Ab 2026 dürfen Schweizer Netzbetreiber dynamische Netztarife einführen. Beim Energiepreis bleibt für die meisten Haushalte die Grundversorgung Pflicht – echte Tarifwahl ist die Ausnahme.
Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland müssen Stromlieferanten seit 2025 dynamische Energietarife anbieten. In der Schweiz gibt es diese Pflicht für Energielieferanten nicht.
- Ab 2026 dürfen Schweizer Netzbetreiber laut Eidgenössischer Elektrizitätskommission (ElCom) dynamische Netztarife einführen – müssen dann aber mindestens eine Option ohne dynamische Komponente anbieten.
- Haushalte mit einem Verbrauch unter 100’000 kWh pro Jahr sind an die Grundversorgung ihres lokalen Anbieters gebunden; einen Lieferanten frei wählen können sie nicht.
Ein «dynamischer Stromtarif» bedeutet in der Schweiz etwas anderes als in Deutschland. Während deutsche Lieferanten seit 2025 verpflichtet sind, Energietarife mit Börsenpreisbindung anzubieten, betrifft die Schweizer Neuerung ab 2026 die Netztarife der Netzbetreiber – nicht den Energiepreis, den die meisten Haushalte ohnehin nicht frei wählen können.
Wer in den Medien von «dynamischen Stromtarifen» liest und denkt, das gelte auch hierzulande wie in Deutschland, irrt sich leicht. Dieser Artikel ordnet ein, was in der Schweiz tatsächlich gilt.
Warum die meisten Haushalte keinen Lieferanten wählen
In der Schweiz ist der Strommarkt nur teilweise liberalisiert. Kundinnen und Kunden mit einem Jahresverbrauch unter 100’000 Kilowattstunden – praktisch alle privaten Haushalte – sind an die Grundversorgung ihres lokalen Netzbetreibers gebunden. Einen anderen Energielieferanten können sie nicht frei wählen, wie das in Deutschland längst üblich ist. Die Tarife der Grundversorgung gelten jeweils für ein Kalenderjahr und dürfen während dieser Zeit nicht geändert werden.
Die Tarife für 2026 mussten die Netzbetreiber bis zum 31. August 2025 der ElCom mitteilen; sie sind auf deren Website einsehbar. Ein «Wechsel zu einem dynamischen Anbieter», wie ihn deutsche Haushalte vornehmen können, ist für die grosse Mehrheit der Schweizer Haushalte schlicht keine Option.
Was ab 2026 bei den Netztarifen gilt
Neu ist etwas anderes: Ab 2026 können Netzbetreiber laut ElCom «zunehmend» dynamische Tarifmodelle einführen – allerdings bei den Netztarifen, also jenem Teil der Stromrechnung, der die Nutzung des Verteilnetzes abdeckt, nicht beim Energiepreis selbst. Ein Netzbetreiber kann einen dynamischen Netztarif sogar als Standardtarif festlegen. Tut er das, muss er seinen Kundinnen und Kunden aber mindestens eine optionale Tarifvariante ohne dynamische Komponente anbieten.
Laut ElCom hatte bis zur Publikation der Tarife 2026 (Stand Ende August 2025) noch kein Netzbetreiber einen dynamischen Netztarif als Standardtarif gewählt. Für Haushalte ändert sich damit im Alltag vorerst wenig – die Grundlage für künftige dynamische Netztarife ist aber gelegt.
Der Unterschied zu Deutschland
In Deutschland verpflichtet § 41a des Energiewirtschaftsgesetzes seit dem 1. Januar 2025 alle Stromlieferanten, Verträge mit dynamischen Energietarifen anzubieten – vorausgesetzt, der Haushalt hat ein intelligentes Messsystem. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde folgt dort dem Börsenpreis und kann sich mehrmals täglich ändern.
Diese Pflicht gibt es für Schweizer Energielieferanten nicht, weil es in der Grundversorgung gar keinen Lieferantenwettbewerb gibt, an den sie anknüpfen könnte. Wer in der Schweiz von dynamischen Tarifen liest, sollte deshalb genau prüfen, ob von Netz- oder von Energiepreisen die Rede ist – die Begriffe werden in der Berichterstattung oft vermischt.
Was ein Standardhaushalt 2026 zahlt
Für einen Standardhaushalt mit 4500 kWh Jahresverbrauch (Profil H4) beträgt der durchschnittliche Gesamttarif 2026 laut ElCom 27,7 Rappen pro Kilowattstunde – rund 1,3 Rappen weniger als 2025. Das entspricht einer Jahresrechnung von 1’247 Franken, 58 Franken weniger als im Vorjahr. Diese Zahl ist ein Landesdurchschnitt; die tatsächliche Rechnung hängt vom jeweiligen Netzbetreiber und dessen Tarifen ab, die auf der ElCom-Website einsehbar sind.
Häufige Fragen
Kann ich in der Schweiz zu einem dynamischen Stromtarif wechseln wie in Deutschland?
Nein, nicht in demselben Sinn. Haushalte mit unter 100’000 kWh Jahresverbrauch sind an die Grundversorgung ihres lokalen Netzbetreibers gebunden und können den Energielieferanten nicht frei wählen. Eine Pflicht zu dynamischen Energietarifen wie in Deutschland gibt es hier nicht.
Was bedeutet dann «dynamischer Stromtarif» in der Schweiz?
Ab 2026 betrifft die Neuerung laut ElCom die Netztarife der Netzbetreiber, nicht den Energiepreis. Wählt ein Netzbetreiber einen dynamischen Netztarif als Standard, muss er zusätzlich eine Option ohne dynamische Komponente anbieten.
Haben bereits Netzbetreiber einen dynamischen Netztarif eingeführt?
Laut ElCom hatte bei der Publikation der Tarife 2026 (Stand Ende August 2025) noch kein Netzbetreiber einen dynamischen Netztarif als Standardtarif gewählt.
Wie viel zahlt ein Standardhaushalt 2026 im Schnitt?
Laut ElCom durchschnittlich 27,7 Rappen pro Kilowattstunde für ein Profil mit 4500 kWh Jahresverbrauch, rund 1,3 Rappen weniger als 2025 – eine Jahresrechnung von 1’247 Franken. Die tatsächlichen Tarife unterscheiden sich je nach Netzbetreiber.
Quellen und Stand
- ElCom: Fragen und Antworten zu den Stromtarifen 2026, abgerufen am 5. November 2026.
- Deutschland: Energiewirtschaftsgesetz, § 41a (zum Vergleich), abgerufen am 5. November 2026.
Recherche- und Datenstand: 5. November 2026.
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe. Länderfassung auf Basis eines Artikels von NETZ-TRENDS.de, für die Schweiz recherchiert. Bildhinweis des Originals: KI-generiertes Symbolbild.
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