Zwölf Turbinen für US-Kunden hat Doosan nach eigenen Angaben unter Vertrag – Deutschland schreibt 11.000 Megawatt Kraftwerksleistung aus

Das Wichtigste in Kürze

  • Der südkoreanische Konzern Doosan Enerbility hat am 6. Oktober 2026 im Werk Changwon die Verschiffung seiner ersten Gasturbine in die USA bekanntgegeben – eine Maschine der 380-Megawatt-Klasse für die KI-Sparte SpaceXAI des US-Unternehmens SpaceX.
  • Nach Unternehmensangaben hat Doosan insgesamt zwölf Gasturbinen an US-Kunden verkauft. Kaufpreis und Standort des Rechenzentrums nannte der Konzern nicht.
  • Der deutsche Hersteller Siemens Energy wies zum 30. Juni 2026 einen Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro aus und nennt Großaufträge für Rechenzentren in den USA als Treiber. In Deutschland sollen bis Mai 2027 rund 11.000 Megawatt neuer Kraftwerksleistung ausgeschrieben werden.

Der südkoreanische Energietechnik-Konzern Doosan Enerbility hat nach eigenen Angaben am 6. Oktober 2026 erstmals eine große Gasturbine in die Vereinigten Staaten verschifft. Abnehmer ist SpaceXAI, die Sparte für künstliche Intelligenz des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk. Die Maschine vom Typ DGT6-300H gehört nach Darstellung des Herstellers zur 380-Megawatt-Klasse und ist für ein Rechenzentrumsprojekt bestimmt. Gefertigt wurde sie im Stammwerk in Changwon in der südkoreanischen Provinz Gyeongsangnam-do; dort fand nach Angaben des südkoreanischen Wirtschaftsmediums Businesskorea auch eine Verladefeier mit rund 70 Beschäftigten des Konzerns und Vertretern von SpaceXAI statt.

Die Nachricht ist aus zwei Gründen mehr als eine Firmenmeldung. Zum einen zeigt sie, dass der Strombedarf großer KI-Rechenzentren inzwischen eigene Kraftwerke nach sich zieht, statt aus dem vorhandenen Netz gedeckt zu werden. Zum anderen tritt mit Südkorea ein weiterer Anbieter in einen Markt ein, den bislang eine Handvoll Konzerne unter sich aufteilt – darunter das deutsche Unternehmen Siemens Energy.

Eine Turbine so groß wie ein Mittelkraftwerk

380 Megawatt sind keine Nebengröße. Zum Vergleich: Die gesamte in Deutschland installierte Rechenzentrumsleistung lag nach Erhebungen des Branchenverbands Bitkom im Jahr 2025 bei 2.980 Megawatt, davon 530 Megawatt in Rechenzentren mit KI-Schwerpunkt. Eine einzige Maschine der nun gelieferten Klasse deckt damit rechnerisch mehr als zwei Drittel dessen ab, was sämtliche deutschen KI-Rechenzentren an Anschlussleistung aufweisen.

Der Vergleich hat eine Einschränkung, die dazugehört: Erzeugungsleistung eines Kraftwerks und Anschlussleistung eines Rechenzentrums sind nicht dieselbe Größe, weil Kraftwerke nicht rund um die Uhr unter Volllast laufen und Rechenzentren ihre Anschlussleistung selten vollständig ausreizen. Die Größenordnung bleibt davon unberührt.

Vorhaben Leistung Stand / Termin
Gasturbine DGT6-300H für SpaceXAI (eine Einheit) 380 MW verschifft am 6. Oktober 2026
Rechenzentren in Deutschland insgesamt (Anschlussleistung) 2.980 MW Jahr 2025
davon Rechenzentren mit KI-Schwerpunkt 530 MW Jahr 2025
Erste deutsche Kraftwerksausschreibung nach dem StromVKG 4.500 MW Gebotstermin 8. September 2026
Deutsche Kraftwerksausschreibungen insgesamt 11.000 MW bis Mai 2027 geplant
Quellen: Doosan Enerbility (Unternehmensangaben vom 6. Oktober 2026), Bitkom-Studie zu Rechenzentren in Deutschland (Stand November 2025), Bundestag und Bundesnetzagentur zum Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom (StromVKG). Erzeugungsleistung und Anschlussleistung sind unterschiedliche Größen und nur der Größenordnung nach vergleichbar.

Südkorea beherrscht die Technik seit 2019

Große Gasturbinen zählen zu den anspruchsvollsten Erzeugnissen des Maschinenbaus, und nur wenige Konzerne fertigen sie. Doosan Enerbility hat die Technik nach Unternehmensangaben im Jahr 2019 im eigenen Land verfügbar gemacht und bezeichnet sich seither als fünftes Unternehmen weltweit, das sie beherrscht. Diese Einordnung stammt vom Hersteller selbst; eine unabhängige Bestätigung liegt der Redaktion nicht vor.

Son Seung-woo, Leiter des Geschäftsbereichs Power Services, erklärte nach Angaben von Businesskorea, mit dem Eintritt in die Lieferkette eines weltweit führenden KI-Unternehmens habe der Konzern die technische Leistungsfähigkeit südkoreanischer Gasturbinen belegt. Das Unternehmen kündigte an, das Geschäft im nordamerikanischen Markt für große Gasturbinen ausbauen zu wollen. Nach Darstellung des südkoreanischen Wirtschaftsblatts Seoul Economic Daily hat Doosan Verträge über insgesamt zwölf Gasturbinen mit US-Kunden geschlossen, von denen rund fünf auf SpaceXAI entfallen sollen.

Was offen bleibt

Doosan Enerbility hat weder den Auftragswert noch den Standort des Rechenzentrums genannt, für das die Turbine bestimmt ist. Auch wann die Maschine in Betrieb gehen soll, teilte der Konzern nicht mit. Eine Stellungnahme von SpaceXAI lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor.

Was das für Deutschland bedeutet

Der deutsche Bezug liegt bei den Herstellern und bei der eigenen Kraftwerksplanung. Siemens Energy mit Sitz in München gehört zu den wenigen Konzernen, die große Gasturbinen bauen – das Gasturbinenwerk in Berlin ist einer der zentralen Standorte. In seiner Ergebnisveröffentlichung zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vom 5. August 2026 weist das Unternehmen einen Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro zum 30. Juni 2026 aus; auf den Bereich Gas Services entfallen davon 73 Milliarden Euro. Als Grund für den Auftragseingang nennt die Mitteilung ausdrücklich Großaufträge im Zusammenhang mit Rechenzentren in den USA.

Zugleich plant die deutsche Bundesregierung den Zubau eigener Gaskraftwerke. Der Bundestag beschloss dafür am 9. Juli 2026 das Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit Strom und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten, kurz StromVKG. Nach der parlamentarischen Unterrichtung zum Gesetzentwurf sind zunächst 9.000 Megawatt in zwei Ausschreibungsrunden vorgesehen, weitere 2.000 Megawatt sollen im Mai 2027 folgen. Die Anlagen müssen wasserstofffähig sein und ab 2045 klimaneutral betrieben werden; gesicherte Leistung erwartet der Gesetzgeber ab etwa 2031.

Die erste Runde ist bereits gelaufen: Zum Gebotstermin am 8. September 2026 schrieb die Bundesnetzagentur 4.500 Megawatt aus. Sie war einem Bericht des Branchendiensts IWR zufolge deutlich überzeichnet; Einzelheiten zu Zahl und Technologie der Gebote hat die Bundesnetzagentur bislang nicht veröffentlicht. Die Zuschläge sollen spätestens am 3. November 2026 feststehen.

Damit greifen zwei Entwicklungen auf dieselbe Fertigungskapazität zu, die weltweit nur wenige Hersteller bereitstellen: der Kraftwerksbedarf für KI-Rechenzentren in den USA und der politisch beschlossene Zubau in Deutschland. Wie sich die verfügbare Turbinenproduktion auf beide verteilt, ist öffentlich nicht dokumentiert; Zahlen dazu veröffentlichen weder die deutsche Bundesnetzagentur noch die Hersteller. Belegt ist bislang nur, dass die Auftragsbücher voll sind und mit Doosan Enerbility ein zusätzlicher Anbieter in den US-Markt drängt.

Der Strombedarf wird zum Standortfaktor

Dass ein KI-Unternehmen Gasturbinen direkt bestellt, statt Strom einzukaufen, ist der eigentliche Vorgang hinter der Meldung aus Changwon. Für Deutschland ist das weniger exotisch, als es klingt: Nach den Bitkom-Zahlen soll die Leistung der Rechenzentren hierzulande bis 2030 auf über 5.000 Megawatt steigen, die der KI-Rechenzentren auf 2.020 Megawatt – eine Vervierfachung gegenüber 2025. Der Stromverbrauch deutscher Rechenzentren lag 2025 nach derselben Erhebung bei 21,3 Milliarden Kilowattstunden.

Wo dieser Strom herkommt, ist in Deutschland bislang eine Frage an das Netz und an die Versorgungssicherheit insgesamt, nicht an die Betreiber der Rechenzentren. Dass internationale Betreiber inzwischen eigene Erzeugung einkaufen, verändert auch die Nachfrage nach der Infrastruktur drumherum – ein Markt, in dem zuletzt der französische Konzern Schneider Electric 22,6 Milliarden Dollar für den Softwarehersteller PTC bezahlt hat.

Wie beurteilen Sie diese Entwicklung – sollten Rechenzentren ihre Stromversorgung selbst mitbauen müssen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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