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Gesundheit 23.10.2016 Fragen an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: 'Die digitale Revolution bewältigen'.

Medizin billiger aus dem Ausland: Stationäre Apotheken wollen gegen Online-Apotheken vorgehen

Ist stinksauer auf die EU-Rechtsprechung: Friedemann Schmidt, Präsident des deutschen Verbandes der stationären Apotheken, von ABDA. Bild: ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.

Nachdem der Europäische Gerichtshof jetzt grünes Licht für Online-Apotheken gegeben hat, welche aus dem Ausland Medikamente mit Rabatten nach Deutschland schicken, wollen sich die rund 20.000 deutschen stationären Apotheker massiv wehren.

Dies erklärte Friedemann Schmidt, Präsident der 1950 gegründeten "ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V." gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ vom 21. Oktober 2016, S. 17). So wolle man nach dem Gerichtsurteil des Europäischen Gerichtshofs, welches die Preisbindung für Medikamente in Deutschland und der sonstigen EU gekippt hat, nun "aus allen Rohren schießen".

Gegenüber der FAZ begründete der Abda-Präsident das folgendermaßen: "Wir Pharmazeuten haben einen Auftrag zur Gesundheitsversorgung. Dieses Urteil will uns zu Händlern mit Arzneimitteln degradieren. Das hat mich und meine Kollegen… zutiefst geärgert. Aber das Gericht hat ja auch die Bundesregierung abgewatscht. Der EuGH hat in ein Politikfeld eingegriffen, das gemäß den Europäischen Verträgen den Mitgliedsstaaten vorenthalten ist. Die deutsche Politik muss sich an diesem Punkt ihre Souveränität zurückholen."

Für ein umgehendes deutsches Verbot, Medikamente mit Rabatten aus dem Ausland nach Deutschland zu schicken, treten Deutschlands stationäre Apotheken vor allem hinsichtlich verschreibungspflichtiger Medikamente ein.

Hier könne es nicht sein, dass nun Online-Apotheken aus dem Ausland Medikamente billiger nach Deutschland verschickten, während die deutschen Apotheken vor Ort - in den Fußgängerzonen und sonstigen wichtigen strukturellen Lagen der Städte und Gemeinden - für eine Grundversorgung der Bevölkerung rund um die Uhr sorgen würden.

Es dürfe nicht sein, so die stationären Apotheker, dass sich die Online-Apotheken, die aus dem Ausland operierten, sich die Rosinen herauspicken würden und die Apotheker, die hierzulande auch Tausende Angestellte hätten und Steuern bezahlten, zwar Beratungsleistungen und ein flächendeckend dichtes Netz an jederzeit verfügbarer Medizin zur Verfügung stellten, aber auf den damit verbundenen hohen Kosten sitzen bleiben würden.

Deutschlands Apotheken gelten weltweit auf Grund ihres vorzüglich organisierten Vertriebes als weltweite Spitze.

So können die Apotheken faktisch jederzeit und fast überall in Deutschland innerhalb von zwei Stunden Patienten mit Medizin, erst Recht mit lebensnotwendigen Medikamenten, versorgen und auch zur medizinisch richtigen Einnahme beraten. Nicht umsonst ist der Beruf des Apothekers der eines Akademikers, vergleichbar mit dem eines Arztes.

Hinzu kommt: Immer mehr deutsche Apotheken liefern zusätzlich zum stationären Verkauf gegen Zusendung eines Rezepts Medikamente per Over-Night-Parcel-Service den Patienten und Kunden direkt nach Hause.

Eine Paket-Zustellung auch in andere Städte ist bis 10 Uhr am nächsten Morgen für Apotheken in der Regel kein Problem. Viele Apotheken bieten zudem einen Home-Lieferservice noch am gleichen Tag, sofern der Empfänger in der Stadt oder Region beheimatet ist, wie die Apotheke.

Vom der neuen EU-Rechtsprechung profitieren vor allem die in Deutschland umtriebigen Online-Apotheken Doc-Morris und Europa-Apotheke. Beide operieren vom Ausland aus und schicken die Medikamente dann zu Kunden nach Deutschland.

Weiterführende Literatur: "Fragen an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: 'Die digitale Revolution bewältigen'."

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