Trickserei Versucht Ströer Digital Publishing GmbH mit T-Online EU-Cookie-Richtlinie zu hintergehen?

Tricksereien mit Cookies sind weit verbreitet.

Kommentar- Seit dem Jahr 2018 gilt rechtsverbindlich eine neue EU Cookie Richtlinie, die in Deutschland im DSGVO-Gesetz für DSGVO-konforme Cookie-Werbebanner umgesetzt wurde. Eigentlich müsste damit alles klar sein. Scheint es aber nicht.

Immer wieder versuchen vor allem große Web-Publisher oder sonstige Web-Anbieter die Richtlinie zu umgehen, oder Nutzer auszutricksen, um doch an eine maximale Cookie-Digital-Spionage-Zustimmung zu kommen. Negativ fällt dabei auch die Ströer Digital Publishing GmbH auf, aber interessanterweise auch heise.de. So versucht beispielsweise derzeit Ströer mit seinem T-Online.de Hunderttausende T-Online Nutzer in eine Zustimmungs-Cookie-Falle zu locken.

Die Ströer Digital Publishing GmbH gehört zur Ströer Media Deutschland GmbH, deren Geschäftsführung in den Händen von Alexander Stotz (CEO) sowie Dr. Andreas Müller-Leydig (COO) liegt.

Eigentlich darf kein Onlineportal dem Nutzer ohne seine aktive Zustimmung Cookies in den Browser, auf den Computer knallen, wenn diese über das technisch notwendige Maß hinaus gehen.

Ströer und der Cookie-Graubereich

Doch genau das versucht Ströer. Der Trick: Entweder man schließe ein Abo ab, ein "PUR-Abo" zu 2,99 Euro im Monat, dann bekomme man keine Werbung und werde wohl auch nicht mit Dutzenden Cookie-Anbietern ausspioniert, oder man müsse das akzeptieren.

So versucht einem T-Online die Zustimmung zur totalen Cookie-Spionage abzunötigen.





Ströer jubelt einem dann frecherweise einen "Akzeptieren und Weiter" Button im berühmten Telekom Magenta-Stil unter und schreibt auch darüber, wer also "Akzeptieren und Weiter" klicke, der müsse "Mit Werbung lesen" (leben) und akzeptiere wohl auch die massenhaften Spionage-Cookies (Netz-trends.de berichtete schon einmal). Aus unserer Sicht eine untergejubelte Cookie-Zustimmung, die offensichtlich das Ziel hat, die 2018 eingeführte EU-Datenschutzrichtlinie zu umgehen.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass so etwas versucht wird. Motto: Wo kein Kläger, da kein Verbot, scheint man zu denken. Netz-trends.de hat das dreiste Vorgehen im Video dokumentiert:



Wir empfehlen unseren Lesern: Klickt da gar nichts an. Dann ignoriert T-Online lieber weitestgehend. Ärgerlich ist, dass selbst Nutzern dieser Button angezeigt wird, die nur ihre Mails auf T-Online abrufen möchten.

Tricksereien mit Cookie-Zustimmung

Doch der Mail-Service läuft nicht über Ströer, sondern die Deutsche Telekom AG. Dass die Deutsche Telekom also auch ihren E-Mail-Nutzern eine solche unseriöse Vorgehensweise unterjubeln lässt und Graubereich fördert, verschlägt uns die Sprache.

Ströer führt zu den Cookies aus, wer kein Abo abschließe, über den lege man, sollte er oder sie auf den magentafarbenen Button "Akzeptieren und Weiter" klicken, ein personalisiertes Inhalts-Profil an. So schreibt der Werbe-Konzern aus Köln, wer nicht zahlen wolle und auf "Akzeptieren und Weiter" klicke, stimme unter anderem zu, dass man:

"Informationen über [den] Nutzer" sammele, "einschließlich dessen Aktivitäten, Interessen, Besuchen auf Webseiten oder der Verwendung von Anwendungen, demographischen Informationen oder Standorts, um ein Nutzer-Profil für die Personalisierung von Inhalten zu erstellen oder zu bearbeiten" und dieses an Partner weiterzugeben.

Also an Cookie-Anbieter, die man Dutzendfach dann im Webbrowser des Nutzers verankert hat. Auch Heise trickst herum mit Cookies.

Netz-trends.de hat Ströer eine Presseanfrage zum Vorgang geschickt. Außerdem schalten wir den zuständigen Datenschutzbeauftragten von Nordrhein-Westfalen ein, sowie die Verbraucherzentrale und möchten wissen: Ist so etwas wirklich Rechtens und mit dem EU-Datenschutz, der EU-Datenschutzgrundverordnung, beziehungsweise der Cookie Richtlinie Deutschland vereinbar?

DSGVO-Cookierichtlinie

Wir jedenfalls haben Zweifel, ob ein solches Vorgehen ein DSGVO-konformes Cookies -Verhalten ist (DSGVO steht für Datenschutz-Grundverordnung), ob es sich also mit der Cookie-Richtlinie deckt. Dass Heise mit heise.de ähnlich vorgeht, schmälert das Problem nicht, sondern vergrößert es.

Was meint Ihr? Hinterlasst gerne Kommentare.

Hintergrund Ströer

Das Unternehmen ist nicht nur in der Außenwerbung groß, sondern auch ein Gigant in der deutschen Online-Werbeszene. Dazu führt es auf seiner Webseite aus:

"Aus 3 mach 1: Der Bereich ‚Digitale Werbung‘ bündelt das Portfolio von Ströer Digital, InteractiveMedia und OMS. So bekommen Sie die geballte Vermarktungskompetenz aus einer Hand. Wir sind Ihr Partner für innovative Markeninszenierungen und vernetzte, digitale Werbekonzepte. Mit unserem attraktiven Portfolio aus führenden deutschen Websites sowie einer breiten Auswahl an Werbeformaten erreichen wir über unser Premium-Portfolio monatlich 52,05 Millionen Unique User (AGOF e.V. / daily digital facts, Gesamt 16+, Nutzer mobiler und/oder stationärer Angebote, März 2021)."

Hinter Ströer steht Unternehmer Dirk Ströer, der die Ursprünge des Konzerns von seinem Vater Heinz W. Ströer (1938-2004) erbte.

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