Billiger c't: Ersatzakkus für Smartphone häufig Fälschungen auf Amazon

Da immer dort, wo die Industrie mit Preisen Kunden versucht abzuzocken, auch Platz für "Nischenanbieter" ist – eine vornehme Umschreibung für gefälschte Markenware – trifft dies neben der Computer-Industrie zunehmend auf die Handy-Branche zu. Nun kam in einem Test heraus: Viele angebliche Ersatzakkus für Handys sind Fälschungen, letztlich illegale aber günstigere Plagiate.

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Ersatzakkus auf Amazon & Co: Fälschung oder Wahrheit das ist hier die Frage.

Das Geschäft mit Ersatzakkus brummt: Bei Mediamarkt Saturn zahlt man gut und gerne um die 130 Euro für Lieferung und Einbau eines Ersatzakkus beispielsweise im Asus Aspire Notebook. Nicht ganz so teuer sind Ersatzakkus für Handys, doch lumpen lassen sich die Hersteller auch hier nicht.

"Ich bestelle schon lange nicht mehr in Deutschland Ersatzakkus – die zocken einen ohne Ende ab", sagt selbst der IT-Chef eines großen ostdeutschen Unternehmens. Seine Anlaufstelle seien Webseiten in Fernost. Da dauere zwar die Lieferung von Ersatzakkus länger, doch seien diese dafür oft um bis zu 9/10 günstiger. Dass er sich damit in einem rechtlichen Graubereich bewegt, stört den IT-Chef nicht sonderlich. Denn hausintern gibt es keine Abteilung, deren Aufgabe darin bestünde, zu untersuchen, ob beispielsweise da wo Samsung-Akku drauf steht, auch Samsung-Akku drin ist.

Auch davon ist der IT-Chef überzeugt: Nicht zutreffend sei die gerne von Markenherstellern gestreute Behauptung, wonach gefälschte Ersatzakkus "minderwertige Plagiate" seien. Vielmehr sei er vom Gegenteil überzeugt: "Oft habe ich erlebt, dass die Ersatzakkus aus Fernost besser waren, als die sogenannten Markenakkus", sagt der IT-Chef, der verständlicherweise nicht namentlich genannt werden möchte.

Jetzt ergab jedenfalls ein Test der Computer-Fachzeitschrift "c't" (Ausgabe 10/2015) aus dem Hause Heise in Hannover: Demnach habe man festgestellt, dass alle zwölf beim amerikanischen Onlinehändler Amazon gekauften angeblichen Samsung-Ersatzakkus sich beim Test als Fälschungen herausgestellt haben.

Besonders heikel sei laut den Testern von c't: Gleich vier der beim Testkauf erstandenen Ersatzakkus habe man direkt vom Onlinekaufhaus Amazon erhalten, die anderen acht seien aus Shop-in-Shop-Lösungen. Dabei handelt es sich um Fremdhändler. Fremdhändler machen in Portalen wie Amazon oder Billiger.de auf ihre Produkte aufmerksam und müssen bei einem erfolgreichen Verkauf in aller Regel eine Provision an das Hauptportal entrichten – also beispielsweise an Amazon oder Billiger.de.

Mindere Qualität?

Auch wenn nicht jeder die Erfahrung macht, so sagt die angesehene Computer- und IT-Fachzeitschrift c't doch, wonach gefälschte Ersatzakkus nicht nur ein illegales Kopieren von Markenprodukten darstelle. Hinzu komme, dass die Schummelakkus oftmals schlechterer Qualität als Originalakkus aufwiesen.

c't sagt, wonach man sich deshalb bewusst machen solle, das schlechtere Akkus, welche schnell wieder kaputt seien, mit der Zeit das Budget für einen von Anfang erstandenen höherwertigen aber teureren Akku sprengten. Heißt: Zwei oder drei billige Ersatzakkus aus Fernost könnten schnell teurer sein, als ein teurer Markenakku vom Originalhersteller.

Die IT-Fachleute aus dem Hause Heise empfehlen, man solle vor Bestellung eines Ersatzakkus für ein Handy - der Tipp gilt wohl auch für Ersatzakkus von Notebooks - zunächst einmal den empfohlenen Preis und die Seriennummer beim Original einholen. Erst danach solle man sich auf die Suche im Netz machen. Sei der Preisunterschied aber eklatant hoch, könne man von einer Fälschung ausgehen.

Ebenfalls ein Indiz für einen Schummelhersteller könne die Verpackung sein. Denn ob Apple oder Samsung – immer mehr Konzerne überschlagen sich darin, ihre Industrie-Produkte großartig mit Überraschungseffekten einzupacken. Längst gilt das Motto der 1980er und 1990er Jahre für immer mehr Konzerne nicht mehr, wonach ein Produkt mit so wenig Verpackung wie möglich versehen sein sollte, um die Umwelt zu schonen.

Logos sind gerne gefälscht

Jedenfalls verwendet der koreanische Unterhaltungsriese Samsung für Akku-Lieferungen gerne eine verschweißte Blisterverpackung mit grauer Schrift und blauen Flächen bei gerundeten Kanten. Besonders plumpe Fälscher schaffen es noch nicht einmal, das Logo originalgetreu nachzubauen. Doch nicht alles ist mangelndes Können. Bei vielen wird auch bewusst ein leicht verändertes Logo auf Produkte geklebt. Ganz nach dem Motto: Was beim Markenstreit rund um Facebook einstmals klappte, könnte auch bei Samsung & Co vor Gericht durchgehen. Sprich: Wir sind doch gar nicht Samsung oder Apple, sehen nur ähnlich aus.

Um sich das höchst lukrative Geschäft mit Ersatzprodukten nicht aus den Händen nehmen zu lassen, hat sich der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt – die Apple Inc. mit einem Börsenwert von rund 728 Milliarden US-Dollar – auch hier etwas besonderes einfallen lassen: Ersatzteile, wie Ersatzakkus, gibt es überhaupt nicht im freien Handel.

Alle Verbraucher müssen sich Ersatzteile für das iPhone, iPad oder das neueste teure ultraleichte Macbook direkt beim US-Megakonzern kaufen. Dennoch stoßen auch im Falle von Apple immer mehr Plagiats-Hersteller vor allem aus Fernost in das Apple-Reich vor. Das liegt aber auch daran, dass Apple immer ungenierter mit Ersatz- oder Ergänzungsprodukten seiner Produkte Kasse macht. Aktuelles Beispiel:

Das neue Macbook, welches gut und gerne derzeit für 1300 bis 1.700 Euro von Apple verkauft wird: Hier kostet ein schlichter Adapter für USB-Geräte bei Apple leicht an die 80 Euro. Ein No-Name-Hersteller aus Fernost dürfte wohl künftig das technisch fast identische Teil schon in wenigen Wochen für unter 20 Euro ausliefern. Deshalb warten derzeit viele Macbook-Käufer auch in diesem Segment auf Billigware aus Fernost. Ob gefälscht oder original dürfte dabei nicht im Fokus stehen, sondern der Preis.