Tarife Wie Vattenfall 'Easy24 Strom' Kunden abzockt und ihnen 12 Monats Kündigungsfristen unterschiebt

Kommentar - Vattenfall umgibt sich gerne mit einem Saubermannimage. In seinem Blog ergießt sich der Konzern in peinlichen Marketing-Plattheiten rund um Herbst, Sonne und das Dasein. Unter „my-highlights“ lesen wir beispielsweise dieses Anfängerdeutsch: „Der Herbst ist da und der Winter lauert schon. Zeit also, sich all die kuscheligen Vorteile ins Gedächtnis zu rufen, die neben Regen und Matsch ebenfalls Einzug halten.“ Uff. Viel billiger geht Marketing nicht. Das Marketing-Getexte mit Fotos soll dem Großkonzern helfen, sein Verbraucher-Abzockerimage im Energiemarkt zu verdecken. Denn in seinen Tarifen gehört der Vattenfall-Konzern zu den Berüchtigten in der Energiebranche und als kundenfreundlich ist er auch nicht gerade bekannt. Billig locken, um anschließend abzuzocken, scheint das Motto der dubiosen Konzernstrategie zu sein. So auch in diesem aktuellen Fall, der Netz-trends.de vorliegt.

Warnung for den Easy-Tarifen von Vattenfall. Easy ist da gar nichts. Dafür drohen lange Kündigungsfristen.

Bekannt ist, dass Vattenfall Kunden mit scheinbar günstigen Angeboten und PR-geschwurbelten Tarif-Namen, wie „Easy24 Strom“ oder „Strom Easy12“ in Stromliefer-Verträge lockt. Die laufen dann mal 24 Monate oder 12 Monate. Wer nicht rechtzeitig kündigt, sitzt in der Vattenfall-Abzockfalle.

Denn Vattenfall nötigt Kunden von Tarifen wie „Easy24 Strom“ oder „Strom Easy12“ gerne nach Ablauf der 24 oder 12 Monate Tariflaufbahnen weitere Jahres-Kündigungsfristen auf. Diese werden dann tückisch genutzt, um die Stromtarife der Verbraucher überdurchschnittlich zu erhöhen und Kunden schamlos in die Kostenfalle und Abzockfalle laufen zu lassen. Dabei trickst der Konzern übel:

Denn viele Kunden denken sich: Naja, wenn die 24 oder 12 Monate der „Easy24 Strom“ oder „Strom Easy12“ rum sind, kann ich monatlich kündigen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Vattenfall versteckt in den AGBs fiese Klauseln, die Kunden dann in weitere jahrlange Abhängigkeit bringen. Und das mit Tarifen, die gern deutlich teurer sind als die der Konkurrenz. So wird dann plötzlich ein scheinbar günstiger „Easy“-Tarif zu einem horrend teuren.

Viel schlechter geht kaum: Fast 90 Prozent der Vattenfall-Kunden die auf Trustpilot bewerten, stellen dem Konzern ein katastrophales Zeugnis aus.at.trustpilot.com/review/www.vattenfall.de?page=9

Akademiker fühlt sich von Vattenfall abgezockt

Ein Kunde, ein Akademiker, schildert Netz-trends.de: „Ich vermiete in Leipzig eine Wohnung und habe vor Jahren für die Mieter einen Vattenfall-Stromtarif ausgesucht und hatte dem Vattenfall-Gequatsche von Easy24 Strom geglaubt, dass alles super günstig und easy sei. Vor allem dachte ich, dass ich dann nach 24 Monaten Laufzeit monatlich kündigen kann. Denn warum sonst binde ich mich freiwillig zwei Jahre an einen Konzern?“

Doch das Gegenteil sei eingetroffen. Nach einer „saftigen Preiserhöhung“ auf Grund des gestiegenen Verbrauchs seiner Mieter habe er im November 2020 umgehend gekündigt, da der den Vattenfall-Tarif auch im Vergleich zu anderen Anbietern „für komplett überteuert“ halte. Geärgert habe ihn auch, dass Vattenfall gerne mit allgemeinen Kilowattpreisen hantiere, statt transparent umgehend mit dem absoluten effektiv zu zahlenden Jahres-Endpreis.

Doch die Kündigung habe Vattenfall erst zum Oktober 2021 akzeptiert. „Ein dubioses übles Geschäftsgebaren aus meiner Sicht“, sagt der Vattenfall-Kunde. Grund: „Jeder denkt natürlich, dass ein 24-Monatstarif bei Ablauf dann monatlich gekündigt werden kann“.

Jetzt sitzt der Vermieter in der Kostenfalle: Bisher zahlte er für rund 1700 Kilowattstunden für eine 60-Quadratmeterwohnung in Leipzig schon saftige 49 Euro bei Vattenfall. Da die Mieter aber mehr Strom verbrauchten, rund 2700 Kilowattstunden, teilte Vattenfall mit: Man passe den Tarif an und fordere zudem eine Nachzahlung über rund 300 Euro.

22 Prozent teurer als Konkurrenzangebote

Der Vermieter rechnete aus, was künftig fällig werden würde bei Vattenfall und erstarrte: Im Vergleich zu strichprobenartig auf https://strom.preisvergleich.de herausgesuchten Stromanbietern stellt er fest: Vattenfall war für ihn selbst bei Tarifen ohne BONI in den von ihm getesteten Energietarifen im Schnitt um saftige 22% teurer.

Für ihn bedeutete dies eine effektive Strom-Jahresrechnung für eine 60-Quadratmeterwohnung von rund 888 Euro! Das ist mehr, als er brutto mit einer Wohnungsmiete monatlich überhaupt einnimmt (810 Euro). Energieanbieter-Konkurrenten von Vattenfall, so der Vermieter, böten 2700 Kilowattstunden selbst ohne BONI bereits ab circa 720 Euro jährlich an – also krasse 168 Euro günstiger. Und das bei einer teils monatlichen Kündbarkeit des Stromtarifes. Dies habe seine Recherche auf Strompreisvergleichs-Portalen ergeben.

Netz-trends.de konfrontierte mit diesen Rechnungen die Vattenfall-Pressestelle und zwar Stefan Müller, seines Jobtitels „Director Media Relations & Editorial Germany“. Müller antwortete jedoch überhaupt nicht und surfte die Presseanfrage bequem an den Vertrieb ab. Wobei man sich dann fragt: Wozu gibt es den Mann dann bei Vattenfall? Obendrein kam eine ellenlange nichtssagende Mail vom Vertrieb an den Zwangs-Kunden, statt an Netz-trends.de.

Pressestelle surfte Presseanfrage bequem an Vertrieb ab

Darin ergießt sich der Strom-Abzockkonzern ellenlang in Marketing-Vertriebssätzen. Unsere Frage, ob der Stromkonzern den Kunden früher aus dem Vertrag entlassen könne, schmetterte der Großkonzern mit seiner Tochter „Vattenfall Europe Sales GmbH“ kaltschnäuzig ab:

„Sehr geehrter Herr xyz,

die E-Mail an Herrn Müller von der Redaktion der Netz-trends.de haben wir zur weiteren Bearbeitung erhalten. Mit Bedauern haben wir Ihre Verärgerung über die Preisentwicklung sowie den Tarif zur Kenntnis genommen. Gern erläutern wir Ihnen den Sachverhalt.

Sie hatten sich bei Vertragsabschluss für den Tarif Easy24 Strom entschieden. Der Vertrag hat eine Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten. Mit Auftragserteilung stimmte Sie den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu. Sie kündigten Ihren Vertag am 4. November 2020. Ihre Kündigung ist zu spät erfolgt, da der Vertrag sich zu diesem Zeitpunkt bereits nach unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen um 12 Monate, bis zum 10. Oktober 2021, verlängert hatte. Eine früheren Kündigung können wir aus diesem Grund nicht zustimmen.

Im Wettbewerb des Energiemarktes überprüfen wir regelmäßig unser Tarifangebot. Die Marktsituation ist bereits seit längerem von Kostensteigerungen geprägt. Deshalb müssen wir das Tarifangebot so effizient wie möglich gestalten. Nur so können wir unseren Kunden dauerhaft Strom und Gas zu günstigen Preisen liefern.

Der Verbrauchspreis für Ihren Tarif Easy24 Strom beträgt derzeit inklusive Steuern 26,00 Cent/kWh und der monatliche Grundpreis 12,09 Euro. Die gesenkte Umsatzsteuer ist bei diesen Preisen bereits berücksichtigt. Über beabsichtigte Preisänderungen informieren wir Sie immer bis spätestens sechs Wochen vor Wirksamwerden der neuen Preise.

Bereits zum 1. Januar 2019 haben sich verschiedene staatlich veranlasste Umlagen verändert. Die Konzessionsabgabe, die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien Gesetz (EEG-Umlage), die § 19-StromNEV-Umlage, die Umlage für abschaltbare Lasten sowie die KWKG-Umlage sind gesunken. Die Offshore-Netzumlage hingegen ist gestiegen. Insgesamt hat sich daraus eine Kostensenkung ergeben, die wir in Ihrem Strompreis natürlich berücksichtigt haben.

Zusätzlich haben viele Netzbetreiber zum 1. Januar 2019 die Entgelte für die Netznutzung angepasst. Diese Kosten machen einen wesentlichen Bestandteil des Strompreises aus, werden jedoch nicht von Vattenfall festgelegt. Darüber hinaus haben sich die Beschaffungspreise für Strom erhöht. Insgesamt ergab sich dadurch eine Kostensteigerung für uns.

Aus diesem Anlass veränderten sich bereits ab 1. April 2019 die Preise für Ihren Tarif. Mit unserem Schreiben vom 11. Februar 2019 informierten wir Sie darüber. Daraufhin hatten Sie das Recht Ihren Vertrag zum Wirksam werden der geänderten Preise ohne Einhaltung einer Frist zu kündigen. Eine Kündigung erhielten wir nicht von Ihnen…. Vielen Dank, dass Sie die Vattenfall Europe Sales GmbH als Ihren Energiedienstleister gewählt haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute und freuen uns, wenn Sie sich in Zukunft wieder für uns als kompetenten und zuverlässigen Partner in Sachen Strom entscheiden.“

Die Schlichtungsstelle Energie - zahnlos?

Natürlich vergisst das Vertriebs-Team von Vattenfall nicht darauf hinzuweisen, „wenn Ihr Anliegen nicht zu Ihrer Zufriedenheit von uns gelöst werden konnte“ könne man sich gerne an die „Schlichtungsstelle Energie e. V.“ in Berlin wenden, schreibt „Anja Hofer, Abteilungsleiterin Kundenservice, Vattenfall Europe Sales GmbH“. Was der Kunde mit den Worten quittiert: „Da wird Vattenfall mit der ‚Schlichtungsstelle Energie‘ sicherlich ein eingespieltes Team sein, wo dann auf das versteckt Kleingedruckte in den AGBs verwiesen wird“. Die Mühe wolle er sich deshalb ersparen.

Die Vattenfall Europe Sales GmbH sitzt am Überseering 12, 22297 Hamburg. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Martijn Hagens. Geschäftsführer sind Rainer Wittenberg und Fabian Hagmann.

Der unfreiwillige weitere 12 Monate Vattenfall-Kunde, ein ehemaliger Redakteur von „Werben & Verkaufen“, der auch für die Süddeutsche Zeitung oder den Spiegel schrieb, kommentiert den Vorgang mit den Worten:

„Ich fühle mich abgezockt und halte das Vattenfall-Geschwafel von Easy 12 Monats-Tarifen oder Easy 24-Monatstarifen für irreführend, da man davon ausgeht, danach könne man monatlich kündigen, was in meinem Fall zu meiner absoluten Überraschung aber nicht der Fall war. Diese ewigen peinlichen Verweise von solchen Abzock-Konzernen wie Vattenfall auf das Kleingedruckte in irgendwelchen AGBs hätten längst gesetzlich verboten gehört. Man müsste durchsetzen, dass Stromkonzerne die Kunden per Briefform ausdrücklich im ersten Absatz in Schriftgröße 12 mitteilen müssen, zu wann sie jeweils kündigen können – und zwar mindestens sechs Wochen vor Fristende und bei 24 Monaten Laufzeit natürlich jährlich“.

Der ganze Vorgang zeige einmal mehr „dass ohne klare deutliche gesetzliche Zwangsvorgaben Kunden abgezockt werden“. Die EU müsse hier dringend mehr Verbraucherschutz bieten.

Katastrophale Bewertungen von Verbrauchern zu Vattenfall auf Trustpilot

Auf dem Bewertungsportal „Trustpilot“ schneidet Vattenfall Europe wenig überraschend hundsmiserabel ab. Laut Google gaben von 370 Bewertungen eine überwältigende Mehrheit die Noten „mangelhaft“ oder „unbefriedigend“ ab. So erreicht der Konzern aus Schweden mit seiner Tochter „Vattenfall Europe Sales GmbH“ gerade einmal 1,5 von 5 zu vergebenden Sternen.

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