Das Wichtigste in Kürze
- Das Statistische Bundesamt hat am Montag, 28. September 2026, neue Zahlen aus dem Mikrozensus veröffentlicht: 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland hatten 2025 eine Einwanderungsgeschichte.
- In mehreren Berufen, die die Bundesagentur für Arbeit als Engpassberufe führt, liegt der Anteil über der Hälfte – 56 Prozent in Küchenberufen, 55 Prozent in der Lebensmittelherstellung, 51 Prozent in der Fleischverarbeitung.
- In mehreren Berufsgruppen des deutschen Staatsdienstes ist der Anteil einstellig: 8 Prozent im Polizeivollzugsdienst, je 9 Prozent in der öffentlichen Verwaltung und der Justizverwaltung. Einen Grund dafür nennt die Mitteilung nicht.
Wer in Deutschland auswärts isst, in den Bus steigt oder ein Gerüst an der eigenen Fassade sieht, trifft dort statistisch häufiger auf Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte als im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft. Das ist keine Vermutung, sondern das Ergebnis der Erstauswertung des Mikrozensus 2025, die das Statistische Bundesamt am Montagmorgen in der Pressemitteilung Nr. N066 veröffentlicht hat.
Die Behörde in Wiesbaden zählt als Personen mit Einwanderungsgeschichte alle, die seit 1950 selbst nach Deutschland eingewandert sind oder deren beide Elternteile seither zugewandert sind. Über die gesamte Wirtschaft gerechnet traf das 2025 auf 27 Prozent der abhängig Beschäftigten zu. In einzelnen Berufsgruppen liegt der Wert bei mehr als dem Doppelten – und in anderen bei weniger als einem Drittel davon.
In fünf Berufsgruppen hat die Mehrheit der Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte
Den höchsten Wert weist die Statistik für Küchenberufe aus: 56 Prozent. Es folgen die Lebensmittelherstellung mit 55 Prozent, die Bodenverlegung mit 54 Prozent sowie Gerüstbau und Fleischverarbeitung mit je 51 Prozent. Alle diese Berufsgruppen gelten laut der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit als Mangelberufe, in denen ein Fachkräftemangel herrscht oder droht – so definiert es das Statistische Bundesamt in seiner Mitteilung ausdrücklich.
| Berufsgruppe | Anteil 2025 | Engpassberuf laut BA |
|---|---|---|
| Köchinnen und Köche | 56 % | ja |
| Lebensmittelherstellung | 55 % | ja |
| Bodenverlegung | 54 % | ja |
| Gerüstbau | 51 % | ja |
| Fleischverarbeitung | 51 % | ja |
| Bus- und Straßenbahnfahrt | 47 % | ja |
| Service in der Gastronomie | 47 % | ja |
| Kunststoff- und Kautschukherstellung | 44 % | ja |
| Güterkraftverkehr | 41 % | ja |
| Hotelservice | 40 % | ja |
| Pflegeberufe | 33 % | ja |
| Gesamtwirtschaft (Vergleichswert) | 27 % | – |
| Landwirtschaft | 15 % | ja |
| Lehrkräfte Primarstufe | 10 % | nein |
| Öffentliche Verwaltung | 9 % | nein |
| Polizeivollzugsdienst | 8 % | nein |
| Rettungsdienst | 7 % | ja |
Weitere Mangelberufe liegen ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt: die Kunststoff- und Kautschukherstellung mit 44 Prozent, der Güterkraftverkehr mit 41 Prozent, der Hotelservice mit 40 Prozent, die Pflegeberufe mit 33 Prozent, zahnmedizinische Fachangestellte mit 32 Prozent und die Bauelektrik mit 29 Prozent. Der Wert für die Pflegeberufe fällt dabei in eine laufende deutsche Debatte über die Finanzierung dieses Bereichs – etwa in den Streit um einen Pflegedeckel von 1.500 Euro.
Der niedrigste Wert steht bei einem Beruf, der selbst als Mangelberuf gilt
Am unteren Ende der Engpassberufe steht der Rettungsdienst mit 7 Prozent, gefolgt vom Verkauf von Fleischwaren mit 13 Prozent und der Landwirtschaft mit 15 Prozent. Der Rettungsdienst ist damit der einzige in der Mitteilung genannte Engpassberuf, dessen Wert unter 10 Prozent liegt: ein Beruf, in dem laut Bundesagentur für Arbeit Personal fehlt, in dem aber nur 7 von 100 Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte haben – bei einem gesamtwirtschaftlichen Wert von gut einem Viertel.
Noch niedriger liegen die Werte in Berufen, die die Bundesagentur ausdrücklich nicht als Engpassberufe führt und die überwiegend im deutschen öffentlichen Dienst angesiedelt sind: Polizeivollzugsdienst 8 Prozent, öffentliche Verwaltung und Justizverwaltung je 9 Prozent, Lehrkräfte für berufsbildende Fächer 9 Prozent, Lehrkräfte in der Primarstufe 10 Prozent. In diesen Berufsgruppen liegt der Anteil damit bei rund einem Drittel des gesamtwirtschaftlichen Werts.

Eine Erklärung für dieses Gefälle liefert die Mitteilung nicht. Sie stellt die Werte nebeneinander und ordnet sie nicht ein. Damit bleibt die naheliegendste Frage offen, die sich aus den eigenen Zahlen ergibt: Warum ist der Anteil in Berufen, in denen der deutsche Staat selbst der Arbeitgeber ist, so viel niedriger als in der übrigen Wirtschaft?
Die Erwerbstätigenquote reicht von 28 bis 89 Prozent
Deutlicher wird das Amt beim zweiten Teil der Auswertung. Dort geht es um die Frage, wie schnell Eingewanderte überhaupt Arbeit finden – ausgewertet für Erwerbstätige im Alter von 25 bis 59 Jahren, getrennt nach Herkunftsregion, Aufenthaltsdauer und Geschlecht.
Bei einer Aufenthaltsdauer von weniger als fünf Jahren waren aus der Europäischen Union eingewanderte Männer zu 89 Prozent erwerbstätig, Frauen zu 73 Prozent. Aus Afrika eingewanderte Männer kamen auf 79 Prozent, Frauen auf 47 Prozent. Bei Eingewanderten aus dem Nahen und Mittleren Osten lagen die Werte bei 57 Prozent für Männer und 28 Prozent für Frauen. Zum Vergleich nennt die Behörde die Quote aller 25- bis 59-Jährigen in Deutschland – mit oder ohne Einwanderungsgeschichte: 88 Prozent bei Männern, 81 Prozent bei Frauen.
Bei längerem Aufenthalt nähern sich die Werte an. Wer 20 bis 25 Jahre in Deutschland lebte, erreichte laut Statistischem Bundesamt bei den aus Afrika eingewanderten Männern 82 Prozent und bei den Frauen 68 Prozent; bei Eingewanderten aus dem Nahen und Mittleren Osten waren es 87 Prozent bei Männern und 79 Prozent bei Frauen. Für die schnelle Integration von EU-Eingewanderten nennt die Behörde zwei Gründe: die Arbeitnehmerfreizügigkeit und eine oftmals schnellere Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Für den Abstand zwischen Männern und Frauen führt sie eine Vermutung an – ein Grund dürfte sein, dass Frauen häufiger als Familienangehörige mitziehen und wegen familiärer Verpflichtungen dem Arbeitsmarkt länger nicht zur Verfügung stehen. Als Beleg ist dieser Satz ausdrücklich nicht formuliert.
Gegenüber 2023 ist der Anteil gestiegen – der Vergleich trägt aber nur als Größenordnung
Das Statistische Bundesamt hatte dieselbe Auswertung schon einmal vorgelegt, in der Pressemitteilung Nr. N008 vom 27. Februar 2025 für das Berichtsjahr 2023. Dort lag der gesamtwirtschaftliche Anteil bei 26 Prozent. Für einzelne Berufsgruppen, deren Bezeichnung in beiden Mitteilungen identisch ist, ergibt sich daraus folgendes Bild: Lebensmittelherstellung 51 statt heute 55 Prozent, Fleischverarbeitung 42 statt 51 Prozent, Güterkraftverkehr 37 statt 41 Prozent, Bus- und Straßenbahnfahrt 46 statt 47 Prozent, Service in der Gastronomie 45 statt 47 Prozent. Im Polizeivollzugsdienst waren es 6 statt heute 8 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung 9 Prozent wie heute, bei Lehrkräften der Primarstufe 9 statt 10 Prozent.
Einordnung: Warum die beiden Jahre keine saubere Zeitreihe ergeben
Die Mitteilung von Februar 2025 wies in ihren methodischen Hinweisen ausdrücklich darauf hin, dass die Werte für 2023 auf der Bevölkerungsfortschreibung des Zensus 2011 hochgerechnet waren und auf den Zensus 2022 umgestellte Ergebnisse erst später vorliegen würden. Die aktuelle Mitteilung nennt in ihren methodischen Hinweisen keine Hochrechnungsbasis. Hinzu kommt, dass beide Texte teils verschiedene Berufsgruppen herausgreifen: Der Spitzenwert von 2023 – 67 Prozent im Aus- und Trockenbau – kommt in der neuen Mitteilung gar nicht mehr vor, die heute genannten Küchen-, Bodenverlege- und Gerüstbauberufe fehlten damals. Der Vergleich beschreibt deshalb eine Richtung, keine exakte Differenz.
Was die Zahlen nicht belegen
Die Mitteilung trägt den Begriff „Mangelberufe“ im Titel und stützt sich dabei auf die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Deren jüngste Fassung fällt allerdings zurückhaltender aus, als die Überschrift vermuten lässt. Nach der Fachkräfteengpassanalyse 2025 gab es in Deutschland im vergangenen Jahr einen Fachkräftemangel in 157 Engpassberufen – nach 163 im Jahr davor und 183 im Jahr 2023. Und die Bundesagentur hält in derselben Darstellung fest: Derzeit gebe es keine Belege für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel, das verfügbare Arbeitskräfteangebot übersteige die Nachfrage in etlichen Berufen deutlich.
Drei Punkte bleiben nach der Veröffentlichung offen:
- Die Ursache des Gefälles. Warum der Anteil in Polizei, Verwaltung, Justizverwaltung und Schulen einstellig bleibt, während er in Küche, Bau und Verkehr über 50 Prozent liegt, beantwortet die Mitteilung nicht. Sie nennt weder Zugangsvoraussetzungen noch Anerkennungsverfahren noch Bewerbungszahlen.
- Der Status der Zahlen. Es handelt sich um Erstergebnisse des Mikrozensus für das Berichtsjahr 2025. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung auf Basis von Selbstauskünften; endgültige Ergebnisse können von den heute veröffentlichten abweichen.
- Die Abgrenzung. Die Werte beziehen sich auf abhängig Beschäftigte in privaten Hauptwohnsitzhaushalten ab 15 Jahren. Selbstständige sind darin nicht enthalten; die Werte beschreiben also die Belegschaften, nicht die Betriebsinhaber.
Belegt ist damit vor allem eines, und das ist für Deutschland eine handfeste Größe: In elf der genannten Engpassberufe hat zwischen einem Drittel und mehr als der Hälfte der abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte im Sinne der Abgrenzung des Amtes – sie selbst oder beide Elternteile sind seit 1950 nach Deutschland eingewandert. Wie schnell diese Menschen in Arbeit kommen, hängt laut derselben Auswertung stark davon ab, woher sie kommen und wie lange sie schon hier sind – die Spanne reicht nach kurzem Aufenthalt von 28 bis 89 Prozent. Welche Folgen ein Rückgang der Zuwanderung für die betroffenen Berufe hätte, geht aus den Daten nicht hervor; das Statistische Bundesamt bündelt weitere Auswertungen dazu auf seiner Sonderseite zum Thema Fachkräfte. Wie stark einzelne Gesundheitsberufe personell unter Druck stehen, zeigte zuletzt auch die Debatte um anonyme Videosprechstunden in Apotheken.
In welchem Beruf arbeiten Sie – und wie stark hängt Ihr Betrieb Ihrer Erfahrung nach an eingewanderten Beschäftigten? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. N066 vom 28. September 2026 – „Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte 2025 in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich stark vertreten“, Erstergebnisse des Mikrozensus 2025
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. N008 vom 27. Februar 2025 – dieselbe Auswertung für das Berichtsjahr 2023, einschließlich der methodischen Hinweise zur Hochrechnungsbasis
- Bundesagentur für Arbeit, Statistik: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Zahl der Engpassberufe und Einordnung zum allgemeinen Arbeitskräfteangebot
- Statistisches Bundesamt: Pressebereich mit den Nutzungshinweisen zu den dort bereitgestellten Pressefotos
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