Börse Scheitert Rocket Internet 's Helpling wegen Helping.de? Trotz Millionen-Investitionen Massenentlassung

Kommentar – Ein Fünftel der Helpling Mitarbeiter, also rund 20 Prozent oder angeblich rund 50 (Berliner Zeitung) bis 70 (Handelsblatt), wurden nun von der Helpling-Geschäftsführung in Berlin gekündigt. Die Kosten seien zu hoch, man müsse bei dem Putzportal den Gürtel wieder enger schnallen. So heißt es aus den heiligen Bienenwaben-Hallen der Rocket Internet SE Nähe Berliner Hackeschen Markt. Dort wo die Räume eng sind und Einzelbüros so selten, wie helleres Tageslicht in vielen der ins Alter gekommenen Großraumbüros.

Bild: Screenhsot helpling.se
Kein gutes Omen: Als wir uns die schwedische Seite von Helpling anschauen wollten, kam eine Fehlermeldung.

Die einen sagen: Mitarbeiter müssten nun büßen, was das Management gründlich verbockt hat. Die anderen sagen: Der Expansion laufe gut, aber man sei zu schnell und zu kostenintensiv vorgepirscht. Wie auch immer. Es bleibt ein entscheidender Punkt, der sich langfristig als erhebliches Problem herausstellen könnte. Denn: Selbst gestandene Internet-Neards dachten bislang meist, die Rocket Internet-Seite rund um Putzhilfen laute auf den Namen Helping und nicht auf das komische Wort Helpling.

Helpling: Ein Wort, das man sich kaum merken kann – egal in welcher Sprache man schaut. Die jetzige Krise bei Helpling ist ein hausgemachtes Rocket Internet-Problem. Es ist eine Bankrotterklärung für jene, die glauben, den Menschen eine sieben als eine eins verkaufen zu können. Oder glauben, mangels Waschbrettbauch mit irgendwelchem Textilgefummel sich hübscher machen zu können, als man nackt ist. Doch die Realität kommt meist dann ans Licht, wenn man die Hosen (Rocket würde wohl sagen "Hosten") herunterlassen lassen oder eben sein Hemd öffnen muss. So wie jetzt Helpling. Das, was man sieht, ist nicht gerade berauschend. Die Hose ist eben doch keine Hoste.

Das muss man sich erst einmal vorstellen: Da werden Unsummen in Marketing-Kampagnen gesteckt, TV-Werbung, Plakatwerbung und ins Seo. Und am Ende, wenn man Menschen nur in seinem Freundes- oder Kollegenkreis fragt, wie denn nun das Putzportal der Berliner Rocket Internet SE von den Samwer-Brüdern (Oliver Samwer, Marc Samwer, Alexander Samwer) heiße, kommt wie aus einer Eins geschossen: Helping, beziehungsweise Helping.de – statt das gestelzte Helpling, was richtig wäre. Schlimmer geht’s nimmer.

In so einem Domain-Desaster hätte Rocket Internet das Geld der Anleger auch gleich in die Mülltonne werfen können und ein Zündholz hinterherschmeißen. Kapitalverbrennung der feinsten Güte. Dabei hatte man sich so bemüht, das Helpling in die Köpfe von Millionen Verbrauchern zu bringen: Auf Plakatwänden in Berlin, in Werbespots im TV. Über Seo-Beiträge, die in Google oder Bing.com & Co gut ranken.

"Der gesunde Menschenverstand lässt sich nicht übertölpeln"

Die Lehre, die man ziehen kann: Auch mit noch so vielen Millionen Euro in Marketing-Kampagnen und Seo lässt sich der gesunde Menschenverstand nicht übertölpeln. Wer glaubt, er könne, da er weder die deutsche Domain zu Helping.de besitzt, noch chancenlos ist, die international wichtigsten zu bekommen – vor allem helping.com (da sitzt schon AOL drauf) – mit einem Gagawort die Welt erobern zu können, dem sei die Rocket Internet-Geschichte eine Lehre. Eine Lehre, was Marketing und Geld kann und was nicht.

Doch es ist ja noch verflixter: Die eigentliche deutschsprachige Domain Helping.de ist eine Linkfarm die überall da hinführt, wo man eigentlich nicht hinwill. Dass Rocket Internet es noch nicht einmal für nötig befand, wenigstens diese Domain sich einzuverleiben (die Domain Helping.de steht bei Sedo zum Verkauf), ist an Peinlichkeit und Dilettantismus nicht mehr zu überbieten. Man hätte ja wenigstens umleiten können auf das verdruckste Helpling. Hier war Geiz definitiv falsch.

All das mögen Gründe sein, weshalb ein gut gemeintes und durchdachtes, auch absolut sinnvolles Projekt nun möglicherweise scheitert und der groß angekündigte Domain-BigBang eher ein mühseliges Gedruckse werden könnte.

Keine Frage: Helpling der Rocket Internet SE steht am Scheidepunkt. Da, wo einige Rocket Internet-Projekte ebenfalls stehen. Der Markt braucht mehr als Aussagen man sei der Größte, Beste, Welttollste. Dabei müssen wir froh sein, dass es Unternehmer wie jene von Rocket Internet gibt: Sie versuchen auch Deutschlands Internet-Szene aus der Total-Umklammerung und erstickenden Abhängigkeit von den Amerikanern etwas zu befreien.

Noch im Geschäftsbericht 2014 hatte Rocket Internet angegeben, man beschäftige bei Helpling 258 Mitarbeiter und habe bislang 46,5 Millionen Euro Kapital (Venture Capital) aufgenommen. Nach eigenen Aussagen habe Helpling bislang gut 150.000 Haushalte mit Putzhilfen bedient.

300 Mitarbeiter bei Helpling bleiben - vorerst

Aktuell sind entsprechend eines Berichts der Berliner Zeitung (Autor: Sebastian Wolff) noch 300 Mitarbeiter für Helpling tätig. Sie arbeiten unter dem Banner: "Helpling | Geprüfte Reinigungskraft jetzt online buchen". Noch vor einem halben Jahr konnte netz-trends.de in einer umfangreichen Recherche zu Rocket Internet-Portalen lediglich eine einzige Helpling-Präsenz entdecken – jene in Deutschland.

Wie die Berliner Zeitung deshalb auf die Aussage kommt, wonach "in Ländern, in denen das Geschäft nicht so angelaufen ist, wie erwartet" Helpling nun "das Handtuch" werfe und 50 Mitarbeiter gehen müssten, bleibt ein Mysterium. In welchen Ländern?

Zwar gibt es Domain-Namen, schnell zusammengestrickt, wie helpling.at, helpling.com, Helpling Australia, Helpling Austria, Helpling Brazil, Helpling Canada, Helpling France, Helpling Italy, Helpling Netherlands, Helpling Spain, Helpling Sweden, Helpling Singapore oder Helpling UAE. Doch selbst in den kleinen Arabischen Emiraten – wie Dubai – liegt die Seite laut Alexa Pagerank gerade mal auf Platz 3.763. Kommt also im arabischen World-Wide-Web kaum vor.

Fakt ist: Die Halbjahresbilanz von Rocket Internet SE ist laut Wirtschaftswoche dunkelrot. Das ist angesichts massiver Investitionen in zahlreiche Rocket-Projekte durchaus nachvollziehbar. Doch nicht nachvollziehbar ist, welcher Irrsinn die sonst so professionellen Rocket Internet-Leute geritten hat, mit einem so dämlichen Namen wie Helpling zu glauben erfolgreich sein zu können.

Durchhalte-Parolen in Kernländern

Noch verbreitet man Durchhalte-Parolen: In den Kernländern Deutschland erhoffe man auch künftig Wachstum. Ebenso in anderen Ländern. So schreibt die Berliner Zeitung: "Dafür will sich Helpling nun auf seine Kernmärkte Deutschland, Frankreich, Niederlande sowie Großbritannien konzentrieren." Dort seien die Wachstumsaussichten am besten.

Warum nur fehlt das angebliche Kernland Großbritannien in der Länder-Übersicht von Helpling?Bild: Screenshot Helpling

Doch: Nach Monaten am Start (nach wie vielen eigentlich) von "Kernländern" zu sprechen, ist auch mal wieder typisch Rocket Internet. Als wir jedenfalls Helpling Schweden öffnen wollten – also www.helpling.se - kam eine Fehlermeldung. In der Meldung hießt es: "The web server reported a bad gateway error." Immerhin: Nach kurzer Zeit war die Seite wieder online.

Doch beim Blick auf den Alexa Page Rank trat wieder Ernüchterung ein: Hier war die schwedische Helpling-Seite so schwach, dass sie noch nicht einmal einen eigenen Alexa Rank hatte. Ausgewiesen wurde dafür der globale Alexa Webseiten-Rank (Platz 439.835) sowie der deutsche (Platz 46.811). Erhellend wirkte dann wiederum ein Bericht des Handelsblatt. Hier stand, wonach Helpling sich aus vier Ländern wieder zurückziehe, "nämlich aus Brasilien, Kanada, Schweden und Spanien."

Auch das fiel uns auf: In dem Drop-Up-Menü zu den Länderpräsenzen von Helpling konnten wir Großbritannien gar nicht finden (obwohl es die Seite gibt: helpling.co.uk). Ebenfalls dem Handelsblatt ist wiederum zu entnehmen, dass Helpling in Großbritannien scheinbar die Marken-Gleichheit etwas aufweicht und dort wohl vor allem mit dem zugekauften Portal Hassle.com erfolgreich sei.

Immerhin gab es einen Alexa Webseiten-Rang für die Präsenz in Frankreich, also helpling.fr: Platz 20.613. Auch im Falle der Niederlande (helpling.nl) wies der Webseiten-Gradmesser Alexa (Mozilla Ad On) keinen separaten Wert für die Niederlande aus, was darauf hindeutet, dass die Seite dort unter dem Radar fliegt. Die deutsche Präsenz, Helpling.de, läuft über die Helpling GmbH. Geschäftsführer hier sind Benedikt Franke, 32 (Gründer) und Philip Huffmann.