-Obama schließt verschlüsselte Email-Dienste Lavabit.com und Silent Circle wegen Edward Snowden

US-Präsident Barack Obama (Demokraten) verbietet ab sofort den beiden wichtigen und weit verbreiteten Email-Diensten Lavabit.com und Silent Circle (silentcircle.com), Emails zu verschlüsseln. Verschlüsselte Emails ("encrypted email service") verhindern, dass ein Dritter - zum Beispiel die US-Regierung - heimlich Emails abfängt und mitliest. Der ehemalige CIA-Agent Edward Snowden, 29, hatte angeblich seine Mails an den Guardian über Lavabit.com (edsnowden@lavabit.com) versendet und damit die US-Justiz auf die Spur des Dienstes gebracht.

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Ladar Levison im Interview mit der Huftingtonpost.

Doch trotz des Terrors den die US-Regierung nun gegen Email-Dienste auffährt, die verschlüsselte Emails anbieten, so bleibt doch ein zentraler Fakt: Die Lücke der beiden in den USA verbotenen Dienste kann ohne Probleme weltweit gefüllt werden. Einer, der die Lücke gut ausfüllen könnte, ist MEGA.co.nz. So teilte Mega-Chef Vikram Kumar bereits mit, wonach der Dienst von Kim Dotcom nun ebenfalls verschlüsselte Emails anbieten wolle - und zwar von Neuseeland aus, dem Sitz der Firma. Auch die Schweizer Post bietet bereits verschlüsselte Emails an.

So schreiben die Anbieter von MEGA.co.nz, die derzeit noch an einem verschlüsselten E-Mail-Service arbeiten, darunter der Deutsche Kim Dotcom: "Anders als die meisten Konkurrenten nutzen wir eine browserbasierte Verschlüsselungstechnik, bei der Sie die Kontrolle über Ihre Schlüssel nicht aus der Hand geben.... Unser Geschäftsführer, Vikram Kumar, trat schon zuvor als Vorsitzender von InternetNZ für das Ideal eines offenen von staatlicher Bevormundung freien Internet ein. Wir hoffen, dass Ihnen unser Angebot gefällt." Derzeit können vor allem Dateien in einem Cloud-Service sicher auf MEGA.co.nz abgelegt werden.

Zudem erklärten kürzlich mehrere deutsche E-Mail-Anbieter, wonach sie im Kampf gegen die Stasi-Ausspähaktionen der USA ab sofort ebenfalls E-Mails ihrer Kunden verschlüsseln wollten. Unter den Anbietern sind GMX, Web.de sowie T-Online (Deutsche Telekom AG). Ab sofort würden die E-Mails automatisch verschlüsselt werden, so dass angeblich keine fremden Programme in Anspruch genommen werden müssten. Auch würden sich die Rechenzentren, über die die E-Mails laufen, in Deutschland und nicht in den USA oder Großbritannien befinden.

Lavabit: Abschied von der Freiheit. Die USA werden immer mehr zu einem Stalin-Überwachungsstaat.Foto: Screenshot

Doch das "sicher" gilt als relativ. Denn bislang sind verschlüsselte Emails in der Regel zwar nur sehr schwer von Dritten zu lesen, aber es ist nicht unmöglich. Mega möchte das Problem künftig nach eigenen Angaben mit Bloomfilter lösen.

Bislang ist es in den USA so, dass das FBI sowie Strafverfolgungsbehörden dem Patriot Act gemäß Unternehmen zwingen können, mittels Untersuchungsbefehlen Daten von Kunden herauszugeben. Bei Lavabit.com war es so, dass die E-Mails nur die Nutzer selbst wieder entschlüsseln konnten, jedoch keine Dritten. Nun erklärte Ladar Levison, der Gründer des Email-Dienstes Lavabit, er habe seinen Dienst lieber eingestellt, anstatt mit der amerikanischen Stasibehörde NSA zusammenzuarbeiten.

Ladar Levison: "Die US-Regierung hat alle Macht Dir alles Geld wegzunehmen und Deine ganze Freiheit"

Als letztes Aufbäumen gegen Stasi-Obama erklärte der Lavabit-Chef habe man die Emails der Kunden komplett gemeinsam mit den Servern zerstört. Sie seien unwiederbringlich vernichtet worden. Gegenüber dem Nachrichtenportal huffingtonpost.com erklärte Ladar Levison, der Lavabit Founder: "Die US-Regierung hat alle Macht Dir alles Geld wegzunehmen und Deine ganze Freiheit. Und sie haben keine Scham gezeigt, all ihre Macht zu nutzen, um zu bekommen, was sie wollen und Menschen zu bestrafen, welche gegen sie sprechen."

Gleichzeitig zeigte er sich verwundert, dass im Kampf für die Freiheit kleine Email-Anbieter wie er den Kampf gegen die Regierungs-Stasi aufgenommen haben, die großen Anbieter, wie gmail.com oder yahoo, hingegen nichts dergleichen unternommen hätten.

Weiter erklärte Ladar Levison wonach "die U.S. Government" seine Firma vernichtet habe. Der einzige Grund, warum er noch nicht im Gefängnis sei, sei jener, dass er derzeit "große Medienaufmerksamkeit" habe. Zudem erklärte der Gründer des Email-Services Lavabit.com, dass er, je mehr er in den vergangenen zehn Jahren den umstrittenen "Patriot Act" kennengelernt habe, gesehen habe, wie dieser von der Regierung Georg Bush installierte Gesetzesakt "all unsere Freiheit beginnt einzubrechen, zu erodieren".

Schon gegenüber dem US-Fernsehsender NBC hatte Lavabit gesagt, er werde sicherlich niemals "ein Komplize in Verbrechen gegen die amerikanischen Bürger sein". Damit meinte er Obamas Spitzelmethoden mittels der Stasibehörde NSA (National Security Agency).

Die E-Mail-Technik von Lavabit.com funktionierte so, dass alle Emails verschlüsselt wurden ("encrypts all communications"), so dass kein Dritter sie ohne ein spezielles Nutzerpasswort lesen konnte. Der Dienst Lavabit.com startete vor rund zehn Jahren. Für 8 bis 16 US-Dollar im Jahr konnten die Nutzer ihre Emails verschlüsseln lassen. So hatte Ladar Levison erklärt, wonach er mit rund 10.000 Nutzern jährlich rund 100.000 US-Dollar Umsatz generieren habe können.

Die jetzt für Ladar Levison anstehende rechtliche Auseinandersetzung mit der US-Regierung dürfte sehr teuer werden. Deshalb startete eine Initiative einen Spendenaufruf zu Gunsten von Ladar Levison (Paypal, E-Mail: support@lavabit.com), welche ihm bereits 90.000 US-Dollar in den vergangenen Tagen eingebracht hatte.

Zu den großen Schutzschilden von Ladar Levison gehört unter anderem der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul. Er sagte NBC, dass "Levison's anstehende rechtliche Auseinandersetzung vor Gericht im Interesse von jedem sein sollte, der die Freiheit verteidigt."

netz-trends.de-Tipp: Sicherer Dienst zum Datei-Speichern: https://mega.co.nz/#about

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