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Hundertschaft findet Höhenruder am Unister Flugzeug von Thomas Wagner in Slowenien

Hundertschaften des Katastrophenschutzes von Slowenien feiern den Fund des Höhenruders des Flugzeuges, in dem Thomas Wagner abgestürzt ist. Bild: Katastrophenschutz Slowenien

Eine Hundertschaft des slowenischen Katastrophenschutzes hat nun das Höhenruder des Privatflugzeugs Piper PA-32 gefunden, mit welchem Unister-Gründer Thomas Wagner, 38, gemeinsam mit Unister-Co-Gründer Oliver Schilling, 39, über Slowenien unter dubiosen Umständen ums Leben kam.

Zuvor hatten Ende September Drohnen des slowenischen Militärs das Absturzgebiet abgesucht. Diese Suchaktion war sogar vom Staatssekretär im slowenischen Verteidigungsministerium, Herrn Mag. mag. Miloš Bizjak, persönlich vor Ort geleitet worden. Das zeigt, wie ernst es Slowenien mit der Aufklärung nimmt. Der Katastrophenschutz von Slowenien feierte bereits am Samstag vor einer Woche den Fund des Höhenruders stolz und teilte mit, dass es nach wie vor nicht bekannt sei, „ob der Absturz vorsätzlich“ passiert sei. Allerdings habe man am nun gefunden Höhenruder Hinweise auf eine Fremdeinwirkung eines anderen Gegenstandes, heißt es von Toni Stojčevski, dem "Investigator Ministry of Infrastructure Aircraft Accident and Incident Investigation Service Republic of Slovenia".

Die Piper PA-32 hatten windige Kreditvermittler aus Leipzig und Unna Unister-Gründer Thomas Wagner angedreht und ihm gesagt, damit könne man gut nach Venedig über die Alpen fliegen. Der Darlehensdeal hatte Anfang Februar 2016 durch Kontaktanbahnung im Büro eines Leipziger Immobilien-Händlers seinen Anfang genommen. Zuvor hatte der Immobilienhändler im Januar 2016 anfragen lassen, ob er - also der Immobilienhändler und Leute im Hintergrund - Unister in der Krise helfen könne. Die Suchaktion des slowenischen Katastrophenschutzes der "Nova Gorica Civilna zaščita" war von Samo Kosmač geleitet worden.

In Venedig hatte der Unister-Gründer, der mit 22 Jahren das Internet-Unternehmen von ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de als BWL-Student gegründet hatte, gehofft, dass er dort gegen eine Baranzahlung in Höhe von 1,5 Millionen Euro im Gegenzug 10 Millionen Euro erhält. Mit dem Geld wollte er den Reisebereich von Unister an die Börse bringen und bei einem Hamburger Kreditgeber hinterlegte Namensrechte an Domains wieder zurückbekommen, um diese als Sachwerte in den Börsengang einbringen zu können. Unister gilt mit über zwei Millionen Kunden im Jahr und einem jährlichen vermittelten Reiseumsatz in Höhe von über zwei Milliarden Euro als Marktführer im Onlineverkauf von Pauschalreisen und Flugtickets (Verweis: Jahresstatistik der FVW-Reisefachzeitschrift zu Online-Reisebüros).

Die Kreditsumme in Höhe von 10 Millionen Euro hatten ihm zwei Kreditvermittler, von denen einer mit im Flugzeug saß, der andere in U-Haft sitzt, versprochen. Der angebliche Kreditgeber selber spricht schlechtes deutsch und befindet sich auf der Flucht. Einige sagen, er sei Mitglied einer Zigeuner-Familie, andere wiederum sagen, er sei mit der Balkan- oder Italien-Mafia verbunden.

Das Geld, das der Gesuchte Thomas Wagner in die Hand drückte, waren aber nicht 10 Millionen Euro, sondern zu über 99% Blüten, Falschgeld. Am Morgen nach dem Millionen-Diebstahl starb Thomas Wagner im Flugzeug. Die Kreditvermittler, darunter in Leipzig und Unna, erhofften sich eine Vermittlungsgebühr von 5 Prozent, also von mindestens 500.000 Euro. Einige sagen, die Vermittlungsprovision hätte auch höher gelegen.

Das nun gefundene Höhenruder wurde gut 700 Meter vom Absturzort gefunden, sagte der Katastrophenschutz von Slowenien. Die Piper 32 war am 14. Juli unter bis heute nicht geklärten Umständen abgestürzt und zwar in Predmeja über Ajdovščino. Im Flugzeug waren vier Personen umgekommen – darunter Unister-Co-Gründer Oliver Schilling, der 73-Jährige Pilot, der auch als Fluglehrer arbeitete, sowie einer von vier Kreditvermittlern, die Thomas Wagner den Kredit vermittelt hatten.

Der slowenische Absturz-Untersuchungsleiter Toni Stojčevski sagte angesichts des Fundes des Höhenruders: "Bis heute ist es nicht bekannt, ob diese in der Luft absichtlich verursacht worden ist". In seinem Zwischen-Absturzbericht hatte Stojčevski bislang geschrieben, das Wetter sei schlecht gewesen, doch als eindeutige Ursache für den Absturz nannte er es nicht. Deshalb sind Vereisungs-Gerüchte bislang eben nur Gerüchte.

Fakt ist: Der Pilot hatte an jenem Donnerstag den 14. Juli 2016 kurz vor elf Uhr an einen slowenischen Lotsen gefunkt, es drohe Vereisung und welche Route er nehmen solle. Sechs lange Minuten gab es dann wohl keine Antwort des Lotsten. Das letzte Funksignal soll dann nur noch "Mayday Mayday" geheißen haben, also „Wir stürzen ab“. Ein deutscher sehr erfahrener Lotse sagte dazu, es sei Aufgabe von Lotsen, umgehend zu reagieren und Piloten zu helfen. Das bedeutet: Auch hier könnte eine Straftat geschehen sein - und zwar vom slowenischen Lotsen im Tower, der nicht schnell genug reagiert hat.

Wichtiger Fund des slowenischen Katastrophenschutzes, sagt Flugabsturz-Untersuchungsleiter Toni Stojčevski

Untersuchungsleiter Toni Stojčevski hatte stets erklärt, für die Untersuchung des Absturzes sei das Höhenruder von entscheidender Bedeutung. Denn normalerweise fällt so ein wichtiges Flugzeugelement nicht einfach vom Flugzeug.

An der Suchaktion am Samstag war eine Hundertschaft der slowenischen Zivilverteidigung, des Kastrophenschutzes, der Feuerwehr und Bergretter beteiligt, koordiniert vom Katastrophenschutz. Neben starkem Ermittlungsdruck durch die slowenische Flugbehörde sowie dem slowenischen Verteidigungsministerium führte auch ein kürzlicher Aufruf der Eltern von Thomas Wagner in der Bild-Zeitung zu der Suchaktion. So hatten die Eltern von Thomas Wagner Anfang Oktober gesagt, sie wünschten sich sehr, dass jedem noch so kleinen Detail der möglichen Absturzursache nachgegangen werde. An der Suche nach dem Höhenruder hatten am Samstag den 8. Oktober rund 100 bis 200 Personen teilgenommen, schreiben die slowenischen Portale siol.net sowie rtvslo.si.

Das slowenische Nachrichtenportal rtvslo schreibt wiederum unter Berufung auf AP, dass die slowenische Armee mit unbemannten Flugzeugen vor zwei Wochen den kompletten Bereich rund um den Absturz der Unister-Maschine über Kilometer abgeflogen und aufgezeichnet habe.

Die Suche war vom Staatssekretär im Verteidigungsministerium, von Miloš Bizjak, gemeinsam mit dem slowenischen Chefermittler für Luftfahrt-Unfälle und Störungen, Toni Stojčevski, sowie Leutnant Colonel Thomas Oblak geleitet worden. Dies schreibt das slowenische Nachrichtenportal vecer.com von "Radio Koper". Als unbemanntes Flugzeug sei eine sogenannte "Brezpilotnik Belin", eine Drohne, zum Einsatz gekommen (Foto), teilte das slowenische Verteidigungsministerium in einer Pressemitteilung mit.

Eine Brezpilotnik Belin kann bis zu drei Stunden fliegen und bis zu 5000 Meter hoch steigen. Ihr Flugradius beträgt 30 Kilometer. Das unbemannte Flugzeug ist mit Kameras, ebenso mit Infrarotkameras, ausgestattet (Eine Bildergalerie zur militärischen Suchaktion gibt es auch am Ende eines Artikels des Portals rtvslo.si; hier klicken).

Slowenische Soldaten bringen die Brezpilotnik Belin in Stellung, die das Höhenruder suchen sollte. (Bild: Slowenisches Verteidigungsministerium).

Dass Slowenien sich da nun so engagiert ist zusätzlich dem Umstand geschuldet, dass der Betrüger, welcher den Unister-Gründer Thomas Wagner in Venedig mit Millionen Euro bestohlen hatte, auch schon in Slowenien sein Unwesen getrieben hatte und dort ebenfalls in einem Hotel – in Ljubljana – Geschäftsleute, darunter auch eine deutsche Geschäftsfrau, um Hunderttausende Euro gebracht hatte - und zwar zwei Wochen vor dem sogenannten Rip Deal, dem dann Thomas Wagner in Venedig zum Opfer fiel.

Die Täter: Wahrscheinlich die gleiche Täter-Mafia, welche die deutsche Geschäftsfrau reinlegte (Verweis: Bericht DER SPIEGEL vom August 2016). In Slowenien sagt man deshalb, der Betrüger sei mittlerweile der „most wanted Betrüger in Europa“.

Auswahl von Unister-Reiseportalen (Recherche: netz-trends.de; Grafik darf unter Linksetzung auf netz-trends.de kostenfrei genutzt werden).

Erste Analysen am nun gefundenen Höhenruder haben ergeben, dass der horizontale Stabilisator sichtbare Schäden aufweise, die auf eine Fremdeinwirkung eines anderen Gegenstandes hinwiesen, sagte Stojčevski. Zudem erklärte er: "Das umfangreiche Verfahren ist wichtig, um die internationalen Standards auszuführen. Wir brauchen dieses Teil (das Höhenruder),… um festzustellen, ob möglicherweise auch ein Design-Fehler oder Vereisung" oder eben eine andere Ursache für den Absturz verantwortlich sein könnte.

Die Piper, in der Unister-Gründer Thomas Wagner mit Co-Gründer Oliver Schilling saß, war aus bis heute unerklärlichen Gründen aus 3.600 Metern Höhe abgestürzt und hatte nach dem vorläufigen Absturzbericht gut 55 Meter pro Sekunde an Flughöhe verloren. Am Boden aufgeschlagen fand sich fast nur noch ein Haufen Asche.

Der Führungsstab des slowenischen Verteidigungsministerium bespricht mit der slowenischen Flugsicherungsbehörde die Suche nach dem Höhenruder der Piper, in welcher Thomas Wagner und drei weitere Fluggäste über Slowenien abstürzte. (Bild: Slowenisches Verteidigungsministerium).

Der nun gefundene Flugstabilisator weist darauf hin, dass an den Flügeln des Stabilisators Veränderungen gefunden worden seien, die schließlich zum Abbruch geführt haben könnten, heißt es.

An der weiteren Untersuchungen am Höhenruder sollen auch Experten der slowenischen Streitkräfte sowie „bei Bedarf“ externe Luftfahrtexperten hinzugezogen werden. Zudem soll auf Forensik des slowenischen Innenministeriums zurückgegriffen werden.

Absturzursache nach wie vor unklar

Stojčevski sagte: "Vielleicht braucht es weitere Suchkampagnen, aber jetzt ist diese Frage noch offen". Zudem erklärte er, die slowenische Flugunfall-Behörde arbeite intensiv mit der Polizei zusammen. Dies tue man generell, „vor allem wenn es einige Verdachte auf eine Straftat gibt“. Bislang wisse man aber nach wie vor nicht, ob der Absturz vorsätzlich herbeigeführt worden sei oder nicht.

Doch die Frage, wer Schuld und Nicht-Schuld am Absturz des Unister-Flugzeugs habe, müsse die Polizei von Slowenien untersuchen. Dieser Bereiche fielen nicht in die Aufgaben der Absturz-Behörde, auch nicht in die des slowenischen Katastrophenschutzes.

Die Aufgabe der slowenischen Flugbehörde bestehe darin, Abstürze in der Zukunft zu vermeiden und der Luftfahrtindustrie Sicherheitsempfehlungen zu geben.

Die nächsten Schritte seien nun, dass man komplett rückverfolgen wolle, wer das Flugzeug gewartet habe, wer die Ausrüstung des Flugzeugs zur Verfügung gestellt habe, auch wie es um den Piloten stehe sowie die Herstellung des Flugzeugs. Zudem wolle man sich die Navigation sehr genau anschauen.

Die slowenischen Polizei erklärte, sie könne zum derzeitigen Zeitpunkt ein Verbrechen am Flugzeug nicht ausschließen, weshalb es nach wie vor Untersuchungen gebe. Anfang August noch hatte die Polizei von Slowenien gesagt, man habe bislang trotz umfangreicher Untersuchungen noch keinen Verdacht auf eine strafbare Handlung gefunden.

Die langwierigen Ines-Ermittlungsverfahren

Ob das nun gefundene Höhenrunder hier eine Wende bringt, darauf dürften viele gespannt warten. Denn nach wie vor groß ist die Trauer um Thomas Wagner, den einstigen ostdeutschen Vorzeige-Unternehmer, der aus dem Nichts heraus ein Internet-Unternehmen mit bis zu über 2.000 Mitarbeitern in Leipzig aufgebaut hatte.

Zu Hoch-Zeiten von Unister hatte das Unternehmen neben seiner Zentrale in Leipzig, wo das Unternehmen in Bestzeiten über 20.000 Quadratmeter Bruttonutzfläche angemietet hatte, Standorte unter anderem in Dresden, Stralsund, Jena, Berlin, Düsseldorf oder in Hamburg. 2014 soll das beste Jahr in der Geschichte der Reiseportale von Unister gewesen sein, sagt ein Insider.

Die Krise bei Unister nahm ihren Anfang mit der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (Ines), als diese Dresdner Sonder-Ermittlungstruppe Unister am 11.12.2012 mit über 120 Ermittlern aufsuchte, Unister-Gründer Thomas Wagner und für die Finanzen zuständige Manager tagelang in U-Haft nahm.

Kritiker monieren, von dieser von vielen als völlig überzogenen Staatsanwaltschaftsaktion der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden angesiedelt ist, habe sich Unister nie wieder erholen können. Das bis dahin stark wachsende Unternehmen sei dadurch an den Finanzmärkten komplett abgeschnitten worden.

Die Ermittlungen gegen Unister verantworteten bislang die beiden Dresdner Staatsanwälte Andreas Guenthel und Dr. Dirk Reuter.

Noch kurz vor seinem Tod hatte Thomas Wagner eine Klage vorbereitet, mit welcher er den Freistaat Sachsen wegen der langwierigen und aus seiner Sicht ungerechtfertigten Anklagen auf mindestens 40 Millionen Euro Schadenersatz verklagen wollte.

Letztlich hatten die seit gut vier Jahren währenden Ermittlungsverfahren schließlich dazu geführt, dass Thomas Wagner überhaupt den Venedig-Deal eingegangen ist. Es kostete ihn sein Leben.

Absturz Unister-Flugzeug: Beiträge im slowenischen Fernsehen

+++ Die Werbevideos müssen nach zwei Sekunden übersprungen werden, sonst sind die Beiträge nicht zu sehen +++


Sie finden den Schwanz des abgestürzten Flugzeugs mit deutschen Multimillionär an Bord im Bereich von Ajdovščina (24ur.com TV vom 8.10.2016):

http://www.24ur.com/novice/slovenija/nasli-rep-letala-ki-je-strmoglavilo-na-obmocju-ajdovscine.html#comment

Der Sturz von Ajdovščina: In dem Flugzeug wäre auch ein Koffer mit 4.000.000 € (24ur.com TV vom 15.7.2016):

http://www.24ur.com/novice/crna-kronika/letalska.html

Es gibt eine Menge Fragen, was vorm Start passiert ist (24ur.com TV vom 24.7.2016):

http://www.24ur.com/novice/crna-kronika/se-vedno-veliko-vprasanj-kaj-se-je-dogajalo-med-letom.html

Slowenische Armee wird beim Suchen helfen (24ur.com TV vom 23.9.2016):

http://www.24ur.com/novice/crna-kronika/slovenska-vojska-bo-pomagala-iskati-pogresani-del-repa-letala-stmogljavljenega-v-ajdovscini.html

Hier stürzte die Maschine von Thomas Wagner ab: Predmeja (Einwohner: 363, der Ort liegt etwas höher als München, nämlich 869 Meter):

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