Google will Aus für Cookies, dafür Google Super Cookie auf Computer, Handys, Tablets

Ein zentrales Problem ist bislang: Cookies können zwar auf den Personal Computern, den PCs platziert werden, aber noch nicht für jeden Webanbieter auf dem Handy, dem Smartphone. Doch diese mobilen Endgeräte werden für die Werbeindustrie und die eCommerce-Anbieter (Apps) immer wichtiger.

Google scheint vom Super Cookie zu träumen.

Der weltweit größte Betreiber einer Internetsuchmaschine, Google, möchte die Cookies, die für alle eCommerce-Betreiber elementar sind, möglicherweise komplett verändern oder deren Ende herbeiführen. Im Gespräch ist dafür eine Art Super-Cookie (supercookie), die natürlich mal wieder am meisten Google nutzen würde. Zwar spricht Google von einem "anonymen Identifizierungsprogramm", doch Kritiker schwant schon jetzt: Anonym könnte hier mal wieder bedeuten: Google sammelt alles über die Nutzer, wertet das aus, monetisiert die Erkenntnisse maximal und die anderen kriegen die Brotkrümel, die abfallen.

Derzeit deutet sich an, dass Google eine Art Supercookie künftig etablieren möchte - der Google über Geräte hinweg alle wichtigen Informationen zu den Nutzern liefert. Da Google schon heute sein Betriebssystem Android mit Gmail abgleicht und auf diesem Umwege wiederum mit dem Suchverhalten im Internet, dürfte der Plan von Google vor allem ein Ziel verfolgen: Der weitere Ausbau der Weltmacht Google im Word Wide Web.

Ob die Werbekunden von Google so ein Verhalten gut finden würden, spielt zumindest aus Googles Wettbewerbs-Brille sowieso keine Rolle: Es gibt faktisch keinen wirklichen Wettbewerb mehr unter Internetsuchmaschinen vor allem in westlichen Ländern. Google atmet tief frische Luft ein, während die allermeisten anderen röchelnd versuchen nach Luft zu schnappen, um gerade noch so zu überleben. Alle sind im Internet abhängig von Google. Zwar konnten gerade in den vergangenen Monaten Konkurrenten wie Bing oder Yahoo auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz etwas an Boden gewinnen (vor allem wegen der NSA-Affäre in die Google verwickelt ist), doch mit einem Marktanteil von über 85 Prozent sind die Claims aus Googles Sicht klar abgesteckt.

Konkret geht es bei dem neuen Google Plan darum, statt Cookies ein angeblich "anonymous identifiers to track consumers' browsing" zu installieren. Das verspricht ja Google in Google Chrome schon, doch bedeutet anonym aus Googles Sicht vor allem eines: Alles wird über Google getrackt, mitgelesen, ausgewertet, abgeglichen - vom Foto im Android-Handy, der Suchanfrage in Google Web, Google News oder Google Maps, bis hin zum Auswerten der Inhalte von Emails.

Klar: Alles dient der Verbesserung der Google-Dienste. Das dürfte sich auch so mit dem neuen Super-Cookie verhalten. Die Frage ist nur: Plant das Google um einmal mehr seine Marktstellung zu zementieren, oder geht es Google wirklich um bessere Dienstleistungen für die Verbraucher und sonstigen Millionen Betreiber von Webseiten, die zu wahrscheinlich 95 Prozent von Google abhängig sind?

"Es klingt absurd" wenn Google von "users' security" spricht

Es klingt geradezu absurd, wenn ausgerechnet Google, die größte Datenkrake seit Menschengedenken, nun davon spricht, mit der ins Auge gefassten Veränderung der von fast allen Webseiten gesetzten Cookies, diene man angeblich der "users' security" sowie der Wirtschaftlichkeit des Internets. Fakt ist: Von der sowieso schon schwierigen Wirtschaftlichkeit des Internets profitiert vor allem Google.

Ein Brancheninsider berichtet beispielsweise, wonach 80 bis 140 Euro in Online-Marketinganzeigen in Google (Adwords) investiert werden müssten, ehe es zu einer Hotelbuchung oder der Buchung einer Pauschalreise auf einem Reisebuchungsportal komme. Die Marketingausgaben fließen direkt Google zu. Und von Jahr zu Jahr wird es teurer, möchten eCommerce-Anbieter im Internet noch Geschäfte machen. Denn Google zieht an der Preisschraube, lotet aus, wo die Schmerzgrenze für die anderen ist.

Dennoch bietet Google auch immer wieder eindrucksvoll Beispiele, dass die Suchmaschine nach wie vor ihr Credo, jeder solle eine Chance bekommen im Web, Leser, Nutzer oder Käufer zu finden, zumindest einigermaßen festhält. Selbst kleine Nachrichtenseiten können auf Seite Eins von Google mit ihrer Meldung vorkommen. Doch es wird immer schwieriger. In Google News ist schon heute eine Schieflage vorhanden - die großen Contentbetreiber werden in der Regel um Längen besser platziert als die kleineren, die aber ja inhaltlich nicht schlechter sein müssen, sondern oftmals uniqueren Content anbieten, da sie überhaupt nicht auf den Einheitsbrei der Nachrichtenagenturen zurückgreifen (können).

Außerdem tricksen große Webanbieter, wie welt.de, oftmals, indem die ein und selbe Meldung regelmäßig mit angeblichen updates neu in Google News eingespielt werden. Mal wird die Überschrift leicht verändert, dann der Einstiegsabsatz. Der Grund: Konkurrenten sollen so von guten Google-Platzierungen, besonders in Google-News, schnell verdrängt werden. So werden die großen Nachrichtenportale immer größer, die anderen haben aber tendenziell keine Chance wirklich hoch zu kommen.

Wer das meiste Geld in Seo (Search Engine Optimization) investiert, ist der Sieger. Seo-Agenturen mit guten Namen kassieren schon einmal für zwei Berater vor Ort bis zu 1.700 Euro am Tag. Die Rede ist dann von Webseitenoptimierungen, die man durchführe. Letztlich geht es aber vor allem darum, möglichst gut in Google platziert zu sein. Eben dort, wo Umsatz generiert werden kann.

Was konkret die mögliche Abschaffung von Cookies, die für die Millionen Webseiten, die an Google dranhängen müssen, um überleben zu können, bedeutet, ist nicht klar. Bislang ist außer irgendwelcher Gerüchte nicht viel Substantielles zu hören und zu lesen. US-Blogger schreiben, dass man bislang "nur weitere aufgeregte Alarm-Stimmen" gehört habe, "viele Spekulationen unter Rechtsanwälten für Datenschutz, Verbraucherschützern und Werbe-Unternehmen". Der Grund für die Aufgeregtheit ist den US-Bloggern klar: "Die Dominanz von Google in unserem Online-Leben". Hinzu kommt natürlich die alte Binsenweisheit. An jedem Gerücht ist in der Regel etwas dran.

Google kassiert ein Drittel aller Einnahmen im Internet, nur im Werbemarkt sind es noch mehr

Google kassiert derzeit ein Drittel sämtlicher möglicher Einnahmen im Internet ab, heißt es, auf den Werbemarkt beschränkt sind die Einnahmen noch höher - um die 50%. Der Umsatz von Google liegt bereits bei über 30 Mrd. US-Dollar. Insgesamt werden im Internet nach Schätzungen des US-Marktforschungsunternehmens eMarketer 117 Mrd. US-Dollar jährlich umgesetzt.

Immerhin lässt sich bereits Jeff Chester, der führende Kopf des amerikanischen Center for Digital Democracy, zu den Worten hinreißen, wonach er derzeit davon ausgehe, dass Google einen "persistent identifier, a super cookie" plane. Das bedeute: Google wolle noch mehr Informationen über die hunderten Millionen Nutzer ansammeln und auswerten - und zwar nur mit einer Nummer. Das sei der neue Weg "die Verbraucher in ihrem Internet- und Digitalverhalten 24 Stunden rund um die Uhr zu überwachen und zu beobachten".

Doch ob die deutschen, französischen oder EU-Datenschützer hier mitmachen, das darf bezweifelt werden. Jedoch zeigte Google schon bislang, wie geschickt die Suchmaschine immer wieder Schlupflöcher findet, ähnlich wie es Microsoft Jahre lang zelebrierte, um das eine angeblich zu bedienen - wie Datenschutzrechte und Verbraucherrechte - und das andere dennoch zu tun: Wie die Weltherrschaft aufzubauen, die Weltherrschaft im Netz, was auch eine Weltherrschaft in der Wirtschaft bedeutet.

Denn alles geht ja digital. Keine Firma in westlichen Industrieländern kommt an Google mehr vorbei. Auch die Google-Gründer selber fordern ihre Mitarbeiter und Mitarbeiter immer wieder auf "groß zu denken", keine "Schranken bezüglich des Wachstums im Kopf zu haben".

Google ist der eine, der alles weiß, vor allem, dass die anderen nicht genug wissen

Problematisch ist schon heute, dass Google faktisch jede online geschaltete Google Adsense Anzeige oder Google Adwords Anzeige kontrolliert und auswertet: Welche Keywords bringen in welchem Land welche Conversion Rate mit sich - sprich: Was führt zu Umsatz, zu unternehmerischem Erfolg. Diese Erkenntnisse, die eigentlich ureigenstes Wissen der Werbungtreibenden selbst sein müssten, aber faktisch nicht sind, nutzt Google wiederum, um seine eigenen Dienste weltweit in zu forcieren:

Ob Hotelfinder, Google Products oder Google Flight Search - all diese Dienste wären ohne die zwangsweise an Google von den eCommerce-Anbietern übermitteln Erkenntnisse, kaum möglich gewesen. Google ist ein Alleskönner und Allesmacher: Es dockt sich überall an, lässt die Organismen leben, um dann Jahre später zuzuschlagen und den Online-Unternehmen schlimmstenfalls die Lebens-Grundlage wieder zu nehmen. Das sehen auch immer stärker die Kartellamtswächter und Wettbewerbshüter. Für sie ist diese Google-Allmacht zunehmend ein Problem. Doch was tun? So richtig gibt es darauf noch keine Antwort.

Möglich ist das nur, da Google einfach fachlich gut ist, fast perfekt das Internet ausgebaut hat. Ohne Google gäbe es wiederum viele Online-Unternehmen, viele Blogs, viele kleine Nachrichtenseiten - auch Netz-Trends - wohl eher nicht. Grund: Google macht auf der einen Seite alle fast gleich, auf der anderen Seite ist der Preis für den relativ demokratischen Ansatz der Dienst in der Google-Galeere. Jeder muss tun, was Google sagt.

Jeder muss auf der Google-Galeere rödeln

Jeder muss rödeln, damit Google noch mehr Umsatz erzielt: Wenn ein eCommerce-Angebot die Buchungsstrecken nicht anbietet, wie es Google gefällt, droht das Aus. Wenn eine Nachrichtenseite nicht regelmäßig News publiziert, möglichst gut recherchiert und gut geschrieben, droht der Down-Grade, die Abstufung im Google-Index, was bedeutet: Die Webseite verliert Leser und damit Umsatz, möglicherweise die komplette wirtschaftliche Grundlage. Wenn ein Preisvergleichs-Portal die Produkte nicht in der Qualität liefert, wie es Google will, droht ein Filter.

Das ist die härteste Strafe von Google gegen Webseiten und bedeutet: Die Sichtbarkeit im Google Index kann gegen Null verschwinden. Das ist oftmals der Tod einer Webseite. Dabei teilt Google den Webseitenbetreibern in der Regel noch nicht einmal mit, was die Herren und Damen in Mountain View zur Abstrafung veranlasst hat. Ein Filter kann bis zu zwei Jahre oder länger eine Seite treffen. Es ist schlimmer als der Strahl des Jupiters. Auch Webseiten mit über einer Millionen Unique Usern hat es schon getroffen.

Doch schon regt sich auch hier Kritik: So habe Google mit den vergangenen Updates in 2012 und 2013 Preisvergleichsportale teils nahezu aus dem Index in der Visibility verschwinden lassen, um seine eigene Product Search besser platzieren zu können und auch damit Umsatz generieren zu können, heißt ein viel gehörter Vorwurf. Ein britisches Unternehmen hat dazu sogar eine ganze Anzeigenseite im Wall Street Journal im Jahr 2012 geschaltet. Der Vorwurf: Google habe die Seite mit einem Downgrade wirtschaftlich vernichtet.

Besonders große Webseitenanbieter kennen auch das: Den blauen Brief aus Mountain View. Denn Google ist zentralistisch. Die Amis diktieren alles. Die Google-Zentralen in Hamburg oder Dublin, selbst die Länderchefs, haben nur äußerst eingeschränkt Einfluss - sehr zum Verdruss der Landlords. In solchen Blauen Briefen kann Google schon einmal detailliert darstellen, welche Webseite wo und wann gegen Google Policies verstoßen hat und bis wann - in der Regel sehr schnell in bis zu zwei Wochen - Dinge abzustellen sind. Wer das nicht hinbekommt, auch dem droht die Eliminierung aus dem Google Search Index, also der wirtschaftliche Tod.

"Alle lieben Google. Alle hassen Google. Alle fürchten Google"

Man könnte sagen: Alle lieben Google. Alle hassen Google. Alle fürchten Google. Von morgens bis abends heißt es: Yes Sir, Yes Mr. Google, Euer Wunsch ist unser Befehl.

Doch darin liegt auch eine Gefahr für Google. Wer zu viele Befehle erteilt, wer zu stark den Markt dominiert, der provoziert Gegenwind. So erging es einst dem US-Ölmagnat John Rockefeller. 1910 war er so stark, dominierte vom Ölbohren bis zur Öl-Raffinerie faktisch den kompletten Öl- und damit Energiemarkt der USA. Sein Vermögen betrug rund 7 Prozent des Bruttoinlandproduktes der USA. Das entspricht einem größeren Vermögen, als es heute Bill Gates vorweisen kann.

Doch am Ende wurde Standard Oil, die Company von Rockefeller, staatlich zerschlagen. Erst Mitte der 1990er Jahre durfte das zerschlagene Imperium wieder fusionieren - zum heutigen Weltgiganten Exxon Mobile - entstanden aus Esso und Mobile - den Rockefeller-Besitzen Anfang des 21. Jahrhunderts. Auch heute noch gibt es einige Rockefellers. Einer lebt zum Beispiel in einem großen Nationalpark in Main. Den Nationalpark haben die Rockefellers dem US-Bundesstaat an der Ostküste vor Jahren geschenkt, heute ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Im Angesicht solch gigantischer Marktdominanz, wie sie Google im Internet innehat, ist ein Gerücht rund um das Ende der Cookies und ein neues Google Supercookie Grund genug, um alarmiert zu sein. Auch wenn Google beispielsweise in Google Chrome ein "Do Not Track" Protokoll anbietet, so sind die Erfahrungen der Nutzer andere. Denn natürlich trackt Google schon heute alles. Und das "Do Not Track" Protokoll muss mit jeder Google-Session, also mit jedem Öffnen des Google Chrome Browsers, neu eingestellt werden. Denn seltsamerweise akzeptiert Google hier keine dauerhaften Einstellungen. Das betrifft auch das Feature "Keine Chronologie" anlegen. Mit einer Chronologie meint Google, wonach Google alles abspeichert und protokolliert, was an Webseiten oder Suchbegriffen eingegeben wurde.

Unterm Strich bleibt festzustellen: Ohne Cookies können sich viele Webseiten nicht refinanzieren. "Do not track" geht einfach nicht. Doch die Gesetzgeber und der Datenschutz in der EU, auch die Kartellämter, dürfen nicht zulassen, dass Googles Allmacht noch weiter wächst. Das ist für eine Demokratie nicht nur nicht gut, sondern gefährlich. Das spielerische Logo von Google dient längst auch dem Nebelwerfen, das da bedeuten soll: Wir sind Kinder. Doch es sind einstige Kinder. Heute beherrschen die Kinder die Welt und bauen diese Weltherrschaft weiter aus.