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Das neue Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main Mitte Februar 2013. In einigen Monaten soll der Bau fertig gestellt werden. netztrends
24.02.2013

Die Europäische Zentralbank hält gemeinsam mit 17 nationalen EU-Notenbanken im Rahmen ihres "Securities Markets Programme" SMP mittlerweile rund 208 Mrd. Euro an Europäischer Anleihen, auch "Bonds" genannt. Der Anteil der EZB alleine beläuft sich jedoch lediglich auf acht Prozent, die Deutsche Bundesbank dürfte zumindest für Griechenland gemäß Vereinbarung mit rund 27 Prozent dabei sein. Die Zahlen bezüglich der Europäischen Zentralbank teilte die EZB (European Central Bank; ECB) am 23. Februar 2013 mit. Die Veröffentlichung erfolgte im Rahmen des am 6. September 2012 beschlossenen Transparenz-Beschlusses der EU innerhalb von finanziellen Stützungskäufen. Die Rede ist von "transparency stance" für "Outright Monetary Transactions" (OMTs).

Der größte Nutznießer der umfangreichen Bond-Käufe, die primär die betroffenen Länder schützen sollen, ist derzeit Italien. Hier kaufte die EZB gemeinsam mit anderen EU-Notenbanken mit einem enormen Betrag von 102,8 Mrd. Euro italienische Staatsanleihen, welche derzeit über einen Buchwert von rund 99 Mrd. Euro verfügen. Damit soll das hoch verschuldete Mittelmeer-Land fiskalisch gestärkt werden.

Die Zentralbank der Europäischen Union spricht im Rahmen ihres Aufkaufs von europäischen Staatsanleihen - also Schuldverschreibungen - offiziell von " securities holdings". Die durchschnittliche Laufzeit der italienischen Bonds beträgt 4,5 Jahre. Das bedeutet: Nach Ablauf dieser Frist steht der EZB der vereinbarte Zinssatz zu. Zwar teilte die EZB den durchschnittlichen Zinssatz den sie bezahlen muss, zumindest innerhalb ihrer aktuellen Meldung nicht mit, doch dürfte dieser für Italien bei um die 7 bis 8 Prozent pro Jahr liegen. Das würde bedeuten: Italien müsste nach 4,5 Jahren rund 35 Prozent Zinsen auf die von der EZB gehaltenen Bonds überweisen. Das entspräche also rund 35 Mrd. Euro Zinsen - zuzüglich der rund 99 Mrd. Euro, welche die EZB für die Bonds bezahlt hatte.

Der zweitgrößte Nutznießer des europäischen Bond-Aufkauf-Programms ist Spanien. Insgesamt umfassen die spanischen Staatsanleihen, welche die Europäische Zentralbank gemeinsam mit anderen EU-Notenbanken aufkaufte, einem Buchwert von 43,7 Mrd. Euro bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 4,1 Jahren. Auf Spanien folgt das europäische Dauer-Sorgenkind Griechenland. Hier beläuft sich der Buchwert der durch die EZB und andere EU-Notenbanken aufgekauften griechischen Staatsanleihen oder Bonds auf 30,8 Mrd. Euro bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 3,6 Jahren.

Auf dem vierten Platz jener EU-Mitgliedsstaaten, welche umfangreich Bonds an Europäische Notenbanken verkaufen konnten, liegt Portugal. Der Buchwert der durch die EZB und andere EU-Notenbanken gehaltenen portugiesischen Staatsanleihen beträgt rund 21,6 Mrd. Euro bei einer durchschnittlichen Haltefrist von 3,9 Jahren. Auf dem fünften Platz folgt schließlich Irland. Hier liegt der Buchwert der irländische Staatsanleihen bei rund 13,6 Mrd. Euro bei einer durchschnittlich einzuhaltenden Frist von 4,6 Jahren.

Bond-Handel bringt Europäischen Notenbank Milliarden Euro Erträge

Das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen der EU-Krisenländer besorgte den europäischen Notenbanken bislang hohe Gewinne. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ v. 22. Februar 2013, S. 11) hätten "alle Euro-Notenbanken zusammen... Erträge aus dem Anleihekaufprogramm" von ".... mehr als 12 Milliarden" erwirtschaftet. So teilte die Europäische Zentralbank mit, wonach alleine die EZB einen Gewinn von 1,1 Mrd. Euro innerhalb des Jahres 2012 auf Grund der Bond-Aufkäufe und Weiter-Verkäufe erzielte. Die Gewinne entstehen primär dadurch, dass die Bonds zum Zeitpunkt des Verkaufs mehr wert sind, als zum Zeitpunkt des Kaufs.

Nun teilte die Europäische Zentralbank mit, sie würde die durch griechische Bonds erzielten Kursgewinne an Griechenland überweisen - rund 555 Mio. Euro für das Jahr 2012 und rund 654 Euro für das Jahr 2011. Hinzu kommen nach Schützungen der FAZ "einige Milliarden Euro" der anderen Notenbanken, welche Griechenland ebenfalls im Rahmen der "Hilfszahlungen" aus Bond-Kursgewinnen erhalten könnte. Die Europäischen Regierungen hatten Griechenland mit dem zweiten Hilfspaket zugesagt, wonach Athen Erträge aus dem Handel mit griechischen Bonds überwiesen werden.

Dabei entsteht ein Kursgewinn folgendermaßen: Der Marktzins ändert sich, aber der festgeschriebene Zins in der Schuldverschreibung bleibt fest. Wenn der Marktzins fällt, dann wird der ältere Bond mit dem einst höheren zugesagten Zinssatz umso wertvoller. Steigt der Marktzins allerdings über den einst dem Bond zugesagten Zins, wird der Bond weniger wertvoll, da ein Käufer am aktuellen Bondmarkt einen höheren Zins erreichen könnte.

Beispiel: Ein griechischer Bond wurde im Jahr 2012 mit 18 Prozent Zinsen an die EZB verkauft, also einem für damals marktfkonformem griechischen Zinssatz, da Griechenland hohe fiskalisch Risiken mit sich bringt. Der hohe Zinssatz ist also ein Risikoaufschlag. Jetzt würde der für Griechenland marktkonforme Zins auf neun Prozent Anfang des Jahres 2013 fallen. Aber die EZB hält den Bond immer noch zu einem beim Kauf vereinbarten Zinssatz von 18 Prozent.

Hält die EZB nun den Bond zu 18 Prozent Zinsen bei einer mit Griechenland vereinbarten Laufzeit von 4 Jahren, so könnte sich ein dritter Bond-Interessent dafür entscheiden statt eine neue griechische Staatsanleihe zu neun Prozent Zinsen zu kaufen, mit der Europäischen Zentralbank über eine Übernahme älterer griechischer Bonds zu sprechen, die zum Beispiel noch zwei Jahre laufen, aber einen Zinssatz von 18 Prozent versprechen.

So entsteht dann für diesen Bond bei Weiterreichung an einen Dritten ein Kursgewinn für den Verkäufer - also die EZB. Der Gewinn entsteht zwischen dem niedrigeren Marktwert auf Grund des niedrigeren Zinses und dem höheren Marktwert des älteren Bonds auf Grund des damals mit dem Staat Griechenland vereinbarten höheren Zinssatzes.

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