Biotechnologie: Gilead senkt Preis für neues Hepatitis C Medikament Epclusa auf 74.760 Dollar

Das weltweit führende börsennotierte amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Gilead Sciences senkt für sein neues super effektives 12-Wochen-Therapie Medikament gegen Hepatitis C, Epclusa, die Preise.

Bild: Screenshot gilead.com
Gilead revolutioniert die Viren-Behandlung äußerst erfolgreich.

Künftig kostet eine Behandlung mit Epclusa nur noch 74.760 US-Dollar in den USA. Die beiden Gilead-Vorgängerprodukte kosteten in den USA deutlich mehr. Zum einen wäre das Sovaldi mit 84.000 US-Dollar pro Patient und Harvoni mit 94.000 US-Dollar pro Patient.

Epclusa wurde erst vor kurzem von der amerikanischen Pharma-Aufsichtsbehörde "Food and Drug Administration" (FDA) genehmigt.

Gilead revolutioniert seit gut zwei Jahren den Markt der Hepatitis C-Behandlung. So stellt der Biotechnologie-Star erstmals in der Geschichte der Medizin Hepatitis-C-Patienten eine Tablette zur Verfügung, mit deren Hilfe das einstmals lebenslang nicht heilbare Nieren-Virus Hepatitis C sehr effektiv und patientenschonend in einer rasanten 12-Wochen-Therapie komplett eliminiert werden kann.

Zuvor waren teils jahrelange oder jahrzehntelange regelmäßige Krankenhaus-Aufenthalte von Hepatitis-C-Patienten die Regel. Dabei mussten komplizierte schmerzvolle Blutwäsche-Behandlungen durchgeführt werden und nicht selten sehr teure Nieren-Transplantationen.

In 80% der Fälle führt eine Hepatitis C-Virus-Infektion zu einer chronischen Krankheit, in deren Verlauf bei Nicht-Behandlung es zu schweren Leberschädigungen kommt. Zum einen wäre das die Leberzirrhose, zum anderen ein Leberzellkarzinom. Das Hepatitis C-Virus konnte erst vor rund 30 Jahren - 1989 - isoliert werden und galt bis vor wenigen Jahren als nicht heilbar. Erst mit Gilead revolutionierte sich die Behandlungsmethode.

Doch die jahrelange Milliarden US-Dollar teure und schwierige Pharma-Forschung hatte ihren Preis: So kostete bislang eine Super-Hepatitis-C-Pille der Gilead-Behandlungsreihe Sovaldi 1000 US-Dollar und mehr. In Deutschland kalkulierten Ärzte pro Patient bis zu 120.000 Euro und sind dennoch froh über die Gilead-Revolution.

So sagte ein Arzt, der unter anderem an der Berliner Charité praktiziert: "Das sind phantastische Produkte, die Gilead der weltweiten Ärzteschaft da zur Verfügung stellt". Deshalb halte er die hohen Behandlungskosten durchaus für gerechtfertigt und verweist darauf, dass Hepatitis-C-Kranke über die Jahre deutlich mehr kosteten, als eine erfolgreiche Therapie:

Nach Studien in den USA und Australien erspare eine durchschnittliche Nierentransplantation Kosten zwischen 75.000 bis 95.000 US-Dollar pro Patient durch ein Ende der Blutwäsche, bekannt auch als Dialyse. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ebenso die Gilead-Therapie entsprechende Kosten im Falle einer erfolgreichen Hepatitis C-Behandlung den Krankenkassen einspart – mindestens.

Dank Gilead Sciences Turbo-Tabletten ein wesentlich besseres Leben

Hinzu kommt nach einer Hepatitis-C-Heilung ein wesentlich sorgenfreieres und glücklicheres Leben der Patienten, die teils über Jahrzehnte unter Hepatitis C tiefliegend seelisch und körperlich leiden mussten. Alleine in den USA gehen Schätzungen davon aus, dass rund vier Millionen Menschen Hepatitis-C-Infiziert sind. Auch in Deutschland könnten Hunderttausende infiziert sein.

Hepatitis C kann man sich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr einfangen, wenn es zu Blut-Berührungen kommt. Ebenso haben sich viele im Krankenhaus mit Hepatitis C infiziert. Besonders viele der in den USA oder Kanada mit Hepatitis-C-Infizierten gehören der Alt-68er-Generation an. Betroffen sind auch Homosexuelle oder Bisexuelle. So steigen in Deutschland seit Jahren die Hepatitis-C-Infektionen wieder dramatisch an.

Die hohen Kosten für die Hepatitis-C-Therapie von Gilead hatten immer wieder für Kritik von Patientenverbänden in den USA gesorgt. Sie sagten, sie empfänden das Preisniveau als unsozial.

Dem entgegneten die Forscher von Gilead, dass Millionen Kranke ohne die revolutionären neuen Behandlungsmethoden bis an ihr Lebensende Hepatitis C infiziert blieben – mit all den schmerzhaften und ebenfalls sehr teuren Folgen.

Letztlich stelle aber die 1000 US-Dollar teure Hepatitis-C-Pille von Gilead für Millionen Menschen weltweit eine lebensrettende Antwort auf eine chronische Infektion dar, so Gilead-Befürworter.

Gilead konnte alleine 2015 mit seinen neuen innovativen Medikamenten gegen Hepatitis und die Immunschwäche-Krankheit HIV über 12 Milliarden US-Dollar Gewinn erwirtschaften. Geld, das überwiegend zur Deckung der Forschungskosten verwendet wird oder in die Rücklagen geflossen ist.

Gilead forscht auch an einer HIV-Heilung, doch noch ist das in weiter Ferne

Gilead gilt als eines der wenigen Unternehmen, denen man global zutraut, in den nächsten 10 Jahren möglicherweise zudem ein Mittel zu finden, welches HIV komplett heilen könnte.

Doch noch ist man davon relativ weit entfernt. Die klassische moderne HIV-Behandlung ist mittlerweile – auch dank Gilead – ebenfalls eine Ein-Pillen-Therapie pro Tag. Nur mit dem Unterschied:

Das Hepatitis-C-Virus kann nach 12 Wochen mit Gilead-Tabletten eliminiert werden. Doch im Falle von HIV kann das chronische Virus maximal in den Körperflüssigkeiten so weit zurückgedrängt werden, dass es nicht mehr nachgewiesen werden kann und deshalb bei lückenloser täglicher Einnahme zu keiner Infektion des Geschlechtspartners mehr führt.

Doch genau an der lückenlosen täglichen Einnahme hapert es vor allem bei jüngeren Patienten. Dies führte bereits in Berlin dazu, dass im Falle von zwei 20-Jährigen HIV-Infizierten das HIV-Virus 2016 mutierte und seitdem nicht mehr mit einer Ein-Tabletten-Therapie pro Tag behandelt werden kann. Das heißt: Die beiden 20-Jährigen mussten jetzt auf eine zwei Mal tägliche Therapie umgestellt werden, zu welcher jeweils vier Tabletten täglich eingenommen werden müssen - morgens und abends.

Doch egal welche Therapieform gegen HIV: Nach wie vor gibt es Körperstellen, in welchen sich das Virus verstecken kann und von keinem bislang zur Verfügung stehenden Medikament erreicht werden kann. Das hat zur Folge:

Nach Absetzung der Tabletten schießen die HIV-Viren wieder lebensbedrohlich im Blut des Patienten in die Höhe. Neben Gilead Sciences ist der ebenfalls börsennotierte US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb sehr erfolgreich im Kampf gegen Hepatitis sowie HIV.