Während in vielen Regionen Deutschlands ein Ärztemangel herrscht, ist in der Schweiz das Gegenteil der Fall: Hier gibt es zu viele Ärzte. Deshalb soll nun ein Ärztestopp der drohenden Ärzteschwemme auf dem Schweizer Gesundheitsmarkt Einhalt gebieten. Offiziell argumentiert man, man wolle damit auch die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen eindämmen helfen. Ob das in der Schweiz jedoch gelingt, steht in den Sternen. Schon in Deutschland hatte das Gesundheitsministerium der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren von einer 10-Euro-Praxisgebühr für Patientenbesuche in Arztpraxen bis hin zu Deckelung der medizinischen Gebührensätze alles Mögliche unternommen, um die Gesundheitskosten zu drosseln.

Nun hat der Schweizer Bundesrat beschlossen, bereits Anfang April 2013 eine Neuauflage des Ärztestopps in Kraft setzen zu wollen. Allerdings hat überraschend die zuständige ständerätliche Gesundheitskommission (SGK) ihr Veto eingelegt und zu einem vorübergehenden Aufschub der strikteren Reglementierung von Ärztezulassungen gesorgt.

Insgesamt habe die SGK mit einer knappen Mehrheit – 7 zu 6 Stimmen – beschlossen, sich erst auf der nächsten Sitzung des Gesundheits-Gremiums am 28. März noch einmal mit dem Plan fachlich auseinandersetzen zu wollen. Das hatte in einem Vorabbericht bereits die Neue Zürcher Zeitung online (NZZ) berichtet. Konkret geht es wohl der Schweizer Gesundheitskommission SGK darum, dass der Schweizer Bundesrat sich erneut mit dem Thema auseinandersetzen solle, ehe man darüber beschließe. Auch der Schweizer Nationalrat ist bereits seit Monaten mit dem Thema Ärztestopp in der Schweiz beschäftigt und hat diesen bereits in einem Dringlichkeitsverfahren abgesegnet. Konkret bedeutet der Ärztestopp vor allem Zulassungsbeschränkungen für Ärzte die sich um eine Niederlassung, beziehungsweise eine Praxisbewilligung bemühen.

Dass sich die Schweizer Regierung erneut mit einer Fortführung des Ärztestopps in der Schweiz auseinandersetzt, war dem Umstand geschuldet, dass dieser Ende 2011 ausgelaufen war und dafür gesorgt hatte, dass vor allem städtische und grenznahe Kantone einen Ansturm auf Praxisbewilligungen erlebt hatten.

+Kommentar Ärztestopp Schweiz

Das in Kürze in Kraft tretende Gesetz des Ärztestopps ist aber vor allem ein Schutzschild für alteingesessene Ärzte und eine rote Karte für junge neue Ärzte. Ob das dazu beiträgt, das ärztliche Niveau der Behandlung von Patienten in der Schweiz auch fachlich zu heben, ist bislang unbekannt. Doch dürfte auch in der Schweiz gelten: Wettbewerb belebt das Geschäft und den Service. Auch das Argument, man wolle die Gesundheitskosten reduzieren wirken eher vorgeschoben.

Denn: Die Gesamtausgaben für ärztliche Behandlungen dürften durch solch eine Politik nicht gesenkt werden, sondern auf weniger Einnahmetöpfe verteilt bleiben. Dennoch sollte eine Restriktion von Zulassungen nicht generell ablehnend behandelt werden. Denn: Gerätschaften für moderne Arztpraxen sind auch teuer und die Ärzte müssen die Möglichkeit haben, auf höchstem Niveau sich technisch zu versorgen. Hier gilt es unterm Strich einen Zwischenweg zu finden:

Den einerseits bereits bestehende Arztpraxen nicht fahrlässig zu gefährden aber auch neuen Ärzten eine ernsthafte Chance zu geben, in Wettbewerb mit bestehenden Arztpraxen treten zu können. Allerdings darf es nicht Aufgabe von Politik sein, eine Bestandsgarantie für jede bestehende Arztpraxis auszusprechen. Die besten Bestandsgarantie ist immer noch eine qualitativ hochwertige Behandlung von Patienten.

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