Google Inc.: Google News Spain offline / Tausende blogs wirtschaftlich bedroht / Gefährliches Spiel mit EU

Damit treibt der mächtige US-Konzern Google Inc., der im Jahr derzeit über 70 Milliarden US-Dollar umsetzt bei über 13 Milliarden Dollar Jahresgewinn, seinen Konflikt mit Europas Zeitungs-Verlegern, Zeitschriften-Verlegern, aber auch mächtigen EU-Politikern auf eine weitere Spitze. Man darf abwarten, wann das politisch durchaus mächtige EU-Imperium zurückschlägt. Doch derzeit sitzt Google am längeren Hebel:

So verabschiedete sich die Google Inc. von Spanien: Gehen Tausende Nachrichtenblogs jetzt offline?

Wie vom weltgrößten Internet-Monopolisten, der amerikanischen Google Inc. angekündigt, nahm das Unternehmen zum Dienstag den 16. Dezember 2014 alle Medien aus Google News Spain, also Google News Spanien offline und schloss das wichtigste spanische Internet-Nachrichtenangebot. Geschätzt Tausende spanische Nachrichtenblogs dürften jetzt in ihrer Existenz bedroht sein.

Egal ob Unternehmen im E-Commerce, Blogs oder Nachrichten-Webseiten: In Europa kommt kein einziges Unternehmen wirtschaftlich dauerhaft an dem US-Monopolisten Google vorbei. Das liegt daran, dass alleine in Deutschland im Schnitt 96% aller Seitenaufrufe über eine Suchanfrage an Google erfolgen. Eine Webseite, welche die Google Inc. nicht listet, kommt im Internet wirtschaftlich faktisch nicht vor. Auch Nachrichten-Blogs erzielen teils bis zu 99% ihrer Seitenaufrufe über Google.

Entsprechend drastische Auswirkungen hat die Ankündigung von Google, nun Google News Spain komplett einzuebnen. Das ist die trotzige Antwort der Amerikaner auf die Forderung der spanischen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, für redaktionelle Nachrichten, welche in Google News gelistet werden, an die Urheber – die Redaktionen und Verlage – mehr zu bezahlen, als nur 50% von den über die Webseiten erzielten Werbeeinnahmen Dank der Einbindung von Google Adsense Werbeanzeigen.

Unter Google Adsense versteht man die Textteil- oder Display-Werbung, welche auf Hunderttausenden Webseiten weltweit eingeblendet wird und gerade bei journalistischen Angeboten in der Regel die einzige (dürftige) Einnahmequelle darstellt. Eine große deutsche regionale Abo-Tageszeitung kommt so zwar im Schnitt auf rund eine Millionen Euro jährlicher Werbeeinahmen – doch viel mehr als rund 10 Redakteure und 10 Techniker lässt sich damit kaum bezahlen.

Google Werbesystem "Google Adsense" ist genial

Doch eine große regionale Abo-Tageszeitung, wie das Hamburger Abendblatt, hatte in Spitzenzeiten nach Schätzungen teils über 180 Redakteure. Deshalb sind die dürftigen Einnahmen aus Onlinewerbung für ein qualitativ hochwertiges Nachrichtenangebot bei weitem zu niedrig.

Ein Nachrichtenblog wie beispielsweise unser Blog netz-trends.de erhält bei täglich rund 2.000 Seitenbesuchern im Schnitt im Monat lediglich rund 170 bis 270 Euro Werbeeinnahmen durch die Einbindung von Google Adsense-Anzeigen. Doch ohne dieses eigentlich hervorragende und geniale Werbesystem von Google hätte auch netz-trends.de letztlich gar keine Einnahmen. Deshalb ist das US-Unternehmen für Millionen Webseiten weltweit Fluch und Segen in einem.

Nun also lässt Google gefährlich im EU-Land Spanien die Muskeln spielen. Das soll wohl gleichfalls eine Drohkulisse an anderen EU-Länder sein – wie Deutschland -, dass, wer sich zu stark gegen Google auflehnt, mit harten Strafmaßnahmen und wirtschaftlicher Vernichtung zu rechnen hat. "Denn die Umsätze sinken in aller Regel eins zu eins mit dem Verlust an Sichtbarkeit in Google", sagt der Geschäftsführer eines bekannten deutschen E-Commerce-Unternehmens, das jährlich rund 38 Millionen Euro umsetzt.

Wolle also Google beispielsweise eigene Google-Angebote wie Google Products, Google Compare (für Versicherungs-Vermittlungen), Google Hotelfinder, Google Maps oder Google Flights pushen (was Google tut) und nehme deshalb Konkurrenten aus dem Index der Google-Suchmaschine, habe das entsprechende drastische wirtschaftliche Folgen für die Konkurrenten.

Wenn Google eigene Produkte pusht und Wettbewerber aus der Sichtbarkeit in Google drängt

Beispielsweise verloren Preisvergleichsseiten im Google Search-Index in Deutschland 2014 teils über 80% ihres Traffics, "da Google plötzlich sein eigenes Angebot Google Products nach vorne schieben wollte", sagte der Geschäftsführer einer großen deutschen Preisvergleichs-Seite für Produkte in unterschiedlichen Online-Shops.

Doch spielen die Amerikaner da ein gefährliches Spiel. Denn Kollektiv-Haftungen, wie Google sie nun an allen Nachrichten-Blogs im wichtigen Nachrichten-Channel Google News vollzieht, bedeuten ein wirtschaftlich kollektives Aus für Hunderte, wenn nicht Tausende spanische Nachrichtenblogs. Doch damit erreicht Google nur eines: der Internetkonzern macht deutlich, wie stark die EU am Google-Tropf hängt. Damit dürfte für Google langfristig genau das folgen, was der US-Konzern nicht möchte: nämlich noch lautere Rufe nach dem bekannten Schlachtruf des Europäischen Parlaments, der da vor kurzem lautete "zerschlagt Google".

Auch wenn eine formal-juristische Zerschlagung von Google derzeit schwierig erscheint, so sollten die USA die Möglichkeiten eines Machtgebildes wie der Europäischen Union nicht unterschätzen. So wäre Google nicht das erste Unternehmen, das in Ländern durch zunehmende Regulierungen in die Knie gezwungen worden wäre.

Dass Google nun Google News Spanien schließt, beruht auf dem Leistungsschutzrecht, das Spaniens Verleger versuchten gegen Google gesetzlich durchdrückten. Es zwingt die Google Inc. an alle Nachrichtenblogs von Verlegern einen Obolus abzudrücken für den Fall, dass neben der Überschrift auch die ersten zwei oder drei Nachrichtenzeilen des Textes eingeblendet werden (was für die Nutzer aber wichtig ist).

Google verdient durchaus auch mit Google News Geld - indirekt

Den radikalen Schnitt mit Spaniens Nachrichtenwelt im Internet begründen die Amerikaner wie folgt: "We’re incredibly sad to announce that, due to recent changes in Spanish law, we have removed Spanish publishers from Google News and closed Google News in Spain."

Falsch ist die Google-Begründung, wonach man mit Google News angeblich kein Geld mache, da man dort keine Werbung einblende.

Denn Geld verdient Google durchaus mit dem Angebot Google News – aber eben indirekt und zwar über die Einbindung der Google Werbung (Google Adsense) auf den Nachrichtenseiten. Allerdings erhalten die Publisher wie Google nur dann etwas Geld - zwischen 1 Cent und circa 1 Euro - , sofern ein Nutzer auf eine Werbeanzeige auch klickt.

Denn nur das Einblenden von Werbung bringt im Falle von Google Adsense-Werbung - welche auch netz-trends.de einblendet - keinen einzigen Cent. Deshalb sind die Redaktionen elementar darauf angewiesen, dass Nutzer auch einmal auf Werbung klicken und sich diese kurz anschauen. Man spricht in Fachkreisen von Cost per Click.

Ohne Google hätten viele Nachrichblogs bis zu 99% weniger Nutzer

Um einen kleinen Einblick in die Bedeutung von Google News für Nachrichtenblogs zu geben: Bevor netz-trends.de in Google News als Nachrichtenblog aufgenommen wurde, hatten wir pro Tag teils unter 100 Lesern. Nach der Aufnahme stiegen die Seitenaufrufe auf im Schnitt über 2.000 pro Tag. Eine solche Hebelwirkung von Google kann auch für Angebote wie welt.de, süddeutsche.de, bild.de, abendzeitung.de, Focus-online, rp-online (Rheinische Post) angenommen werden.

Mit dem Aus von Google News Spain verlieren wahrscheinlich Tausende spanische Online-Journalisten ihre wirtschaftliche Basis:

Google schreibt über sich selber: "Google’s innovative search technologies connect millions of people around the world with information every day. Founded in 1998 by Stanford Ph.D. students Larry Page and Sergey Brin, Google today is a top web property in all major global markets. Google’s targeted advertising program provides businesses of all sizes with measurable results, while enhancing the overall web experience for users. Google is headquartered in Silicon Valley with offices throughout the Americas, Europe and Asia."

Google beschäftigt nach eigenen Angaben zwischen 10.000 bis 25.000 Mitarbeiter.