ADAC testete sechs Modelle: Bei genormter Arbeitskleidung und reflektierender Kinderkleidung bremsten fast alle Systeme zu spät
Das Wichtigste in Kürze
- Der ADAC testete sechs aktuelle Modelle: Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra.
- Nur der Mercedes CLA erkannte ein Kind mit reflektierender Kleidung zuverlässig und bremste rechtzeitig; die fünf übrigen Fahrzeuge versagten bei diesem Szenario.
- Bei genormter Arbeitskleidung von Erwachsenen (etwa Warnkleidung von Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern oder der Polizei) erkannten fast alle Fahrzeuge die Person nicht oder zu spät.
Der ADAC hat sechs Fahrzeuge getestet, wie gut Notbremsassistenten Menschen in Warnkleidung erkennen. Nur ein Modell bremste zuverlässig vor einem Kind mit Reflektoren, bei Arbeitskleidung von Erwachsenen versagten fast alle Systeme.
Eine solche Erkennungsleistung ist weder in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben noch Teil anerkannter Prüfprotokolle wie Euro NCAP. Aus Sicht des deutschen Automobilclubs ADAC ist das Szenario dennoch alltagsrelevant: Rettungskräfte, Straßenwachten, Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter sowie Schulkinder tragen genau solche reflektierende Kleidung regelmäßig am Straßenrand – besonders jetzt, in der dunklen Jahreszeit.
Der Club wertet die gefundenen Lücken als erheblich und sieht sie bei allen getesteten Herstellern. Betroffen seien laut ADAC-Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026 vor allem Situationen, in denen reflektierende Flächen vom System offenbar anders eingeordnet werden als ein Mensch.
Wie der ADAC getestet hat
Für die Untersuchung testete der ADAC sechs in Deutschland verkaufte Modelle: Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra. Mit Fußgänger- und Kinderdummys simulierten die Prüfer bei Dunkelheit verschiedene Szenarien am Straßenrand, zunächst ohne und anschließend mit Warnkleidung.
Je Szenario fuhren die Testwagen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten; als Referenz diente jeweils die höchste Geschwindigkeit, bei der eine Kollision gerade noch vermieden wurde. Weil diese Referenzgeschwindigkeit von Fahrzeug zu Fahrzeug variiert, sind die Einzelergebnisse laut ADAC nicht direkt vergleichbar – sie zeigen aber, bei welcher Kleidung ein System grundsätzlich an seine Grenzen kommt. Die Testanordnung orientiert sich an den Nachtversuchen, die auch die europäische Sicherheitsorganisation Euro NCAP nutzt.
Die Ergebnisse im Überblick
Bei einer handelsüblichen Warnweste über normaler Erwachsenenkleidung erkannten alle sechs Fahrzeuge die Testperson rechtzeitig. Sobald die Prüfer auf genormte Arbeitskleidung wechselten, wie sie Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter, Rettungsdienste, die Polizei oder Straßenwachten tragen, erkannten fast alle Systeme die Person gar nicht oder zu spät zum rechtzeitigen Bremsen.
Bei den Kinder-Szenarien zeigte sich ein ähnliches Muster: Ein Kind in dunkler Kleidung erkannten alle Fahrzeuge zuverlässig. Bei einem Kind mit reflektierender Kleidung und Schulranzen, das hinter einem parkenden Auto auf die Straße lief, versagten dagegen nahezu alle Systeme – mit einer Ausnahme.
| Testszenario | Ergebnis bei sechs getesteten Modellen |
|---|---|
| Erwachsener, handelsübliche Warnweste | Alle 6 Fahrzeuge erkannten die Person und bremsten rechtzeitig |
| Erwachsener, genormte Arbeitskleidung | Fast alle Fahrzeuge erkannten die Person nicht oder zu spät |
| Kind, dunkle Kleidung | Alle 6 Fahrzeuge erkannten das Kind |
| Kind, reflektierende Kleidung und Schulranzen | Nur 1 von 6 Fahrzeugen (Mercedes CLA) erkannte das Kind rechtzeitig |
Quelle: ADAC-Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026, zusammengefasste Testergebnisse für Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra.
Beim Szenario mit dem Kind und reflektierender Kleidung lief der Dummy hinter einem parkenden Auto hervor auf die Straße. Unter den sechs Testwagen erkannte laut ADAC einzig der Mercedes CLA diese Situation zuverlässig und bremste rechtzeitig.
Warum das jetzt wichtig ist
Der Test kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland die Tage kürzer werden und mehr Verkehr in der Dämmerung oder bei Dunkelheit stattfindet. Schulkinder tragen in dieser Jahreszeit häufig reflektierende Schulranzen oder Überzieher, Rettungskräfte und Straßenwachten sind ohnehin regelmäßig in genormter Warnkleidung am Fahrbahnrand im Einsatz. Genau diese Gruppen erkannten die getesteten Systeme laut ADAC am schlechtesten.
Für Käuferinnen und Käufer von Neuwagen bedeutet das Ergebnis vor allem eines: Ein vorhandener Notbremsassistent ist kein Beleg dafür, dass ein Fahrzeug Fußgängerinnen und Fußgänger in jeder Kleidung erkennt. Da die Systeme nicht zu den gesetzlichen Pflichtprüfungen gehören, taucht diese Lücke in offiziellen Prospekten oder Zulassungsunterlagen nicht auf.
Was der ADAC fordert
Der ADAC fordert von den Herstellern, die gefundene Lücke zügig zu schließen. Nach Einschätzung des Clubs liegt das Problem eher in der Klassifizierung von Personen am Straßenrand durch die Systeme als in der verbauten Sensorhardware – ein Softwareupdate könnte die Erkennung in vielen Fällen verbessern, ohne dass neue Sensoren nötig wären.
Gleichzeitig warnt der Automobilclub davor, sich auf die Technik zu verlassen: Fahrerinnen und Fahrer blieben für das Fahrzeug verantwortlich und sollten den Blick auch mit Assistenzsystem nicht von der Straße nehmen. Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Kinder sollten in der dunklen Jahreszeit weiterhin gut sichtbare, reflektierende Kleidung tragen – der Sicherheitsgewinn durch bessere Sichtbarkeit überwiege nach Einschätzung des ADAC das Risiko, dass ein einzelnes Assistenzsystem einmal zu spät oder gar nicht reagiere.
Praktisch: Was Autofahrerinnen und Autofahrer sowie Fußgängerinnen und Fußgänger jetzt tun können
- Sich beim Autokauf nicht allein auf die Existenz eines Notbremsassistenten verlassen, sondern bei Testberichten gezielt nach der Erkennung von Personen in Warn- oder Arbeitskleidung fragen.
- Auch mit aktiviertem Assistenzsystem selbst aufmerksam am Verkehr teilnehmen, besonders in der Dämmerung und bei Nässe oder Nebel.
- Als Fußgängerin, Fußgänger oder Elternteil weiterhin auf gut sichtbare, reflektierende Kleidung setzen – der Test zeigt Schwächen der Technik, nicht, dass Reflektoren wirkungslos wären.
- Bei einem bereits zugelassenen Fahrzeug beim Hersteller nachfragen, ob ein Softwareupdate zur Verbesserung der Personenerkennung geplant ist.
Häufige Fragen
Welche Fahrzeuge hat der ADAC getestet?
Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra.
Welches Fahrzeug hat im Test am besten abgeschnitten?
Nur der Mercedes CLA erkannte ein Kind mit reflektierender Kleidung, das hinter einem parkenden Auto auf die Straße lief, zuverlässig und bremste rechtzeitig. Bei den übrigen fünf Modellen versagte das System in diesem Szenario.
Ist die Erkennung von Personen in Warnkleidung gesetzlich vorgeschrieben?
Nein. Laut ADAC ist dieses Szenario weder gesetzlich vorgeschrieben noch Teil anerkannter Prüfprotokolle wie Euro NCAP. Der Club hält es trotzdem für alltagsrelevant.
Müssen Besitzerinnen und Besitzer der betroffenen Modelle jetzt etwas tun?
Der ADAC nennt keine Rückrufpflicht. Er empfiehlt Herstellern, die Erkennung möglichst per Softwareupdate zu verbessern, und rät grundsätzlich dazu, sich nicht allein auf Assistenzsysteme zu verlassen.
Vertrauen Sie Notbremsassistenten im Alltag, oder bleiben Sie auch mit aktivierter Technik besonders aufmerksam? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen gerne in die Kommentare.
Quellen und Stand
- ADAC: Pressemitteilung „ADAC Studie zeigt gefährliche Sicherheitslücke bei Notbremsassistenten“, 27. Oktober 2026.
Recherche- und Datenstand: 29. Oktober 2026.
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.