Das Wichtigste in Kürze
- Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 in Berlin alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der für die Geldpolitik maßgebliche Einlagesatz steigt damit auf 2,50 Prozent – gültig ab dem 16. September 2026.
- Der deutsche Vermittler Interhyp meldete am selben Nachmittag Bauzinsen von rund 4,2 Prozent für zehnjährige Darlehen. Sowohl Interhyp als auch der Verband der Privaten Bausparkassen betonen, dass Bauzinsen dem Leitzins nicht eins zu eins folgen.
- Die EZB erwartet für 2026 eine Inflation von 3,0 Prozent im Euroraum und begründet den Schritt mit dem Preisdruck aus dem Nahost-Konflikt. In der Schweiz gilt der Beschluss nicht – sie gehört nicht zum Euroraum.
Der Rat der Europäischen Zentralbank hat am Donnerstagnachmittag die Leitzinsen im Euroraum erneut angehoben. Nach dem Beschluss vom 10. September 2026 steigen alle drei Sätze um 25 Basispunkte. Der Einlagesatz, an dem sich die Geldpolitik ausrichtet, liegt danach bei 2,50 Prozent. Wirksam werden die neuen Sätze nicht sofort, sondern erst mit dem 16. September 2026.
Getagt hat der Rat diesmal nicht in Frankfurt am Main, sondern in Berlin. Es ist die zweite Anhebung, die in diesem Jahr in Kraft tritt: Bereits zum 17. Juni 2026 war der Einlagesatz von 2,00 auf 2,25 Prozent gestiegen, wie aus der Zinstabelle der EZB hervorgeht.
Drei Sätze, ein Stichtag
Die EZB steuert nicht einen Zins, sondern drei. Der Einlagesatz bestimmt, was Geschäftsbanken für Guthaben bei der Notenbank bekommen; die beiden anderen Sätze regeln, zu welchen Konditionen sie sich Geld leihen.
| Leitzins | seit 17. Juni 2026 | ab 16. Sept. 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Einlagefazilität | 2,25 % | 2,50 % | +0,25 Pp. |
| Hauptrefinanzierungsgeschäfte | 2,40 % | 2,65 % | +0,25 Pp. |
| Spitzenrefinanzierungsfazilität | 2,65 % | 2,90 % | +0,25 Pp. |

Damit steht der Einlagesatz wieder dort, wo er zuletzt im Frühjahr 2025 lag. Zwischen Februar und Juni 2025 war er nach derselben Tabelle in mehreren Schritten von 2,75 auf 2,00 Prozent gefallen; seit Juni 2026 geht es wieder aufwärts.
Die Begründung: Energie und der Nahost-Konflikt
Die EZB verweist in ihrer geldpolitischen Erklärung vom 10. September 2026 auf den Konflikt im Nahen Osten, der weiter Preisdruck erzeuge; die Inflation werde für längere Zeit deutlich über dem Zielwert bleiben. Die Energiepreise lagen im August nach denselben Angaben um 14,3 Prozent über dem Vorjahresmonat – ein Wert, der sich mit den Eurostat-Zahlen für den Euroraum deckt.
Die hauseigenen Projektionen sehen die Teuerung im Euroraum 2026 bei 3,0 Prozent, 2027 bei 2,5 Prozent und 2028 bei 2,1 Prozent. Für die Wirtschaftsleistung nennt die EZB 0,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr, 1,4 Prozent im kommenden und 1,5 Prozent für 2028. Auf einen weiteren Zinspfad legt sich der Rat ausdrücklich nicht fest: Entschieden werde von Sitzung zu Sitzung und auf Grundlage der jeweils vorliegenden Daten.
Bauzinsen bei 4,2 Prozent – als Treiber gilt der Anleihemarkt
Für Haushalte in Deutschland, die eine Immobilie finanzieren wollen, ist der Leitzins nach Darstellung der Anbieter nicht die maßgebliche Größe. Der Münchner Vermittler Interhyp meldete am 10. September 2026 um 14:33 Uhr und damit kurz nach dem EZB-Beschluss Bauzinsen von rund 4,2 Prozent für zehnjährige Darlehen. Nach Darstellung des Unternehmens treiben vor allem höhere Renditen für Staatsanleihen die Baufinanzierungszinsen; Vorstandschef Jörg Utecht rät Kaufinteressierten, sich weniger an einzelnen EZB-Schritten zu orientieren als an der Entwicklung am Anleihemarkt.
Denselben Zusammenhang beschreibt der Verband der Privaten Bausparkassen: Bauzinsen folgten dem EZB-Leitzins nicht eins zu eins. Beide Angaben stammen von Häusern, die selbst Baufinanzierungen vermitteln beziehungsweise anbieten. Überprüfbar ist an ihnen zunächst nur, dass die genannten Zinssätze so veröffentlicht wurden – nicht, wie sie sich weiterentwickeln.
Wie viel ein Viertelprozentpunkt im Alltag ausmacht, lässt sich unabhängig davon ausrechnen.
Rechenbeispiel der Redaktion
Ein Annuitätendarlehen über 400.000 Euro mit 2,0 Prozent anfänglicher Tilgung, wie es bei einem Immobilienkauf in Deutschland häufig vorkommt:
- bei 4,00 Prozent Sollzins: 2.000,00 Euro Monatsrate
- bei 4,20 Prozent Sollzins: 2.066,67 Euro Monatsrate
- bei 4,50 Prozent Sollzins: 2.166,67 Euro Monatsrate
Ein Viertelprozentpunkt mehr Zins entspricht bei dieser Summe rund 83 Euro mehr im Monat und rund 1.000 Euro im Jahr. Es handelt sich um eine Modellrechnung von NETZ-TRENDS mit frei gewählten Annahmen, nicht um ein Angebot und nicht um eine Prognose. Nebenkosten, Bonität, Beleihungsauslauf und Zinsbindung bleiben unberücksichtigt.
Wichtig für bestehende Verträge: Bei einer vereinbarten Zinsbindung bleibt der Sollzins bis zum Ende der Bindung unverändert. Der Beschluss der EZB wirkt sich auf neu abgeschlossene Finanzierungen und auf variabel verzinste Verträge aus – und, in die andere Richtung, auf die Konditionen für Guthaben.
Was die Mitteilungen des Tages offenlassen
Aus dem deutschen Bankgewerbe kam am Nachmittag Zustimmung. Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, erklärte: „Die EZB sendet mit ihrem Zinsschritt ein klares Signal zur Sicherung der Preisstabilität im Euroraum.“ Wer früh handle, könne „spätere und deutlich stärkere Eingriffe vermeiden und damit die wirtschaftliche Entwicklung schonen“, so Kolak.
Der Verband der Privaten Bausparkassen wirbt in seiner Reaktion für den festen Darlehenszins des Bausparvertrags. Sein Hauptgeschäftsführer Christian König wird mit dem Satz zitiert: „Gerade in einem bewegten Zinsumfeld wird Planungssicherheit immer wichtiger.“ Der Verband verweist zugleich auf eine eigene Erhebung: 38,8 Prozent der Befragten nannten im Juni 2026 Wohneigentum als Sparziel, ein Jahr zuvor waren es 33,0 Prozent. Befragt wurden nach Verbandsangaben 2.006 Personen in Deutschland durch das Institut Kantar.
Drei Fragen, die an diesem Tag unbeantwortet blieben
- Was der Schritt Haushalte kostet. Keine der am Nachmittag veröffentlichten Stellungnahmen beziffert, wie sich die Anhebung auf eine konkrete Monatsrate oder auf Dispozinsen auswirkt. Genannt werden Signale, Planungssicherheit und Vergleichsmöglichkeiten.
- Was bei Guthaben ankommt. Ob und wann Institute den höheren Einlagesatz an Tages- und Festgeld weitergeben, sagt keine der Mitteilungen. Eine Zusage dazu enthält ebenfalls keine.
- Wer spricht. Die drei zitierten Stellen – ein Bankenverband, ein Verband der Bausparkassen und ein Kreditvermittler – äußern sich zu einem Markt, auf dem sie selbst tätig sind. Eine Stellungnahme von Verbraucherseite lag bis zum Abend nicht vor; eine Anfrage war in der Kürze der Zeit nicht möglich.
Österreich: Die Frage ist, wer den Kredit noch bekommt
In Österreich rückte am selben Nachmittag ein anderer Punkt in den Vordergrund. Der Kreditvermittler Infina erklärte in einer Aussendung vom 10. September 2026, bei Wohnkrediten gehe es zunehmend um die Leistbarkeit. Banken legten dabei unterschiedliche Maßstäbe an – bei Eigenmitteln, Verschuldungsgrad und internen Kalkulationszinssätzen. Der designierte Geschäftsführer Pablo Viveros sagte: „Nicht jede Bank rechnet gleich. Gerade in einem höheren Zinsumfeld lohnt sich daher ein breiter Vergleich.“
Für die Schweiz hat der Beschluss keine unmittelbare Wirkung: Sie gehört nicht zum Euroraum; ihre Geldpolitik bestimmt die Schweizerische Nationalbank eigenständig.
Die nächsten belegten Termine
Die neuen Sätze gelten ab dem 16. September 2026. Eine Festlegung auf weitere Schritte hat der EZB-Rat nach eigener Darstellung nicht getroffen. Das Interhyp-Bankenpanel, eine Umfrage des Vermittlers unter Kreditinstituten, teilt sich für die kommenden ein bis zwei Monate zur Hälfte in Erwartungen steigender und zur Hälfte in Erwartungen seitwärts laufender Bauzinsen; auf Sicht bis zum Jahresende verteilen sich die Antworten zu je einem Drittel auf steigende, gleichbleibende und fallende Zinsen. Eine Prognose ist das nicht, sondern ein Stimmungsbild unter Marktteilnehmern.
Ob die höheren Sätze bei Sparguthaben ankommen, wird sich an den Konditionslisten der Institute ablesen lassen – nicht an den Mitteilungen des heutigen Tages.
Haben Sie in den vergangenen Monaten eine Finanzierung abgeschlossen oder verschoben – und was hat den Ausschlag gegeben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Europäische Zentralbank: Monetary policy decisions, Beschluss vom 10. September 2026
- Europäische Zentralbank: Monetary policy statement, Erklärung vom 10. September 2026
- Europäische Zentralbank: Key ECB interest rates, Abruf am 10. September 2026
- Interhyp AG: Interhyp Zins-Update September: Bauzinsen über vier Prozent, Mitteilung vom 10. September 2026, 14:33 Uhr
- Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken: Kolak: EZB setzt mit Zinsentscheidung klares Signal für Preisstabilität, Mitteilung vom 10. September 2026, 14:45 Uhr
- Verband der Privaten Bausparkassen: EZB-Zinsentscheidung: Bausparen schafft Planungssicherheit für Immobilienkäufer, Mitteilung vom 10. September 2026, 14:48 Uhr
- INFINA Credit Broker GmbH: Infina zu EZB-Zinsentscheid: Leistbarkeit von Wohnkrediten rückt stärker in den Fokus, Aussendung vom 10. September 2026, 14:23 Uhr
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