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Mathias Döpfner von Axel Springer: Zerschlagt-Google-These weltweit in Medien

Axel-Springer CEO Döpfner: Weltweit Schlagzeilen mit seinem Google-Angriff.
19.04.2014

Die deutschen Verleger hätten Angst vor dem allmächtigen amerikanischen Internet-Monopolisten Google, teilte Mathias Döpfner, CEO des einstmals selbst allmächtigen deutschen Zeitungsriesen Axel Springer (Bild-Zeitung, Die Welt) via Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mit. Dabei spricht er aus, was Kleine wie Große, Publisher und eCommerce-Anbieter, sich nicht getrauen, öffentlich zu sagen: Frisst das US-Monster Google am Ende seine Kinder?

Andere fragen sich: Wird Google zu einer Art Welt-Hugenberg? Alfred Hugenberg war im Dritten Deutschen Reich unter Adolf Hitler der zentrale Medien-Mogul der über weite Teile der Zeitungslandschaft verfügte und alles medial steuerte, aber auch die Demokratie mit beerdigte. Doch damit nicht genug: Eher in einem Nebensatz sagte der Chef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, zudem sinngemäß, er könne sich durchaus vorstellen, dass eines Tages Politiker die Zerschlagung des mächtigsten Medienhauses auf dem Globus, eben von Google, fordern könnten, wenn sich Google nicht selber zähme.

Was Döpfner mutig sagte, denkt die gesamte Internetszene mehr oder weniger seit Jahren: Google ist zu mächtig. Dass Döpfner mit seiner Äußerung nicht nur in Deutschland für Aufsehen sorgt, sondern weltweit, das lässt die Presseschau sehr schnell erkennen.

Ganze sechs Zeitungsspalten war es der englischsprachigen Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) wert, fett ganz oben auf Seite 17 am Donnerstag den 17. April zu titeln: „Springer is ‚afraid‘ of Google“. Doch ob FT oder Indian Times – weltweit griffen zahlreiche Medien den Angriff des Springer-Chefs, der zumindest publizistisch in Deutschland immer noch durchaus mächtig ist, auf.

Zufall oder nicht? Ebenfalls am 17. April schlagzeilte die in Deutschland führende Wirtschaftszeitung, das Handelsblatt: „Zerschlagt Google!“. Autor des als Gastbeitrags gekennzeichneten Artikels war kein geringerer als Rainer Brüderle, jahrelang Fraktionschef der FDP im deutschen Bundestag.

Im Handelsblatt schrieb er unter anderem: „Herzlichen Glückwunsch, Herr Döpfner! Sie haben den Mut, dem globalen Marktbeherrscher Google publizistisch die Stirn zu bieten. Der öffentliche Aufschlag war bitter nötig.“ Seinen Kommentar endet Rainer Brüderle mit den Worten: „Die europäische Seite muss auf scharfe, transatlantische Wettbewerbsregeln drängen, die eine Zerschlagung von Marktbeherrschern ermöglicht. Deshalb muss es im Zweifel heißen: Zerschlagt Google!“

Die letzte große Zerschlagung die es in den USA gab, liegt gut 100 Jahre zurück. Es betraf das Rockefeller-Ölmonopol. Zwischen Rockefeller und Google gibt es durchaus Parallelen: Auch Rockefeller wollte sich nicht mit der Förderung von Öl zufrieden geben, er wollte es auch raffinieren und vertreiben und eigentlich alles rund ums Öl selber machen. Am Ende blieb nur die Zerschlagung als das kleinere Übel gesamtwirtschaftlich und gesellschaftspolitisch betrachtet. Doch richtig war es damals.

Blaue Briefe von Google kommen immer in Englisch - auch an große Unternehmen

Doch was ist das Problem mit Google? Das zentrale Problem ist aus Sicht vieler, dass Google im Prinzip der private Beherrscher aller digitalen Straßen ist. Das ist so, als ob ein privater Unternehmer alle Autobahnen, Landstraßen und Schotterpisten weltweit sein privates Eigentum nennt und von allen Unternehmen, die dort Geschäfte tätigen möchten, Zölle und Steuern erheben würde und auch die Gesetze diktiert, die eingehalten werden müssen, um mit dem Monopolisten ins Geschäft zu kommen.

Doch wenn Google zerschlagen würde in Europa oder einfach blockiert würde, was käme dann? Dann käme wohl eine Art öffentlich-rechtliches Internet – möglicherweise nach dem Vorbild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Nur: Wäre das besser?

Google ist, das kann derzeit keiner bestreiten, bereit, auch kleine Webseiten nach vorne kommen zu lassen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF hatten in Deutschland über Jahrzehnte ein Monopol auf die Verbreitung von Rundfunk. Sie wollten keinen Wettbewerb. Würde nun die Internetsuch-Maschine Google zerschlagen oder in Europa blockiert, müsste eine öffentlich-rechtliche Alternative her, die auch reglementiert werden müsste.

Würden dann Gerichte entscheiden, wer im Adwords-Anzeigenraum Anzeigen wann und wie und mit welchen Keywords schalten darf und wer redaktionell an erster und wer an letzter Stelle steht? Oder würden Politiker, Geistliche, Verbände und Wirtschaftsvertreter das festlegen? Wäre das System besser? Nehmen wir Dubai: Während das einst in Deutschland gegründete und mittlerweile weltweit führende schwul-lesbische Internetportal gayromeo.com auf dem Globus fast überall erreichbar ist (alleine in Deutschland gibt es über 300.000 Nutzer), wird es in Dubai über die Internetleitung blockiert. Empfangbar ist derzeit nur noch die App-Version von gayromeo.com, wobei immerhin aktuell über 1.000 Bewohner und Besucher von Dubai über diese App dauerhaft online sind. Was ist also eine Minderheit?

In Dubai wird das weltweit führende und in Deutschland gegründete schwul-lesbische Portal gayromeo blockiert. Hier sagt der Staat, was im Netz genutzt werden darf und was nicht. Google ist da etwas freier.

Die Begründung der Regierung von Dubai zur Blockade von gayromeo.com (Grafik rechts): Die Access Internet Police von Dubai könne solchen Inhalten keinen Durchgang über Internet-Leitungen gewähren. In Google gibt es solche Einschränkungen von Lebensmodellen nicht. In Staaten aber eben sehr wohl. Denn Staaten sind ihren Wählern verpflichtet – und die sind nicht immer rational, sondern auch emotional. Es ist eben nicht so, dass die Mehrheit immer im Sinne der Minderheit agiert. Aber genau das macht Freiheit und Demokratie aus - dass auch Minderheiten leben dürfen und ihre Lebensmodelle mit Respekt und dem Gleichheits-Grundsatz staatlich geschützt rechtlich entworfen und prinzipiell ermöglicht werden.

Doch das ist es, worauf es bei Google noch ankommt: Dass nicht nur das nach vorne kommt, was die Mehrheit oder die Mächtigen einer Gesellschaft wollen, sondern dass auch das eine Chance bekommt, nach vorne zu kommen, was qualitativ außergewöhnlich ist. Auch das ist ein Google-Prinzip und zwar ein gutes. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Google zwar ein privates Unternehmen ist, welches aber über durchaus fast staatliche Macht verfügt.

Dennoch ist auch Fakt: „Selbst Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern hat Google schon in bald 20-seitigen Briefen gedroht, Adwords-Konten zu schließen, und damit das Unternehmen letztlich in den Bankrott zu treiben, wenn diese die Anzeigenkonten nicht so gestalten und die Webseite nicht so bauen, wie es Google wünscht“, weiß ein sehr guter Internet-Kenner Netz-Trends zu berichten.

Solche Briefe sind in der Internetszene als "Blaue Briefe" gefürchtet. Sie trudeln in der Regel in Englisch ein und kommen direkt aus der Mountain View-Zentrale von Google. Auch deutsche Unternehmen kennen solche Briefe. Die Frist zur Umstellung der Google-Wünsche auf den Webseiten oder Adwords-Konten "ist meist knapp bemessen - meist so um die vier Wochen", berichtet ein sehr guter Google- und Internetkenner Netz-Trends.

Bis heute ist es noch nicht vorgekommen, dass Google Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern einfach digital und damit wirtschaftlich eliminiert hat. „Aber bekannt ist, dass Google es mit kleineren und auch größeren Unternehmen doch immer wieder gemacht hat“, erzählt der Internet-Kenner weiter.

Zeuss Google antwortet nicht

Doch regelmäßig trifft es große wie kleine Nachrichtenseiten wie eCommerce-Anbieter: Plötzlich verschwindet eine Webseite teils, erheblich oder fast komplett aus dem Such-Angebot, dem Search-Bereich, von Google. Egal, welche Keywords man eingibt, die Webseite wird von Google-Nutzern kaum mehr gefunden. Dann schrillen die Alarmglocken nicht nur bei den Seo-Leuten, sondern auch in der für die Umsätze verantwortlichen Geschäftsführungs-Etage. Denn keine Sichtbarkeit in Google bedeutet keine oder deutlich weniger Umsätze. "Google hatte uns fast zwei Jahre mit einem Filter überzogen", berichtet der Anbieter einer Webseite mit redaktionellen Inhalten, welche von AGOF mit über 1 Millionen Unique User im Monat ausgewiesen wird, gegenüber Netz-Trends. Die Auswirkungen seien "wirtschaftlich katastrophal gewesen", über 50% der Mitarbeiter der Webseite hätten entlassen werden müssen.

Warum Google einen Filter über Webseiten legt, das erfahren die Betreiber nicht oder so gut wie nicht. Denn Google ist dann für Groß wie Klein nicht oder kaum mehr erreichbar: Weder in der Hamburger Google-Zentrale, noch im Steuerparadies Dublin auf der irischen Insel, wo die Europa-Zentrale vom 60-Milliarden-Umsatz-Konzern Google residiert, noch im Welt-Headquarter in Mountain View in Kalifornien. Google straft ab oder kann vernichten, aber das Geschäft beruht nicht auf Rückkoppelung.

Das hohe Gericht Google entscheidet. Einspruch gibt es nicht. Anhörung gibt es nicht. Ein Urteil gibt es auch nicht. Was es gibt, ist die Abstrafung oder Vernichtung, aber auch eine Genesung ist möglich - wenn man macht und sich hart erarbeitet, was Google möchte. Selbst nach zwei Jahren Google-Gefängnis für eine Webseite kann das Licht am Ende wieder scheinen. Kann, muss aber nicht. Denn jeder Webseiten-Betreiber, der von Google abgestraft worden ist und gerne wüsste, warum denn nur, der weiß: "Zeus antwortet uns da nie", berichtet der Geschäftsführer eines Unternehmens mit über 1.000 Mitarbeitern gegenüber Netz-Trends.

Besonders heikel ist es, wenn Google's Bann Webseiten betrifft, welche in Geschäftsfeldern aktiv sind, in denen auch Google eigene Geschäftsfelder beackert jenseits des Suchmaschinen-Marketings: Wie in Google Products, Google Hotels, Google Flights.

Das Heikle daran: Manche Anzeigenkunden überweisen Google mittlerweile pro Jahr über 100 Millionen Euro für Anzeigenschaltungen in Google Adwords. Tun sie das nicht, funktioniert das Geschäftsmodell nicht, da der Internet-Traffic in Ländern wie Deutschland nun einmal ganz wesentlich über Google auf die Webseiten gespült wird.

Gleichzeitig müssen die Anzeigenkunden Google in sehr großem Umfang ihre Keywords mitteilen, mit welchen es ihnen gelingt, seo-optimiert Werbekampagnen zu platzieren, um Umsatz zu generieren. Eigentlich wären solche Dinge Betriebsgeheimnisse. Doch Google zwingt jedes Unternehmen, seine Betriebsgeheimnisse in einem erheblichen Umfang offenzulegen und zwar dergestalt, dass Google schlicht Zugriff auf sämtliche Adwords- oder Adsense-Konten hat und diese komplett auswerten kann.

Frisst das Monster am Ende seine Kinder?

So frisst ein Monopolist das Wissen von Generationen an Digital-Unternehmen, um mit Hilfe dieses Wissens wiederum eigene Geschäfts voranzutreiben – eben Google Products, Google Hotels oder Google Flights. "So kann es vorkommen, dass einige Google-Kunden für ihre eigene mögliche spätere Eliminierung durch Google" bezahlen müssten, erklärt ein sehr guter Internet- und Google-Kenner gegenüber Netz-Trends.

All das ist Bestandteil einer drohenden und aus Sicht vieler einer bereits existierenden Wettbewerbsverzerrung. Nicht mehr und nicht weniger möchte Mathias Döpfner, der Chef von Axel Springer den Wirtschaftseliten, aber auch den Publishern im Internet oder Politikern mitteilen.

Doch dabei kann es nicht bleiben: Wenn Google nicht bereit ist, die totale Kontrolle über die Internet-Suchmaschine in ausschließlich privater Hand der Google-Aktionäre aufzuweichen und nicht bereit ist, sich selbst erheblichen Wettbewerbs-Beschränkungen zu unterwerfen – wozu auch gehört, dass Dinge wie Google Hotels, Google Flights oder Google Products zu unterlassen sind – wird es für Google in Europa in den nächsten Jahren unbequem.

Dann sind „Zerschlagt Google“ nicht mehr nur Rufe von einigen wenigen Mutigen, wie Mathias Döpfner oder Rainer Brüderle, sondern dann könnte aus den Rufern im digitalen Walde ein Sturm werden, ein Chor, welcher sich entfesselt.
Dabei bleibt es eine groteske Randnote, dass das Axel Springer Publishing House in den 1960er Jahren selbst mit „Enteignet Springer“ oder „Zerschlagt Springer“-Parolen zu kämpfen hatte. Die Bild-Zeitung der Axel Springer AG gehört weltweit zu den 10 größten Tageszeitungen überhaupt. In den 1980er Jahren lag die verkaufte Auflage in Spitzenzeiten bei 5,5 Millionen verkauften Exemplaren. Die mediale Reichweite der Bild-Zeitung und von bild.de wird noch heute mit über 10 Millionen Lesern täglich angegeben. Dabei verkauft die Print-Ausgabe der Bild-Zeitung auch 2014 immer noch täglich über zwei Millionen Exemplare.

Die stille Verlegerin im Hintergrund ist Friede Springer, die Witwe vom Verlags-Gründer Axel Springer. Sie gehört noch in den erlauchten Kreis der 3000 reichsten Menschen auf dem Globus - mit einem Vermögen von über zwei Milliarden Euro.

Die "Enteignet Springer"-Parolen in den 1960er Jahren - besonders von der 1968er Generation gerufen - beruhten primär darauf, dass Springer zeitweise zwischen 25 und 30% des deutschen Zeitungsmarktes direkt oder indirekt kontrollierte. Das ist in einem Land, in dem auch 2014 noch täglich über 20 Millionen Tageszeitungen verkauft werden, ein sehr hoher Marktanteil. Aber die Zeiten ändern sich seit dem Beginn der digitalen Revolution vor gut 20 Jahren.

Außerdem macht man es sich zu einfach, wenn man jetzt nur sagt: Axel Springer geht es doch nur um seine eigenen Geschäfte. Das stimmt. Und so manches Mal steht das Haus auch im Verdacht seine Zeitungen zu missbrauchen, um digitale Konkurrenten im eCommerce madig zu machen oder sie gar nachhaltig zu beschädigen. Dennoch weiß, wer Mathias Döpfner, den CEO von Axel Springer kennt: Döpfner geht es beim Thema Google und Google Macht nicht nur ums eigene Geschäft, sondern ihn treibt tatsächlich zudem eine gesellschaftspolitische Frage um. Dabei sind viele froh, dass ein Powerhaus wie Springer den Angriff auf Google gesellschaftspolitisch in Deutschland und Europa unternimmt.

"Schoko-frei-für-alle-Mitarbeiter"-Image hilft bei Google in der Debatte nicht mehr

In Deutschland geht man im Medienbereich im Schnitt ab einem Marktanteil von 33% von einem kartellrechtlich nicht mehr akzeptierten Monopol aus. Google verfügt in Deutschland über einen Marktanteil in der Internetsuche von schätzungsweise 90% und gut 30% im Online-Marketing. Doch selbst das ist konservativ gerechnet. Grund: Durch das adwords- und adsense-System kann Google alle Konditionen bestimmen. Offiziell werden zwar adwords in einer Art "Versteigerung" den Anzeigenkunden angeboten, aber inoffiziell kann Google durchaus sagen: Kostet das Keyword "Billigster Flug London" 1 Euro oder 10 Euro?

Ähnlich sieht es im Sharing aus: Bekommen die Adsense-Kunden, das sind jene, die das durchaus hervorragende und gerade für viele kleine Webseiten (wie netz-trends) gute Modell der Adsense-Anzeigenschaltungen nutzen, um wenigstens marginalste Umsätze zu generieren, 50% der erlösten Anzeigenumsätze oder nur 30%? Denn Google sagt, ob fair (?) geteilt wird oder nicht. Derzeit erhalten adsense-Kunden von Google im Schnitt 50% der erzielten Erlöse.

Doch kürzlich drehte Google in einer Kategorie der Anzeigenangebote das Modell einfach um: Jetzt kriegt Google 70%, die "Partner" nur noch 30%. Bislang war es umgekehrt. Frisst am Ende das Monster seine Kinder, fragen sich in der Internetszene Große wie Kleine, Publisher, wie eCommerce-Anbieter. Zudem: "Wo ist das Kartellamt", ist eine Frage, die immer öfters gestellt wird, und: Wo ist die EU? Jene europäische Institution, die sich sonst um die Regulierung von Bananenschalen kümmert, glitscht auf Google aus wie ein Greenhorn auf dem Eisfeld.

Dass der Sturm gegen Google bislang nicht losgeschlagen hat, liegt daran, dass das US-Unternehmen Google es in den vergangenen 10 Jahren Zehntausenden Unternehmen ermöglichte und ermöglicht, im Speckgürtel von Google Geschäftsideen zu verwirklichen und Unternehmen zu gründen. Das ist ein Verdienst den Google sich erworben hat, der immer noch schwer wiegt. Doch Google selber ist dabei, durch zu viele eigene Zusatzprodukte, sich diesen Schutzwall abzugraben.

Dass gerade Deutschland besonders sensibel ist, wenn Medien-Imperien agieren und ihre Macht zementieren, liegt besonders an der leidvollen Geschichte im Dritten Reich: Es waren die zentral geschalteten Medien rund um Alfred Hugenberg, dem Zeitungszaren unter Adolf Hitler, der den Niedergang der Freiheit in Deutschland mit besiegelte, indem er sich zum Steigbügelhalter von Politikern machte. Seither möchte in Deutschland niemand mehr zu viel mediale Macht in einer Hand. Diese von den Deutschen gelernte Lektion trifft nun Google.

Dabei dürfte der Druck auf Google in den nächsten Jahren eher zu- als abnehmen. Deutschland wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Neben grundsätzlichen gesellschaftspolitischen Fragen wird es dabei zentral um die Aufrechterhaltung von Wettbewerb und Freiheit und der Durchsetzung europäischer Gesetze im Zusammenhang mit Google gehen. Falls Google glaubt, mit einem Schoko-frei-fuer-alle-Mitarbeiter-Image beispielsweise in der überschaubaren Hamburger Google-Zentrale das Thema Machtmissbrauch und Wettbewerbsverzerrung vom Tisch zu bekommen, dürften die Amerikaner irren.

Auch Google-Vertretungen in Paris oder Berlin werden da wenig nützen. Es ist längst eine Grundsatzdebatte am Laufen. Und das ist gut so. Dass die NSA-Affäre und das arrogante Gehabe Washingtons das Thema beschleunigten, haben die IT-Giganten ihrer eigenen Regierung zu verdanken.

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