Shops Amazon Produkt-Anzeigen vor dem Aus?

Anzeigen, die nach einer Suchanfrage unter den Suchtreffern als Produkt-Anzeigen von externen Webseiten seit 2013 bei Amazon in Deutschland eingeblendet werden, sollen Ende Oktober 2015 auslaufen. Angeblich wolle sich Amazon, berichtet unter anderem der US-Blog ecommercebytes.com, diese Form der Werbung, die in den USA als Amazon Product Ads läuft, einstellen.

So sehen Amazon Produktanzeigen aus.

Insgesamt bietet Amazon bislang drei Werbeformen an: zum einen Display Anzeigen, zum anderen Lokale Anzeigen in Emails und dem Shop für spezielle Angebote/Promotions und zum dritten die Amazon Product Ads.

Letztere scheinen nun ein Auslaufmodell zu sein. Beim Amazon Product Ads funktioniert das Modell so, dass, wenn der Nutzer auf Amazon auf so eine Anzeige klickt, er auf den beworbenen Shop weitergeleitet wird und der Product Ad Kunde pro Klick einen Preis an Amazon bezahlt auf der üblichen CPC-Basis (Cost per Click).

Von dem wohl anstehenden Ende der Produkt Ads in Amazon nicht betroffen scheinen die auf Amazon in Form von "gesponserten Produkten" werbenden Shops zu sein. Diese Sponsored Links basieren letztlich auf dem Google Adsense Prinzip. Nach Angaben von Amazon nutzen in Europa rund 20.000 Verkäufer diese Werbeform auf Amazon.

Zu den Amazon Produkt-Anzeigen schrieb Amazon:

"Es handelt sich hierbei um Links zu Produkten, die auf externen Websites erhältlich sind. Wenn der Kunde auf einen solchen Link klickt, verlässt er die Amazon.de Website, die Produktseite auf der externen Website öffnet sich in einem neuen Browserfenster und der Kunde kann dort seinen Einkauf fortsetzen. Angebote externer Websites sind auf Amazon.de als ‚Produktanzeigen‘ gekennzeichnet, sodass Amazonkunden erkennen können, wann sie Amazon.de verlassen.

Die Kunden kaufen nicht über Amazon.de, wenn sie ein Produkt über eine externe Website erwerben. Daher erfolgen die Bezahlung und der Versand über den Verkäufer auf der externen Website und nicht über Amazon. Käufe über externe Websites sind nicht durch die Amazon A-bis-z-Garantie abgedeckt es sei denn, der Verkäufer bietet die Services Bezahlen über Amazon oder Amazon Payments an und der Kunde nutzt diese Services in Ihrem Webshop."

Auf die Frage, warum Amazon solche Werbeformen bislang anbot, schreibt das Online-Kaufhaus:

"Warum bietet Amazon.de Produkt-Anzeigen an? Wir zeigen diese Links zu Produkten auf externen Websites, um unseren Kunden eine größere Produktvielfalt und bessere Preisübersicht an einem Ort zur Verfügung stellen zu können. Unser Ziel ist es, dass Amazon.de die Plattform wird, an die Kunden denken, wenn Sie etwas online finden, suchen und kaufen möchten."

Dennoch scheint es Amazon nun ernst zu meinen. Off-Site-Verkäufer, die lediglich die hohe Nutzerfrequenz von Amazon haben möchten, um Traffic auf ihre Seiten zu bekommen, haben es künftig schwerer.

Amazon erhofft sich mit dem Provisionsmodell wohl mehr Umsatz

Von der neuen Amazon-Regel dürften in Deutschland primär Display-Produktanzeigen betroffen sein. Bislang, schreibt ecommercebytes.com, habe Amazon eine Stellungnahme zu den angeblich neuen Richtlinien abgelehnt.

Warum Amazon nun die beliebten Anzeigen angeblich abschalten will, darüber gibt es in der Szene der Onlineshop-Betreiber wildeste Gerüchte. Am wahrscheinlichsten ist, dass Amazon die schaltenden Händler zwingen möchte, mit Amazon Verträge abzuschließen dafür, dass sie ihre Produkte direkt im Rahmen der Amazon Marketplaces anbieten. Dafür würde dann Amazon pro Verkauf eine Provision erhalten.

Hier gehen Onlineshops davon aus, dass sie ein solcher Traffic letztlich teurer käme, als wenn lediglich über Ads in Amazon auf die eigenen Shops umgeleitet wird. Gleichzeitig zahlen die Shopbetreiber aber doppelt: Denn ihre eigene Marke verliert so weiter an Strahlkraft, während Amazon seine Marke, die fast schon Monopolstärke hat (neben Ebay und Otto), weiter stärken kann.

Die Cost per Click lagen bei Amazon Product Ads unterschiedlich hoch und waren je nach Produktgruppe abhängig. So kosten sie beispielsweise in der Gruppe Elektronik & Foto zwischen € 0,10 - € 0,43, in der Gruppe "Baumarkt" zwischen € 0,10 - € 0,75 und in der Rubrik Bürobedarf & Schreibwaren zwischen € 0,11 - € 0,83. Die Preise variieren je nachdem, wie teuer die verkauften Produkte sind. Das heißt: Liegt der Produktpreis beispielsweise im Bereich Haus & Garten und da in der Rubrik Elektro-Großgeräte bei 450,01 und aufwärts, kostete bislang ein Klick durch ein Nutzer auf eine solche in Amazon geschaltete konkrete Produktanzeige (die dann auch nicht nur auf eine Webseite zielte, sondern wirklich direkt auf das Produkt), € 0,48.