Interview zur Frankfurter Buchmesse 2015 Marlies Hebler über Bookwire und die Chancen des digitalen Verlegens

Marlies Hebler, Director Business Relations Bookwire, gilt in der Buchbranche als DIE Expertin beim Thema Digitalisierung. Marlies Hebler wird dieses Jahr eine der Sprecherinnen im Business Club der Frankfurter Buchmesse sein. Netz-trends sprach mit ihr über die Faszination Buchbranche, über kleine und große Revolutionen sowie über die Chancen des digitalen Verlegens.

Copyright: Bookwire
Für Marlies Hebler ist die Digitalisierung der Buchbranche die größte Herausforderung

Beschreiben Sie Ihre Firma Bookwire in drei Sätzen.

Marlies Hebler: Bookwire wurde 2009 als Start-up gegründet und ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das sich auf die weltweite Distribution und Vermarktung von E-Books und digitalen Hörbüchern in alle vorhandenen und zukünftigen Vertriebskanäle spezialisiert hat. Bookwire unterhält Standorte in Deutschland, Spanien, Brasilien und Mexiko und sorgt dafür, dass die digitalen Produkte der derzeit über 1.000 deutschen und internationalen Verlagskunden global verfügbar und mit der richtigen Mischung aus Technologie und Know-how erfolgreich am Point of Sale vermarktet werden.

Sie verfügen über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung im Publishing-Bereich? Welche Zeit war für Sie am spannendsten?

Marlies Hebler: Im Publishing-Bereich zu arbeiten war und ist für mich stets eine spannende Herausforderung, da diese Branche sich dem fortwährend wandelnden Zusammenspiel von der Generierung von Inhalten und den technischen Möglichkeiten der Umsetzung und Verbreitung stellen muss. Persönlich ist sicherlich das Jahr 2009 zu erwähnen: mein Wechsel von der Tätigkeit in einem traditionell arbeitenden Verlag hin zum Aufbau eines Start-ups (textunes), das sich den Möglichkeiten des digitalen Verlegens auf mobilen Endgeräten verschrieben hatte.

Viele sprechen heute von einer kleinen Revolution im Verlagswesen. Sehen Sie das auch so?

Marlies Hebler: Warum „klein“? E-Books, E-Reader, Digitales Publizieren, neue Verwertungsmodelle wie Miete, Leihe, Freemium, kollektive Finanzierungen ... das sind für mich Bestandteile einer tiefgreifenden Revolution und Umwälzung der Buch- und Verlagsbranche, wie wir sie mal gekannt haben.

Was sind die aktuell größten Herausforderungen der Buchbranche?

Marlies Hebler: Eindeutig die Digitalisierung, das heißt für unsere Branche konkret: die „Verflüssigung“ von Inhalten, wie SZ-Autor Dirk van Gehlen so treffend beschrieben hat, von Produktions- und letztendlich auch Vertriebsarten. Alles ist im Wandel begriffen, da die Digitalisierung diesen Wandel möglich macht: Wie wir als Konsument lesen, wo wir lesen, was wir lesen, wie wir an Lesestoff kommen, die Geschäftsmodelle im Publishing ... alles ist im Fluss. Darin liegen aber auch unendlich viele neue Spielarten, Geschäfte zu machen. Wenn es den Verlegern gelingt, sich als Geschichtenproduzent resp. Wissensvermittler zu begreifen, und nicht mehr primär als Buchproduzent, und sie dieses neue Selbstverständnis konsequent durchdeklinieren, öffnen sich ganz neue Räume.

Hat das klassische Buch ausgedient?

Marlies Hebler: Nein, warum sollte es? Es ist in seiner ganz eigenen Produktform perfekt.

Was sind die größten Fehler der Verlagsbranche?

Marlies Hebler: Eine Branche selbst kann meines Erachtens keine Fehler „haben“. Es sind höchstens die in einer Branche agierenden Entscheider und Akteure, die Fehler machen. Veränderungen meinen aussitzen zu können oder zu denken, dass technische Weiterentwicklungen vorübergehender Natur wären sind meiner Meinung nach brandgefährlich. Mitarbeiter und Kollegen nicht zu ständiger Neugierde und Auseinandersetzung mit dem Neuen anzuspornen halte ich ebenfalls für grob fahrlässig.

Was fasziniert Sie an der Buchbranche?

Marlies Hebler: Kluge Menschen und schöne Bücher in jedem Format!

Was können die Branchen voneinander lernen – z.B. die Buch- von der Games- oder Filmbranche.

Marlies Hebler: Sehr viel! Alle Branchen, die mit Inhalten ihr Geld verdienen, sind den Umwälzungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt, ausgesetzt und können von Erfahrungsaustausch, Wissens-Sharing bis hin zu Kooperationen nur profitieren. Nehmen Sie zum Beispiel die sich verändernden Verwertungsstufen in der Filmbranche: Bereits in den 80ern wurden Filme erst im Kino, dann im Video bis hin zum Free-TV ausgewertet. Heute lassen die erfolgreichen TV-Serien zum Kaufen oder Leihen in den Digital-Stores die Kassen klingeln. Ein unendliches Experimentierfeld in der Wertschöpfung von Inhalten tut sich da auf, von dem die Buchbranche vieles lernen kann.

Ask the Expert: heißt das Format auf der Buchmesse, bei dem Sie involviert sind. In welchem Bereich würden Sie am liebsten beratend zur Seite stehen?

Marlies Hebler: Natürlich in dem Bereich, in dem Bookwire aktiv ist: Wie kann ich als Verleger meinen Vertrieb und die Vermarktung von digitalen Produkten optimal organisieren? Hier setzt Bookwire als Digital-Dienstleister mit bestmöglicher Beratung, Software und Service an.

Und wen würden Sie gern mal beraten?

Marlies Hebler: Alle Verleger, die ihr Verlagsgeschäft ins Digitale erweitern und/oder optimal aufstellen möchten.

Was liegt bei Ihnen auf dem Nachttisch: ein Print-Buch oder ein E-Reader?

Marlies Hebler: Mein Nachttisch ist gerade mal groß genug für mein iPhone. Aber neben meinem Bett liegen aktuell drei gedruckte Bücher (ein Hardcover, zwei Taschenbücher), eine Tageszeitung sowie ein iPad. Lesestoff bieten sie alle.

Wo sehen Sie Bookwire in 5 Jahren?

Marlies Hebler: Natürlich auf der Buchmesse!


Über den Business Club der Frankfurter Buchmesse

Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht und Business Clubs mit entspannter Club-Atmosphäre bringen Menschen zusammen. Die Frankfurter Buchmesse hat dies im letzten Jahr erkannt und einen Ort geschaffen, der ideale Voraussetzungen für unsere internationalen Messeteilnehmer bietet – abseits des Messerummels und dennoch mitten im Geschehen. Mit 3.000 „Mitgliedern“ aus 50 Ländern war er mehr als erfolgreich. In diesem Jahr wird das Konzept fortgesetzt. Neben Ken Follett werden im Business Club der Frankfurter Buchmesse mehr als 150 Referenten / Experten aus 13 Ländern über Trends und Entwicklungen im internationalen Publishing sprechen. „Unsere Gäste sind Key-Player in den wichtigsten Märkten und Sparten. Sie stellen nicht nur die neuesten Trends im internationalen Mediengeschäft vor, oft haben sie diese Trends auch selbst initiiert“, sagt Holger Volland, VP Business Development der Frankfurter Buchmesse.

Übrigens. Zugang zum Business Club und seinem gesamten Leistungsangebot erhalten Besucher mit der Fachbesucherkarte BUSINESS. Das Wochenticket BUSINESS enthält außerdem den Zugang zu den Konferenzen THE MARKETS (13.10.2015) und International Rights Directors Meeting (13.10.2015). Das Wochenticket BUSINESS kostet 990 Euro zzgl. Mehrwertsteuer. Das Tagesticket BUSINESS kostet 490 Euro. www.buchmesse.de/businessclub

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