Das Wichtigste in Kürze
- Der US-Softwarekonzern Workday hat am Dienstag um 16:01:40 Uhr Ortszeit in New York – 22:01:40 Uhr deutscher Zeit, knapp zwei Minuten nach dem Schluss des regulären US-Aktienhandels – ein Formular 8-K bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Darin kündigt das Unternehmen an, rund 2,5 Prozent seiner Belegschaft zu streichen, vor allem in der Produkt- und Technikeinheit.
- Die Kosten beziffert Workday auf 65 bis 80 Millionen Dollar, davon 40 bis 55 Millionen Dollar an tatsächlichen Auszahlungen für Abfindungen und Sozialleistungen. Es ist der zweite angekündigte Stellenabbau binnen knapp acht Monaten.
- Eine absolute Zahl nennt die Mitteilung nicht. Gemessen an den über 21.000 Beschäftigten, die der Geschäftsbericht zum 31. Januar 2026 ausweist, wären es rechnerisch mehr als 500 Stellen. Ob die Standorte in Berlin, München und Zürich betroffen sind, geht aus dem Dokument nicht hervor.
Workday nennt sich in den eigenen Mitteilungen „the enterprise AI platform for HR, finance, and IT“ – eine Unternehmensplattform für Personal, Finanzen und IT. Am Dienstagabend teilte der Konzern aus dem kalifornischen Pleasanton mit, dass er die eigene Belegschaft verkleinert. Der Weg dafür war nicht der eigene Newsroom, sondern ein Pflichtformular: Um 16:01:40 Uhr Ortszeit in New York – 22:01:40 Uhr deutscher Zeit – ging bei der US-Börsenaufsicht SEC ein Formular 8-K von Workday, Inc. ein. Angekreuzt sind zwei Punkte: 2.02 zu Geschäftszahlen und 2.05 zu Kosten aus Restrukturierungen.
Der reguläre Handel an der Nasdaq, an der die Workday-Aktie unter dem Kürzel WDAY notiert ist, endet um 16:00 Uhr Ortszeit New York. Die Meldung erreichte den Markt damit knapp zwei Minuten nach Handelsschluss.
Der Abbau trifft die Einheit, die die Produkte baut
Der maßgebliche Satz steht in Punkt 2.05 des Formulars. Im Original heißt es, am 29. September 2026 hätten „certain functions within Workday“ Reorganisationen angekündigt, die „team structures“ besser auf die strategischen Wachstumsprioritäten ausrichten sollten. Diese Maßnahmen umfassten „a reduction of approximately 2.5% of Workday’s current workforce, primarily within Workday’s Product and Technology team“ sowie eine Verkleinerung angemieteter Büroflächen.
Sinngemäß: Bestimmte Bereiche des Unternehmens haben Umbauten angekündigt, die etwa 2,5 Prozent der derzeitigen Belegschaft kosten – überwiegend im Produkt- und Technikbereich, also dort, wo die Software entwickelt wird. Parallel gibt Workday angemietete Bürofläche ab. In „wichtigen strategischen Bereichen und an wichtigen Standorten“ werde im laufenden Geschäftsjahr weiter eingestellt, heißt es im selben Absatz.
Die personellen Maßnahmen sollen „im Wesentlichen“ bis zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2028 abgeschlossen sein – Workdays Geschäftsjahr endet jeweils am 31. Januar, das erste Quartal 2028 läuft damit bis Ende April 2027. Ausdrücklich steht in der Mitteilung, dieser Zeitplan stehe unter dem Vorbehalt „local law and consultation requirements“, also der jeweiligen nationalen Rechtslage und der Mitbestimmungspflichten.
Was ein Formular 8-K ist – und warum Punkt 2.05 darin auftaucht
Das Formular 8-K ist die Pflichtmitteilung börsennotierter Unternehmen in den USA für wesentliche Ereignisse zwischen zwei Quartalsberichten. Es wird bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht und ist über deren Datenbank EDGAR öffentlich abrufbar. Punkt 2.05 – „Costs Associated with Exit or Disposal Activities“ – ist der Abschnitt für Kosten aus Werksschließungen, Verkäufen von Geschäftsteilen und Personalabbau. Er verlangt eine Schätzung der Kosten, sobald die Geschäftsleitung die Maßnahme beschlossen hat. Ein solches Formular ist damit keine Pressemitteilung, sondern eine Auskunft an den Kapitalmarkt – geschrieben für die Börsenaufsicht, nicht für die Beschäftigten.
Rechnerisch mehr als 500 Stellen – eine absolute Zahl nennt Workday nicht
Wie viele Menschen betroffen sind, sagt die Mitteilung nicht. Sie nennt ausschließlich den Prozentwert und bezieht ihn auf die „current workforce“, die derzeitige Belegschaft, ohne diese zu beziffern. Der letzte belegbare Bezugspunkt steht im Geschäftsbericht für das am 31. Januar 2026 beendete Geschäftsjahr: Dort weist Workday „über 21.000″ Beschäftigte in 36 Ländern aus, davon rund 58 Prozent in den USA und rund 42 Prozent außerhalb. Auf diese Basis bezogen entsprechen 2,5 Prozent rechnerisch mehr als 500 Stellen. Das ist eine Näherung der Redaktion und keine Angabe des Unternehmens: Die Belegschaft hat sich seit Ende Januar verändert, unter anderem durch den Abbau vom Februar.
Denn es ist nicht der erste Schnitt dieses Jahres. Am 4. Februar 2026 meldete Workday der SEC in einem gleichartigen Formular 8-K den Wegfall von rund 2 Prozent der Stellen, damals vor allem in „nicht umsatzerzeugenden Rollen“ der Einheit Global Customer Operations, also im Kundenbetrieb. Zwei Tage später wechselte die Unternehmensspitze: Der Verwaltungsrat berief laut Mitteilung vom 6. Februar 2026 Mitgründer Aneel Bhusri zum Vorstandschef; Carl Eschenbach schied aus dem Amt und aus dem Verwaltungsrat aus.
| Angabe | 4. Februar 2026 | 29. September 2026 |
|---|---|---|
| Anteil der Belegschaft | rund 2 % | rund 2,5 % |
| Schwerpunkt | Global Customer Operations | Product and Technology |
| Kosten insgesamt | rund 135 Mio. $ | 65 bis 80 Mio. $ |
| davon Auszahlungen (Abfindungen, Sozialleistungen) | rund 40 Mio. $ | 40 bis 55 Mio. $ |
| davon Abschreibungen (Büroflächen, Vermögenswerte) | rund 80 Mio. $ | rund 15 Mio. $ |
| Abschluss der personellen Maßnahmen | 1. Quartal Geschäftsjahr 2027 | 1. Quartal Geschäftsjahr 2028 |
Die Kostenaufstellung ist diesmal eine andere
Die 65 bis 80 Millionen Dollar teilen sich nach der Mitteilung so auf: 40 bis 55 Millionen Dollar künftige Auszahlungen für Abfindungen, Sozialleistungen und damit verbundene Kosten, rund 10 Millionen Dollar nicht zahlungswirksamer Aufwand aus aktienbasierter Vergütung und rund 15 Millionen Dollar nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf angemietete Büroflächen. 55 bis 70 Millionen Dollar sollen im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres anfallen, 10 Millionen im vierten.
Der Vergleich mit dem Februar zeigt eine Verschiebung: Damals entfiel mit rund 80 von 135 Millionen Dollar der größte Teil auf Abschreibungen für Büroflächen und langlebige Vermögenswerte, die Auszahlungen an Beschäftigte lagen bei rund 40 Millionen Dollar. Diesmal ist es umgekehrt – der Personalteil ist der größere Posten.
Was die geänderte Prognose über die Größenordnung verrät
Aufschlussreich ist Punkt 2.02 des Formulars. Workday bestätigt darin die am 27. August 2026 gegebene Prognose für das dritte Quartal und das Gesamtjahr – mit einer Ausnahme: der operativen Marge nach den US-Bilanzregeln GAAP. Diese werde im dritten Quartal nun etwa 20 bis 21 Prozentpunkte unter der bereinigten Non-GAAP-Marge liegen, im Gesamtjahr etwa 19 Prozentpunkte darunter. Die Restrukturierungskosten selbst will das Unternehmen aus den bereinigten Kennzahlen herausrechnen.
Wie groß der Einmaleffekt ist, lässt sich daraus abschätzen. In der Quartalsmitteilung vom 27. August 2026 wies Workday für das zweite Quartal eine operative Marge von 11,8 Prozent nach GAAP und 31,1 Prozent nach Non-GAAP aus – ein Abstand von 19,3 Prozentpunkten. Welche Posten diesen Abstand ausmachen, benennt Workday in derselben Mitteilung: vor allem aktienbasierte Vergütung samt Steuereffekten, übernahmebezogene Kosten und Restrukturierungskosten. Genau auf diesem Niveau, rund 19 Prozentpunkte, liegt jetzt die Jahresangabe. Die 20 bis 21 Prozentpunkte im dritten Quartal liegen rechnerisch ein bis zwei Prozentpunkte darüber. Der Abbau schlägt in der Bilanz also sichtbar, aber nicht dramatisch durch.
Die Prognose selbst bleibt unverändert: Für das dritte Quartal nannte Workday am 27. August Abonnementerlöse von 2,515 Milliarden Dollar und ein Wachstum von 12 Prozent, für das Gesamtjahr 9,940 bis 9,950 Milliarden Dollar und 13 Prozent. Im zweiten Quartal lag der Gesamtumsatz bei 2,649 Milliarden Dollar, ein Plus von 12,8 Prozent. Ein Unternehmen, das schrumpfende Geschäfte meldet, sieht anders aus.
Für Deutschland und die Schweiz hängt vieles an einem Halbsatz
Workday unterhält nach Angaben des eigenen Kontaktverzeichnisses Büros in Berlin am Leipziger Platz 18 und in München in der Streitfeldstraße 19 sowie in Zürich am Utoquai 55. Ob und in welchem Umfang diese Standorte betroffen sind, steht nicht in der Mitteilung; das Formular unterscheidet weder nach Ländern noch nach Standorten.
Relevant ist für den deutschsprachigen Raum vor allem der Vorbehalt, den Workday selbst formuliert: „subject to local law and consultation requirements“. In Deutschland ist damit ein Verfahren gemeint, das Zeit kostet. Entlassungen in größerer Zahl sind nach deutschem Recht bei der Agentur für Arbeit anzuzeigen; nach dem Anzeigeformular der Bundesagentur für Arbeit sind Entlassungen „anzeigepflichtig, wenn innerhalb eines Zeitraumes von 30 Kalendertagen die jeweilige Mindestzahl an Entlassungen erfolgen soll“. Die Mindestzahl richtet sich dabei nach der Größe des Betriebs. Von „consultation requirements“, also Beteiligungsverfahren, spricht Workday in der Mitteilung selbst. Dass der Konzern den Abschluss der personellen Maßnahmen erst für das Frühjahr 2027 in Aussicht stellt, fügt sich in diesen Rahmen.
Über die eigenen Standorte hinaus hat das Unternehmen im deutschsprachigen Raum Gewicht als Anbieter: Nach der Quartalsmitteilung vom 27. August nutzen „mehr als 11.500 Organisationen“ weltweit die Software, darunter mehr als 65 Prozent der Fortune-500-Unternehmen. Für Kundschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist dabei eine Angabe aus dem Geschäftsbericht interessant, die Workday im Risikoteil selbst macht: Das Abonnementmodell hänge im Wesentlichen an der Beschäftigtenzahl der Kundschaft – Stellenabbau bei Kunden habe die Abonnementerlöse bereits beeinflusst. Der Preis der Software bewegt sich also mit, wenn ein Unternehmen wächst oder schrumpft.
Was offen bleibt
Eine Pressemitteilung zu dem Abbau lag am Dienstagabend deutscher Zeit nicht vor: Der Newsroom des Unternehmens führte zum Redaktionsschluss als jüngste Veröffentlichungen Meldungen vom 24. und 17. September, keine vom 29. September. Eine Begründung über den Verweis auf „strategische Wachstumsprioritäten“ hinaus nennt das Formular nicht; ein Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Werkzeugen in der eigenen Entwicklung wird darin weder behauptet noch ausgeschlossen. Offen bleibt ebenso, wie viele Menschen konkret betroffen sind, in welchen Ländern, und welche Bürostandorte aufgegeben werden. Eine eigene Anfrage an das Unternehmen war bis zum Redaktionsschluss am späten Dienstagabend nicht möglich.
Der nächste belegbare Termin steht dagegen fest: Das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 endet am 31. Oktober 2026, die Zahlen dazu legte Workday in den beiden Vorjahren jeweils Ende November vor. Dann wird sich zeigen, ob die Kostenschätzung von 65 bis 80 Millionen Dollar trägt. Wie viel sich aus Pflichtmitteilungen an die SEC über Vorgänge herauslesen lässt, die im deutschsprachigen Raum ankommen, zeigte zuletzt der Fall des Norton-Eigentümers Gen Digital und des möglichen Übernahmeziels GoDaddy; dass dieselbe Behörde auch selbst zum Gegenstand von Technikberichten wird, zeigte die Auswertung zu KI-Agenten auf US-Behördenseiten.
Halten Sie es für angemessen, dass ein Unternehmen einen Stellenabbau zuerst der Börsenaufsicht und erst später der Öffentlichkeit mitteilt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- US-Börsenaufsicht SEC: Formular 8-K von Workday, Inc., eingegangen am 29. September 2026 um 16:01:40 Uhr Ortszeit New York – Punkte 2.02 und 2.05, mit Eingangszeitpunkt
- US-Börsenaufsicht SEC: Text dieses Formulars 8-K – Wortlaut zu den rund 2,5 Prozent der Belegschaft, zum Schwerpunkt „Product and Technology“, zur Kostenspanne von 65 bis 80 Millionen Dollar und zur geänderten Angabe zur GAAP-Marge
- US-Börsenaufsicht SEC: Formular 8-K von Workday vom 4. Februar 2026 – rund 2 Prozent der Stellen, Schwerpunkt Global Customer Operations, rund 135 Millionen Dollar Kosten
- US-Börsenaufsicht SEC: Formular 8-K von Workday vom 6. Februar 2026 – Berufung von Aneel Bhusri zum Vorstandschef, Ausscheiden von Carl Eschenbach
- US-Börsenaufsicht SEC: Geschäftsbericht (Form 10-K) von Workday für das Geschäftsjahr bis 31. Januar 2026 – über 21.000 Beschäftigte in 36 Ländern, Aufteilung USA/Ausland, Risikohinweis zur Abhängigkeit des Abonnementmodells von der Beschäftigtenzahl der Kundschaft
- US-Börsenaufsicht SEC: Quartalsmitteilung von Workday zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vom 27. August 2026 – Umsatz, operative Marge nach GAAP und Non-GAAP, Prognose für Quartal und Gesamtjahr, Zahl der Kundenorganisationen
- Workday: Kontakt- und Standortverzeichnis – Büroadressen in Berlin, München und Zürich, abgerufen am 29. September 2026
- Workday: Newsroom mit den Pressemitteilungen des Unternehmens – abgerufen am 29. September 2026; jüngste Einträge vom 24. und 17. September 2026, keine Mitteilung zum Stellenabbau
- Bundesagentur für Arbeit: Formular „Entlassungsanzeige gemäß § 17 KSchG“ – Hinweis auf die Anzeigepflicht bei Erreichen der jeweiligen Mindestzahl innerhalb von 30 Kalendertagen
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.