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Deutsche Bahn Online-Portal Bahnheld.com / Bahnheld.de soll Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückweisen

Einstige Werbeversprechen auf der Webseite Bahnheld. Bild: Screenshot
25.11.2015

Bahntickets kosten eigentlich überall das gleiche. Hellhörig dürfte der eine oder andere deshalb werden, wenn plötzlich ein Portal behauptet, man könne legal Tickets der Deutschen Bahn (DB) günstiger als bei der Bahn selber erhalten.

So oder so ähnlich soll bahnheld.com vorgegangen sein, weshalb die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittele, schreibt jetzt spiegel-online.de und dies sagt auch die Deutsche Bahn selber in einer Stellungnahme. So habe das Portal bahnheld.com, beziehungsweise bahnheld.de damit geworben, Bahn-Fahrkarten zum halben Preis anbieten zu können. Doch wer beispielsweise am 25. November 2015 auf bahnheld.com klickte, der wurde umgeleitet auf das Portal fromatob.de.

Bahnheld.de schrieb auf seiner Webseite (Bild): "Wir bieten dir dauerhaft bis zu 50% Ermäßigung auf jede Fahrt, die du bei Bahnheld buchst." An anderer Stelle ist zudem groß geschrieben: "Bahntickets bis zu 50% günstiger buchen. Du zahlst garantiert bis zu 50% des Preises, egal wohin die Reise geht". Zu den Zahlungsmöglichkeiten schrieb Bahnheld: "Du kannst deine Bahntickets sicher über unsere Zahlungsmöglichkeiten buchen".

Während bei Bahnheld.com steht, die IP laufe über Kuala Lumpur in Malaysia und Betreiber der Domain sei eine gewisse Katz Global Domain Name Trust, zu der nach netz-trends.de-Recherchen 370 andere Domains gehörten, verhält es sich mit der Domain fromatob.de anders. Hier wird als Domaininhaber die fromAtoB GmbH aus München genannt, die auch die Webseite verkehrsmittelvergleich.de betreibt. fromAtoB ist ein DB-Vertragspartner welcher sich wiederum, schreibt die Deutsche Bahn in einer Stellungnahme, komplett von Bahnheld distanziere:

"fromAtoB distanziert sich vollständig von den Betreibern von bahnheld.com/.de. Es bestanden weder in der Vergangenheit noch zum aktuellen Zeitpunkt irgendwelche Geschäftsbeziehungen zu den Betreibern dieser Internetseite. fromAtoB.de ist offizieller & akkreditierter Vertragspartner der Deutschen Bahn und verkauft seit vielen Jahren erfolgreich Tickets im Auftrag der Deutschen Bahn. Auf die automatische Weiterleitung beim Besuch von bahnheld.com oder .de auf fromAtoB.de haben wir leider keinerlei Einfluss."

Nimmt man die deutsche Domain Bahnheld.de so wird in Denic als Domain-Inhaber eine gewisse NextSolutions Online Ltd. genannt.

Missbrauch von Kreditkarten?

Jedenfalls laute, schreiben mehrere Medien – neben spiegel-online sind dies auch die Süddeutsche Zeitung oder die Huffington Post – der Verdacht der Staatsanwaltschaft Berlin, dass über bahndheld.com, beziehungsweise bahnheld.de, möglicherweise Fahrkarten anhand von "missbräuchlicher Verwendung von Kreditkarten-Daten" weiterverkaufen worden seien.

Einen weiteren Vorwurf erhebt nach netz-trends.de-Recherche die Webseite cyscon security. Sie behauptet, sie habe beim Anklicken des Links bahnheld.com festgestellt, wonach "dieser Link als bösartig‘" in dem Cyscon Security-System "gemeldet" sei. So habe die in Deutschland nicht gerade bekannte Cyscon's Cyber Threat Intelligence Cloud festgestellt, dass man die Webseite Bahnheld als "Betrugsversuch klassifizieren" müsse.

Weiter schreibt die Cyscon's Cyber Threat Intelligence Cloud über bahnheld.com: "Internetbetrüger versuchen über diese Webseite sensitive Daten zu stehlen und an ihre Kreditkarten-Informationen und / oder Zugangsdaten zu kommen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit möchten wir Sie bitten, diese über die Schaltfläche 'Zurück in Sicherheit' zu verlassen."

Spenden seien bislang nicht eingegangen

Ebenfalls einen Schatten auf bahnheld.com, beziehungsweise bahnheld.de wirft, dass die Plattformen Spenden an soziale Organisationen beim Verkauf von Bahntickets versprochen hätten (das konnten wir so nicht verifizieren). Jedenfalls schreibt die Huftington Post, dass eine Nachfrage bei diversen Hilfsorganisationen bislang nicht ergeben habe, dass dort bislang keine Spenden von Bahnheld eingegangen seien. Befragt habe man zum Beispiel den WWF, Unicef, als auch die SOS Kinderdörfer.

Die Deutsche Bahn formulierte ihre Sicht der Dinge wie folgt:

"Warnung vor Ticketkäufen auf der Internetseite ‚bahnheld.com‘: Die Deutsche Bahn warnt Kunden eindringlich davor, Online-Tickets auf ‚bahnheld.com‘ zu kaufen. Gegen den Betreiber der Internetseite ermittelt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Anders als angegeben werden die Fahrkarten nicht mit gespendeten Reisegutscheinen, sondern mit gestohlenen Kreditkartendaten bezahlt. Das behauptete Geschäftsmodell täusche unter anderem die Zusammenarbeit mit der Bahn und gemeinnützigen Organisationen vor. Tatsache ist, dass es keine Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn gibt. Hinzu kommt, dass die Online-Tickets durch den mutmaßlichen Betrüger vor dem Versand manipuliert werden und damit bei einer Kontrolle als gefälscht erkannt werden können.

Kunden, die solche Online-Tickets kaufen, laufen Gefahr, Teil eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens zu werden. Außerdem stellt die Bahn nicht bezahlte Online-Tickets den Nutzern in Rechnung, so dass die Kunden die Fahrkarten letztlich doppelt bezahlen. Darüber hinaus geben sie dem mutmaßlichen Betrüger im Zuge des Bezahlvorgangs persönliche Daten preis, die für weitere strafbare Handlungen genutzt werden könnten."

In einer Stellungnahme soll "bahnheld" die Vorwürfe mittlerweile zurückgewiesen haben. Die Vorwürfe – dann wohl auch jene der Staatsanwaltschaft – seien "nicht bewiesen" und beruhten auf "stupiden Behauptungen", schreibt die Huffington Post unter Bezugnahme auf die Süddeutsche Zeitung.

Bei einem Testversucht von netz-trends.de ließ sich bahnheld.de nicht mehr öffnen (Test vom 25. November 2015, 17 Uhr). Auf einem Screenshot, welcher die Webseite Bahnheld.de zeigt, wirbt die Seite damit, das Geschäftsmodell sei angeblich bekannt durch nationale deutsche Medien wie RTL, bild.de, Handelsblatt oder n-tv. Nach netz-trends.de-Recherchen müssten sowohl bahnheld.de als auch bahnheld.com relativ neue Webseiten im Netz seien. Wir nehmen an, dass diese erst 2015 gelauncht wurden aber auch keine sonderlich breite Verbreitung bislang fanden.

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