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Travis Kalanick von Uber: Man gebe keine Kundendaten an den US-Staat

Die Taxi-Alternative Uber ist bislang vor allem in den USA erfolgreich. Hier Taxis in New York. Bild: pixabay.com / CC0 Public Domain

In einem umfangreicheren Interview mit der Bild-Zeitung (Seite 2 vom 8. Juni 2016; Autor: J. W. Schäfer), äußerte sich der amerikanische Uber-Gründer Travis Kalanick, 39, über die weiteren Wachstumsstrategien des in San Francisco ansässigen Unternehmens.

So sagte Kalanick er glaube, dass in zehn Jahren mehr Menschen auf ihr eigenes Auto verzichten würden und sich lieber über Fahrdienstleister chauffieren lassen würden. Grund: Er sehe die Kosten als Problem. Entgegen der offiziellen Statistiken, die immer mehr Autos und Autofahrer weltweit auf den Straßen sehen, glaubt der Uber-CEO, dies werde nicht immer so weiter gehen. So gehe er sogar von einer sinkenden Anzahl an Autofahrern aus.

Auf die Frage der Bild-Zeitung, ab wann er glaube, dass sich ein eigenes Auto nicht mehr lohne, sagt er: Er gehe davon aus, dass alle Autofahrer, die weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fahren, kein eigenes Auto mehr bräuchten. Er könne sich aber auch vorstellen, dass man diese Grenze gar auf 15.000 Kilometer anheben könne.

Das würde allerdings für Deutschland bedeuten, dass faktisch Millionen Deutsche auf ihr Auto verzichten müssten. Denn die durchschnittliche Fahrstrecke der Deutschen beträgt nach diversen Schätzungen zwischen 6000 und 11.000 Kilometer pro Jahr und Auto.

Da Geldgeber trotz der Minus-Bilanz von Uber nach wie vor Geld in den Taxi-Konkurrenten Uber investieren, wollte Bild wissen, ob die nächste Internetblase drohe. Darauf antwortete Kalanick: "Nein. Wir sind ein Transport-Dienstleister, der sein Angebot immer weiter ausbaut." Mehr substanzielles zur möglicherweise drohenden Internetblase war seiner Antwort nicht zu entnehmen.

Bild wollte zudem von dem Uber-Chef wissen, was denn mit den Kundendaten geschehe. So schrieb das Boulevardblatt mit Blick auf Kalanick: "Sie mussten Mio. Kundendaten an US-Behörden geben. Sind Daten bei Uber etwa nicht sicher". Darauf sagte Travis Kalanick, man arbeite "gerne mit staatlichen Behörden zusammen". Auch gebe man Daten an staatliche Behörden weiter. Allerdings gebe man keine Kundendaten an staatliche Stellen weiter.

Erst kürzlich hatte Saudi-Arabien für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass die als im Umgang mit Menschenrechten brutal geltende Diktatur sich mit drei Milliarden US-Dollar an Uber beteilige.

Da im Internet Bewertungen von Unternehmen häufig dergestalt ablaufen, dass sich ein Investor einen Anteil x an einem Unternehmen für einen Betrag y sichert, und danach einfach hochgerechnet wird, wie viel denn dann ein Unternehmen potentiell wert sein könnte, wird Uber derzeit auf eine Bewertung von theoretisch 55 Milliarden Euro geschätzt.

Das Problem liegt allerdings darin: Es liegen keine umfangreichen Umsatzzahlen von Uber vor. Nach Schätzungen im Markt könnten sich diese bei um die 700 bis 750 Millionen Euro bewegen. Auch wie hoch das Minus in der Bilanz ist, wollte Travis Kalanick im relativ harmlosen Interview mit der Bild-Zeitung nicht beantworten. Angeblich sei man aber vor allem in den USA auf einem guten Weg.

Hintergrund Fahrdienstleister Uber

Für Uber arbeiten überwiegend freie Mitarbeiter, was einer der Gründe sein könnte, weshalb Uber gerne damit wirbt, man habe 6500 Mitarbeiter in 70 Ländern. Die meisten dürften davon selbstständige Fahrer sein. Allerdings können deutsche Internet-Mitarbeiter, die sich jemals bei Uber beworben haben, ein Lied davon singen, wie zäh Bewerbungsverfahren beim App-Unternehmen Uber abgehen können.

So berichtete ein Internet-Freak, der sich mal bei Uber beworben hatte gegenüber netz-trends.de: Mal sitze man eine Stunde vor Skye und telefoniere via Videocall mit Paris, dann wieder mit London – um am Ende nach Wochen dann doch kein Feedback bekommen zu haben oder festzustellen, dass der Manager des ersten Interviews schon nicht mehr da sei.

Auch steht Uber in Deutschland in der Internetszene nicht gerade im Ruf wirklich gute Gehälter zu bezahlen. Die sollen vor allem in den USA oder London an das amerikanische oder britische Uber-Management-Personal ausbezahlt werden, heißt es (damit sind nicht die Uber-Fahrer gemeint).

In Deutschland ist die Taxi-Konkurrenz "Uber Pop" gerichtlich untersagt. Grund: Wer in Deutschland Personen gewerblich befördern möchte, benötigt einen Personenbeförderungsschein. Neben Deutschland ist Uber Pop in einigen anderen großen EU-Ländern verboten. In Frankreich gab es gegen Uber sogar eine Razzia und kurzzeitige U-Haft für den verantwortlichen Manager.

Antwort auf Uber: Taxis mit Messenger bestellen

Am Mittwoch machte eine Pressemeldung einer Lobb-Vereinigung von Taxifahrern die Runde. Diese kündigte an, wonach man nun den zunehmenden Konkurrenten mit einer eigenen App die Stirn bieten wolle. So stellte eine "Genossenschaft Taxi Deutschland‘" am Mittwoch gemeinsam mit dem europaweiten Service Taxi.eu einen neuen Taxi-Bestelldienst vor. Mittels des "Taxi Messenger" solle man in gut 100 Städten in Deutschland künftig sein Taxi bestellen können. Zudem seien weitere rund 2500 Städte und Gemeinden an den Taxi-Messenger angeschlossen.

So schreibt die Taxi Deutschland Servicegesellschaft für Taxizentralen eG in ihrer Meldung:

"Aus Facebook per Messenger-Nachricht den Standort senden und damit ein Taxi bestellen? ´Taxi Messenger` (www.taxi-messenger.com) macht das ab sofort möglich. Dieser innovative Service ist in Deutschland einmalig und stammt wieder von den Taxizentralen. Sie hieven als Branchenvorreiter das bundesweite Dienstleistungsspektrum der Zentralen in Facebook.

Taxi Deutschland eG, die Genossenschaft der Taxizentralen, und taxi.eu, ein europaweiter Taxi-App-Service, stellen in einer Gemeinschaftsaktion den innovativen Bestellservice zur Verfügung. Die Kooperation ermöglicht eine kostenlose (ggf. fallen Verbindungskosten an) Taxibestellung über den Facebook-Account in ganz Deutschland.

Facebook bietet jetzt die Erreichbarkeit der deutschen Taxizentralen, ohne dass Nutzer überhaupt noch Rufnummern benötigen. Der ´Taxi Messenger` funktioniert vollautomatisch in fast 100 Städten im gesamten Bundesgebiet. Bei diesen landet die Bestellung vollautomatisch im Buchungssystem. Hinterlegt sind weitere rund 2.500 Städte und Gemeinden: Alle Orte mit über 5.000 Einwohnern in Deutschland sind enthalten. Ist eine Taxizentrale nicht an die Software angeschlossen, liefert der `Taxi Messenger´ die Telefonnummer der lokalen Taxizentrale.

Service bundesweit verfügbar

‚Geschätzt nutzen rund 14 Millionen Menschen in Deutschland den Facebook Messenger aktiv. Mit unserem neuen Service Taxi Messenger ermöglichen wir den Verbrauchern die Taxibestellung nun also auch unmittelbar über einen der beliebtesten Kommunikationskanäle der Sozialen Medien. Entgegen alter Klischees entpuppt sich das Taxigewerbe somit erneut als Innovationstreiber‘, sagt Dieter Schlenker, Vorstandsvorsitzender von Taxi Deutschland.

So funktioniert es

Facebook Messenger starten, in der Suche nach Personen oder Gruppen Taxi Messenger eintippen und auswählen. Dann als Nachricht den Standort senden. Wenn der Knopf zum Senden des Standorts nicht sichtbar ist, befindet er sich hinter den drei Punkten, bei denen man auch Dateien senden kann. Der Nutzer erhält daraufhin eine Antwort mit seiner georteten Adresse und kann mit einer Bestätigung das Taxi verbindlich bestellen, die Hausnummer ändern oder ein Taxi bis zu 24 Stunden im Voraus buchen.

Taxi Messenger ist ideal für Fahrgäste, die schnell und einfach ein Taxi bestellen wollen. Für Sonderwünsche oder einen Fahrpreisrechner steht die Taxi-Deutschland-App oder taxi.eu zur Verfügung. Da eine GPS-Lokalisierung über die Browser-Version des Facebook-Messengers nicht möglich ist, funktioniert die Taxibestellung per Messenger ausschließlich über die Facebook Messenger App."

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