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Gesetz Tausende Bürger in USA erschießen Wölfe: "Unsinn, dass sie gut für das Ökosystem sind"

Dieser amerikanische Jäger macht von seinem Recht Gebrauch, Wölfe zu jagen und zu erschießen. In US-Bundesstaat Idaho wurde dafür nun das Gesetz geändert. Bild: Screenshot Arte/BBC-Dokumentation
19.07.2015

Im Bundesstaat Washington waren erstmals wieder Wölfe in den USA gesichtet worden. Sie kamen über die nördliche Grenze, also aus Kanada. Doch nicht alle sind glücklich, Tausende wollen Wölfe jetzt erschießen.

Während man in Washington State noch zögert, wurden im US-Nachbarstaat Idaho, einem Farmer-Staat, Fakten geschaffen: Wölfe dürfen wieder abgeschossen werden durch Privatleute. Tausende sollen sich schon eine Lizenz besorgt haben.

Das zeigt gleichzeitig den tiefen Spalt zwischen romantischen Umweltschützern und Tierschützern, die derzeit nicht nur in Deutschland, sondern auch den USA glückselig über jedes in westlichen Ländern auftauchende Wolfsrudel frohlocken, ganz so, als wäre Jesus zurückgekehrt.

Dem stehen aber alleine in den USA Millionen amerikanischer Bürger entgegen, die von der Landwirtschaft abhängig sind und den Messias fürs Ökosystem im Wolf nicht sehen möchten. Viele Aspekte des Für und Wider rund um Wölfe zeigte am Sonntag den 19. Juli 2015 der deutsche Dokumentations-TV-Sender Arte in einer spannende zweiteiligen BBC-Dokumentation unter dem Namen "Expedition Wolf".

Die Abwehrhaltung von Hunderten Millionen Menschen in vielen Ländern dieser Erde gegen den Räuber Wolf, beruht auf Jahrhunderten der negativen Erfahrungen, in welchen viele Menschen existenziell Bedrohliches erlebten. Dazu gehört auch seine Brutalität, mit welcher der Wolf seine Opfer tötet. Denn, so erklärt ein Wolfs-Kenner auf BBC, gebe es kein anderes Tier, das seine Opfer faktisch komplett zermalme.

Bei einem Hirsch blieben beispielsweise nur wenige Knochen an der Wirbelsäule übrig, die meisten Knochen würden von den Wölfen mit dem Fleisch gemeinsam zermalmt und gefressen. Von der Maus bis zum großen Bison fressen Wölfe alles. Selbst Robben gehören zum Jagdschema der Wölfe, aber auch Seevögel, nach welchen sie schnappen. Dabei hilft ihnen ihre Vielfältigkeit:

Ob auf der Erde oder zu Wasser. Wölfe sind hervorragende Dauerläufer, aber auch gute Schwimmer und vorzügliche Teamplayer, wenn es um das Erlegen von Opfern geht. Man sagt Wölfen nach, bis zu 10 Kilometer am Stück problemlos und zügig schwimmen zu können. Deshalb können Wölfe auch in arktischen Gebieten überleben.

Wölfe gehören zu den klügsten Tieren der Welt

Sie verfügten üben ein sehr großes Gehirn, sagte ein Forscher in der BBC-Dokumentation auf Arte. Die Wölfe gehörten sogar zu den klügsten Tieren auf dem Planeten. Im Rudel seien sie entsprechend effektiv. Das alles zeige, warum der Mensch den Wolf seit Jahrhunderten fürchte - nicht nur als potentiellen Konkurrenten für eigene Jagden, sondern auch als Gegner eines Räubers, der von Menschen gezüchtete Tiere angreife und vernichte.

Wölfe können problemlos im Rudel einen Hirsch erlegen. Bild: Screenshot Arte/BBC-Dokumentation

Ein Farmer bringt auf BBC/Arte seine Sorgen zum Ausdruck: "Seit der Wolf hier in den USA auch bei uns im Bundesstaat Idaho wieder aufgetaucht ist, gibt es bei uns in der Region kaum mehr Elche. Würden sie die Jäger, die ich kenne, sehen - und das sind hartgesottene Jäger - wüssten sie warum. Wenn solche Jäger keine Elche mehr finden, dann gibt es sie nicht mehr."

Stark dezimiert hätten die Elche aber nicht die Menschen, sondern die neuen Wolfsrudel in der Region, das wird in der TV-Dokumentation klar. Keine Elche bedeuten für ganze Regionen im US-Bundesstaat Idaho keine Einnahmen mehr, Armut für die Bürger. Denn für zahlreiche Gemeinden gehört die Elchjagdt seit Jahrhunderten zum Hauptgeschäft.

Deshalb kommt auch der Elch-Jäger aus einer kleinen ländlichen Gemeinde in Idaho während der BBC-Dokumentation von Arte zu der Erkenntnis: "Die Elche kriegen derzeit durch die Wölfe tierisch was ab. Das hat Auswirkungen für meine Enkel, für unseren Ort. Ein Tier frisst die anderen einfach auf. Es ist muss einen Mittelweg geben, dass Elche auch noch leben können. Aber sie wissen so gut wie ich, dass es auf beiden Seiten, auf den Seiten der Tierschützer und Umweltschützer, wie auf Seiten der Wolfsgegner, Radikale gibt."

In Idaho gibt es seit die Wölfe zurück sind in einigen Gebieten kaum Elche mehr

Tierschützer entgegnen dem, die Jagdfähigkeit von Wölfen würde überschätzt. Viele Tiere könnten sich dem Zugriff durch ein Wolfsrudel immer noch sehr gut entziehen. Wölfe, behauptetet ein Tierschützer auf BBC, hätten es vor allem auf schwache Tiere abgesehen, die in irgendeiner Weise gesundheitlich angeschlagen seien. Doch ob das so ist oder nicht, darüber dürften die Meinungen weit auseinandergehen. Fakt ist: Die BBC zeigt in ihrer zweiteiligen Dokumentation auf Arte zahlreiche Jagdszenen von Wölfen, wo nicht der Eindruck besteht, als wären die gejagten Tiere in irgendeiner Weise gesundheitlich angeschlagen.

Zutreffen könnte, dass Wölfe sowohl auf gesunde, starke wie schwache Tiere Jagd machen, aber auch sehr gerne auf bereits verletzte. So sagte in der BBC-Dokumentation der Wolfs-Jäger, ein alter Trick sei mittels des "Ruf des verwundeten Hasen", die Wölfe aus ihren Verstecken zu locken. Doch mit seinem quiekenden Ruf lockte er zumindest in der TV-Dokumentation nur zwei Rehe an.

Dass Tierschützer, besonders die Tierschutz- und Umweltverbände, ihre Anliegen massiv auch in der US-amerikanischen nationalen Öffentlichkeit kundtun können, liegt an vielen Milliarden Dollar Förderung durch reiche Gönner und ein dichtes Spendernetzwerk. Mit dem Reichtum soll das Überleben der Regenwürmer ebenso gesichert werden, wie die Wiederbesiedlung weiter Teile Amerikas durch Wolfsrudel.

Das Geld wird ausgegeben für eigene oder teuer gecharterte Hubschrauber, mit welchen Tierschützern elegant über amerikanische Urwälder fliegen oder für Sportflugzeuge und umfangreiche mobile Labore zu Land, zu Wasser oder der Luft. Oft verfügen die Tierschützer über wesentlich mehr Geld, als die eher schwachen lokalen Farmer, die deshalb größere Schwierigkeit haben, ihre Anliegen rund um Wölfe in die nationale amerikanische Öffentlichkeit zu tragen. Hinzu kommt auch das fehlende Medien-Netzwerk. Die wenigsten Farmer beschäftigen PR-Profis, wie es faktischer jeder Umweltschutz-Verband und jeder Tierschutz-Verband auch in den USA hat. Nur die nationalen oder regional sehr starken Farmer-Verbände arbeiten ebenfalls professionell mit Medien zusammen, um ihre Ziele und Sorgen der Öffentlichkeit kundzutun.

Tierschutz-Lobby verfügt über viel Geld in den USA - und gute Medienkontakte

Das Geld von Tierschutz-Verbänden oder Umwelt-Verbänden wird auch in umfangreiche Technik zur Beobachtung der Wölfe investiert. So hängen die Tierschützer in Beobachtungsgebieten bis zu 50 Kameras mit Nachtsichtfähigkeit und Bewegungsmelder auf, welche jeden Warmblüter beim Vorbeischreiten abfilmen. So konnte man auch die tendenziell scheuen Wölfe in bestimmten US-Gebieten dokumentieren. Wie teuer die Kameras sind, dazu sagte die BBC-Dokumentation nichts. Doch dürften entsprechende Kameras im Schnitt zwischen 500 bis 1500 Dollar kosten. Das wären dann leicht über 20.000 Dollar Beschaffungskosten.

Das Ziel einiger radikaler und reicher amerikanischer Tierschützer ist klar: Viele von ihnen möchten, dass sich die Wölfe in Rudeln wieder ausgehend von Kanada über den nord-westlichen US-Bundesstaat Washington nach Kalifornien bis hinunter nach Mexiko ansiedeln - am besten wohl zu Tausenden. "Ich liebe die Wölfe einfach", sagte denn auch eine Tierschützerin mit glänzenden Augen in die Kamera des BBC-Kameramanns während des Arte-Beitrags.

Ein Tierschützer ergänzte auf BBC: "Das ist phantastisch, dass die Wölfe hier leben können. Toll ist es, das sich sich die Berge im Bundesstaat Washington, die an Kanada grenzen, als Einzugsschneise gewählt haben. Hier hoffe ich, dass das ein Tor ist, damit sich auch andere Gebiete von Washington State mit Wölfen besiedeln lassen. Ich bin überzeugt, dass wir es künftig mit vielen Wolfsrudeln im Staat Washington zu tun haben werden".

Wie in Washington sehen viele Bürger im US-Nachbarstaat Idaho die Besiedlung ihrer Wälder und Weiden nicht nur mit Freude, sondern auch mit großer Sorge, Aggression und Angst. Deshalb wurde in dem Farmerland Idaho nun erstmals seit gut 100 Jahren das Abschießen von Wölfen durch Privatpersonen wieder gesetzlich zugelassen. Tausende haben nach der BBC-Dokumentation bereits eine Abschuss-Lizenz für Wölfe erhalten.

Der Wiedereinführung der Abschuss-Berechtigung von Wölfen waren umfangreiche politische Debatten in den USA vorausgegangen. Wortstark hatte sich aber vor allem eine Anti-Wolf-Koalition, bestehend aus vielen Farmern und Cowboys, für das Abschießen der erstmals wieder aufgetretenen Wölfen stark gemacht. Sie sahen ihre eigene Existenz durch Wölfe bedroht. Es sei ein Irrglaube, Wölfe in irgendeinerweise ohne drastische Gegenmaßen erstens auf bestimmte Regionen zu begrenzen und zweitens auch noch in der Anzahl reglementieren zu können, lautet ihr Argument.

"Pferdebesitzer verlieren ihre Tiere. Der Wolf ist das grausamste Raubtier Nordamerikas"

Ein Wortführer der Anti-Wolf-Koalition im US-Bundesstaat Idaho erklärte seine Meinung gegenüber Wölfen in der der BBC recht deutlich: "Es ist Unsinn, dass sie gut sind für das Ökosystem. Die Viehzüchter verlieren ihr Vieh. Pferdebesitzer verlieren ihre Tiere. Der Wolf ist das grausamste Raubtier Nordamerikas. Er saugt den Opfern das sprießende Blut aus den Tieren. Wir müssen es ausrotten."

Immerhin gestehen einige gemäßigte Tierschützer den Farmern zu, dass sie es verstehen könnten, dass Farmer Wölfe töten würden, wenn diese Vieh des Farmers rissen. Nicht klar ist aber, wer für den Schaden aufkommt, wenn ein teures Pferd, eine teure Milchkuh von einem Wolf gerissen wird. Wahrscheinlich dürfte sein, dass Versicherungen hier eher nicht so ohne Weiteres den Schaden begleichen - und wenn, dann dürften die Policen entsprechend teuer sein.

Entsprechend äußerte sich ein amerikanischer Farmer ebenfalls auf BBC: "Wenn sie meine Rinder, meine Pferde und meine Familie bedrohen, werde ich sie abschießen".

Dass es in den USA , Mexiko und vielen anderen Staaten Lateinamerikas keine Wölfe mehr gibt, liegt daran, dass die Millionen aus Europa stammenden Siedler in über 300 Jahren fast 1 Millionen Wölfe vernichtet hatten - durch Vergiftung, Fallen, Abschießen. Warum sie das taten, liegt auf der Hand: Sie sahen ihre eigene neue Existenz, vor allem ihr Weidevieh, durch die Wölfe bedroht. Doch immer wieder soll es auch zu bedrohlichen Angriffen von Wölfen auf Siedler in einsamen Gegenden gekommen sein.

Deshalb gab es, ähnlich wie in Deutschland, auch in den USA über 100 Jahre fast keine Wölfe mehr. Überleben konnten die Wölfe in Nordamerika vor allem in den Weiten der kanadischen nördlichen Wälder - weit weg von den Menschen. Das ändert sich nun. Ähnlich ist die Situation in Deutschland. Noch freuen sich Umweltschützer und Politiker über Wölfe, die beispielsweise in Sachsen gesichtet wurden. Doch wenn das erste Vieh von Bauern gerissen wird oder wenn gar Menschen durch Wölfe zuschaden kommen, dürfte sich das derzeit wolfsfreundliche Klima auch hierzulande möglicherweise wieder ändern.

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