Deutsche Telekom René Obermann will Schengener Internet, Schengen-Routing

In dem Zeit-Gespräch plädiert René Obermann für eine Art europäisches Internet, eine Art Schengener Internet. Einerseits müsse das Internet offen bleiben, andererseits wolle er als Telekom-Chef eine Diskussion anstoßen, wie man mehr Sicherheit im Netz schaffen könne: "Ich finde die Zustände, die wir im Moment haben, unhaltbar. Wir sind im Zeitalter von Big Brother angekommen...". Doch genau damit wolle er, Obermann, sich nicht abfinden.

Foto: Deutsche Tekeom, Thomas Ollendorf
Telekom-Chef René Obermann will Schengener Internet.

In einem interessanten Gespräch, welches in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlicht ist (vom 29. November 2013, S. 31, 32) und zwar zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, René Obermann und einem Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), Frank Rieger, debattierte das unterschiedliche Duo über die Folgen der kriminellen Hackeraktivitäten der US-Stasibehörde NSA für das Internet und die Datensicherheit.

Deshalb schlage die Deutsche Telekom vor, ein Internet "kurzer Wege" einzuführen. Konkret sehe er dafür die Grenzziehungen im Schengener Abkommen in Europa als gute geografische Basis für ein "Schengen-Routing". Dabei müssten eben Sender von Internet-Inhalten sowie Empfänger sich jeweils im Schengen-Raum befinden. Es sei unnötig, erklärte René Obermann, dass Daten über Amerika oder Asien geführt, also geroutet würden, wenn das gar nicht nötig sei. "In Amerika wird es längst so gehandhabt", führte der Telekom-Vorstandschef weiter aus.

Kritisch distanziert erlaubte sich Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) einen Hinweis, wonach er, also René Obermann, ja für einen der größten Telekommunikationskonzerne der Welt spreche. Dabei habe gerade der Chaos Computer Club mit dem Umstand ein Problem, "das wir in den Snowden-Enthüllungen gesehen haben, dass die Telekommunikationskonzerne traditionell willige Komplizen im geheimdienstlichen Abhörspiel" seien. Allerdings wollte das Obermann für die Deutsche Telekom AG so nicht stehen lassen. Er wehre sich entschieden gegen diesen Vorwurf: "Unser Name taucht in keinem belastenden Dokument auf".

Dennoch beharrte der CCC darauf, wonach zumindest über die erfolgreiche Deutsche Telekom-Tochter in den USA, T-Online (die verkauft werden sollte, was aber von Behörden untersagt worden war), "... ein Dokument veröffentlicht wurde, dass Zusammenarbeit mit amerikanischen Behörden belegt". Allerdings räumte Rieger ein, dass T-Online hierzu "durch die Gesetze gezwungen" sei. Dabei würde die Bundespolizei der USA die FBI-Schnittstelle für Strafverfolgungen auch nutzen lassen, "damit Nachrichtendienste Daten ausspähen können".

Für Obermann wiederum war das "sorry, zu platt". Bereits im Jahr 2001 habe die Deutsche Telekom die Öffentlichkeit über die Vereinbarung mit der amerikanischen Bundespolizei FBI informiert. Geheim sei daran nichts gewesen, da "sie ausschließlich die Weitergabe amerikanischer Daten zur Verbrechensbekämpfung an das FBI, nicht an die Geheimdienste" regele.

Eine solche Vereinbarung müsse jeder ausländische Netzbetreiber, "welcher in Amerika investiert", unterzeichnen, sonst dürfe man in Amerika "keine Infrastruktur betreiben". Doch auf Grund der Datenlieferungen an die Polizei mache dieser Umstand die T-Online noch "nicht zu Komplizen der Geheimdienste".