Axel Springer: Google sorge für Wettbewerbsverzerrung, EU tue nichts

Dabei gebe es, so der einseitige FAZ-Artikel, mehr als Grund genug, sich gegen den US-Internetgiganten Google zu wehren, denn Google könne "machen, was es will". Es biete "die Suchergebnisse an, die ihm selbst nutzen". Dabei sei "seine marktbeherrschende Stellung" längst "eine Gefahr für die Gesellschaft". Auf gut deutsch: Die FAZ druckte ab, was die gesamte deutsche Internetszene hinter vorgehaltener Hand seit Jahren tuschelt. Und ja, die FAZ hat Recht: Es getraut sich einfach niemand, gegen Google aufzumucken.

FAZ-Artikel vom 3. April 2014 auf Seite 11: Warum wehrt sich niemand?

Mit einem ganzseitigen Artikel rechnete am Donnerstag die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ vom 3. April 2014, S. 11) mit Google ab und attackierte den 60-Milliarden-Dollar-Monopolisten hart. Die deftige Schlagzeile: "Angst vor Google". Weiter stand in der FAZ groß geschrieben: "Warum leistet niemand diesem Monopolisten Widerstand?" Der Grundtenor: Google sorge für Wettbewerbsverzerrung, die EU mache zu wenig bis nichs und der spanische EU-Wettbewerbs-Kommissar, der Senior Joaquín Almuni, 65, schrummle mit Google seltsame Deals aus. Der Autor des FAZ-Artikels - ein mutiger Geschäftsführer eines Axel Springer Unternehmens.

Selbst Internet-Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern seien "von Google bereits bedroht worden, man würde ihnen die Adwords-Konten abschalten, wenn sie gewisse Dinge im Marketing und auf den Plattformen nicht so machten, wie es Google vorschreibt", erzählt ein sehr gut informierter Netz-Kenner Netz-Trends.de. Würde Google einem eCommerce-Unternehmen die Adwords-Konten abschalten, würde das "in den allermeisten Fällen zum Konurs des Unternehmens innerhalb weniger Tage führen", ist sich der Internet-Kenner sicher.

Als Autor des nun bekannt gewordenen FAZ-Artikels nannte die Zeitung einen Robert M. Maier. Da ein solch kritischer Anti-Google Artikel auch für die FAZ äußerst selten ist, suchte man intuitiv danach, wer denn dieser mutige Autor sei.

Und siehe da - ein Geschäftsführer eines Unternehmens, das zur Axel Springer AG gehört: Robert A. Maier von der Visual Meta Gmbh. Recht pünktlich gegen Mitternacht zum Freitag schoss nun die BILD-Zeitung nach. Sie attackierte den mächtigen US-Konzern Google mit der Schlagzeile: "Ist Google gefährlicher als die NSA? 7 brisante Fakten über den Internet-Giganten". Die 7 brisanten Fakten seien: Google sei ein Daten-Gigant, Google sei eine Geldmaschine, Google wachse und wachse und wachse, Google sei überall, Google bevorzuge eigene Produkte, Google sei unersättlich und Google sei eine unterschätzte Macht.

So berichtet die Bild aktuell über Google.

Nach Angaben des Magazins DER SPIEGEL mache das Google-Imperium mittlerweile Umsätze von 60 Milliarden US-Dollar. Alleine der Umsatz in Deutschland betrage nach Schätzungen von IT-Fachleuten gut 2 Milliarden Euro. Einige deutsche Google-Adwords-Kunden würden zudem "mittlerweile gut 100 Millionen Euro im Jahr in Google-Werbung investieren müssen, um eCommerce-Geschäfte tätigen und aufrechterhalten zu können", sagte ein Netz-Kenner gegenüber Netz-Trends. Dabei würden die Preise für Top-Keywords immer teurer.

Ohne monatliche Millionen-Zahlungen an Google und Google Adwords "würden viele Internet-Unternehmen gar nicht mehr existieren können", erklärte er weiter. Doch nicht nur das: "Google legt schon auch einmal Filter über Webseiten, redaktionelle wie eCommerce-Plattformen, so dass diese plötzlich kaum mehr über die Suchmaschine gefunden werden können, was diesen ihre Existenzmöglichkeit" entziehe.

Auf Nachfragen bei Google, warum eine Webseite mit einem Filter, also Bann von Google überzogen worden ist "gibt es selbst bei Webseiten mit über 1 Mio. Unique Usern im Monat häufig gar kein Feedback". Ein Google-Bann gegen eine auch große Webseite könne "durchaus bis zu zwei Jahre oder länger dauern", erklärt ein sehr guter Netz-Kenner gegenüber Netz-Trends. Das sei genügend Zeit, "um Webseiten wirtschaftlich platt zu machen".

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert ein bislang wenig bekanntes drastisches Zitat vom langjährigen Google-CEO und Milliardär Eric Schmidt, welches die FAZ dem Buch "Die Vernetzung der Welt" entnommen hat.

"Wir sind überzeugt, dass Portale wie Google, Facebook, Amazon und Apple weitaus mächtiger sind, als die meisten Menschen ahnen. Ihre Macht beruht auf der Fähigkeit, exponentiell zu wachsen. Mit Ausnahme von biologischen Viren gibt es nichts, was sich mit derartiger Geschwindigkeit, Effizienz und Aggressivität ausbreitet wie diese Technologieplattformen, und dies verleiht auch ihren Machern, Eigentümern und Nutzern neue Macht."

Sehr schwer wiegt der Vorwurf des FAZ-Autors gegen die EU. So schreibt die FAZ in Bezug auf Google:

"An dieser Ohnmacht scheint die EU-Kommission, insbesondere in Gestalt des derzeitigen Wettbewerbskommissars Almunia, nichts ändern zu wollen. Denn auch für viele Google-Wettbewerber könnte es bald zu spät sein. Seit 2010 läuft eine Beschwerde von europäischen Unternehmen und Verbänden gegen Google bei der EU-Kommission…. Almunia hat daraufhin eine kartellrechtliche Prüfung zu Online-Suche und Suchmaschinenwerbung gegen Google eingeleitet und festgestellt, dass vier Geschäftspraktiken von Google möglicherweise gegen das EU-Kartellrecht verstoßen, welches die missbräuchliche Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung verbietet".

Doch, führt der Faz-Autor weiter aus, "anstatt hart gegen Google vorzugehen", habe "sich Almunia im Februar 2014 – für die meisten Beobachter völlig überraschend – entschieden, auf einen Vorschlag von Google einzugehen, der angeblich die Bedenken der EU-Kommission" ausräume.

Aus Sicht des FAZ-Autors sei das, was die EU aber derzeit gegen Google kartellrechtlich unternehme "... aber alles andere als ausreichend". Vielmehr sei er überzeugt, dass das Gegenteil nun eintreffe, "es würde Googles Macht und wettbewerbsschädigendes Verhalten eher noch zementieren", schreibt Robert M. Maier in seinem bemerkenswerten FAZ-Aufsatz.

Ebenfalls ein in der Internet-Szene immer öfters gehörter Vorwurf an Google lautet, wonach Google seine marktbeherrschende Stellung ausnutze und eigene Produkte (Shopping, Immobilien, Hotels, Flights) vor die Ergebnisse der Mitbewerber schiebe, was aber eine Wettbewerbsverzerrung darstelle. So schreibt die FAZ:

"Genauso ist Google in der Vergangenheit bei 'Google Shopping' vorgegangen, einer Art Shopping-Plattform oder Produktvergleich, auf dem man die Angebote zahlreicher Online-Shops findet. Google Shopping ähnelt dem von uns (Anmerkung: also dem Gast-FAZ-Autor) betriebenen Produktvergleich www.ladenzeile.de vom Modell her sehr. Mehrere Algorithmus-Anpassungen hat Google schon vorgenommen, was zur Folge hatte, dass konkurrierende Produktvergleiche in den Suchergebnissen immer weiter nach unten rutschen".

Deswegen fänden immer weniger Nutzer die Websites der Wettbewerber: "Sowohl das Herunterschieben in den Suchergebnissen als auch der Ausschluss vom Anzeigenformat führen dazu, dass Google Shopping immer stärker wird, während seine Wettbewerber immer schwächer werden. Während die Online-Shops früher Geld für die verschiedenen Shopping-Plattformen ausgegeben haben und diese dann im freien Wettbewerb guter Websites um die Nutzer kämpfen mussten, geben die Online-Shops nun immer mehr Geld nur bei einer Shopping-Plattform aus, nämlich Google Shopping, und immer weniger bei den anderen", heißt es in dem einseitigen FAZ-Artikel weiter.

Durch die von Google praktizierte Arbeit entstehe aber "Schritt für Schritt eine immer stärkere Abhängigkeit der Online-Shops von Google." Dies könne dazu führen, ist dem FAZ-Beitrag zu entnehmen, "dass Google den Online-Shops mittelfristig die Preise diktieren kann, die sie für eine Listung auf Google Shopping bezahlen müssen." Zum FAZ-Artikel "Angst vor Google".