YouTube stellt 100 Mio. Dollar für Youtube-Stars bereit: Auch für Lefloid & Co ?

Für Google ist das im Februar 2005 von Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim gegründete Film- und Video-Portal YouTube längst ein Markt geworden, mit welchem über 6 Milliarden Dollar im Jahr an Werbung eingenommen wird. Es ist eine Money-Maschine. Doch Google reicht das nicht:

Deutscher YouTube-Star LeFloid.

Es ist ein Phänomen, das immer weiter um sich greift: Es gibt nicht mehr nur gut verdienende Stars auf RTL, Pro7, Sat.1, dem ZDF oder der ARD, sondern auch gut verdienende deutsche Youtube-Stars der YouTube LLC aus San Bruno im US-Bundesstaat Kalifornien und zwar auf den Youtube Channels. Dabei gilt:

Die Umsatzgrenze von 100 Milliarden Dollar im Jahr dürfte die Google Inc auch mit Hilfe von YouTube als nächstes Ziel anpeilen. Helfen sollen dabei die YouTube-Stars. Sie sollen jetzt für die Videoproduktionen und Marketing mit bis zu 100 Millionen Dollar weltweit gepampert und noch stärker aufgebaut werden. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, zeigt die folgende netz-trends.de-Analyse.

YouTube ist längst nicht mehr irgendein linksalternativer Anarcho-Blog, sondern verbindet zwei zentrale Elemente: Den Super-Kapitalismus, in welchem Kommerz im Sinne von Google an oberster Stelle steht, und eine Anarcho-Politik, die kaum Raum für eine Zensur und Qualitätsstandards lässt. Möglich macht dieses nicht nur das Primat des Geld-Verdienens für die Google Inc., sondern eine sehr liberale Politik im YouTube-Heimatland in den USA.

Für Marketing-Milliarden pusht Youtube mittlerweile auch schlüpfrige Channels, da kann dann schon einmal ein Werbespot von McDonalds eingeblendet werden.

Im Zentrum steht hierbei der Digital Millennium Copyright Act, welcher vor nunmehr 16 Jahren am 28. Oktober 1998 vom damaligen Präsidenten der USA, Bill Clinton, unterzeichnet wurde. Dabei sieht es zwar auf den ersten Blick so aus, als wäre der Millenium Act primär entwickelt worden, um die Urheberrechter von Inhalte-Produzenten und Inhalte-Lieferanten im Internet zu stärken.

Doch die vergangenen 16 Jahre zeigten vor allem eines: Der Digital Millennium Copyright Act ist ein Gesetz, das sehr klar festschreibt und das wird auch von den US-Gerichten befolgt: Die Freiheit des Internets steht an erster Stelle, das Wachstum der Digitalbranche wird über alles gestellt.

Freiheit des Internets steht über allem, sagte Bill Clinton 1998 mit dem Leitmotiv: "Wer die Weltherrschaft will, der braucht das Internet"

Weder Moral noch herkömmliche Maßstäbe bisheriger Gesetze dürfen der Freiheit des Internets im Wege stehen – das ist die Leitlinie der Politik der USA seit über 15 Jahren. Dass diese Strategie aufging, zeigt sich daran, dass die USA dabei sind, die uneingeschränkte Allmacht im Internet an sich zu reißen, die Weltherrschaft im digitalen Zeitalter inne zu haben. Denn die Freiheit des Internets bedeutet gleichzeitig die Weltherrschaft des Geldverdienens durch Google, Apple, Intel, Oracle, Microsoft, Amazon, Facebook.

Selbst im Reisebereich gibt es bereits eine Weltherrschaft der Amerikaner - von Priceline (booking.com) angefangen über Expedia bis Kajak - alles schwerreiche den weltweiten Reisemarkt zunehmend dominierende Multimilliarden-Konzerne. Sie wirken nur auf den ersten Blick wie neutrale einfache fast linksalternative Reisebuchungsportale. Doch an booking.com müssen mittlerweile selbst kleine Guesthouses in Rio de Janeiro im Monat um die 2.000 Euro abdrücken, wollen sie auf dem Portal gelistet und vermittelt werden.

Die maximale Freiheit des Internets vor für amerikanischen Unternehmen schafft aber auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Macht in den USA, aber auch eine kommunikative Totalkontrolle der Welt, was politisch von der US-Regierung genutzt werden kann. Dabei war das Leitmotiv der US-Regierung bereits 1998 klar: Wer die Weltherrschaft will, der braucht das Internet. Doch das Internet gibt es als Herrschaftsinstrument nur, wenn man den jungen Kreativen alle Freiheiten lässt.

Diese schlichte Erkenntnis vor Augen lässt die US-Regierung alles durchmarschieren was aus Amerika kommt – selbst wenn es in Regionen wie der EU eigentlich Gesetzesverstöße wären. Doch während man sich in der Europäischen Union bemüht sieht, das Wachstum von deutschen, spanischen oder französischen Internetportalen durch immer neue Gesetze und Gerichtsurteile zu bremsen, wächst in den USA ein Milliarden-Konzern nach dem nächsten im Internet aus dem Boden.

So kommt es, dass der wichtigste TV-Kanal in Deutschland nicht mehr RTL oder Sat.1 heißt, auch nicht ARD oder ZDF, sondern YouTube aus dem Hause Google. Um sich die Dimensionen vor Augen zu halten: Schon heute ist der Umsatz von YouTube mit Werbe-Anzeigen (Ads) und Werbeclips bei jährlich über 6 Milliarden Dollar höher, als der summierte Umsatz von drei deutschen Groß-Verlagen: Axel Springer, Gruner + Jahr und Heinrich Bauer. Der Grund hierfür ist einfach: YouTube ist das einzige wirklich weltweit verbreite Fernsehprogramm und bietet Programme in über 61 Sprachen an.

YouTube erklärt sein Portal mit den folgenden Worten: "Founded in February 2005, YouTube allows billions of people to discover, watch and share originally-created videos. YouTube provides a forum for people to connect, inform, and inspire others across the globe and acts as a distribution platform for original content creators and advertisers large and small."

Verantwortlich für die YouTube LLC sind heute die Google Inc., vertreten durch den Vorstand Dr. Eric E. Schmidt (Vorstandsvorsitzender), Sergey Brin, Larry Page, John Doerr, Ram Shriram, John Hennessy, Arthur Levinson, Paul Otellini, Shirley Tilghman und Ann Mather. YouTube LLC ist eine nach dem Recht des Staates Delaware in den USA gegründete und registrierte Gesellschaft: Eine Gesellschaft die die Weltherrschaft im Fernsehen anstrebt und deshalb nun ein neues Programm auflegt:

100 Millionen Dollar für YouTube Inhalte-Lieferanten

Deshalb teilte nun der Inhaber von YouTube, die Google Inc. aus Kalifornien, mit, sie stelle 100 Millionen US-Dollar bereit, damit die YouTube-Stars auf YouTube noch besser geklickt werden. So sagte nun der "Head of YouTube Originals", Alex Carloss: "… we’ve decided to fund new content from some of our top creators, helping them not only fulfill their creative ambitions but also deliver new material to their millions of fans on YouTube."

Unter Top Creators meint YouTube die YouTube-Stars, welche in der Regel im Bereich der YouTube Channels zu finden sind. Auch wenn es der breiten deutschen Öffentlichkeit noch nicht klar ist, so wissen aber Millionen vor allem junger Rezipienten, klar gibt es auch deutsche YouTube-Stars. YouTube pusht diese vor allem im Bereich der "Recommended channel".

YouTube-Videos von "Dagi Bee" gehören beispielsweise dazu. Ein aktuelles Beispiel ist der Dagi Bee-Clip "WAHRHEIT oder PFLICHT mit BibisBeautyPalace". Online ist der Beitrag seit dem 27.07.2014 und bringt es schon heute auf 1.119.465 Zuschauer. Dabei ist hier natürlich der Name Programm: Denn das gesamte Format dürfte primär dem Ziel dienen, die milliardenschwere Beauty-Industrie dazu zu bringen, auf YouTube in solchen Formaten Werbung zu schalten und die Taschen von Google und den so aufgebauten YouTube-Stars – im genannten Beispiel von Dadi Bee – zu füllen.

Deutsche YouTube-Stars Dagi Bee: Marketing für Beauty.

Im Falle der "Dagi Bee"-Folge "WAHRHEIT oder PFLICHT mit BibisBeautyPalace" geht es darum, dass sich zwei Mädchen über nichts unterhalten, beziehungsweise nichts von Belang, eben über Themen, über die Mädchen so sprechen: Schönheit, Albernes, Konkurrenz-Probleme des weiblichen Geschlechts.

Das ist nur eines von Tausenden Beispielen, die belegen, dass YouTube auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz von Google immer stärker zu einem Entertainment-Kanal nach den Formaten von RTL, Sat.1, Pro7, RTL 2, Vox oder Kabel1 aufgebaut wird. Dem Zufall wird dort längst nichts mehr überlassen. Vielmehr suchen YouTube-Content-Manager täglich neuen Videos, welche das Potential haben, dass Hunderttausende, noch besser Millionen Nutzer, die Videos anklicken.

Dabei verlässt YouTube zumindest in Deutschland immer häufiger den Pfad, den YouTube gemäß den amerikanischen No-Sex-in-Public-Regeln gegangen ist: Nämlich ausladend schlüpfrige Inhalte nicht anzubieten.

Doch YouTube pusht mittlerweile fast alles, was das Potential auf viele Klicks hat. Denn: Mit jedem Klick verdient auch Google Geld. Derzeit pusht YouTube beispielsweise die schlüpfrigen, mal auch lustigen Beiträge, von "ApeCrime" als "Recommended channel " (1.637.131 Abonnenten). Zu "ApeCrime" gehören zum Beispiel die folgenden YouTube-Staffeln:

Scheint entweder chronischen Notstand zu haben oder hat ne kleine Meise: Der Darsteller von ApeCrime. Hier spricht er über seinen Schwanz. Im Vorspann warben Markenartikler wie Mc Donalds oder Canon.

"ANDRE VS. CENGIZ - Telefonbattle" (1.766.238 Aufrufe; online seit einem Jahr), "…15 FAKTEN ZUM BESTEN STÜCK DES MANNES!", beziehungsweise "15 Penis-Fakten" (1.708.648 Aufrufe in 8 Monaten) oder die "…20 KRASSE FRAUEN FAKTEN!" (1.799.420 Aufrufe; online seit 6 Monaten).

Warum YouTube diese Anbieter pusht, liegt auf der Hand: Im Vorfeld von Millionen YouTube-Videos kommen Werbeclips. Doch die Einnahmen bekommt nicht primär der Anbieter des Videos, sondern primär YouTube, beziehungsweise Google.

Dabei gibt es aber eine Faustregel: Pro 1 Millionen Abonnenten eines YouTube-Channels eines privaten Anbieters kann der Anbieter in der Regel mit um die 2.000 bis 4.500 Euro Einnahmen rechnen (Verhandlungssache). Deshalb können sich zumindest die Top-Stars auf YouTube sehr gut mit solchen Einnahmen finanzieren. Doch Google selber erhält von den Werbungtreibenden wesentlich mehr Geld.

Nichts Schlüpfriges, Sexuelles ist YouTube zu blöd, Hauptsache es bringt Geld in die Werbekasse

Auch wenn immer mehr YouTube-Stars dank Ihrer Videos auf dem Google-Portal finanziell recht gut leben können, bleibt doch festzuhalten, dass der Share eigentlich nicht fair ist. "Denn Youtube selber dürfte pro YouTube-Star rund 4 bis 5 Mal mehr verdienen, als die Content-Lieferanten selber", meint ein guter YouTube-Kenner. Beispielsweise müssen Werbekunden auf einem durchschnittlichen Nachrichtenportal für einen Stand-Alone-Werbenewsletter, welcher an eine Millionen Newsletter-Abonnenten geht, dafür um die 10.000 Euro bezahlen - im Minimum. Schwer vorstellbar, dass YouTube das günstiger macht. Denn kein YouTube-Star darf auf YouTube performen, ohne dass die Abonnenten nicht direkt von YouTube verwaltet werden.

Wie sehr YouTube mittlerweile kommerzialisiert und bestrebt ist, die vielen Milliarden Euro an jährlichen Werbeeinnahmen zu erhöhen, zeigt sich daran, dass YouTube wirklich kein Thema zu blöd ist, keine Sex-Schlüpfrigkeit zu billig ist, als dass sie nicht doch gepusht wird. Als Beispiel kann der von Google über YouTube empfohlene deutsche Channel "ApeCrime" dienen.

Als Entertainer funktioniert hier beispielsweise ein rothaariger etwas verrückt drein schauender YouTube-"Entertainer". Zwar wechseln die Werbespots auch auf YouTube-Videos ab, doch kann es - wie in unserem Falle - dann schon einmal sein, dass ein Werbespots von Mc Donalds der McDonald's Deutschland Inc. (Vorstandsvorsitzender dort ist Holger Beeck) direkt vor einem "Schwanz & Sack"-YouTube-Video kommt. Auch Canon haben wir mit einem Vorspann-Werbeclip dort gesehen, sowie einige andere nahmhafte Werbungtreibende.

Wie es scheint, gilt auch für solch namhafte Markenartikler immer stärker: Wo Werbung geschaltet wird, ist egal, hauptsache es wird in einer bestimmten Zielgruppe überhaupt noch gesehen. Wie drastisch das Niveau hier gesunken ist, zeigt der von Mc Donalds oder Canon im Vorspann durch Werbung unterstützte Beitrag, den wir mitgeschrieben haben:

Textauszug aus der von YouTube "empfohlenen" ApeCrime-Staffel "15 Fakten zum besten Stück":

"Hallo liebe Freunde, wir haben uns heute hier versammelt um uns ein bisschen Allgemeinwissen anzueignen und zwar geht es heute um das liebe Thema Penis. Alles rund um den Penis, Sperma, Sack, äh Stange. Alles ist dabei. Die kleinen Kinder im Hintergrund lachen schon darüber. Jetzt kommt 15 Fakten rund um des Mannes Glied. Bereits im 17. Jahrhundert wurden etwa 80 Fälle bekannt bei denen ein Mann mit zwei Penissen auf die Welt kam.

Mc Donalds Deutschland: Werbung im Vorfeld zu einem Sack und Schwanz-Video, das Youtube im Channel von ApeCrime empfiehlt.

Allerdings waren alle diese Männer impotent. 1991 wurde der erste Mann mit 3 Penissen geboren. That was me. We groß ist eigentlich groß. Ein Fünftel aller Männer finden ihr eigenes Gemächt zu klein. Ein Zwanzigstel zu groß. Für genau richtig halten es sogar zwei Drittel. Frauen sind da weniger wählerisch.

Drei Viertel aller Frauen finden den Penis des Partners akzeptabel. Hier zwei Penislängen aus der Tierwelt. Der erigierte Penis eines Gorillas ist sagenumwobene drei Zentimeter lang. Der Penis eines Blauwals 2,5 Meter... das kann gefallen.. Weltweit soll es rund 75 Männer geben, die drei oder mehr Hoden haben…."

Auch Canon scheint kein Problem mit Sack und Schwanz-Videos als Werbeumfeld auf YoutTube zu haben.

Deutsche YouTube-Superstars verdienen zwischen 10.000 bis 50.000 Euro – im Monat

Was viele nicht wissen: Es gibt YouTube-Stars, auch in Deutschland, deren Monatsgehalt nach Schätzungen von netz-trends.de mittlerweile zwischen 10.000 bis 50.000 Euro betragen dürfte. Zu nennen wären hier zum Beispiel "lefloid". Er gehört mittlerweile zu den deutschsprachigen und seit Jahren von YouTube gepushten Stars. Er bringt es mittlerweile auf 307 YouTube-Videos.

Lefloid dürfte ein Top-Verdiener auf YouTube sein

Nimmt man die Faustregel zur Grundlage, dass ein YouTube-Star vom Formate Lefloid pro 1 Millionen Klicks gut 2000 bis 4.500 Euro erhält, kann man sich ausmalen, in welchen Kategorien Lefloid mittlerweile spielt: Er dürfte ein Top-Verdiener auf YouTube sein. Dabei sollte man sich von dem Kinderzimmer-Charme im Hintergrund seiner YouTube-Staffeln nicht in die Irre führen lassen:

Das ist alles Bestandteil des Drehbuchs. Es wird hier längst hoch professionell gearbeitet. Dabei gab er bereits zu, dass er durchaus von YouTube direkt gepusht und auch beraten wird. So sagt er beispielsweise in der YouTube-Video-Staffel "Zombies & Katanas & Chaos im Internet":

Deutscher YouTube-Star LeFloid.

"... Wobei ich mittlerweile sagen muss, dass ich dank YouTube gelernt habe, wirklich wichtiges organisatorisches schon im Vorhinein anzugehen, weil einige Sachen, wenn so ganz viel Herzblut und so sind, halt doch nicht (so geht): Yolo lass machen! Die bedürfen schon mal nen paar Wochen Planung und so".

Der YouTube Cannel von LeFloid bringt es mittlerweile auf 2.069.671 Abonnenten. Dies entspricht der Hälfte der Auflage der ehemaligen TV-Zeitschrift der Axel Springer SE, der Hörzu. Alternativ kann man sagen: Mit über 2 Millionen Abonnenten eines YouTube-Channels, also eines YouTube-Newsletters, verfügt Lefloid fast über die tägliche verkaufte Auflage der BILD-Zeitung.

YouTube genießt in den USA den Brutkasten-Faktor: Das Experiment ist wichtiger, als die Erstickung durch Gesetze und Gerichtsurteile

Klar ist: Wäre YouTube in einem deutschen Bundesland wie Sachsen gestartet, dort wo beispielsweise die von der CDU-Regierung installierte "Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen" (kurz: "Ines") agiert, welche es sich zur Spezialaufgabe gemacht hat, Internet-Unternehmen mit Razzien zu überziehen (Stichwort: Kino.to oder Unister in Leipzig), hätte es YouTube nie gegeben:

Die Inhaber von YouTube säßen wohl – darf man annehmen - längst in U-Haft. Die Video-Plattform wäre auf Grund zahlreicher offensichtlicher "Verstöße" dicht gemacht worden: Das fängt bei Urheberrechts-Problemen an, geht über das Thema Datenschutz und hört bei der Frage auf, ob wirklich alle Beiträge FSK 18 sind - also für Erwachsene geeignet.

Youtube Deutschland sendet bald alles: Hauptsache, es bringt Klickraten und damit Umsatz

Dass YouTube Deutschland immer mehr zu einer schrankenlosen Alles-Sendeanstalt nach dem Vorbild des RTL2-Nachtprogramms wird - hauptsache die Klicks auf die Spots geigen die Werbeeinnahmen von Google nach oben - zeigt sich auch an den folgenden YouTube-Videos, die uns auf der YouTube-Startseite angezeigt - also eigentlich empfohlen - wurden: "Polizei befummelt Jugendliche! - HIV-Nadeln in Kinositzen!" (2.146.614 Aufrufe; online seit 1 Jahr), "Künstler nagelt Hoden am Boden fest - Hilfe nach Taifun - Kid-Batman" (1.956.658 Aufrufe; online seit 10 Monaten), "Vagina-Pilze aus China, Todesstern nachbauen & YouTube bald ab 16?" (1.760.580 Aufrufe; online seit 2 Jahren").

Keine Frage: YouTube kann sich glücklich schätzen, in den USA gegründet worden zu sein und dort zu einem Milliarden-Konzern wie der Google Inc. zu gehören. Das garantiert einen fast unantastbaren Schutz der US-Regierung für Unternehmen, denen man auch bald zehn Jahre nach ihrer Gründung immer noch den staatlichen Schutz eines Unternehmens im Brutkasten zugesteht.

Denn sowohl der Gesetzgeber sagt in den USA, als auch folglich die Gerichte, wonach man auch unternehmerische Experimente und Neues im Internet erst einmal über viele Jahre wie im Brutkasten fördern möchte, statt gleich mit Hilfe von harten Gerichtsurteilen, Razzien und U-Haft gegen Internet-Unternehmer neue Pflanzen und Wirtschaftszweige, und damit auch Arbeitsplätze, zu eliminieren.

Dabei ist klar: Stars entstehen auch bei YouTube nicht zufällig. Vielmehr steht dahinter eine Maschinerie an Programmplanern von YouTube, deren Ziel es ist, gemäß dem Tun bei RTL, ARD, ZDF, Pro7, Vox oder Kabel1 möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen. Dabei ist die Währung auf YouTube messbar über Klicks pro Video.

Wie im gesamten Internet, so gilt auch auf YouTube-Videos: Die Webseite erhält erst dann Geld für eingeblendete Werbung, wenn der Nutzer auf eine werbliche Anzeige auch einmal klickt -oder sich den Werbeclip wenigstens einige Sekunden anschaut. Lediglich großflächige Imagewerbung auf sehr großen Webportalen ignoriert auch einmal das Prinzip des Cost per Click. So kostet beispielsweise ein eintägiger Werbebanner auf Spiegel-Online oder Bild-Online leicht zwischen 40.000 bis 60.000 Euro. Auf Unterseiten des Ranges zwei sind leicht 25.000 Euro zu bezahlen – pro Tag. Auch ein eintägiger Werbebanner auf dem Portal der angesehenen Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ; faz.net) dürfte nicht gerade billig sein.

Wenn also ein Werbungtreibender einen Werbespot in RTL im Umfeld von "Deutschland sucht den Superstar" bucht, schaut der Kunde darauf: Sehen die Sendung 3 Millionen Menschen oder 8 Millionen Menschen? Hinzu kommt das Beurteilungs-Kriterium, ob die Sendung zum Image einer Firma passt oder nicht. Deshalb: Je höher die Einschaltquote und desto qualitativ hochwertiger das Umfeld, desto höher ist der Werbepreis. Dieses Prinzip gilt nicht ganz so konsequent auf YouTube - wie wir im genannten Beispiel von McDonald's oder Canon gesehen haben.

YouTube beschäftigt längst richtige Pogrammplaner

Wenn lefloid es mit seiner YouTube-Serienstaffel "Zombies & Katanas & Chaos im Internet" bereits nach 5 Tagen auf 777.280 Aufrufe bringt, dann ist hier ganz klar nicht König Zufall im Hintergrund tätig, sondern generalstabsmäßige Planung der Strippenzieher von YouTube, die Geld machen möchten.

Die Media-Strategen und Programm-Direktoren von YouTube schauen: Wer im Netz hat Unterhaltungs-Talent, wen können wir aufbauen? Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die jetzt zur Verfügung gestellten weiteren 100 Millionen Dollar genau für besonders talentierte Entertainer eingesetzt werden. Ganz nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere - ihr Entertainer macht die YouTube-Show in euren Videos, wir machen die Kohle und geben euch einen Teil ab.

Es ist also vorstellbar, dass YouTube die Kosten für die Requisite von YouTube Stars wie Lefloid übernimmt, ebenso in Kamera, Licht, Kostüme und Schminke investiert und auch die reinen Produktionskosten für Videoclips bezahlt. Dabei gilt: Selbst billigste YouTube-Videos, die über 5 Minuten gehen, können je nach Aufwand der TV-Produktion leicht zwischen 12.000 bis 100.000 Euro verschlingen. Das was früher TV-Produktionskosten für MTV oder -Viva Musikvideos waren, sind heute Investments in Showtime auf YouTube (oder anderen Entertainment-Channeln im Netz).

Natürlich steht es jedem frei, auch kostenlos einfach mal so in die Webcam zu quasseln. Doch je größer das Interesse von YouTube am Aufbau eines Talentes ist, desto stärker dürfte das mögliche finanzielle und logistische Engagement der YouTube-Truppe sein, hier zu helfen, um am Ende eben hohe Werbeeinnahmen erzielen zu können. Insofern sind aufgebaute YouTube-Stars in gewisser Weise auch Erfüllungsgehilfen für das Google-Prinzip: Lasst uns die größte, reichste und mächtigste Company auf Gottes Erden erbauen.

YouTube fördert nicht zum Spass Talente, sondern es ist Bestandteil des Marketing-Plans

Ist ein Talent ausgemacht, dann positioniert YouTube das Video auf der Startseite. Alleine das besorgt dem Glücklichen, der dort gepostet wird, häufig einen kometenhaften Klickanstieg. Kommt ein solch von YouTube gepushter Internet-Star gut an, folgt eine offizielle Aufnahme in die von YouTube "recommended Channels", also die von Google, beziehungsweise YouTube, offiziell empfohlenen Internet-TV-Sendungen. Das ist also die Adelung und der Einstieg ins YouTube-Entertainment-Leben. Es ist die Möglichkeit, damit auch Geld zu verdienen.

Dabei versucht YouTube immer stärker seine Stars im Umfeld der wachsenden Spieleindustrie zu positionieren. Das Zauber-Keyword lautet "Gaming". Selbst lefloid gibt es jetzt schon als Gaming-Kanal.

Lefloid auf allen Marketing-Kanälen: Hier sein Gaming-Bereich. Weiteres Geld fließt über Merchandising-Produkte.

Weitere von Google, beziehungsweise YouTube empfohlene und aufgebaute YouTube-Stars, sind derzeit zum Beispiel: iBlali Channel (1.548.346 Abonnenten), albertoson (1.311.188 Abonnenten), Simon Desue (1.404.367 Abonnenten), diejungs (884.935 Abonnenten), Taddl (775.619 Abonnenten), FlyingPandas (351.923 Abonnenten), Ardymon (267.552 Abonnenten), LetsTaddl (839.907 Abonnenten).

Doch es wird auch "Nachwuchs" gefördert: Im Programm-Aufgabau auf YouTube befindet sich derzeit beispielsweise die 21-Jährige "MochiLikes". Sie bringt es, trotz durchaus vorhandenen schauspielerischen Komiker-Talentes, derzeit nur auf 6.288 Abonnenten. Doch wer weiß, vielleicht gehört auch sie in einem Jahr zur YouTube-Kultszene?

Es geht um viele Milliarden Euro, die der YouTube-Konzern umsetzen will

Angesichts der zu erwartenden weiteren Milliarden Euro an Werbegeldern, fordert YouTube deshalb seine über eine Milliarde Besucher im Monat nicht umsonst auf, doch bitte Inhalte zu erstellen und sie mit der YouTube-Community zu teilen. Doch nicht nur die Nutzer sind im Fokus, sondern auch die Unternehmen. Ihnen sagt YouTube, wonach sie sich auf YouTube ebenfalls präsentieren sollten, um Umsatz zu generieren:

"Sharing your story helps people see a different side of your business. A personal side. It’s a great way to let your customers know what you’re all about".

Dass YouTube funktioniert, das zeigen aber nicht nur die monatlich über 1 Milliarde Unique Users, also Nutzer – ein Sechstel der Menschheit! – sondern auch über 6 Milliarden Stunden, in welchen Videos auf YouTube angeschaut werden ("hours of video are watched each month on YouTube"). Hinzu kommt: Jede Minute werden 100 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen (uploaded):

Das ist viel Material für den nächsten großen Umsatzsprung von YouTube. So soll nun auch der Bereich Merchandise helfen, die Google-Taschen noch praller zu machen. Grund: Google möchte die 100 Milliarden Dollar Umsatz-Schranke und 20 Milliarden Dollar Gewinn schon in wenigen Jahren knacken. Zum Merchandising schreibt deshalb youtube.

"Sunglasses, T-shirts, backpacks—we've got a whole online store filled with YouTube merchandise for your purchasing pleasure".

Dabei steht aber offensichtlich nicht nur das Vergnügen des Werbepartners im Fokus, sondern eben auch das Vergnügen von Google am Kohle scheffeln:

Das hat einmal mehr auch YouTube-Star Lefloid erkannt. So verfügt er jetzt über einen "Offiziellen LeFloid Merchandise Shop! Exklusiv bei yvolve".

Dort gibt es beispielsweise ein "LeFloid – Sword – T-Shirt" (Preis: 22,99 €), ein "LeFloid – Kill Your Television – Girl Tank Top" (ebenfalls 22,99) oder eine "LeFloid – Kill Your Television – Tasche" (7,99). In der Produktbeschreibung heißt es: "NerdForge by LeFloid: Hochwertiges Merchandise aus dem Herzen der Hauptstadt. Konzipiert, gefertigt und mit großer Leidenschaft an Dich versandt von LeFloid & Lindhauch".