In deutschen Haushalten lagern nach Schätzungen mehrere tausend Tonnen Gold – ein erheblicher Teil davon als Altgold, ungetragener Schmuck oder Zahngold. Angesichts anhaltend hoher Goldpreise rückt dieses stille Vermögen nun verstärkt in den Fokus von Verbrauchern und Händlern. Branchenvertreter berichten von einer spürbar steigenden Nachfrage im Goldankauf.
Auslöser ist die Kombination aus wirtschaftlichem Druck durch Inflation, gestiegenen Lebenshaltungskosten und einem stabil hohen Börsenkurs für Feingold. Selbst kleine Mengen Altgold können aktuell mehrere Hundert Euro einbringen. Entscheidend sind dabei ausschließlich Gewicht, Feingehalt und der tagesaktuelle Goldpreis.
Beim Ankauf zählen objektive Faktoren. In Deutschland sind insbesondere die Legierungen 333, 585 und 750 verbreitet. Sie entsprechen einem Goldanteil von 33,3 Prozent, 58,5 Prozent beziehungsweise 75 Prozent. Der optische Zustand spielt keine Rolle, da das Material eingeschmolzen wird.
„Viele sind überrascht, was sich tatsächlich alles verkaufen lässt. Der Zustand spielt keine Rolle, wir achten im Grunde nur auf den Karatgehalt und das Gewicht“, sagt Robert Nyberg, Geschäftsführer eines Goldhändlers Goldbrief. Ein häufiger Irrtum sei zudem die Annahme, dass Edelsteine automatisch wertsteigernd wirken. Beim sogenannten Schrottgold würden sie häufig nicht in die Berechnung einfließen.
Nach Angaben aus der Branche setzen seriöse Anbieter auf moderne Spektrometer-Analyse, um den exakten Edelmetallgehalt zu bestimmen. Gerade bei Zahngold sei eine präzise Prüfung notwendig, da die Zusammensetzung stark variieren könne.
Parallel zum hohen Goldpreis verändert sich auch der Vertriebsweg. Der versicherte Postankauf gewinnt gegenüber stationären Händlern an Bedeutung. Anbieter stellen Versandkits mit Versicherungsschutz bereit, prüfen eingehende Wertsachen und unterbreiten anschließend ein Angebot. Bei Zustimmung erfolgt die Auszahlung, andernfalls der Rückversand.
Branchenbeobachter sehen darin eine Professionalisierung des Marktes. Transparenz, Versicherung und dokumentierte Analyseverfahren gelten inzwischen als Standardanforderungen.
Neben finanziellen Motiven spielt auch der Umweltaspekt eine Rolle. Der konventionelle Goldabbau zählt zu den umweltschädlichsten Industrien weltweit. Das Recycling von Altgold reduziert den Bedarf an neu gefördertem Minengold erheblich. Gold kann ohne Qualitätsverlust beliebig oft eingeschmolzen werden.