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Anleger fühlen sich von Lloyd Fonds durch schlechtes Management um 25 Mio. Euro gebracht. netztrends
05.09.2012

Es war für viele Anleger, die von der Schiffahrt etwas verstehen, von Anfang an etwas dubios: ein Schiffsfond der Lloyd Fonds AG aus Hamburg, der auch in Deutschland vertrieben wurde - zum Beispiel von der MFG Michael Friedel Günther GmbH aus Frankfurt am Main (Michael Günther Schiffsmakler). Die MFG soll gemeinsam mit zwei anderen bekannten Finanzvermittlern einen Löwenanteil in den Schiffsfonds von Lloyd beigesteuert haben. Jetzt ist der Schiffsfond der Lloyd Fonds AG, aufgelegt für die MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG, Insolvent und meldete Insolvenz an. Allen der geschätzten 400 bis 900 Anlegern droht nun der Verlust ihrer kompletten Einlagen und fühlen sich um rund 25 Mio. Euro Anlagevolumen geprellt. Viele sprechen von einem Riesen-Skandal bei Lloyd. Derweil wäscht das Unternehmen seine Hände in Unschuld. Alles sei der Krise zuzuschreiben.

Doch an das ausschließliche Schicksal der Wirtschaftskrise auch in der Schifffahrt glauben im aktuellen Lloyd-Fall viele nicht, eher an fahrlässige Versprechungen, die dann doch nicht eingehalten wurden, um möglichst viel Kapital an Land zu ziehen. Anleger erheben vor allem schwere Vorwürfe gegen Lloyd. Lloyd war maßgeblich als Strippenzieher rund um den Fond und das Schiff tätig.

Mehrere Investoren berichten netz-trends.de, so zum Beispiel ein 44-Jähriger: "Ich fühle mich geprellt, da das Hauptverkaufsargument einer fünfjährigen Festcharter offensichtlich von Anfang an nichts wert war. Es ist scheinbar geplatzt, bevor es überhaupt angefangen hat. Das scheint mir sehr dubios zu sein, da uns im Anlage-Prospekt berichtet wurde, die Chartergesellschaft hätte eine hohe Bonität. Jetzt ist der Fonds pleite und ich habe meine komplette Einlage von 20.000 Euro verloren, ein Freund ebenfalls 20.000 Euro und ein dritter sogar 50.000 Euro."

Ein weiterer Insider analysiert das Desaster: "Dass mit der von Lloyd Fonds AG geprahlten Festcharter etwas nicht ganz stimmt, war nach meiner Meinung schon zu Anfang der Fondsauflegung zumindest für Fachleute deutlich, da die Chartergesellschaft Glory Wealth Shipping Pte Ltd in Singapur ihren Sitz hatte, aber noch nicht einmal eine ordentliche eigene Homepage aufgewiesen hat und auch die Geschäftsführung dieser Chartergesellschaft unbekannt war und nicht für Anleger ohne weiteres kontaktierbar war. Für mich hat der unter anderem von der MFG Michael Friedel Günther GmbH vermittelte Schiffsfonds der Lloyd Fonds AG von Anfang an gestunken. Hier wurden Versprechen gemacht, die offensichtlich nicht eingehalten wurden, was die Anleger ihre komplette Einlage in Höhe von rund 25 Mio. Euro kostete."

Doch nicht nur das. Der Insider berichtet weiter: "Uns wurde immer erzählt, was für eine überaus seriöse und altehrwürdige Chartergesellschaft das war, die auf jeden Fall langfristig eine gute Charterrate täglich zahlen würde, so dass unsere Anlagen sicher seien. Doch kaum waren die Millionen Euro für den Lloyd Schiffsfonds von uns einbezahlt, hieß es plötzlich, der Charterer hätte den Vertrag gekündigt, die Festcharter die uns versprochen worden war und Voraussetzung für unser Investment war, sei hinfällig. Von den soweit ich mich erinnern kann angeblich 33.000 Festcharter pro Tag blieben teils, soweit ich mich erinnere, im Schnitt nur noch 5000 bis circa 10.000 übrig. Das war viel zu wenig um den Kreditvertrag mit der Bank zu bedienen. Wir fühlen uns von Lloyd hinters Licht geführt."

Schreiben zur Insolvenz der MS Tosa Sea

In einer Mail schrieb die MFG Michael Friedel Günther GmbH vor kurzem an einige Fondszeichner von der "Bevorstehende Insolvenz der MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG" (Van-der-Smissen-Str. 9, 22767 Hamburg).

Seltsam: Zwar wurde am 28.3.2012 der Jahresabschluss der MS Tosa Sea Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co KG zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010 unter bundesanzeiger.de veröffentlicht - aber es steht letztlich nichts Stichhaltiges an Bilanzkennziffern online (Stichtags-Abfrage war der 29.8.2012). Man fragt sich hier: Warum? Sollte etwas verschwiegen werden? Dem widerspricht aber Lloyd in einer Stellungnahme gegenüber netz-trends.de: "Am 28.3.2012 wurde lediglich veröffentlicht, dass der Jahresabschluss 2010 gebilligt wurde. Der gesamte Jahresabschluss wurde pflichtgemäß am 21.11.2011 veröffentlicht. Zeitgleich erhielten die Gesellschafter den Geschäftsbericht, welcher ausführlich über die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft berichtet."

Weitere Kennzahlen die der Bundesanzeiger veröffentlichte: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2008 bis zum 31.12.2008 mit Veröffentlichungsdatum vom 10.02.2010: Verbindlichkeiten von 21.729.451,63, Aktiva: 26.272.438,13 Euro.
Das steigerte sich dann mit dem Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2009 auf 34.546.048,21 Mio. Euro Verbindlichkeiten. Das Anlagevermögen lag zu diesem Zeitpunkt bei 35.420.429,56 Mio. Euro.

Schließlich wurden mit dem Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2010 Verbindlichkeiten in Höhe von 35.987.363,94 Euro gemeldet, während das Anlagevermögen bei 42.358.811,00 Euro lag.

Viele Anleger denken gerne, alles, was mit dem Namen "Lloyd" in Verbindung stünde, sei grundsätzlich seriös. "Das war im Falle des dubiosen Schiffsfonds offensichtlich nicht der Fall, sonst hätte man hier nicht Privatanleger so viel Geld aus der Tasche gezogen, um es einer angeblichen sicheren Schiffsanlage zuzuführen", so ein Anteilseigner.

Alleine in Hamburg scheint es laut Handelsregister-Auskunft mindestens 64 Unternehmen mit dem Namen Lloyd zu geben. Dabei ist es keinesfalls so, dass der Name Lloyd immer nur für Schiffe steht. So gibt es beispielsweise die Lloyd Fonds Consulting GmbH, die Lloyd Fonds Energie Europa Beteiligungs GmbH & Co. KG, die Lloyd Fonds Energie Europa Verwaltungs GmbH oder die Lloyd Fonds Hotel Leipzig Nikolaikirche GmbH & Co. KG.

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