Schon wieder! Google Core-Update: Gesundheitsseiten und eCommerce-Portale stürzen ab

mp - Mehrmals im Jahr schraubt Google an seinem Ranking-Algorithmus. Auch das neuste August-Update hielt für viele Seitenbetreiber einige Überraschungen bereit. Dabei gab es nicht nur Gewinner. Webseiten mit sogenannten „sensiblen Inhalten“ waren besonders betroffen.

Bild: netz-trends.de/sistrix.de
Anfang September stürzt die Sichtbarkeit von billiger.de rapide ab.

Anfang August nahm der Suchmaschinen-Gigant Google umfangreiche Veränderungen an seinem Ranking-Algorithmus vor. Dies bestätigte der Konzern ganz unspektakulär per Tweet. Was sich genau durch das Update geändert hat, erklärte Google nicht. Dennoch haben jetzt schon viele Seitenbetreiber mit massiven Sichtbarkeitsverlusten zu kämpfen.

Google nimmt sich Gesundheits- und Finanzseiten vor

Laut einer ersten Analyse des Unternehmens sistrix.de, das sich auf die Auswertung von Sichtbarkeiten in Google spezialisiert hat, sind vor allem Domains mit sensiblen Inhalten vom Google-Update betroffen. Insbesondere Gesundheits- und Finanzseiten verzeichneten in den vergangenen Wochen gravierende Veränderungen im Google-Ranking. [1]

In den „Google Quality Rater Guidelines“ spricht der Internet-Konzern auch von sogenannten „Your Money or Your Life (YMYL) Pages“. Hierunter versteht der Suchmaschinen-Anbieter sämtliche Seiteninhalte, welche die Gesundheit, Finanzsituation oder die Sicherheit der Nutzer beeinflussen könnten. Weiter heißt es in den Guidelines, dass man sehr hohe Standards für die Bewertung dieser Seiten heranziehe, da falsche oder verzerrte Inhalte negative Auswirkungen auf das Leben der Nutzer haben könnten.

Qualität setzt sich in Google auf Dauer durch

Das neue Update bewertet vor allem die Qualität der Seiteninhalte neu. Damit unterscheidet es sich von früheren Updates wie beispielsweise Pengiun oder Phantom, die bestimmte Backlinkmuster, Keyword-Stuffing oder negative Nutzersignale abstraften. Hierzu führte Google auch Änderungen in seinen „Quality Rater Guidelines“ durch. [2], [3]

Diese Richtlinien haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Suchergebnisse, zeigen jedoch, auf welche Standpunkte Google derzeit besonders viel Wert legt. In einem gesonderten Abschnitt über medizinische Inhalte heißt es darin, dass solche Seiten von „Personen oder Organisationen mit entsprechender medizinischer Expertise oder Akkreditierung“ erstellt und „regelmäßig aktualisiert und überprüft“ werden sollten. [4]

Update mischt Ranking von Medizin-Seiten auf, auch eCommerce betroffen

Damit setzt Google an diese Art von Texten schon fast wissenschaftliche Maßstäbe an, was angesichts des sensiblen Themas auch als durchaus gerechtfertigt angesehen werden könnte. Zu den großen Gewinnern des Updates gehören Sistrix zufolge gutefrage.net (89 Prozent Gewinn), aerztezeitung.de (86 Prozent Gewinn) und 12gebrauchtwagen.de (79 Prozent Gewinn). Die Seiten mit den stärksten Verlusten sind reizdarm.net (91 Prozent Verlust), familienportal.de (88 Prozent Verlust) sowie fruchtbare-tage.com (86 Prozent Verlust).

Das Google-Update zeigte jedoch auch Auswirkungen im eCommerce-Bereich. Insbesondere die Preisvergleichsseite billiger.de stürzte von 95,51 Punkten um 28 Prozent auf 68,48 Punkte ab. Auch die Seite des Möbelshops roller.de hat rund die Hälfte ihrer Sichtbarkeit verloren (51 Prozent Verlust).

Google lässt viele Seitenbetreiber über Update im Dunkeln

Die Gründe hierfür sind schleierhaft. Fest steht aber, dass auch Shopping-Seiten laut Googles Richtlinien zu den „Your Money or Your Life Pages“ gehören, für die besonders hohe Qualitätsstandards gelten. Das Problem: Google selbst gibt die Kriterien, nach denen gerankt wird, nicht öffentlich preis. Viele Seitenbetreiber tappen daher im Dunkeln, wenn es um die Optimierung ihres Angebots geht.

Ganz ungelegen dürfte es dem Internet-Riesen aber nicht kommen, eCommerce-Shops und Preisvergleichsportale in der Sichtbarkeit abzustufen. Schließlich pusht das Unternehmen dadurch seine eigenen Angebote nach vorne.

Google kommerzialisiert die erste Seite seiner Suchmaschine vor allem mit eigenen Services. Hier am Beispiel des Suchbegriffs "Schuhe kaufen".Bild: netz-trends.de/ Google

Google kommerzialisiert erste Seite mit eigenen Diensten

Das zeigt auch folgendes Beispiel: Schon bei der Eingabe simpler Suchbegriffe wie „Schuhe kaufen“ kommerzialisiert Google mittlerweile faktisch die komplette erste Desktop-Seite mit eigenen Diensten, wie eine Schnell-Analyse der netz-trends.de-Redaktion ergab. Die ersten Suchergebnisse sind oftmals Anzeigen, die über den Dienst „Google Adwords“ eingeblendet werden. Rechts befindet sich hingegen häufig ein großer Angebots-Block, wovon ein Großteil der dort angebotenen Produkte auf Google Shopping entfällt.

Zudem werden Ergebnisse der organischen Suche weiter nach unten gedrängt, in dem Google auf einer großen Karte lokale Anbieter zum gesuchten Begriff anzeigt. Für den Kunden bietet das wenig Mehrwert. Gleichzeitig wird der Traffic weiterhin auf die oberen Suchergebnisse gelenkt. Viele Shops und redaktionelle Inhalte rutschen damit immer weiter nach unten, während die Google-eigenen Dienste gestärkt werden.

Einzelnachweise:

[1] Core-Algorithmus-Update: Gesundheits- & Finanzseiten betroffen von Johannes Beus, in: sistrix.de vom 05. August 2018, Abruf am 07. September 2018.

[2] General Guidelines von Google, in: static.googleusercontent.com vom 20. Juli 2018, Abruf am 07. September 2018.

[3] Das steckt hinter Googles Phantom Update, in: internetworld.de vom 20. Mai 2015, Abruf am 07. September 2018.

[4] Was sind die Penguin Updates, in: seo-kueche.de, Abruf am 07. September 2018.

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