Vom Neobroker bis zur Filialbank: Was ein Wertpapierdepot in Österreich wirklich kostet

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine eigene Stiftung-Warentest-Studie wie in Deutschland gibt es für Österreich nicht. Verlässliche Zahlen liefern aber die offiziellen Preisaushänge der Banken und Vergleichsportale wie broker-test.at und capitalo.at.
  • Seit 1. Juli 2026 ist „Payment for Order Flow“ (PFOF) EU-weit verboten – das gilt direkt auch in Österreich, zuständig ist die FMA (Finanzmarktaufsicht Österreich) als nationale Aufsichtsbehörde für Wertpapierfirmen.
  • Laut offiziellem Preisaushang von Raiffeisen NÖ-Wien (Stand 1. Jänner 2025) kostet eine einzelne Aktienorder im Beratungspaket „Premium“ 9,41 Euro plus 0,600 % vom Kurswert – bei Neobrokern wie Trade Republic Österreich liegt der Bestpreis laut broker-test.at bei 1,00 Euro pro Order.
  • Eine Modellrechnung von NETZ-TRENDS auf Basis dieser Preislisten zeigt: Bei zehn Aktienorders im Jahr kann der Unterschied zwischen Neobroker und klassischem Beratungsdepot rund 866 Euro betragen.

In Österreich gibt es keine eigene Stiftung-Warentest-Studie zu Depotkosten. Ein Vergleich der offiziellen Preislisten zeigt trotzdem: Zwischen Neobroker und klassischem Bankdepot liegen oft mehrere hundert Euro im Jahr.

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Während Deutschland mit der Stiftung Warentest ein eigenes Testinstitut für Depotkosten hat, existiert in Österreich keine vergleichbare, laufend aktualisierte Untersuchung. Weder die Arbeiterkammer noch der Verein für Konsumenteninformation (VKI) haben 2026 einen systematischen Depotkosten-Vergleich veröffentlicht. NETZ-TRENDS hat deshalb die offiziellen Preisaushänge und Konditionenübersichten mehrerer in Österreich verbreiteter Anbieter ausgewertet.

Parallel dazu verändert sich – wie in Deutschland – die Preislandschaft bei den Neobrokern: Seit dem EU-weiten Verbot von Payment for Order Flow berechnen mehrere Anbieter neue Aufschläge für selbst gewählte Handelsplätze.

Warum es keinen Warentest für Österreich gibt

Die Stiftung Warentest ist eine deutsche Einrichtung und testet grundsätzlich nur Angebote, die auf dem deutschen Markt verfügbar sind. Für Österreich gibt es keine direkte Entsprechung mit vergleichbarer Marktmacht. Die Arbeiterkammer warnt zwar regelmäßig vor hohen Gebühren bei Fondssparplänen, ein systematischer Depotkosten-Vergleich mit konkreten Anbieternamen fehlt bislang. Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich sind daher stärker auf die Preisaushänge der Anbieter selbst sowie auf unabhängige Vergleichsportale wie broker-test.at oder capitalo.at angewiesen.

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„Im Moment besteht keine derartige Ausnahme vom Verbot von PFOF.“

Bundesministerium für Finanzen (BMF), zitiert nach broker-test.at

So entstehen die Unterschiede

Der Preisaushang der Raiffeisenbank NÖ-Wien (Region Korneuburg), gültig seit 1. Jänner 2025, zeigt beispielhaft, wie unterschiedlich die Pakete einer österreichischen Filialbank aufgebaut sind: Die Orderprovision reicht je nach Paket von 9,41 Euro plus 0,300 % vom Kurswert („Online“, ohne Beratung) bis zu 9,41 Euro plus 0,600 % vom Kurswert im Beratungspaket „Premium“. Dazu kommt eine quartalsweise Depotführungsgebühr von 16,94 Euro („Online“) bis 150,47 Euro („Premium“) zuzüglich 20 % Umsatzsteuer, gestaffelt nach einem zusätzlichen, wertabhängigen Anteil des Depotvolumens.

Neobroker wie Trade Republic Österreich, flatex Austria oder DADAT verzichten dagegen auf eine laufende Depotführungsgebühr und verlangen nur eine geringe Gebühr pro Order. Wer selten handelt und vor allem langfristig in ETF-Sparpläne investiert, spürt diesen Unterschied weniger stark als jemand, der regelmäßig Einzelaktien kauft und verkauft – dann schlägt zusätzlich die Orderprovision stärker zu Buche.

Modellrechnung: Orderkosten im Jahr

  • Annahme: zehn Order im Jahr, je 1.000 Euro Volumen.
  • Trade Republic Österreich (Bestpreis-Order): 1,00 Euro je Order, macht 10 Euro im Jahr. Keine Depotführungsgebühr.
  • Raiffeisen, Paket „Online“ (ohne Beratung): 9,41 Euro + 0,300 % vom Kurswert = 12,41 Euro je Order, macht 124,10 Euro im Jahr. Dazu 16,94 Euro Depotservice pro Quartal zuzüglich 20 % USt, macht rund 81 Euro im Jahr – macht zusammen rund 205 Euro.
  • Raiffeisen, Paket „Premium“ (mit Beratung): 9,41 Euro + 0,600 % vom Kurswert = 15,41 Euro je Order, macht 154,10 Euro im Jahr. Dazu 150,47 Euro Depotservice pro Quartal zuzüglich 20 % USt, macht rund 722 Euro im Jahr – macht zusammen rund 876 Euro.

Rechenweg Premium: 154,10 Euro Orderkosten plus 722,26 Euro Depotservice (150,47 Euro × 4 Quartale × 1,20 USt) ergeben rund 876 Euro. Zieht man die 10 Euro bei Trade Republic Österreich ab, bleibt eine Differenz von rund 866 Euro im Jahr – ohne den zusätzlichen, wertabhängigen Anteil der Depotgebühr, der je nach Depotgröße noch dazukommt.

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PFOF-Verbot gilt auch in Österreich – FMA zuständig

Seit dem 1. Juli 2026 ist „Payment for Order Flow“ (PFOF) in der gesamten Europäischen Union verboten. Gemeint sind Zahlungen, mit denen Handelsplätze Broker bislang dafür vergüteten, dass diese Kundenorders dorthin weiterleiteten – ein Modell, das vielen Neobrokern kostenlose oder sehr günstige Order ermöglicht hatte. Grundlage ist die EU-Verordnung 2024/791 zur Änderung der Finanzmarktverordnung (MiFIR). Mitgliedstaaten konnten bis zum 30. Juni 2026 eine nationale Ausnahme bei der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA anmelden.

Österreich hat von dieser Ausnahme keinen Gebrauch gemacht: Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) erklärte gegenüber dem Fachportal broker-test.at, es bestehe keine derartige Ausnahme vom PFOF-Verbot; eine Nutzung hätte zudem eine Gesetzesänderung erfordert. Für Österreich ansässige Wertpapierfirmen und Banken – etwa flatex Austria, DADAT Bank oder easybank – gilt das Verbot damit seit 1. Juli 2026 ohne nationale Sonderregel. Zuständige Aufsichtsbehörde für die Einhaltung der Wertpapiervorschriften durch in Österreich zugelassene Institute ist die FMA (Finanzmarktaufsicht Österreich); für Broker mit Sitz in anderen EU-Staaten, die ihre Leistungen per Niederlassungsfreiheit auch in Österreich anbieten – etwa Trade Republic oder Scalable Capital mit deutscher Zulassung –, bleibt die Heimatlandaufsicht (in diesem Fall die deutsche BaFin) zuständig; die FMA überwacht hier ergänzend den grenzüberschreitenden Vertrieb und die Einhaltung der Wohlverhaltensregeln gegenüber österreichischen Kundinnen und Kunden.

Eine eigene, öffentlich dokumentierte Aufsichtsmitteilung der FMA speziell zu PFOF-Umgehungsmodellen – wie sie die BaFin für Deutschland veröffentlicht hat – war zum Redaktionsschluss nicht auffindbar. Das ist an dieser Stelle offen zu benennen, statt eine Mitteilung zu unterstellen, die es nicht gibt.

Was Broker in Österreich heute verlangen

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Orderkosten mehrerer in Österreich verbreiteter Anbieter nach dem PFOF-Verbot, jeweils für eine Aktienorder über rund 1.000 Euro am jeweiligen Haupthandelsplatz.

Anbieter Order (Haupthandelsplatz) Depotführung / Besonderheit
Trade Republic Österreich 1,00 € 0 € Depotführung; 2,00 € bei selbst gewähltem Handelsplatz
flatex Austria 5,90 €* 0 € Depotführung; ETF-Sparplan 1,50 € je Ausführung
DADAT (Schelhammer Capital Bank) 3,90 €* 0 € Depotführung; Gettex 1,90 € + 0,10 %; ETF-Sparplan 0,75 €
Raiffeisen, Paket „Online“ (ohne Beratung) 9,41 € + 0,300 % 16,94 €/Quartal zzgl. 20 % USt, plus wertabhängiger Anteil
Raiffeisen, Paket „Premium“ (mit Beratung) 9,41 € + 0,600 % 150,47 €/Quartal zzgl. 20 % USt, plus wertabhängiger Anteil

* Vergleichsportal-Angabe (capitalo.at, Stand 13. Oktober 2026); Einzelangaben können sich seither geändert haben und sollten vor Depoteröffnung beim Anbieter selbst geprüft werden. Raiffeisen-Zahlen laut offiziellem Preisaushang NÖ-Wien, gültig ab 1. Jänner 2025. Erste Bank bietet über das Selfinvest-Depot (auch via George zugänglich) ebenfalls einen Online-Zugang; verlässliche, tagesaktuelle Einzelpreise waren über die öffentlich zugänglichen Quellen nicht eindeutig zu bestätigen – daher hier nicht beziffert.

Auffällig ist vor allem der Unterschied zwischen Neobrokern und Filialbanken: Während Trade Republic Österreich, flatex Austria und DADAT keine laufende Depotführungsgebühr verlangen, kommt bei Raiffeisen – je nach gewähltem Paket – eine quartalsweise Gebühr von rund 17 bis gut 150 Euro zuzüglich Umsatzsteuer hinzu. Auch bei den Neobrokern selbst gibt es nach dem PFOF-Verbot Bewegung: Laut broker-test.at verlangt Trade Republic inzwischen 2,00 Euro, wenn Kundinnen und Kunden einen bestimmten Handelsplatz selbst wählen, statt die automatische Bestpreis-Ausführung zu nutzen.

Checkliste vor der Depotwahl

  • Orderkosten für den eigenen bevorzugten Handelsplatz vergleichen, nicht nur die günstigste Bestpreis-Variante.
  • Depotführungsgebühr und etwaigen wertabhängigen Anteil genau prüfen – bei Filialbanken in Österreich oft quartalsweise berechnet, zuzüglich Umsatzsteuer.
  • Bei Beratungspaketen (z. B. Raiffeisen „Premium“) abwägen, ob die persönliche Beratung den deutlich höheren Preis für die eigenen Bedürfnisse rechtfertigt.
  • Bei Neobrokern mit Sitz im EU-Ausland (z. B. Trade Republic, Scalable Capital) prüfen, welche Aufsichtsbehörde zuständig ist – meist die Behörde des Sitzlandes, ergänzend die FMA für den österreichischen Vertrieb.
  • Wer häufig handelt, sollte zusätzlich die Zahl der verfügbaren Handelsplätze und mögliche Aufschläge für Fremdwährungen vergleichen.

Für Anlegerinnen und Anleger, die selten handeln und vor allem langfristig in ETF-Sparpläne investieren, zählt in Österreich vor allem die Kombination aus Orderprovision und – bei Filialbanken – Depotführungsgebühr. Wer dagegen regelmäßig einzelne Aktien oder ETF-Anteile kauft und verkauft, spürt die Orderkosten am stärksten im Jahresvergleich.

Häufige Fragen

Gibt es für Österreich eine eigene Studie wie die der Stiftung Warentest?

Nein. Die Stiftung Warentest ist eine deutsche Einrichtung und testet nur den deutschen Markt. Für Österreich existiert 2026 keine vergleichbare, systematische Untersuchung von Arbeiterkammer oder VKI. Verlässliche Zahlen liefern die offiziellen Preisaushänge der Anbieter sowie Vergleichsportale wie broker-test.at und capitalo.at.

Gilt das EU-Verbot von Payment for Order Flow auch in Österreich?

Ja, direkt. Seit 1. Juli 2026 ist PFOF EU-weit verboten, auf Grundlage der Verordnung (EU) 2024/791. Österreich hat keine nationale Ausnahme bei der ESMA angemeldet; laut Bundesministerium für Finanzen bestand „keine derartige Ausnahme“. Zuständig für die Aufsicht über in Österreich zugelassene Wertpapierfirmen ist die FMA.

Wie groß ist der Kostenunterschied zwischen Neobroker und Filialbank in Österreich?

In einer Modellrechnung von NETZ-TRENDS auf Basis offizieller Preislisten kostet eine Bestpreis-Order bei Trade Republic Österreich zehnmal im Jahr rund 10 Euro. Das Beratungspaket „Premium“ von Raiffeisen kommt für dieselbe Zahl an Orders inklusive Depotführung auf rund 876 Euro – ein Unterschied von rund 866 Euro im Jahr.

Bleiben Neobroker in Österreich nach dem PFOF-Verbot dauerhaft günstig?

Das ist offen. Wie in Deutschland ist unklar, ob Neobroker ihre bisherigen Preise ohne die früheren Rückvergütungen von Handelsplätzen halten können. Erste Preisänderungen – etwa Aufschläge für selbst gewählte Handelsplätze bei Trade Republic – sind laut broker-test.at bereits sichtbar.

Haben Sie bei Ihrem Depot in Österreich schon einmal unerwartete Gebühren entdeckt, etwa für einen bestimmten Handelsplatz oder eine Depotführungsgebühr? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Quellen und Stand

  • Verordnung (EU) 2024/791 zur Änderung der MiFIR (PFOF-Verbot, Art. 39a), Amtsblatt der Europäischen Union (eur-lex.europa.eu).
  • broker-test.at: „PFOF-Verbot tritt mit heute in Kraft! Was macht Österreich?“ – mit Stellungnahme des Bundesministeriums für Finanzen (broker-test.at).
  • broker-test.at: Konditionenübersicht Trade Republic Österreich (broker-test.at).
  • Raiffeisenbank Region Korneuburg (NÖ-Wien): Schalteraushang Wertpapiere, gültig ab 1. Jänner 2025 (raiffeisen.at, PDF).
  • capitalo.at: Depot-Vergleich Österreich, Konditionenübersicht flatex Austria und DADAT, Stand 13. Oktober 2026 (capitalo.at, flatex · capitalo.at, DADAT).

Recherche- und Datenstand: 3. November 2026.

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe. Länderfassung auf Basis eines Artikels von NETZ-TRENDS.de, für Österreich recherchiert.

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