Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland wurden im Juni 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 21.600 Wohnungen genehmigt – 13,8 Prozent mehr als im Juni 2025 und der sechste Monat in Folge über dem jeweiligen Vorjahresmonat.
  • Zum 31. Dezember 2025 zählte dieselbe Behörde 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen. Im Bau befanden sich davon 307.200 – rechnerisch bleiben 453.500, bei denen noch nicht gebaut wurde.
  • Fertiggestellt wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen, der niedrigste Wert seit 2012. Im Juli meldeten laut ifo-Institut wieder mehr Baubetriebe stornierte Aufträge: 13,1 Prozent nach 11,4 Prozent im Juni.

Die deutschen Bauämter haben im Juni 2026 den Bau von 21.600 Wohnungen genehmigt. Das sind 2.600 oder 13,8 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. Die Zahlen stammen aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes, die am Dienstag um 8 Uhr veröffentlicht wurde. Auf das erste Halbjahr gerechnet ergeben sich 126.300 genehmigte Wohnungen, ein Plus von 15,1 Prozent oder 16.600 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

44 Minuten später meldete sich der Zentralverband Deutsches Baugewerbe zu Wort – und formulierte den Vorbehalt, um den es bei dieser Statistik geht. „Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Sie ist erst der Startschuss“, sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa laut Mitteilung des Verbands aus Berlin. Wie groß der Abstand zwischen Startschuss und Einzug tatsächlich ist, lässt sich derselben Behörde entnehmen, die den Zuwachs meldet.

Säulendiagramm zum Bauüberhang in Deutschland zum 31. Dezember 2025: 453.500 genehmigte Wohnungen waren noch nicht im Bau, 148.600 im Bau mit offenem Rohbau, 158.600 im Rohbau fertiggestellt.
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Aufteilung ergibt sich aus den amtlichen Angaben zum Bauüberhang; der Wert für „noch nicht begonnen“ ist die Differenz aus Gesamtbestand und den im Bau befindlichen Wohnungen.

Der Zuwachs zieht sich durch das ganze erste Halbjahr

Der Juni ist kein Ausreißer. Seit Jahresbeginn lag jeder einzelne Monat über dem jeweiligen Vorjahresmonat: Januar mit 8,4 Prozent, Februar mit 24,1 Prozent, März mit 11,5 Prozent, April mit 9,2 Prozent und Mai mit 24,7 Prozent. Auch das Gesamtjahr 2025 war nach den Jahreszahlen des Statistischen Bundesamtes mit 238.500 genehmigten Wohnungen und einem Plus von 10,8 Prozent bereits das erste Jahr mit einem Zuwachs seit 2021.

Innerhalb des Halbjahres verteilt sich der Anstieg ungleich. Prozentual legten die Wohnungen in Nichtwohngebäuden am stärksten zu, allerdings von einer sehr kleinen Ausgangsbasis aus; unter den Wohngebäuden stehen die Zweifamilienhäuser vorn. In absoluten Zahlen tragen den Zuwachs die Mehrfamilienhäuser – jene Gebäudeart, die mit 67.000 von 103.100 neu genehmigten Wohnungen in Wohngebäuden den größten Teil stellt.

Gebäudeart 1. Halbjahr 2026 Veränderung zum Vorjahr
Mehrfamilienhäuser 67.000 +16,9 %
Einfamilienhäuser 24.000 +12,7 %
Zweifamilienhäuser 7.700 +27,3 %
Wohnheime 4.400 +0,9 %
Wohnungen in Nichtwohngebäuden 2.400 +42,7 %
Umbauten an bestehenden Gebäuden 20.800 +9,2 %
Alle Wohnungen zusammen 126.300 +15,1 %
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 18. August 2026 zu den Baugenehmigungen im Juni und im 1. Halbjahr 2026. Genehmigte Wohnungen in Deutschland, Angaben auf 100 gerundet.

Zwischen Genehmigung und fertiger Wohnung liegt ein Stau von 760.700 Einheiten

Die entscheidende Gegenzahl steht in einer anderen amtlichen Statistik. Zum 31. Dezember 2025 waren in Deutschland 760.700 Wohnungen genehmigt, aber nicht fertiggestellt. Das geht aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zu den Baufertigstellungen 2025 hervor. Von diesem sogenannten Bauüberhang befanden sich 307.200 Wohnungen bereits im Bau, bei 158.600 davon war der Rohbau fertig.

Rechnet man beides gegeneinander, bleiben rund 453.500 genehmigte Wohnungen übrig, bei denen zum Stichtag noch nicht gebaut wurde. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was im gesamten ersten Halbjahr 2026 neu genehmigt wurde. Eine Genehmigung erzeugt also keine Wohnung, sie erzeugt zunächst nur eine Berechtigung – und die kann liegen bleiben. Welche Gründe im Einzelfall dahinterstehen, weist die amtliche Statistik nicht aus.

Wie wenig aus dem Bestand ankommt, zeigt die Fertigstellungsstatistik: 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen bezugsfertig, 18,0 Prozent oder 45.400 weniger als im Jahr davor. Weniger neue Wohnungen als 2025 gab es zuletzt 2012, damals waren es 200.500.

Drei Zahlen, die regelmäßig verwechselt werden

  • Baugenehmigungen zählen, was die deutschen Bauaufsichtsbehörden erlaubt haben. Ob je ein Bagger anrückt, sagt die Zahl nicht.
  • Bauüberhang ist der Bestand an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen zum Jahresende. Er wächst, wenn mehr genehmigt als gebaut wird.
  • Baufertigstellungen zählen die Wohnungen, die bezugsfertig geworden sind. Nur diese Zahl beschreibt, was tatsächlich zum Wohnen zur Verfügung steht.

Die Stornierungen nehmen wieder zu

Ob aus den Genehmigungen dieses Jahres Wohnungen werden, ist offen – und die jüngsten Betriebsangaben deuten nicht eindeutig in eine Richtung. Nach der Konjunkturumfrage des ifo-Instituts vom 17. August verbesserte sich das Geschäftsklima im deutschen Wohnungsbau im Juli von minus 30,6 auf minus 29,3 Punkte. Über zu wenige Aufträge klagten 41,2 Prozent der befragten Unternehmen nach 43,7 Prozent im Vormonat.

Gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe, die stornierte Aufträge meldeten, von 11,4 auf 13,1 Prozent. „Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert“, sagte Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut. „Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist.“ Die gestiegenen Genehmigungen kämen zwar langsam in der Branche an, bis daraus eine breite Erholung entstehe, sei es aber „noch ein weiter Weg“.

Was das für die Wohnungssuche bedeutet

Für Haushalte, die eine Wohnung suchen, ist die Genehmigungsstatistik die am weitesten vom Alltag entfernte der drei Zahlen. Spürbar wird eine Wohnung erst, wenn sie bezugsfertig ist – und dieser Wert liegt derzeit auf dem Niveau von vor mehr als einem Jahrzehnt. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegt zudem Zeit: Die 206.600 Wohnungen des Jahres 2025 beruhen auf Genehmigungen früherer Jahrgänge, nicht auf denen dieses Halbjahres.

Solange in einem Jahr mehr Wohnungen genehmigt als fertiggestellt werden – 2025 waren es 238.500 gegenüber 206.600 –, verschiebt sich der Engpass von der Genehmigung zur Umsetzung. Wie schwierig der deutsche Mietwohnungsmarkt für beide Seiten geworden ist, hat NETZ-TRENDS am Beispiel Berlins in einem Gespräch mit einem Wohnungseigentümer beschrieben. Eine amtliche Angabe darüber, wie viele der 453.500 nicht begonnenen Vorhaben am Ende gebaut werden, gibt es nicht – die Statistik erfasst den Bestand, nicht die Absichten dahinter.

Was als Nächstes ansteht

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe knüpft an die Zahlen zwei Forderungen an die deutsche Bundesregierung: die Einführung des sogenannten Gebäudetyps E zur Kostenkontrolle und eine „sofortige, verlässliche“ Ausstattung der KfW-Förderprogramme. Der Verband vertritt dabei die Interessen der ausführenden Betriebe.

Auf der Gesetzesseite gilt seit dem 30. Oktober 2025 das Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung, das das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Berlin als „Bau-Turbo“ führt. Es erweitert im deutschen Baugesetzbuch befristet die Möglichkeiten, von Bebauungsplänen abzuweichen. Ob sich das in den Fertigstellungen niederschlägt, wird sich frühestens in der nächsten Jahresstatistik zeigen; die Zahlen für 2026 erscheinen üblicherweise im Mai. Die nächste Monatsmeldung zu den Baugenehmigungen, die für den Juli, dürfte nach dem bisherigen Rhythmus Mitte September folgen.

Haben Sie ein Bauvorhaben in Ihrer Nachbarschaft beobachtet, das genehmigt wurde und trotzdem nicht begonnen hat? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung vom 18. August 2026, „Baugenehmigungen für Wohnungen im Juni 2026: +13,8 % zum Vorjahresmonat“, veröffentlicht um 8 Uhr
  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 174 vom 22. Mai 2026, „18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025“, mit den Angaben zum Bauüberhang zum 31. Dezember 2025
  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 52 vom Februar 2026 zu den Baugenehmigungen des Jahres 2025 sowie die Monatsmeldungen für Januar bis Mai 2026
  • ifo-Institut: Konjunkturumfrage „Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert“ vom 17. August 2026
  • Zentralverband Deutsches Baugewerbe: Pressemitteilung „Baugenehmigungen weiter im Plus – Handlungsdruck bleibt hoch“ vom 18. August 2026
  • Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Informationen zum Gesetzgebungsverfahren „Bau-Turbo“

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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