DHL kommt in die Puschen bei der Liefer-Uhrzeit von Paketen

Kommentar - Mit einer behäbigen Selbstgefälligkeit agierte bislang Deutschlands größtes Logistik-Unternehmen, DHL. Die meisten Kunden konnten bei normalen Paketlieferungen an die Haustüre kaum bis gar nicht bei der Liefer-Uhrzeit mitbestimmen. Das soll sich aber künftig ändern.

DHL will einen Zahn zulegen und mehr Service bieten.

Noch schreibt DHL jedoch auf seiner Webseite: "Mit der Paketankündigung von DHL Paket wissen Sie immer genau, wann Ihre Sendung ankommt. Sie erhalten eine kostenlose E-Mail Benachrichtigung über den geplanten Zustellzeitpunkt und gibt Ihnen so die Möglichkeit Ihr Paket nach Wunsch zu erhalten." Doch gerade bei der Lieferung nach "Wunsch" haperte es.

Denn liest man weiter, stellt man fest, dass es vor allem um den Liefertag geht, nicht unbedingt um die so wichtige Uhrzeit, zu der das Paket oder Päckchen kommt. So schreibt DHL zwar:

"Wenn möglich wird zusätzlich ein Zustellzeitfenster von zwei bis drei Stunden mitgeteilt. Sollten Sie an dem avisierten Zustelltag voraussichtlich nicht zu Hause sein, können Sie die Zustellung z.B. mit unserem Wunschtag-Service verschieben."

Doch auch mit dem "wenn möglich" hatte es bislang bei DHL so seine Tücken. Denn uns von netz-trends.de ist nicht ein Fall im persönlichen Bekannten- und Freundeskreis bekannt, wo es wirklich möglich gewesen wäre, von diesem angeblichen Zeitfenster-Service des öfteren auch Gebrauch zu machen.

Gerade hier agiert zum Beispiel der DHL-Konkurrent Hermes - eine Tochter der Otto Group - seit Jahr und Tag nach unserem Eindruck deutlich kundenfreundlicher. Denn Hermes bietet an, dass man sich telefonisch melden kann und dann mit der Hermes-Logistik das Zeitfenster der Paket- oder Warenlieferung - vor allem auch bei größeren Haushaltsgeräten - abstimmen kann. Wie flächendeckend das Hermes realistisch umsetzt, konnten wir allerdings bislang nicht überprüfen.

Wir kannten das aber bei DHL bislang so: Wer nicht zu Hause ist, wenn das Paket oder Päckchen geliefert wird, der hatte eben Pech. Entweder nahm ein Nachbar netterweise die Lieferung entgegen, oder man fand eine Postkarte im Briefkasten, auf welcher man angeben durfte, an welchem Tag DHL noch einmal liefern sollte.

Nicht selten hörten wir aber auch dies: Obwohl der Verbraucher zu Hause war, fand er am Ende doch eine Postkarte im Briefkasten, mit der Begründung des Zustellers, der Kunde sei angeblich (im dritten Stockwerk eines Mietshauses) nicht anzutreffen gewesen (obwohl er eben doch da war; der Zusteller scheint sich in diesen Fällen also das kraftraubende Treppensteigen ersparen zu wollen).

Lieferzeit-Information über Mail

Immerhin bietet DHL schon heute an, einen über den Liefertag zu informieren und zwar per Standard-Mail:

"Lieber Kunde, Ihr DHL Paket mit der Sendungsnummer 123456789123 werden wir voraussichtlich am 01.07.2014 zustellen. Möchten Sie Ihr Paket an einem anderen Tag erhalten? Einfach auf www.paket.de einloggen und den Zustelltag um bis zu 4 Tage verschieben. Dort erhalten Sie auch weitere Informationen zu Ihrer Sendung. Herzliche Grüße, Ihr DHL Team."

DHL kündigte die in vielen Regionen zumindest theoretisch existierende Zeitfenster-Option bislang wie folgt an:

"Mit dem DHL Service Paketankündigung können Sie sich kostenlos per E-Mail über den voraussichtlichen Zustelltag Ihrer Sendung benachrichtigen lassen. Wenn möglich wird zusätzlich ein Zustellzeitfenster von zwei bis vier Stunden mitgeteilt. Geben Sie dazu bei jeder Sendung an Ihre Hausadresse zusätzlich Ihre PostNummer unterhalb Ihres Namens an."

Doch wie bereits geschildert, kennen zumindest wir keinen Fall, wo das auch so regelmäßig geklappt hätte mit der angeblichen "Wunsch"-Lieferzeit.

Immerhin könnte sich das, glaubt man DHL, künftig ändern. Allerdings dürfte das Motiv von DHL nicht in der plötzlich gefundenen Kundenfreundlichkeit liegen, sondern im Konkurrenzdruck. So kündigte der amerikanische Mega-Konzern Amazon an, er wolle künftig möglicherweise einen eigenen Lieferservice auch in Deutschland aufbauen. Das könnte vor allem zu Lasten zweier Logistik-Unternehmen gehen: DHL und Hermes.

Onlineshopper von inflexiblen Lieferungen oft genervt

Denn bislang nutzen Deutschlands Tausende Onlineshops vor allem zwei Logistiker zum Liefern der von Kunden bestellten Waren: Hermes oder DHL. Wenn nun noch Amazon hinzukommt, so darf davon ausgegangen werden, dass dies zu Lasten von DHL und Hermes gehen könnte. Diese Annahme könnte umso mehr gelten, als dass bekannt ist, dass Amazon sich gerne mit Dumpingpreisen weltweit Claims sichert.

Künftig, sagt DHL, wolle man in einem ersten Schritt zumindest in einigen Ballungsgebieten die Möglichkeit anbieten, dass Kunden, welche bei Onlineshops einkaufen, selber ein zweistündiges Zeitfenster angeben dürfen, zu welchem DHL liefern soll, also ganz ähnlich, wie es bereits teils bei Hermes abläuft.

Allerdings scheint sich DHL wieder einmal ein Hintertürchen offen zu lassen. Denn seltsamerweise soll angeblich das Zeitfenster der Lieferungen zwischen 10 und 21 Uhr liegen. Vor allem für den Vormittag würde dies bedeuten, dass die Masse der Singelhaushalte um 10 Uhr kaum ein Päckchen entgegennehmen wird können. Üblicherweise ist man nämlich zu dieser Zeit entweder auf der Arbeit oder beispielsweise an der Uni.

Warum nicht schon ab 7.30 Uhr?

Warum DHL hier nicht wenigstens ein frühes erstes Zeitfenster von 7.30 Uhr bis 10 Uhr anbietet, ist eines von so vielen Liefer-Ungereimtheiten bei DHL, welche Online-Shopper und auch Shopbetreiber seit Jahren in Deutschland nervt.

Immerhin: Die künftig etwas flexibleren Lieferzeiten möchte DHL zunächst in Berlin, München, Köln, Hamburg und dem Ruhrgebiet anbieten, erklärte Post-Paketchef Achim Dünnwald. Bis Ende 2017 wolle man dies auf gut 50 Städte in Deutschland ausdehnen. Gut möglich allerdings, dass die höhere Flexibilität sich DHL dann auch vergolden lässt in Form von Liefer-Zuschlägen.

Neben der klassischen Tür-Lieferung bietet DHL seit Jahren die Option, dass man sich sein Paket oder Päckchen in eines der 11.000 Paketshops oder 2750 Paketstationen liefern lässt. Möglicherweise könnten künftig auch Paketkastenanlagen für Mehrfamilienhäuser hinzu kommen.

Paketkastenanlagen wären kleine Packstationen direkt in den Mietskasernen. Der Vorteil wäre hier: Die Pakete werden nicht, wie in den Packstationen, bei Nicht-Abholung nach sieben Tagen wieder an den Absender zurückgeschickt.