Internetkriminalität: Europol warnt vor digitalen Mafia

Europol, ein Zusammenschluss in der Zusammenarbeit nationaler europäischer Polizeidienststellen, warnt vor einer zunehmenden Kriminalität im Internet. Als Täter wird die Unterwelt, genannt, ebenso Mafia-Organisationen.

Bild: pixabay.com | CC0 Public Domain
Hinter Internet-Kriminalität steht immer öfters Organisierte Kriminalität, die Mafia.

Europol sagt, dass vor allem im Darknet - einem über Tor-Netzwerke gesteuerten anonymen Internetzugang - zahlreiche kriminelle Aktionen besprochen würden. Allerdings gilt auch: Selbst das über Jahre als sicher geglaubte Verschlüsselungssystem von Blackberry gilt mittlerweile als geknackt.

Unter anderem hieß es aus den Niederlanden, die dortigen Behörden hätten Blackberry-Kommunikation - also beispielsweise SMS oder eMails, welche über Blackberry versendet werden - geknackt. Das heißt aber auch: Wie sicher Tor-Netzwerke noch sind, ist nicht klar. Dennoch werden sie von der kriminellen Szene nach wie vor genutzt.

Mit welcher Wucht Online-Kriminalität mittlerweile agiert, lässt sich an täglich Millionen Hackerangriffen ablesen und an Milliarden versendeter Viren und Trojanern in eMails. Sie gehen an Firmen ebenso, wie an T-Online-Kunden oder gmx-Kunden. Dabei werden die eMail-Namen der Betroffenen meist automatisch geraten und über einen Algorithmus die passenden möglichen eMail-Adressen kreiert.

Blackberry Kommunikation gilt als nicht mehr sicher

Die Internet-Mafia, sagt die im niederländischen Den Haag sitzende Europol, habe mittlerweile Unternehmen wie Privatpersonen gleichermaßen im Blick. Doch bislang, klagt die europäische Polizeikoordination-Stelle, genüge die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten im Bereich des Kampfes gegen die Organisierte Kriminalität, die Unterwelt, nicht. Auf einem Treffen diverser europäischer Innenminister war es am Dienstag deshalb ein Anliegen, hier künftig effektiver zusammenzuarbeiten.

Europol sieht mittlerweile umfangreiche kriminelle Tätigkeiten der Unterwelt im Netz: Neben Datenmissbrauch nennt Europol Betrug, Diebstahl von Online-Bankzugängen oder Kreditkartendaten, Erpressung, Bedrohung, Geldwäsche, Drogenhandel, Waffenhandel, Kinderpornographie. Europol behauptet weiter, wonach angeblich Kindesmissbrauch über Livestreams über das Darknett verbreitet würde.

Dem halten allerdings Kritiker entgegen, dass die meisten sexuellen Missbräuche von Kindern im unmittelbarsten Umfeld der Kinder stattfänden, dass sexueller Missbrauch über das Internet dabei eine eher untergeordnete Rolle spiele. Zwar müsse man auch hier den Missbrauch von Kindern im Netz eindämmen, aber den Hauptfokus - auf das soziale Umfeld der Kinder, wie die Familie - nicht verlieren. Nicht selten werden Kinder von den eigenen Eltern - dem Vater wie der Mutter -, oder Tanten, Onkels missbraucht.

Unterwelt greift Unternehmen, Privatleute und Behörden an

Im Fokus der digitalen Unterwelt stehen aber vor allem auch Angriffe auf Datenbanken von Unternehmen, Behörden oder Versicherungen. Das Ziel hier ist es an möglichst heikle Daten zu kommen, um von den betroffenen Opfern Geld zu erpressen. Beliebt ist es auch, dass vermeintlich berechtigte Rechnungen von Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen oder Postdienstleistern an Kunden per eMails verschickt werden. Doch in Wahrheit stammen die Rechnungen aus der Unterwelt, die sie wiederum aus geklauten Daten zusammenschusterte.

Wie wo angegriffen werde, das würde, vermutet Europol, angeblich im Darknet koordiniert. Ebenfalls ein beliebtes Mittel der digitalen Unterwelt: Erst gegen Zahlung von Geld werden Zugänge zu Konten oder eMails wieder freigegeben - was man natürlich nie machen sollte.

Angeblich, behauptet zumindest Europol, würde beim Handel im Darknet gerne auch über die digitale virtuelle Währung Bitcoins bezahlt.

In den Kampf gegen Internerkriminalität sind neben Europol und sonstigen europäischen Behörden längst auch Google, Microsoft oder Apple, auch Facebook, involviert. Denn niemand weiß besser, als diese amerikanischen Digital-Riesen, wer was und wann und wo im Internet sucht oder schreibt.

Google & Co überwachen ebenfalls das Internet auf kriminelle Aktionen

Letztlich ist nämlich jede Internet-Suchanfrage nicht anonym, sondern wird natürlich von den Digitalriesen aus den USA gespeichert und auf Auffälligkeiten ausgewertet. Doch trotz den umfangreichen Bemühungen der Internet- und sonstigen Digitalriesen: Die Unterwelt wird im Netz nicht schwächer, sondern seit Jahren stärker.

Verbraucher und Unternehmen schützen sich am besten mit einem guten Virenscanner, den es beispielsweise in der Basisversion des deutschen Anbieters Antivir sogar kostenlos gibt. Außerdem sollten Anhänge in eMails von dubiosen oder auch vermeintlich bekannten Absendern nicht geöffnet werden, sofern man nicht sicher ist, dass man auch ein Schreiben oder eine Rechnung von einer bekannten Institution erwartet.

Besonders beliebt sind eMails der Unterwelt an Verbraucher oder Unternehmen mit der Bezeichnung „Offene Rechnung“ oder „Offene Forderung“. Gerne werden dabei Absender-Adressen von bekannten Unternehmen oder Telekommunikationsunternehmen verwendet, die aber letztlich auch falsch sind. Denn technisch ist es kein Problem, den angezeigten eMail-Absender zu fälschen.

Im Zweifel den Absender von eMails anrufen, bevor ein Anhang geöffnet wird

Im Zweifel sollte man vor dem Öffnen eines Anhangs in einer eMail lieber bei dem Unternehmen oder der Behörde anrufen, ob diese tatsächlich etwas verschickt hat, als über einen Anhang sich gefährliche Spionage-Viren und Trojaner aus der Cybercrime-Szene auf den Computer zu laden. Dabei sollte man die Telefonnummern in alten realen Rechnungen oder im Internet heraussuchen und nicht jene verwenden, die in der Signatur sind.

Zudem sollte darauf geachtet werden: Immer weiter verbreitet sind auch Hacker-Mails von insolvent gegangenen realen Unternehmen, wobei sogar deren kompletten Signaturen verwendet werden. Das können kleine Elektrofirmen aus Landsberg ebenso sein, wie aus Jena oder Hamburg.

Eltern sollten auch frühzeitig ihre Kinder über die Gefahren im Internet aufklären, beziehungsweise sollten dies Kinder mit Eltern machen, die schon im etwas fortgeschritteneren Alter sind.

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