Italien beschließt Notprogramm für Wirtschaft: Mittelstands-Kreditzahlungen wegen Corona-Notstand ausgesetzt

In einem verabschiedeten Dekret hat die italienische Regierung zum 11. März, also dem kommenden Mittwoch, umfangreiche Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft beschlossen. Es sei "ein sehr wichtiger steuerlicher Teil der Aussetzung von Zahlungen, Einbehaltungen, Beiträgen, Hypotheken von Privatpersonen und Familien" beschlossen worden, heißt es. Das berichtet unter anderem das italienische Nachrichtenportal ilfattoquotidiano.it.

Schon einmal hatte Italien Schuld an der Ausbreitung einer schlimmen Krankheit: An der Pest, die 1347 in Venedig losbrach und ganz Europa nach sich zog - mit 20 Millionen Toten. Damals hatten die Behörden eine falsche Entscheidung gefällt und hatten schwerkranke Menschen eines Schiffes an Land gehen lassen.

So erklärte die stellvertretende Wirtschaftsministerin Laura Castelli, man habe mit dem Kredit-Rettungspaket erhebliche Fortschritte gemacht. Das gleiche erklärte der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Stefano Patuanelli.

Des weiteren berate man derzeit darüber, ob neben der Aussetzung von Bankkrediten für den Mittelstand vorübergehend Steuern wie die Mehrwertsteuer erlassen werden sollten. Diese solle wenigstens bis zum 16. März 2020 ausgesetzt werden.

Haushaltsdefizit wird erhöht

Gleichzeitig gab das italienische Parlament den Startschuss für eine Erhöhung des Haushaltsdefizits bekannt. Es könne möglicherweise auf 2,9% des BIP steigen. Damit möchte die Regierung "Raum" für spätere Interventionen garantieren können.

In der Zwischenzeit gab die Regierung zudem bekannt, dass sie ganz besonders Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen aus ganz Italien, welche durch den Coronavirus-Notfall beschädigt worden seien, besonders schützen wolle. Möglich werden solle dies durch ein spezielles Kredit-Moratorium.

Mit dem Dekret ist es diesen Unternehmen erlaubt, bei Banken eine Aussetzung oder Verlängerung ausstehender Kredite zu fordern.

Aussetzung von Darlehensraten um bis zu einem Jahr

Die Aussetzung der Zahlung des Hauptteils der Darlehensraten könne, sagte die italienische Regierung, um bis zu einem Jahr beantragt werden.

Die Aussetzung gelte für mittel- und langfristige Kredite ( Hypotheken). Betroffen seien zunächst die Bereiche Agrar, Leasing- , Immobilien- oder Wertpapiertransaktionen. Im letzteren Fall betreffe die Aussetzung auch den impliziten Kapitalanteil der Gebühren.

Bei Kreditverlängerungsvorgängen könne die maximale Kreditlaufzeit bis zu 100% der Restlaufzeit der Tilgung betragen.

Für kurzfristige Kredite und für Kredite für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung betrage die maximale Laufzeitverlängerung 270 Tage, beziehungsweise 120 Tage.

ABI stützt das Notprogramm

Die Vereinbarung wurde von einer breiten italienischen Wirtschaftsvereinigung getragen, der sogenannten ABI.

Dazu gehören: Die Allianz italienischer Genossenschaften (Agci, Confcooperative, Legacoop), der Cia-Agricoltori Italiani, die Claai, Coldiretti, Confagricoltura, Confapi, Confedilizia, Confetra, Confimi Industria, Confindustria und das italienische Unternehmensnetzwerk (Casartigiani, Cna, Confartigianato, Confcommercio, Confesercenti).

Die Wirtschaft fordert den staatlichen Schutzschirm zudem für die Aktivitäten des Garantiefonds für KMUs, also Kleine- und Mittelständische Unternehmen, auszuweiten.

Zudem sollten zusätzliche Maßnahmen zur Erleichterung des Zugangs zu Krediten beschlossen werden.

In Italien ging 1347 auch die Pest in Europa mit 20 Millionen Toten los

Italien steht wegen der Corona-Krise besonders in der Kritik. Kein anderes europäisches Land hat so viele Infizierte und Tote zu beklagen, wie das Land am berühmten Stiefel.

Der italienischen Regierung wird zu langes Zaudern vorgeworfen, so dass das Virus immer stärker über die Grenze in die angrenzende Schweiz vordringen konnte, ins Tessin, sowie nach Österreich - sowie in viele andere europäische Länder.

Schon eimal war Italien Ausgangspunkt einer schlimmen Krankheit: Der Pest im Jahr 1347. Damals hatten die italienischen Behörden in Venedig die verhängnisvolle Entscheidung getroffen, eine sterbenskranke Rest-Besatzung eines Handelsschiffes an Land gehen zu lassen. Das war der Startschuss zu 20 Millionen Pesttoten in ganz Europa.