Aktien Börsengang Facebook - ist das Unternehmen tatsächlich 100 Mrd. Dollar wert?

Seit Tagen berichten Medien über den Börsengang der Social Media-Plattform Facebook - 16 Mrd. Dollar sollen dadurch mindestens eingenommen werden. Der Wert von Facebook ist in den Medien gigantisch explodiert: Lag er Anfang 2011 noch bei 50 Mrd. US-Dollar ist nun die Rede von 100 Mrd. US-Dollar. Das heißt: Die Börse sowie die Anleger gehen derzeit davon aus, dass jeder Facebook-Nutzer über 100 Dollar wert ist und das auch mindestens finanziell wieder einspielt. Doch es gibt auch Zweifel. netz-trends.de nennt einige Gründe.

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Facebook: Der größte Börsengang aller Zeiten birgt für Kleinanleger aber auch Risiken.

Der Facebook-Börsengang gehört damit zu den größten eines Internetunternehmens aller Zeiten. Rund 600 bis 900 Millionen angemeldete Nutzer weist Facebook derzeit auf. Das entspricht fast jedem 7 bis 8. Erdenbürger. Das ist zweifelsfrei phänomenal. Doch viele fragen sich: Ist Facebook dennoch das viele Geld, das der Börsengang jetzt einspielt, wert?

Legt man die klassische durchschnittliche betriebswirtschaftliche Formel zu Grunde und sagt Jahresgewinn mal 5 bis 8 (bei traditionellen Unternehmen) oder Jahresgewinn mal 15 bis 25 bei Digital-Unternehmen, müsste man sagen: Nein, Facebook ist mit seiner derzeitigen angenommenen Marktkapitalisierung überbewertet. Auch schon die Annahme, beispielsweise ein Facebook-Nutzer in einem Schwellenland wie Ägypten, würde für 100 Euro Gewinn bei Facebook-Anlegern sorgen, ist Tagträumerei. Wie auch: In Ägypten verdienen die Menschen im Schnitt gerade einmal zwischen 120 und 200 Euro im Monat - und das bei häufigen 15-Stunden-Arbeitstagen.

Eines ist deshalb klar: Für Kleinanleger ist die Facebook-Aktie nichts. Zwar ist die Chance, dass es zu einem ähnlichen Desaster kommt, wie vor zwölf Jahren beim Telekom-Börsengang, eher gering, aber ein finanzielles Missvergnügen für Kleinanleger liegt dennoch greifbar in der Luft. Wer in Facebook investiert, investiert in die Zukunft, investiert in eine Annahme, investiert in die Hoffnung - und zwar in die Hoffnung, dass sich das Investment wenn schon nicht kurzfristig so doch mittel- oder langfristig tatsächlich lohnt. Es ist ein klares Spekulations-Investment.

Das Unternehmen scheint überbewertet

Für Kleinanleger sind solche Investments eher nichts. Der Grund ist neben einer generell erscheinenden Überbewertung aber auch der: Die großen institutionellen Anleger, die Hunderte Millionen Euro investieren, sind längst mit wesentlich günstigeren Aktienkauf-Optionen versehen worden. Alles, was jetzt spekulativ höher bewertet wird, geht zu Lasten des Kleinanlegers. Sie tragen das Risiko, welches die institutionellen Anleger klug umschiffen können.

Facebook ist eine einmalige Erfolgsgeschichte. Gründer Mark Zuckerberg, der bald 28 Jahre alt wird, ist mit dem Börsengang gelungen, wovon Tausende Social-Media-Betreiber träumen. Doch lässt sich das sowieso nicht nur in Geld messen. Sein größter Verdienst ist, dass die Welt miteinander kommuniziert in einem Ausmaß, wie das noch niemals der Fall war.

Früher tauschte man beispielsweise notdürftig mit einer Urlaubsbekanntschaft die Adressen aus, dann kamen die Handynummern hinzu. Jetzt steht fast immer die Frage im Raum: Wie ist Dein Nickname auf Facebook. Facebook ermöglicht die unverbindliche Freundschaft in einem niemals erträumten Ausmaß.

Facebook gibt den Menschen eigentlich keinen kommerziellen Marktplatz, sondern ausschließlich einen sozialen Marktplatz. Das ist für die Menschen eine enorme Chance, die sie auch nutzen. Für Facebook selber bleibt das Problem bestehen, dass die Menschen Facebook nicht als kommerziellen Marktplatz wahrnehmen, sondern als sozialen.

Zudem: In Internet-Suchmaschinen wie google.de oder bing.com werden die Anzeigen dem Kommunikationsumfeld entsprechend ausgespielt, man spricht auch von ausgeliefert. Sie werden also in der Regel automatisiert angepasst an ein Suchumfeld des Verbrauchers auf Grund eines bestimmten Anliegens: Dem geplanten Kauf eines Autos, einer Reise oder eines Kleidungsstücks.

Tratsch am Treppenabsatz

Das Anliegen der Verbraucher ist aber in Facebook zu 95 Prozent ein ganz anderer - der Tratsch am Treppenabsatz: Wie geht es Dir, was machste, was macht die Liebe, was macht der Sex, wie war der Urlaub (ok, da hätten wir ein gutes Umfeld für Anzeigen) oder - wie läufts im Job (auch das könnte eventuell ein interessanter Anzeigenplatz für Headhunter etc. sein).

Doch: Selbst wenn es Facebook gelingt, umfeldaffine Anzeigen auszuliefern, so bleibt das Problem der schlechteren Conversion: Der Verbraucher beachtet einfach die Anzeigen erheblich weniger, da er ja im Gespräch mit seinem Gegenüber - einem Freund, einer Freundin, einem Kollegin, einer Kollegin etc. - ist.

Dabei besagen mittlerweile unzählige Studien: Die Masse der Menschen ist eben nicht multitaskingfähig. Die Masse der Menschen konzentriert sich auf eine Sache. Damit öffnet sich die spannende Frage: Wird es Facebook gelingen seine Anleger tatsächlich zufrieden zu stellen? Wird das Unternehmen tatsächlich ausreichende Einnehmen generieren können, um nicht nur seine immensen Portalkosten dauerhaft zu decken, sondern auch seinen gigantischen Börsenwert zu rechtfertigen und den vielen Anlegern Gewinn in Aussicht stellen zu können?

Dabei kann Gewinn natürlich auch sein, dass es nicht um monetären Gewinn geht, sondern um Gewinn, der aus dem Spekulationsgeschäft mit einer eigentlich überbewerteten Aktie entsteht.

Facebook wird auf Jahre hinweg Social Media dominieren - doch bringt das Geld?

Derzeit sieht es jedenfalls nicht danach aus, dass Facebook das gleiche Schicksal ereilen könnte, wie myspace.com. Medienmogul Rupert Murdoch hatte mit seiner News Corporation MySpace im Jahr 2005 für 580 Millionen Dollar gekauft - was damals eine unglaublich hohe Summer für ein Internet-Unternehmen war. Nun musste er es im Jahr 2012 mangels unternehmerischer Perspektive für gerade einmal 35 Millionen Dollar weiterverkaufen. Ein Verlust von über 500 Millionen Dollar für Murdoch.

Facebook wird so ein Schicksal sicherlich nicht ereilen. Zu groß ist die Marktmacht des Giganten. Facebook wird auf Jahre hinweg eine feste und mächtige Internetgröße weltweit werden. Doch wirklich nachhaltig wird das Geschäftsmodell wahrscheinlich nur, wenn eine Monetisierung verwirklicht werden kann - dann also, wenn Facebook als kommerzieller Marktplatz und vielleicht auch als Internetsuchmaschine wahrgenommen und genutzt wird. Doch davon aus Facebook derzeit noch meilenweit entfernt. Deshalb sollten Kleinanleger die Finger von Facebook-Aktien lassen. Es gibt wesentlich günstigere und gewinnträchtigere Aktien - beispielsweise in Russland.