Enogastronomie Essen und Trinken in Italien: Auf der Straße des Prosecco

Der Prosecco ist der wohl bekannteste und beliebteste Schaumwein aus Italien. Mit der Einführung des Gütesiegels DOCG Denominazione di Origine Controllata e Garantita (garantierte und kontrollierte Ursprungsbezeichnung) sicherte sich die Weinbauregion im "Garten Venedigs", wie die Marca Treviso genannt wird, die Qualität ihres weltweit geschatzten Spumante. Jetzt möchte die Marca Treviso auch verstärkt Touristen von der landschaftlichen Schönheit der Region, ihren historsichen und architektonischen Kunstwerken und ihren enogastronomisch kulinarischen Erzeugnissen begeistern.

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Ein Lebensmittelladen in der Toscana in Italien - etwas für Genießer.

Von Wolfgang M. Seemann
Die Hänge sind grün und saftig, man atmet förmlich schon das milde Klima der Predemontana trevigiana. Von der schroffen Bergwelt der Dolomiten kommend öffnet sich die Landschaft im sanft abfallenden Hügelstreifen südlich des Bollwerkes der Voralpen von Belluno nun bis hinunter an die Ufer des Piaveflusses. Hier in der Marca trevigiano – dem so genannten "Garten des Veneto" – wachsen Palmen, es blühen Flieder und Kastanien. Und es wächst Wein, wohin das Auge schaut.

Die landschaftlich malerischen Berghänge, die von Valdobbiadene bis hinüber nach Vittorio Veneto hinunter bis Conegliano führen, sind ein Gebiet auf dem sich Bacchus auf seinen unermüdlichen Streifzügen durch Nordtalien wohl nur allzu gerne niederließ: Es ist die Heimat des berühmten Prosecco!

Welch eine sagenhaften Weinrebe: Es ist eine einfache aber kräftige Pflanze, nussbraunfarben und mit eher großwüchsigen Reblingen, deren goldgelben Weinbeeren aus dem schillernden Grün der Blätter hervortreten. Die Südlagen der Hänge, die Schutz bieten vor kalten Strömungen, das reichlich fließende und zuweilen auch kräftig abregnende Wasser und letztlich die besondere physisch-chemische Zusammensetzung des Bodens bieten die Grundlage für den weltweit gefragtesten Wein Italiens. Neben dem durch zwei Gärungsprozesse gegangene Spumante sind der nur ganz leicht perlende Frizzante und der stille Tranqillo hierzulande gewiss weniger bekannt.

Doch die Proseccoweine von Conegliano-Valdobbiadene, wenn sie das Gütesiegel ihrer Ursprungsregion Denominazione di Origine Controllata e Garantia (garantierte und kontrollierte Ursprungsbezeichnung) tragen, begeistern mit ihren vollmundigen und feinfruchtigen Bouquets. Ihre stroh- und goldgelbe Farbe ist charakteristisch. Und mit Ihren Aromen munden leicht und fruchtig wie Birnen und Äpfel oder erinnern zuweilen an Mandeln mit einem Abgang von Zitrusfrüchten und der zarten Nuance von Blumennoten.

"Freiheit aus der Dose"

Den traditionellen Winzern in der Marca Treviso muss es wie ein Frevel an ihrem höchsten Gut angemutet haben, als sie mitansehen mussten, wie einst die Hotelerbin Paris Hilton für Prosecco aus der Dose warb! Denn als prickelndes Trendgesöff hatte nicht zuletzt die Münchner Schickeria längst den Prosecco als alternative Wohlstandsbrause für sich entdeckt – zum Anstoßen gewiss nicht minder charmant wie der Champagner aber doch entschieden preiswerter.

Das Konsortium der italienischen Prosecco-Anbauer der 15 Gemeinden der Region mochte sich damit freilich gar nicht anfreunden. Denn manche kleineren Winzer die über nur wenig Land in der Marca Treviso verfügten, hatten, um der enorme Nachfrage nach der prickelnden "Freiheit aus der Dose" Herr zu werden, nach der Öffnung des Osten Weingüter in Rumänien hinzugekauft und mischten nun im wahrsten Sinne des Wortes fleißig im lukrativen Prosecco-Geschäft mit.

Die traditionellen Winzer bangten um den guten Ruf ihres Weines. Gemeinsam zogen sie nach Brüssel um ihr Produkt schützen zu lassen und bereiteten dem schändlichen Treiben schließlich mittels ihres Gütesiegels DOCG ein Ende. Denn die DOCG-Weine stehen bei den Qualitätsstufen noch über den DOC-Weinen und bilden so die oberste Qualitätsstufe. Die Reben müssen im ursprünglichen Anbaugebiet wachsen und der Wein muss ebenfalls direkt im Anbaugebiet auf Flaschen gezogen werden. Prosecco darf nun nicht mehr in Tanks anderswohin transportiert und dort abgefüllt werden.

Prosecco in Dosen ist in Italien seither verboten. Und auch in Deutschland findet man italienischen Schaumwein aus der Dose inzwischen nur noch unter dem ingendwie etwas kastriert anmutenden Titel "Secco". Für Leonardo Muraro, Präsident der Provinz Treviso, war das ein entscheidender Schritt dazu, wie ein typisches Produkt zu einem identitätsstiftenden Element eines Gebietes werden, konnte. "Heute ist der Prosecco ein Spitzenprodukt, nicht nur für Treviso, sondern auch für die italienische Qualitätsproduktion. Mit der Ursprungsbezeichnung DOCG schaffen wir es endlich, den Prosecco und damit auch den Endverbraucher rundum zu schützen", stellt Muraro zufrieden fest.

In der Heimat des Prosecco Superiore

Eine Reise in die Prosecco-Region beginnt in Valdobbiadene. Von hier führt die Strada del Prosecco nordöstlich oben am Hang entlang über kleine aber schöne Weinbaudörfer wie Giuia, Combai, Miane und Follina bis nach Vittorio Veneto. Hier in den oberen Hanglagen genießt man nicht nur einen herrlichen Blick bis hinunter in die weite Ebene von Treviso, hier ist die Heimat des Prosecco Superiore, jenes Spitzenweines deren Trauben die Süße der Sonne und die Frische der wasserreichen Berghänge am kräftigsten in sich aufgesogen haben.

Übernachten kann man hier in kleinen Pensionen – oder, wer es stilvoller mag, in einer der Villen, die so typisch sind für das einst so reiche und vornehme Veneto. Manche dieser großen Herrenhäuser dienen heute als Hotel oder Gastronomiebetrieb, und als Tourist sollte man sich solch einen Aufenthalt in einer der Villen nicht entgehen lassen. In der Villa Castagna in Nogara di Crocetta (www.villacastagna.it) beispielsweise verwöhnt Paolo Fantin, den Gaumen mit frischem Spargel, Schwertfisch mit Tomaten und Oliven sowie Pasta mit Speck und jungen Hopfendolden. Das Restaurant mit einem schönen parkähnlichen Garten verfügt nicht einmal über eine Speisekarte. Der Chef des Hauses, kommt persönlich an den Tisch und berät seine Gäste, was er an leckeren Speisen zur Auswahl bieten kann.

Wohlfühlatmosphäre mit Vier Sternen

Ähnlich ergeht es einem im Restaurant des Hotels "Villa Soligo": Spargel in dreierlei Variationen – mariniert, als Salat in Öl und Zitrone oder auch gekocht mit Schinken – zählt im Frühjahr zu den absoluten Delikatessen der Region. Die Villa Soligo (www.hotelvillasoligo.it) ist ein neoklassisches Gebäude im Palladinischen Stil – errichtet 1782 von den Grafen Bandolini d’Adda, einer adeligen Familie der Emilia Romagna als deren einstige sommerliche Jagdresidenz.

Nach den Wirren der Welltkriege, in denen die Villa 1942 gar von der Deutschen Wehrmacht als Präsidialsitz in Beschlag genommen wurde, erlangte die Villa in den 80er Jahren Bekanntheit als Fitness- und Schönheitsfarm, in der Berühmtheiten wie Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Alberto Sordi oder auch Sophia Loren zu Gast waren. Als Vier-Sterne-Hotel verfügt die Villa heute gerade einmal über 30 unterschiedlich eingerichtete Zimmer und bietet damit trotz aller ergänzenden Einrichtungen wie Restaurant, Freibad und Tennisplatz über eine fast schon privat anmutendes Wohlfühlatmosphäre.

Eine ebenso gute Alternative bei der Quartiersuche bietet der so genannte Agrotourismus, hierzulande als "Ferien auf dem Bauernhof" bekannt. Der Vorteil einer agrotouristischen Unterkunft: Hier wird der Gaumen mit regionalen Köstlichkeiten aus eigener Produktion verwöhnt - Schinken, Spargel, Radicchio, Käse und natürlich Wein. "La Dolza" in Follina, Ortsteil Valmarena, beispielsweise ist ein Pferdehof, bei dem der verwöhnte Gast nicht auf Annehmlichkeiten wie einen Swimmingpool im Garten verzichten muss. Bei einem Familienurlaub können die Kinder reiten lernen, während man selbst vielleicht einmal eine Wanderung durch die umgebende Hügellandschaft unternimmt.

Lohnenswert ist ein Ausflug ins historische Conegliano, mit dem Dom mit seinen alten Fresken und den sich durch die gesamte Altstadt hindurch ziehenden weiten Arkadengängen, die dafür sorgen dass, man den Stadtbummel auch einmal bei einem Regenschauer noch immer genießen kann. Oberhalb der Stadt liegt ein altes Castell. Die schöne Parkanlage und der weite Blick über die gesamte Prosecco-Region entschädigen für den mühevollen Aufstieg.

In Conegliano empfiehlt es sich bei einem Weinfest – wie beispielsweise dem "Primavera del Prosecco" im Frühjahr oder zur Weinlese im Herbst, auch einmal die Scuola Enologica di Conigliano, die berühmte zur Universität von Padua gehörende Weinbauschule, zu besuchen. Hier kreuzt die wissenschaftliche Forschung die Tradition des Weinbaus und der Weinproduktion.

Verglichen mit anderen Regionen des Veneto wie etwa der Gardaseeregion oder der Lagunenstadt Venedig hat der Massentourismus die Marca Treviso noch längst nicht überollt. Selbst wenn die eigenen spärlichen Italienischkenntnisse einmal nicht weiterreichen, kommt man überraschenderweise selbst mit Englisch oftmals besser voran als mit der deutschen Sprache. Dabei liegen die Deutschen unbestritten an der Spitze der Besucher im Veneto ingesamt. "Mehr als 2,1 Mio. Deutsche besuchten unser Venetien im vergangenen Jahr", rechnet Dottore Mario Finozzi, Tourismusminister Venetiens, vor. Finozzi: "Die aktuellen Zahlen zeigen uns, dass die Touristen heute häufiger kommen, aber meist für kürzere Aufenthalte". Dem versuche man jetzt mit veränderten Angeboten Rechnung zu tragen, die Übernachtungen mit Kultur und gastronomischen Erlebnissen verbinden. Ein Leitfadaen dabei sei, so Finozzi, die "Enogastronomie".

In der Marca Trevisa pflegt man diese besondere Kombination von Weingenuss und kulinarischer Erlebnisgastronomie schon seit Jahren mit dem "Primavera del Prosecco". Der Proseccofrühling gestaltet sich gewissermaßen als eine große Weinmesse. Dabei werden bei 17 Weinausstellungen in den Hügeln der Provinz von Treviso Degustationsecken und Gastronomiestände eingerichtet (www.primaveradelprosecco.it). Dort kann man die besten Weine aus mehr als 400 Weinkellern verkosten – wie etwa den Conegliano-Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG, den Valdobbiadene Superiore di Cartizze DOCG, den Verdiso IGT, die Colli di Conegliano bianco e rosso DOC, den Refrontolo Passito DOC oder auch den Torchiato di Fregona DOC.

Ein Kurztrip zum Proseccofrühling oder zur Weinlese im Herbst eignet sich durchaus auch schon für ein verlängertes Wochenende. Und wer eines dieser Weinfeste an der Strada del Prosecco einmal besucht hat, der weiß den edlen Tropfen gewiss zu schätzen und zu genießen.

Hinweis nach Pressekododex Ziffer 7.2:

Die Reise des Autors zum "Primavera del Prosecco 2012" war der Gewinn einer Journalistenreise bei einer Verlosung des Consorzio Promozione de Turistica der Marca Treviso und beinhaltete zwei Übernachtungen und Abendessen.
Infos: www.marcatreviso.it