Das Wichtigste in Kürze
- Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus hat am Montag, dem 7. September 2026, um 8:11 Uhr mitgeteilt, dass die Speicherung der strategischen Gasreserve in den Speicherjahren 2027/28 und 2028/29 je 38,75 Millionen Euro kostet – nach 94 Millionen Euro im laufenden Speicherjahr 2026/27.
- Die Verträge laufen vom 1. April 2027 bis zum 1. April 2029 und summieren sich auf 77,5 Millionen Euro. Im österreichischen Budget veranschlagt waren dafür nach Angaben des Ministeriums 234 Millionen Euro. Bezahlt wird die Reserve aus dem Bundesbudget, nicht über den Gaspreis.
- Deutschland plant nach der über die Nachrichtenagentur dpa verbreiteten Ankündigung vom 2. August 2026 eine eigene Reserve von 24 Terawattstunden. Ob sie über eine Umlage auf den Gaspreis oder aus dem Bundeshaushalt bezahlt wird, ist nicht entschieden.
Österreich bekommt seinen staatlichen Gasnotvorrat deutlich billiger. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus in Wien teilte an diesem Montagmorgen mit, dass die reinen Speicherkosten der strategischen Gasreserve für die beiden kommenden Speicherjahre auf jeweils 38,75 Millionen Euro sinken. Im laufenden Speicherjahr 2026/27 liegen sie noch bei 94 Millionen Euro – ein Rückgang um rund 59 Prozent.
Für Haushalte in Deutschland ist das zunächst eine Meldung aus dem Nachbarland. Sie trifft aber genau die Frage, die in Berlin seit Monaten offen ist: Deutschland will eine eigene strategische Gasreserve aufbauen, hat sie aber weder beschlossen noch finanziert. Aus Wien liegt nun eine belegte Zahl vor, was der laufende Betrieb eines solchen Vorrats kostet.
Der Preis fällt vor allem, weil ein Produktmerkmal weggelassen wurde
Nach Darstellung des österreichischen Ministeriums beruht die Ersparnis auf drei Punkten: neuen Vorgaben für die Ausschreibung, einem eigens zugeschnittenen Speicherprodukt und der derzeit günstigeren Marktlage bei stärkerem Wettbewerb zwischen den Speicherunternehmen.
Der technische Kern ist der zweite Punkt. Weil die Gasmengen langfristig für den Krisenfall liegen bleiben und nicht laufend gehandelt werden, wurde nach Angaben des Ministeriums auf die zusätzliche Buchung von Ein- und Ausspeicherkapazitäten verzichtet. Das vermeidet Netznutzungsentgelte und macht den Speicherplatz billiger als ein handelsfähiges Standardprodukt. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer wird in der Mitteilung mit dem Satz zitiert, es sei gelungen, „die jährlichen Kosten auf rund ein Drittel zu senken“. Gemessen an den 94 Millionen Euro sind es 41 Prozent.

Was die strategische Gasreserve Österreichs ist
Die Reserve umfasst 20 Terawattstunden und liegt vollständig in Speichern auf österreichischem Staatsgebiet. Das entspricht nach Angaben des Ministeriums rund einem Viertel des durchschnittlichen österreichischen Jahresverbrauchs von etwa 82,5 Terawattstunden in den Jahren 2021 bis 2025. Rechtsgrundlage sind die Paragrafen 18a ff. des österreichischen Gaswirtschaftsgesetzes 2011; freigegeben werden darf das Gas nur im Energielenkungsfall nach Paragraf 4 Absatz 1 des österreichischen Energielenkungsgesetzes 2012. Zuständig für die Einlagerung ist die Austrian Strategic Gas Storage Management GmbH (ASGM), eine hundertprozentige Tochter des Verteilergebietsmanagers AGGM. Abgesichert werden damit nach Ministeriumsangaben mehr als 840.000 Haushalte, die mit Gas heizen, sowie die Industrie, auf die rund 60 Prozent des österreichischen Gasverbrauchs entfallen.
Bezahlt wird die Reserve in Österreich aus dem Bundesbudget
Wer die Rechnung trägt, steht in den amtlichen Unterlagen. Als der Hauptausschuss des österreichischen Nationalrats die Reserve am 6. Juli 2026 einstimmig bis zum 1. April 2029 verlängerte, nannte das Ministerium in seiner Mitteilung dazu die vorgesehenen Mittel: 97 Millionen Euro für 2026, 114 Millionen für 2027 und 120 Millionen für 2028, bereits eingestellt im österreichischen Doppelbudget 2027/28.
Die Opposition im österreichischen Nationalrat hatte diesen Finanzierungsweg im Sommer aufgegriffen. Die FPÖ-Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl hielten am 5. Juli 2026 in einer gemeinsamen Aussendung fest, die strategische Gasreserve werde „nicht vom Nutzerkollektiv, sondern von allen Steuerzahlern über das Bundesbudget finanziert“. Sie bezifferten die reinen Speicherkosten auf 93,8 Millionen Euro im Jahr 2022 und 124,7 Millionen Euro im Jahr 2025, hielten eine Einsparung von „möglicherweise sogar um bis 50 Prozent“ für erreichbar und forderten, Ein- und Ausspeicherungskosten nur dann zu verrechnen, „wenn sie tatsächlich anfallen“.
Genau diese Stellschraube nennt das Ministerium nun als Grund für die Ersparnis. Einen Zusammenhang stellt es nicht her: Den Verzicht auf Ein- und Ausspeicherleistung hatte es am 6. Juli, einen Tag nach der FPÖ-Aussendung, bereits selbst angekündigt; die heutige Mitteilung erwähnt den Antrag nicht.
In Deutschland gibt es die Reserve bislang nur als Vorhaben
Dass Deutschland an dieser Stelle noch nicht so weit ist, steht in der österreichischen Mitteilung vom Juli selbst: Ungarn und Italien hielten eigene Reserven, „Deutschland und die Niederlande prüfen derzeit den Aufbau“. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte eine Reserve von 24 Milliarden Kilowattstunden angekündigt, also 24 Terawattstunden; das entspricht nach der über die Nachrichtenagentur dpa verbreiteten Darstellung vom 2. August 2026 rund zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität.
Zur Finanzierung sagte sie in dieser Wiedergabe: „Es gibt zwei Finanzierungsoptionen. Das eine ist eine Umlage, das zweite ist die Haushaltsfinanzierung.“ Denkbar sei ein Mischmodell; das müsse in der Koalition und mit dem Markt besprochen werden. Ein Referentenentwurf lag nach dem Energiegesetze-Ticker des Fachdienstes zfk mit Stand vom 26. August 2026 noch nicht vor; ein für den 12. August angesetzter Termin im deutschen Bundeskabinett wurde demnach verschoben. Dass an dem Vorhaben gearbeitet wird, lässt sich unabhängig davon im Lobbyregister des Deutschen Bundestages nachlesen: Dort ist das Regelungsvorhaben „Strategische Gasreserve und Speicherregulierung“ verzeichnet, angemeldet von der EWE AG am 9. April 2026.
| Merkmal | Österreich | Deutschland |
|---|---|---|
| Stand | beschlossen, verlängert bis 1. April 2029 | Referentenentwurf am 26. August laut zfk noch offen |
| Umfang der Reserve | 20 TWh | 24 TWh geplant |
| Speicherkosten je Speicherjahr | 38,75 Mio. € ab April 2027, davor 94 Mio. € | k. A. |
| Finanzierung | Bundesbudget | Umlage oder Haushalt, nicht entschieden |
| Rechtsgrundlage | §§ 18a ff. Gaswirtschaftsgesetz 2011, Freigabe nach § 4 Abs. 1 Energielenkungsgesetz 2012 | Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes vorgesehen |
Übertragen auf das deutsche Vorhaben wären es rund 46 Millionen Euro im Jahr
Die österreichische Zahl lässt sich als Maßstab lesen. 38,75 Millionen Euro für 20 Terawattstunden sind rund 1,94 Euro je Megawattstunde Reservevolumen und Jahr; im laufenden Speicherjahr sind es 4,70 Euro. Überträgt man den neuen Wert auf die in Deutschland geplanten 24 Terawattstunden, ergäbe das nach eigener Berechnung rund 46,5 Millionen Euro im Jahr – allein für die Einlagerung, ohne den Einkauf des Gases.
Das ist eine Übertragungsrechnung und kein Angebot: Deutsche Speicherpreise entstehen in einem anderen Marktumfeld, und weder ein deutscher Speicherbetreiber noch das Bundeswirtschaftsministerium hat einen solchen Betrag genannt. Die Größenordnung zeigt aber, worum es bei der Einlagerung geht – um einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr, nicht um Milliarden.
Für deutsche Haushalte hängt an der Finanzierungsfrage ein konkreter Betrag
Warum die Entscheidung zwischen Umlage und Haushalt Haushalte in Deutschland betrifft, lässt sich am jüngsten Beispiel ablesen. Die deutsche Gasspeicherumlage lag zuletzt bei 0,289 Cent je Kilowattstunde und wurde zum 1. Januar 2026 abgeschafft; das zugrunde liegende Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes trat nach Angaben der deutschen Bundesregierung am 28. November 2025 in Kraft. Seither übernimmt der Bund die Kosten, die ursprünglich bis zum 31. März 2027 über die Umlage eingesammelt worden wären. Die Entlastung beziffert die Bundesregierung für 2026 auf über drei Milliarden Euro; für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind es rund 58 Euro.
Eine neue Umlage für eine strategische Reserve ginge denselben Weg in umgekehrter Richtung. Wie hoch sie ausfiele, ist offen – der Betrag von 58 Euro zeigt lediglich, in welcher Größenordnung sich ein solcher Posten auf einer deutschen Gasrechnung bewegt.
Einordnung: Die Kosten verschwinden nicht, sie wechseln die Rechnung
Beide Länder finanzieren ihre Gasvorsorge derzeit über den Staatshaushalt – Österreich die strategische Reserve, Deutschland seit Januar 2026 die entfallene Gasspeicherumlage. Der Posten ist damit von der Gasrechnung verschwunden, nicht aus dem Budget. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen wies in ihrem Hinweis zur Abschaffung zudem darauf hin, dass die deutschen Netzentgelte 2026 steigen und die Entlastung von rund 58 Euro dadurch ganz oder teilweise aufgezehrt werden kann.
Die deutschen Speicher sind zugleich deutlich leerer als vor einem Jahr
Der zweite deutsche Bezug steht in den Zahlen der Bundesnetzagentur. Nach ihrem öffentlich abrufbaren Verlauf der Speicherfüllstände waren die deutschen Speicher am 5. September 2026 zu 54,16 Prozent gefüllt; am selben Kalendertag des vorangegangenen Speicherjahres waren es 73,33 Prozent. Die Behörde aktualisiert die Werte werktäglich und weist sie als vorläufig aus; für den 6. und 7. September lagen zum Redaktionsschluss an diesem Montagvormittag noch keine Zahlen vor. Wie weit der Abstand zur deutschen Vorgabe für den 1. November ist, hat NETZ-TRENDS Ende August nachgerechnet.
Österreich steht anders da. Die dortigen Speicher waren nach Angaben des Wiener Ministeriums zuletzt zu rund 67 Prozent gefüllt, was rund 87 Prozent eines österreichischen Jahresverbrauchs entspreche. In derselben Mitteilung heißt es, die gesamten deutschen Speicherkapazitäten entsprächen rund einem Viertel des deutschen Jahresverbrauchs – eine Einordnung des österreichischen Ministeriums, für die es keine Quelle angibt.
Was in der Wiener Mitteilung nicht steht
Die Mitteilung nennt ausschließlich die Speicherkosten. Was das eingelagerte Gas selbst gekostet hat, steht nicht darin. Auch die im Juli genannten Budgetlinien – 97, 114 und 120 Millionen Euro für 2026 bis 2028 – werden nicht auf die neuen 38,75 Millionen Euro bezogen. Damit bleibt offen, welcher Teil dieser Beträge auf die Einlagerung entfällt und welcher auf andere Posten. Eine Anfrage dazu war bis zum Redaktionsschluss an diesem Montagvormittag nicht möglich.
Offen bleibt außerdem, was nach dem 1. April 2029 gilt: Die Verträge enden an diesem Tag, über eine Fortsetzung ist nach der Mitteilung nichts entschieden. Über den künftigen Speicherbedarf wird in Österreich ohnehin gestritten – bei Batteriespeichern nennen Ministerium und Regulierungsbehörde E-Control unterschiedliche Zahlen.
Was als Nächstes ansteht
In Österreich ist der nächste feste Termin der 1. April 2027, an dem die neuen Speicherverträge beginnen. In Deutschland stehen zwei Termine im Kalender: der 1. November 2026, zu dem die deutsche Gasspeicherfüllstandsverordnung ihre Vorgaben je Speicheranlage verlangt, und das Frühjahr 2027, wenn diese Vorgaben nach der Darstellung des Fachdienstes zfk auslaufen. Wann der deutsche Referentenentwurf zur strategischen Gasreserve vorgelegt wird, war zum Redaktionsschluss nicht bekannt.
Für Haushalte in Deutschland ändert sich damit heute nichts. Relevant wird die Frage in dem Moment, in dem die deutsche Bundesregierung sich zwischen Umlage und Haushaltsfinanzierung entscheidet. Österreich hat diese Entscheidung getroffen – und legt nun eine Zahl vor, an der sich messen lässt, was der laufende Betrieb eines solchen Vorrats kostet.
Wie sollte eine deutsche Gasreserve Ihrer Ansicht nach finanziert werden – über eine Umlage auf den Gaspreis oder aus dem Bundeshaushalt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (Österreich): Pressemitteilung „Speicherkosten für strategische Gasreserve sinken um 59 Prozent“ vom 7. September 2026, 8:11 Uhr
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (Österreich): Pressemitteilung zur Verlängerung der Gasreserve bis 2029 vom 6. Juli 2026
- FPÖ, Axel Kassegger und Paul Hammerl: Pressemitteilung zur Kostenstruktur der strategischen Gasreserve vom 5. Juli 2026
- Bundesregierung (Deutschland): Abschaffung der Gasspeicherumlage, abgerufen am 7. September 2026
- Bundesnetzagentur: Verlauf der Speicherfüllstände in Prozent, Datensatz mit Werten bis zum 5. September 2026
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Hinweis zum Wegfall der Gasspeicherumlage, abgerufen am 7. September 2026
- Zeitung für kommunale Wirtschaft (zfk): Energiegesetze-Ticker, Stand 26. August 2026
- Deutscher Bundestag: Lobbyregister, Regelungsvorhaben „Strategische Gasreserve und Speicherregulierung“, Eintrag der EWE AG vom 9. April 2026
- Nachrichtenagentur dpa: Meldung vom 2. August 2026 mit Äußerungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Finanzierung der geplanten deutschen Gasreserve
- Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis der Angaben des österreichischen Ministeriums (38,75 Millionen Euro je 20 TWh) und des für Deutschland genannten Volumens von 24 TWh
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