+++ N26 Skandalbank: "Können das kriminelle Ausmaß, das auf N26 über Identitätsdiebstahl betrieben wird, kaum glauben", sagt Mutter von Opfer

Die Onlinebank N26 steht seit Jahren in der Kritik. Die Vorwürfe reichen unter anderem davon, Steigbügelhalter für Kriminelle zu sein, indem durch Kunden massenhaft Konten mit gefälschten Identitäten eröffnet werden, was wiederum Betrug oder Geldwäscherei fördere oder ermögliche. Laut einem Bericht der Berliner Boulevardzeitung BZ vom September 2021 habe die Bank N26 bereits eine Millionenstrafe wegen "mangelhafter Geldwäsche-Bekämpfung" bezahlen müssen. Bei Geschädigten für Entsetzen sorgt auch, da viele Kriminelle international zu leicht ein Konto oder Unterkonto bei der N26 eröffnen könnten um Betrugsgeschäfte national oder international durchführen zu können. Dies werten Kritiker als ein Kernproblem bei der N26, da Wachstumsstreben offensichtlich oft vor Kundenprüfung gehe. Die Verstrickungen der N26 rief Ende 2021 erneut die Bafin auf die Spur. Sie veranlasste, dass die Anzahl der Neueröffnungen von Konten monatlich auf immer noch sehr hohe 50.000 begrenzt werde.

Eine Mutter kämpft mit vielen Mitstreitern in einer WhatsApp-Gruppe gegen Betrug auf Ebay und N26.

Die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht spricht von einem "Mangel an Risikomanagement", weshalb es auch einen durch die Bafin berufenen Sonderbeauftragten, also eine Art Aufpasser, für die N26 gebe. Eine kritische Presseanfragen von Netz-trends.de, vor Monaten im Zuge einer schon damaligen Recherche abgeschickt, lässt die dubiose Onlinebank unbeantwortet. Das ist symptomatisch für die Skandalbude N26. Laut Impressum wird das am Amtsgericht Charlottenburg registrierte Unternehmen durch die vier Geschäftsführer Valentin Stalf, Maximilian Tayenthal, Dr. Jan Kemper und Thomas Grosse geführt.

Auf einem der weltweit größten Bewertungsportale, auf Trustpilot, sind von 21.231 Bewertungen zu N26.com 28 Prozent, immerhin rund jede dritte, mit "mangelhaft" oder "ungenügend" überschrieben. 25 Prozent, oder 5323 Verbraucher, vergeben der Onlinebank eine glatte 6, also "ungenügend". Weitere 533 Verbraucher vergeben an die N26 Bank ein "mangelhaft", also eine 5 (Stand: 26. Mai 2022).

Da muss man erstmal schlucken, zumal die Bank einen illustren Kreis an Aktionären hat, die auf fette Rekapitalisierung ihrer Anlage hoffen. Ein Vorzeigeunternehmen sieht anders aus. Opfer, die über N26-Konten finanziell geplündert wurden, können Bände über die Bank singen. Doch nicht immer geht es in der Kritik über finanzielle Verluste, die Betrüger mittels N26-Konten bei ihren Opfern anrichten.

Am 26. Mai 2022 schrieb beispielsweise ein Nutzer auf Trustpilot zu der Skandalbank N26: "VON WEGEN ‚Kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber‘: Erst wird GROßSPURIG online geworben mit: ‘Kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber... Eine Kontoeröffnung bei N26 ist auch bei schlechter Bonität möglich.‘ Oder: ‚Kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber gebührenfreie Kontoführung im Standard Modell Kontoeröffnung für alle möglich, auch bei schlechter Bonität / negativer Schufa‘ (siehe u.a. URL bei ‚konto-testsieger.de /girokonto-vergleich‘). … und DANN entgegen den Werbeaussagen: => Wenn die Bonität/Schufa diskreditiert ist, wird Derjenige, der das beworbene kostenfreie Standard-Konto dann bei schlechter Bonität tatsächlich haben möchte, zu einem NICHT kostenfreien "Flexkonto" genötigt, welches ihn dann 72,- €/Jahr kostet!"

Das sei, ärgert sich der N26-Kunde auf Trustpilot weiter, "im Grunde doch unlauterer Wettbewerb". Und der, der von besagten Werbeversprechen ‚aufs Glatteis‘ geführt werde "und online, … via App, und via Support-Chat etc. pp agiert hat, hat seine wertvolle Zeit für NICHTS investiert, und final dann auch noch den Frust/Ärger darüber".[1]

Ja, wenn es "nur" das wäre: "Über N26 dürften Tausende Bürger wahrscheinlich Hunderttausende Euro, wenn nicht Millionen Euro über Fake Konten verloren haben", vermutet ein Anwalt, der die Bank gut kennt. Wegen zahlreicher Delikte hat nun endlich die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen vier Manager von N26 übernommen, berichtete das Handelsblatt.

Netz-trends schickte der Pressestelle von N26 eine Anfrage und wollte wissen, ob es sich dabei um die vier Geschäftsführer handelt, bekam aber in der gesetzten Frist (Freitag 27.5.2022, 12 Uhr), keine Antwort.

Tausende Negativ-Bewertungen im Netz flankieren die Berliner Onlinebanker von N26. Eine Vorzeigeunternehmen sieht anders aus. (Stand Screenshot: 26.5.2022)
Viele meinen, die Ermittlungsverfahren gegen Manager der Bank seien höchste Eisenbahn gewesen. Jedenfalls berichtete Anfang Februar 2022 auch DER SPIEGEL:

"Schon mehrfach hat die Finanzaufsicht Bafin kritisiert, N26 tue zu wenig gegen Geldwäsche und Betrug. Nun ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft laut einem Zeitungsbericht gegen vier Führungskräfte der Bank… Kriminelle hatten bei N26 zahlreiche Konten offensichtlich für ihre Zwecke eröffnet, etwa für den Betrieb von Online-Fakeshops oder zur Geldwäsche. Verbraucher beklagen, gemeldete Konten seien nicht zeitnah gesperrt worden und fühlen sich deshalb auch von der Bank getäuscht." [2]

Wie in der Vergangenheit versucht N26 Kritik an der Smartphonebank wegzubügeln. Angeblich habe man nun Millionen in den Kampf gegen Betrug investiert, teilte man mit. Darüber können Opfer nur lachen, die die Bank seit Jahren ignoriert (unser folgendes Interview). Sie sind erleichtert, dass Strafanzeigen nun endlich wenigstens zu Ermittlungsverfahren geführt haben.

Bislang konnte sich die in Berlin ansässige Onlinebank N26 sicher fühlen, da das für die Bank zuständige Berliner Gericht und deren für Wirtschaftskriminalität zuständige Staatsanwaltschaft im Bereich der Wirtschaftskriminalität auf Grund von Arbeitsüberlastung seit Jahren untergeht. [3]

So konnten neue Ermittlungen kaum mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Ausdauer angegangen werden. Für einen Rechtsstaat ein desolater Zustand. Dabei arbeiten den Staatsanwälten IT-Forensiker zu (oft externe Firmen), aber auch Wirtschaftsreferenten und -referentinnen, Diplom-Kaufleute, Volkswirte oder Betriebswirte, Diplom-Rechtspfleger oder Buchhalter. Sie alle sollen einen "Beitrag zur effektiven Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität" leisten.

Erst nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen die Bank ruderte nun N26 Co-Gründer Maximilian Tayenthal, der auf Bildern gerne selbstgefällig wie ein geschlecktes Honigkuchenpferd lächelt, zurück und ließ mit dem sonstigen Management zahlreiche Konten schließen, die im Verdacht stünden, betrügerisch genutzt zu werden. [4]

Netz-trends.de erzählt eine Mutter ihr Leid mit N26, aber auch mit eBay Kleinanzeigen und dortigen von Hackern gekaperter Konten von oft privaten Verkäufern. Wir veröffentlichen das ganze Interview im Wortlaut:

Wie ist Ihr Sohn Opfer von Cyber-Kriminellen über N26 geworden?

Antwort einer Opfer-Mutter aus Karlsruhe:

"Mein Sohn suchte Anfang 2021 eine Computer-Grafikkarte. Im Handel kostet eine solche Grafikkarte im Schnitt zwischen 900 bis 1200 Euro. Durch Corona war die Grafikkarte plötzlich deutlich teurer, da es in Asien Lieferengpässe gab. Im Februar 2021 schrieb mein Sohn mir dann eine Nachricht: Mama, ich habe eine Grafikkarte gefunden. Der angebliche Verkäufer auf Ebay hätte aus Versehen zwei Grafikkarten und würde sie nun angeblich zu normalen Preisen verkaufen.

Dann nahm er mit dem angeblichen Verkäufer Kontakt abends auf und man wurde sich über den Preis einige. Es waren 900 Euro und ein paar Gequetschte. Der Verkäufer schickte dann ein Foto seines vermeintlichen deutschen Personalausweises, um uns in Sicherheit zu wiegen. Dort hieß er Dr. Michael B.. Wir googelten den Namen gleich im Internet und fanden ihn auch. Es war angeblich eine sehr seriöse Person, der für eine große Versicherung arbeitet und mehrere Aufsätze geschrieben hatte.

Dieser vermeintliche Dr. Michael B. hatte uns zuvor noch seine WhatsApp Nummer gegeben, so dass wir dachten: Naja, eine Telefonnummer haben wir ja für den Fall, dass es ein Betrug ist, dann können wir ja gut zur Polizei und haben einen Beweis. Wir schrieben mit ihm also auf WhatsApp. Er behauptete, er sei am Bodensee bei seiner Freundin. Dann plötzlich hieß es, er sei doch nicht am Bodensee, sondern in Hannover. Wir waren ja in Karlsruhe. Dann einigten wir uns auf einen Versand der Grafikkarte und doch nicht auf eine Abholung.

Was dieser vermeintliche Dr. B. wollte, war, um die Grafikkarte für meinen Sohn zu sichern, eine Sofortbezahlung. Ich sagte noch zu meinem Sohn: Ich habe ein schlechtes Gefühl, wenn wir das überweisen, ist das Geld sofort weg. Ich war aber nicht sofort dagegen, da dieser Dr. B. ja einen seriösen Eindruck machte. Also überwiesen wir das Geld auf das in Ebay angegebene Konto bei der N26 Onlinebank, da wir uns das vermeintliche Schnäppchen auf Ebay nicht entgehen lassen wollten. Zudem war der Verkäufershop auf Ebay seriös und hatte viele gute Bewertungen und war schon einige Jahre alt.

Am gleichen Abend waren wir bei Bekannten und erzählten den Vorgang. Der Bekannte meinte zu uns: Oh, das habe er schon mal gehört, dass Betrüger Personalausweise einem zuschicken, um auf Vertrauen zu machen. Am Montag war ich sofort bei der Bank, aber die sagte mir, man könne nichts mehr tun, da überwiesen sei. Dann kam von dem angeblichen Dr. B. die Mitteilung über WhatsApp, das Geld komme zurück, da der Betrag angeblich zu hoch sei und seine Bank das nicht annehme. Da hatten wir dann schon ein sehr schlechtes Bauchgefühl. Dann gingen wir am nächsten Tag gleich zur Polizei Karlsruhe und haben Anzeige erstattet. Die sagten, sobald das Geld beispielsweise auf ein Konto der N26 Bank oder sonstigen Bank überwiesen ist und die Gegenseite es hat, ist es erst einmal weg.

Wir waren geschockt und waren uns dann recht schnell sicher: Wir hatten zwar das Foto des Personalausweises von Dr. B. erhalten, doch der, der uns das zugeschickte hatte, war offensichtlich nicht Dr. B. selber. Ein klassischer Fall von Identitätsdiebstahl, befürchteten wir.

Ich habe dann diesen Dr. Michael B. auch tatsächlich angerufen, auch seine Arbeitsstätte, beziehungsweise Niederlassung wo er tätig ist und hatte ihm auf seine Mailbox gesprochen. Leider hat er nie zurück gerufen. Das machen leider sehr viele Opfer von Identitätsdiebstahl. Ich hatte eine reichlich Menge Wut im Bauch, da ich mich auch verantwortlich gefühlt habe. Mein Sohn war zwar schon 20, trotzdem hab ich natürlich mehr Lebenserfahrung. Dann ging es weiter, das ganze Betrugstheater.

Wenn Sie in einer Internet-Suchmaschine den Begriff "Ebay Betrug" eingeben, bekommen Sie immer Anzeigen von Opfern, die Opfer von Betrugsmaschen geworden sind. Dann lernte ich einen Herrn Charles kennen. Eigentlich hieß er ursprünglich angeblich Marc auf Grund seiner Warnung, die er auf Ebay veröffentlicht hatte mit der Warnung vor Betrügern. Er hatte also Anzeigen in Ebay geschaltet, von wegen diese oder jene Grafikkarte sei zu billig und der Auftraggeber der Ebay Kleinanzeigen sei ein Betrüger.

Wir recherchierten weiter und lernten noch einen Mann kennen, ein weiteres Opfer. Dann kam noch jemand dazu und wir gründeten eine WhatsApp Gruppe. Da waren wir schließlich acht Opfer. Dann kam noch jemand dazu, der vor einem angeblichen Arzt warnte, der eine Grafikarte angeblich zu einem niedrigen Preis anbot und zwar angeblich zur Abholung in seiner Praxis.

Da nahmen wir dann auch Kontakt auf mit einer Lea, die vor diesem Dr. Thomas U. warnte, dessen Personalausweis auch im Internet kursierte, da auch er offensichtlich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden war. Sie hatte aber schon eine eigene WhatsApp-Gruppe. Auch bei ihr waren alle komplett geschädigt durch Onlineshopping auf Ebay & Co und den dortigen von Kriminellen gekaperten einst seriösen privaten Onlineverkäufer-Konten.

Das Ebay-Konto von diesem Dr. Thomas U. war offensichtlich ebenfalls von Kriminellen gehackt worden und irgendwie waren die Kriminellen zudem an den Personalausweis von Dr. U. gekommen. Wahrscheinlich hatte er seinen Personalausweis einstmals leichtgläubig für einen Onlinekauf an einen vermeintlichen Käufer oder Verkäufer oder eine Käuferin oder Verkäuferin verschickt.

Dann entschloss sich unsere WhatsApp-Gruppe in diese WhatsApp-Gruppe zu wechseln. Dann waren wir ungefähr 20 Personen und tauschten uns da aus und sammelten weitere Erfahrungen. Es gab viele, die Ware auf Onlineshops, meist in Ebay oder Amazon meist auf Konten von N26 bezahlt haben, aber niemals die Ware erhalten haben. 85% aller Opfer, deren Daten wir in Onlineshops sammelten, waren auf Betrüger hereingefallen, die über die N26 arbeiteten und falsche Personalausweise an ihre Opfer verschickt hatten.

Die zweite Bank, welche die Betrüger häufiger nutzen, ist die Solaris, beziehungsweise die Solarisbank, ein ähnlicher Verein wie die N26.

Unsere Gruppe ist dadurch gewachsen, dass wir immer wieder Leute angeschrieben haben, die Warnungen bei eBay-Kleinanzeigen aufgegeben haben. Außerdem haben wir natürlich schnell einen Blick für Betrüger auf Ebay bekommen und haben dann versucht die Täter zu kontaktieren, auch der Polizei gemeldet.

So schwer ist das eigentlich nicht, wenn man da erstmal ein bisschen Erfahrungen mit diesen Kriminellen hat, die per Identitätsdiebstahl ihre kriminellen Geschäfte betreiben. Meist bieten die Betrüger in dem Ort, wo das Opfer des Identitätsdiebstahlsitzt, auch Ware an, damit es möglichst realistisch aussieht.

Da wir gezielt die Betrüger-Personalausweise sammelten, haben wir im Laufe der Zeit um die 100 Personalausweise gesammelt, die Opfer von Identitätsdiebstahl sind. Zu 80% bekomme ich Personalausweise zugeschickt und fast immer spielt die Onlinebank N26 eine zentrale Rolle dabei. Es ist Unermesslich. Es sind Betrugs-Dimensionen die so schlimm sind, dass ich mich echt wundere, dass auf der N26 solch kriminelles Treiben möglich ist und nicht unterbunden wird.

Ich mache das ja beruflich nebenher. Wir können das ganze kriminelle Ausmaß, das auf N26 über Identitätsdiebstahl betrieben wird, kaum glauben.

Uns ist immer noch nicht komplett klar, wie es genau läuft: Wie oft also Betrüger ein Konto zum Beispiel bei der N26 mit geklauter Identität eröffnen oder wie oft diese geklaute Identität nur im Onlineshop genutzt wird, nicht aber direkt zur Eröffnung eines Bankkontos bei einer Onlinebank. Sprich: Wir wissen nicht, wie oft die Betrüger mit der geklauten Identität ein falsches Konto eröffnen oder wie oft sie nur den Namen nehmen, um die Opfer zu verführen auf ein vermeintlich seriöses Konto bei der N26 Geld zu überweisen, das aber vielleicht von einer anderen, vielleicht im Ausland sitzenden Person, eröffnet wurde.

Es kann also auch sein, dass sie Konten eröffnen unter anderem Namen, als dem im Onlineshop, dass sie aber die richtige IBAN-Nummer angeben und das Geld dann dem Konto einfach gutgeschrieben wird, trotz falschem Namen. Wir haben bislang nur einen Mann zu hundert Prozent gefunden, dessen Identität mit Personalausweis und obendrein seiner EC-Karte geklaut wurde.

Er hatte die N26 angeschrieben, aber die Bank reagierte mal wieder gar nicht, sagte er. In unserer Gruppe hat fast kein einziger jeweils eine Antwort von der N26 bekommen, nachdem man über ein Konto der Bank betrogen wurde. Man erreicht ja auch keinen Kundenservice bei der Bank nach unserer Erfahrung. Es ist echt skandalös, dass dieser Bank scheinbar Betrug egal ist.

Als Opfer schämt man sich, wenn man plötzlich einen Personalausweis zugesendet bekommt mit dem eigenen Foto. Das ist ein Ausmaß, das ist unglaublich.

Es ist leider tatsächlich so, dass die IBAN-Nummer ausreicht, damit das Geld ankommt, egal welcher Name dazu geschrieben wird. Früher kam das Geld zurück, wenn ein Schreibfehler in dem Namen ist. Die Einführung von IBAN macht es Betrügern leicht, so vorzugehen.

In der Schweiz muss man wenigstens noch Namen und Adresse eingeben zusätzlich zur IBAN. Wir sind aber ja nicht in der Schweiz. Dieses IBAN-System macht es den Kriminellen extrem einfach.

Wenn ich das Geld also auf ein IBAN-Konto überweise, hinter dem ein Betrüger steckt und ich versuche, mein Geld zurückzuholen, ist unsere Erfahrung immer: Sobald es gutgeschrieben ist, hat man keine Chance mehr, keine einzige mehr. Deshalb wollen die das ja per Sofortüberweisung.

Wenn ich zur Polizei gehe und sage, der hat mich betrogen, ist meine Erfahrung: Mein Staatsanwalt in Karlsruhe von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt noch, hat aber bislang nichts groß gemacht. Wir haben auch erfahren, dass die WhatsApp-Nummer nirgends registriert ist. Die angegebene Nummer ist also auch falsch. Das zu ermitteln obliegt dem Staatsanwalt. Sie können als Opfer nichts machen. Wir warten seit über einem Jahr und haben immer noch nichts erreicht. Ich hab mit meinem Aktenzeichen angefragt. So ist es bei all unseren Opfern in der WhatsApp-Gruppe. Es wurde bislang nur ein einziger Betrüger gefunden.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass die Staatsanwaltschaft vielleicht zu viel zu tun hat. Keine Ahnung. Sie könne es ja nicht beschleunigen. Ich hatte mal mit dem Rechtsanwalt Stader telefoniert, der mal die N26 verklagt hatte wegen Betrugs. Seine Mandantin hatte sich auf einen Job beworben und die Voraussetzung, dass sie die Stelle bekam war, dass sie bei der N26 ein Konto eröffnen sollten. Ihr angeblicher Arbeitgeber hatten Zugriff auf das N26-Konto und haben das für Geldwäsche genutzt. Sie meldete dann die Unregelmäßigen auf ihrem Konto der N26, doch die Bank machte nichts. Dann ging sie zu dem Rechtsanwalt Stader, der die N26 verklagte und vor Gericht Recht bekommen hatte.

Allerdings kam auch raus: Die Bank habe angeblich keine Verletzung der Aufsichtspflicht begangen. Das sei immer schwierig. Selbst wenn man aber die Person findet, der das Konto gehört, dann kann es sein, dass sie nichts mehr hat, dass sie gar nichts dort pfänden oder zurückholen können. Dann hebt im schlimmsten Fall diese Person noch die drei Finger, sagt sie sei Privatkonkurs, dann müssen sie trotzdem ja den Zivilprozess bezahlen. Selbst wenn Sie eine Rechtschutzversicherung haben, müssen Sie ja einen Eigenteil zahlen. Am Ende haben Sie noch gutes Geld dem schlechten kriminell gestohlenen Geld hinterhergeworfen.

Der einzige Betrüger, den man bislang gefasst hatte, der hatte das Konto der Lea auf Ebay Kleinanzeigen gehackt und hatte darüber dann seine kriminellen Aktionen gemacht. Es macht natürlich Sinn, ein Konto zu nutzen, das zum Beispiel bei Ebay Kleinanzeigen schon vor vielen Jahren gehackt wurde, viele gute Bewertungen hat und darüber dann seine kriminellen Betrügereien zu machen.

Bei fast allen Opfern in unserer WhatsApp-Gruppe sind die guten jahrelang betriebenen privaten oder gewerblichen Ebay-Kleinanzeigen-Konten gehackt worden und dann missbräuchlich kriminell genutzt worden.

Viele in unserer Gruppe, deren Ebay Kleinanzeigenkonto gehackt wurden, gehen halt nicht ständig auf ihr Konto und merken es oft in Monaten nicht, dass ihr Konto gehackt wurde.

Es gibt auch Kriminelle, die teils einzelne Ebay-Kleinanzeigen gehackt haben, teils zum Beispiel welche, die Ferienwohnungen auf einer Insel oder im Ausland anbieten und zwischendurch noch eine Grafikkarte verkaufen. Dann denken natürlich die Opfer, das scheint seriös.

Beispiel: Wenn ich eine Grafikkarte kaufen möchte, dann schaue ich ja auch, was der Verkäufer noch anbietet. Wenn ich also sehe: Kinderjacke, Kinderschuhe und dann noch Grafikkarte günstig angeboten, dann denkt man: ist seriös. Woran erkenne ich jetzt Betrug? Wenn die Grafikkarte in Hamburg angeboten wird, aber die Kinderkleider des Verkäufers plötzlich in München, dann weiß ich: Das ist Betrug. Daran kann man es im Idealfall erkennen, dass da was nicht stimmen könnte.

Das gilt auch, wenn Sie eine Nachricht senden, zum Beispiel auf Kleidung, dass da dann steht: "Schreiben Sie Sarah eine freundliche Nachricht, damit Sie schnellstmöglich eine Nachricht bekommen." Wenn ich aber das gleiche bei der Grafikkarte mache, die aber ja in Hamburger verkauft wird und ich möchte dann darauf dem Verkäufer schreiben, kommt dann vielleicht nicht mehr Sarah als Verkäuferin in dem Ebay-Konto, sondern plötzlich ein Herr Müller.

Ich recherchiere da jetzt schon ein Jahr. Ich rieche einfach, wann Betrug ist. Da kommen bestimmte Punkte, wo ich plötzlich merke: Da stimmt was nicht. Die Sprache ist oft schon komisch, wo man das Gefühl hat, die sitzen im französischsprachigen Raum und die nutzen den Google-Übersetzer, dann kommt da manchmal komische falsche deutsche Sprache raus. Beispiel: Die Karte wird nicht für das Mining von Kryptowährungen genutzt. Aber wenn ein automatischer Übersetzer, wie Google Translator genutzt wird, dann kommt da: Die Karte wurde nicht für den Bergbau benutzt. Google kriegt das noch nicht hin. Dann kann man fast immer von Betrug ausgehen.

Meist ist es der zu niedrige Preis, oder das falsche Deutsch und spätestens wenn ich eine Kontonummer bei der N26 bekomme, weiß ich Bescheid. Zum Spaß lass ich mir noch den Personalausweis schicken und dann kriegen sie von den Kriminellen meist sogar den Ausweis hinterhergeschmissen, den sie sich irgendwo geklaut haben.

Ich hatte einmal fast drei Tage nicht geschlafen, da ich einem Betrüger aus Versehen mal meine Telefonnummer schickte. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich selber heiße , da ich so oft Betrüger angeschrieben habe mit unterschiedlichsten Namen. Jetzt heiß ich gerade Erika Mustermann und ich lasse auch gerne meinen Personalausweis zukommen. Das ist natürlich den von Erika Mustermann. Den gibt es wirklich.

Den gibt es auf jeder Internetseite. Personalausweise werden ja auch billig im Ausland zwar nachgemacht, aber der Großteil der Opfer beruht auf echten Identitäten, die geklaut wurden. Die letzte war mit einem Thermomixer betrogen worden. Da sollte sie von 800 Euro schon mal 500 Euro anzahlen. Der Verkäufer meinte, im Gegenzug zur Anzahlung und noch nicht ganzen Begleichung des gesamten Verkaufspreises, solle sie ihren Personalausweis schicken.

Wenn man Opfer von einem Identitätsdiebstahl ist, hat man es echt schwer. Denn dann wird der Ausweis missbräuchlich genutzt. Er kursiert überall im Internet. Das kriegt man fast nie wieder weg. Mit dem Personalausweis können die fast alles machen: Wohnungsinserate schalten, was verkaufen. Die falsche Identität wird bei sämtlichen Kleinanzeigen-Portalen genutzt, auch bei Quoka.de zum Beispiel. Wir haben in unserer WhatsApp-Grupp fünf Opfer, deren Identität genutzt wird und wurde.

Diesen Leuten geht es psychisch oft sehr schlecht. Eine in unserer Gruppe ist in psychotherapeutischer Behandlung. Sie kriegt ja auch Anrufe von Leuten, die angeblich bei ihr Ware bestellt haben oder sie stehen plötzlich vor ihrer Türe und wollen die Ware haben. Einmal stand einer vor ihrer Türe, er hatte 2000 Euro überwiesen für ein Keyboard. Der Käufer wurde dann zu ihr geschickt, er solle die Ware bei ihr abholen. Dann fuhr er die ganze Strecke zu ihr, um festzustellen: Er ist Opfer, die Frau aber auch. Warum er gleich 2000 Euro überwiesen hat, ist echt schleierhaft und natürlich auch naiv.

Meine Erfahrung: Man sollte immer Leute erstmal anschreiben, zum Beispiel auf Facebook oder anderweitig, bevor man einer Person Geld überweist. Manchmal findet man dann heraus, dass es sich um einen Betrüger oder eine Betrügerin handelt. Das ist oft aber organisierte Kriminalität. Ein Opfer hatte in Facebook gleich ein Foto groß gepostet: Achtung, ich bin Opfer von Identitätsdiebstahl und kaufe nichts und habe nichts gekauft auf meinen Namen und verkaufe auch nichts. Wir stützten uns gegenseitig. Aber es ist sehr belastend. Oft klingelt abends bei den Opfern das Telefon, viele verkraften das natürlich nicht, da es manchmal ewig lange anhält, dass die Identität kriminell genutzt wird.

Wir hatten einmal einen, der hatte bei Ebay Kleinanzeigen zwei Personalausweise hochgeladen: Achtung, das sind Betrüger mit diesem Ausweis. Das geht natürlich nicht, da die Opfer von Identitätsdiebstahl selber Opfer sind. Das sind ja nicht die Täter.

Ein weiteres Problem ist, dass man bei der N26 ein Konto bekommt, dass man da dann aber gleich mehrere Unterkonten eröffnen kann, also bekommen die Kriminellen gleich mehrere IBAN-Nummern für die ganzen Unterkoten.

Diese IBAN öffnet Kriminellen Tür und Tor. Man hat zwar mit den Swift-System den internationalen Zahlungsverkehr vereinfacht, aber gleichzeitig Massenbetrug ermöglicht."

Geschäftsführer eines E-Commerce-Unternehmens übt ebenfalls Kritik an N26

Ein weiteres Opfer, ein ehemaliger langjähriger Geschäftsführer und Co-Gründer eines großen bekannten deutschen Internetportals teilte Netz-trends zudem mit:

"Auch ich bin Opfer über Betrug auf Ebay Kleinanzeigen geworden. Auch ich hatte dann auf ein Konto bei N26 im guten Glauben über 1000 Euro überwiesen. Als ich merkte, alles Betrug, habe ich Strafantrag gestellt. Wenige Monate später war das Verfahren eingestellt worden. Die Handynummer, über die ich mit dem Täter telefoniert hatte, war plötzlich off. Von N26 hab ich das Geld auch nicht mehr zurückbekommen."

Die Staatsanwaltschaft habe dem Geschäftsführer schließlich mitgeteilt, man habe irgendeinen Täter in Ungarn ermittelt. Der habe wiederum gesagt, er habe Geld dafür bekommen, dass er bei der N26 ein Konto eröffne. Angeblich habe er aber mit dem Betrug nichts zu tun.

Die N26 sieht der langjährige Geschäftsführer eines großen E-Commerce-Unternehmens kritisch:

"Wenn die N26 massenhaft Betrug über eröffnete Onlinekonten hinnimmt oder hinnehmen würde um Investoren oder potentiellen Investoren Wachstum um jeden Preis präsentieren zu können, so könnte man das als Investorenbetrug ansehen. Im Aktienbereich würde man von IPO-Betrug sprechen. Ob das aber hier vorliegt oder nicht, kann ich nicht sagen."

Netz-trends.de berichtete schon einmal vor über einem Jahr über die Skandalbank (Artikel vom 27.1.2021: "eBay Skandalbank N26 soll Bankkonto mit gefälschtem Ausweis eröffnet haben..").

Auch DER SPIEGEL Online berichtete bereits über die Vorgänge auf Ebay und N26 unter der Überschrift "Betrüger locken auf Ebay Kleinanzeigen mit angeblichen Technikschnäppchen" (Artikel von Patrick Beuth und Martin U. Müller v. 8.12.2021).

Einzelnachweise

[1] VON WEGEN "Kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber", von: trust-for-all, auf: Trustpilot.de vom 26.5.2022. Abgerufen am 26.5.2022.
[2] Smartphone-Bank Staatsanwaltschaft ermittelt offenbar gegen N26-Manager, in: Der Spiegel Online vom 4.2.2022. Abgerufen am 26.5.2022.
[3] Berliner Justiz – Überlastung soll entgegengewirkt werden, von Lisa, auf: juristenkoffer.de vom 27.3.2018. Abgerufen am 26.5.2022.
[4] Kontokündigungen bei N26, von: Dennis Schwarz, in: Handelsblatt Online vom 29.4.2022. Abgerufen am 26.5.2022.

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