Danke Google! Wurden 25 Mio. an Adblock Plus gezahlt, um durchgelassen zu werden?

Doch: Fragwürdig ist dabei vor allem einer - Adblock Plus und die hinter dem Anzeigenblockierer stehende Firma Eyeo GmbH (Geschäftsführer: Wladimir Palant und Till Faida). Denn Adblock Plus dürfte weltweit auf Grund der Stärke von Mozilla dazu beitragen, dass tausende Blogs und Nachrichtenseiten noch weniger Einnahmen haben, als es sowieso schon der Fall ist.

Grafik: Google News
Große Aufregung: Die Massenmedien bewegt eine angebliche Google-Zahlung.

Man fragt sich manchmal wirklich, wie einfältig Journalisten sind. Da jammern sie von sueddeutsche.de bis welt.de, wonach Google mit einer angeblichen Zahlung von 25 Millionen Dollar an Adblock Plus einen "fragwürdigen Deal" gemacht habe.

Deshalb könnt man durchaus auch sagen: Es war der richtige Schritt von Google zu versuchen, hier eine Lösung zu finden und dafür zu sorgen, dass auch Google Adsense wieder auf Portalen erscheinen können – auch dann, sollte ein Nutzer Adblock Plus heruntergeladen haben. Denn: Man könnte auch argumentieren: Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise gegen den Willen der Betreiber von Blogs und Nachrichtenseiten wie Netz-Trends ein dritter – nämlich Adblock Plus – hier wirtschaftlich für Schaden sorgt.

Hinzu kommt: Die angebliche Werbung auf Online-Portalen wird von Google sowieso recht stark reglementiert - pro Webseite dürfen maximal 3 bis 4 Anzeigenblocks geschaltet werden. Weniger würden auch gar keinen Sinn mehr machen, da eine Webseite dann gar keine Einnahmen mehr hätte.

Letztlich muss es doch den Blog- und Nachrichtenbetreibern selbst überlassen sein, ob sie Werbung zur Refinanzierung schalten mögen oder nicht. Nutzer, die eine Seite nicht besuchen möchten, die Werbung schaltet, müssen die Seite ja nicht aufsuchen.

Einblenden von Werbung auf Blogs bringt in der Regel keinen Cent

Ob Google nun 25 Millionen Dollar oder weniger an Adblock Plus bezahlt hat, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, dass der Milliardenkonzern Google gerade kleineren Blogs und Nachrichtenseiten, die auf Onlineanzeigen angewiesen sind (vor allem Google Adsense), hilft, sich weiterhin über Werbung refinanzieren zu können. Denn eine andere Einnahmequelle gibt es in 95 % der Fälle nicht (Ausnahme: Ecommerce-Plattformen).

Nach wie vor gilt: Ohne Online-Anzeigen können Online-Portale, seien es Blogs oder Nachrichtenportale, nicht leben. Selbst das reine Einblenden einer Online-Anzeige, beispielsweise von Google Adsense, von Google ausgespielt, bringt den Portalen, auch Netz-Trends, nicht einen Cent. Nur wenn ein Seiten-Nutzer, also ein Leser, auch mal auf eine Werbeanzeige aktiv klickt, "spült" dies im Idealfall zwischen 1 Cent und circa 50 oder 70 Cent in die Kasse eines Blogs oder Nachrichtenportals. Man spricht in diesem Zusammenhang im Marketing auch von costs per click oder conversion rate.

Wenn man nun Google vorwirft, angeblich 25 Millionen Dollar an Adblock Plus bezahlt zu haben, so muss man sagen: Klasse und Danke Google. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Warum haben nicht andere Verlagshäuser das getan - oder gleich komplett Adblock Plus aufgekauft?

Was also um alles in der Welt ist daran fragwürdig, wenn uns Google hilft, im Internet - gerade auf kostenlosen Nachrichtenportalen - wenigstens ein paar Euro zu verdienen????

Werden Internet-Suchmaschinen und Webseiten-Betreiber von der Blockierszene erpresst?

Um ein paar Zahlen zu skizzieren: Blogs oder Nachrichtenseiten mit 100.000 Seitenaufrufen im Monat, wie Netz-Trends, schaffen es in Spitzenmonaten mit Onlinewerbung - wie Google adsense - häufig gerade einmal 200 bis 300 Euro im Monat einzunehmen. Viele Blogs und Nachrichtenportale sind idealistische Produkte - auch geschaffen, um für mehr demokratische Vielfalt zu sorgen.

Deshalb helfen Werbeblockierer im Internet nur einem: Den Internetgiganten im Markt, sie sind aber ein Killer von kleineren und großen Blogs und Nachrichtenportalen.

Fragwürdig ist nicht Google sondern die Anzeigenblockier-Szene selbst - und dass selbst Giganten wie Google scheinbar gezwungen sein könnten, eine Art Ablass an die Programmierer zu bezahlen, um zu erreichen, dass sie mit ihren Anzeigen durch das Netz gelassen werden. Hart formuliert könnte man auch auf den Gedanken kommen, ob es sich im einen oder anderen Fall um Erpressung handeln könnte.

Deshalb tut Google Recht daran, wenn es nur kurz Stellung bezieht zu der Geschichte: "Adblock Plus hat im Juni 2013 angekündigt, dass Suchmaschinen-Anzeigen und gesponserte Ergebnisse bei Google für die 'Acceptable Ads'-Liste geeignet sind."

Von Adblock Plus heißt es jedenfalls, wonach die angeblich von Google bezahlten 25 Millionen Dollar "falsch, völlig falsch" seien.

Neben Google kursieren auch Gerüchte, wonach Ebay möglicherweise mit Adblock Plus zusammenarbeite, um das Anzeigen-Blockiersystem zu umgehen. Doch hierzu sagte Ebay: "Es besteht kein Vertrag zwischen Ebay und Adblock Plus sowie der Eyeo GmbH. Ich kann bestätigen, dass nie Geld für die Aufnahme von Ebay in die 'Acceptable Ads'-Liste von Adblock Plus geflossen ist."

Allerdings bestätigt eBay, wonach es einen "Testlauf" zwischen dem Onlinekautionshaus und Adblock Plus gegeben habe. Ergebnis sei gewesen, dass sich eBay entschlossen habe, nicht mit Eyeo zusammenzuarbeiten.


Gefällt mir
 
0 5
0