Teil 3 der Serie "Steuern zurückholen beim Einkauf im Ausland": Achtung vor Fake Apps im Appel App Store oder Google Play Store
Wer im Apple App Store nach „Planet Payment“ sucht, erwartet naheliegenderweise eine offizielle App des Zahlungs- und Tax-Free-Anbieters. Genau hier beginnt jedoch ein strukturelles Problem, das viele Nutzer in die Irre führt. Die in den Screenshots sichtbare App „Planet Tax Free ME“ hat nichts mit dem europäischen Anbieter Planet Payment bzw. der Planet-Gruppe in Europa zu tun, auch wenn Name, Logo und Wortwahl dies nahelegen.
Diese Verwechslungsgefahr ist kein Zufall, sondern ein Ergebnis fehlender Klarheit im App-Ökosystem – und ein Grund, warum bei sensiblen Dokumenten wie Reisepässen besondere Vorsicht geboten ist.
Der europäische Anbieter Planet Payment, heute Teil der Planet-Gruppe, betreibt keine allgemeine Verbraucher-App für Tax-Free-Erstattungen in Europa. Das ist keine technische Schwäche, sondern eine strategische und rechtliche Entscheidung.
Planet Payment arbeitet als B2B-Infrastrukturanbieter. Das Unternehmen stellt Zahlungs-, DCC- und Tax-Free-Systeme für Händler, Flughäfen, Banken und Behörden bereit. Die Interaktion mit Endkunden erfolgt entweder am Point of Sale, am Flughafen oder über formalisierte Online-Portale, nicht über eine universelle App mit Pass-Upload-Funktion für jedermann.
Der Grund ist einfach und zugleich heikel. Tax Free ist Steuerrecht. Die Prozesse sind national unterschiedlich geregelt, teils an Zollsysteme angebunden und rechtlich haftungsrelevant. Eine allgemeine App würde bedeuten, dass sensible Identitäts- und Steuerdaten dauerhaft auf Endgeräten und in App-Backends liegen würden – ein Risiko, das Planet Payment bewusst vermeidet.
Die gezeigten Screenshots aus dem Apple App Store zeigen die App „Planet Tax Free ME“, angeboten von Planet Tax Free L.L.C.. Bereits der Zusatz „ME“ und der Beschreibungstext machen deutlich, worum es tatsächlich geht. Die App richtet sich ausschließlich an Nutzer in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist Teil des dortigen Tourist Refund Scheme, das von der Federal Tax Authority (FTA) der UAE eingeführt wurde.
In der App-Beschreibung heißt es explizit, dass Planet Tax Free L.L.C. der exklusive Betreiber dieses Systems in den UAE ist und dass das Programm 2018 nach Einführung der 5-prozentigen Mehrwertsteuer gestartet wurde. Das ist ein regional begrenztes staatliches Verfahren – kein europäisches Planet-Payment-Produkt.
Für europäische Nutzer ist entscheidend:
Diese App ist nicht für Deutschland, Österreich, die Schweiz oder Luxemburg gedacht.
Sie ist nicht das digitale Gegenstück zu Planet Payment Europe.
Sie ist kein offizieller Kanal für europäische Tax-Free-Erstattungen.
Der Name „Planet“ ist international nicht exklusiv. In den UAE tritt Planet Tax Free L.L.C. als staatlich autorisierter Betreiber auf. In Europa hingegen agiert Planet Payment bzw. die Planet-Gruppe als privatwirtschaftlicher Zahlungs- und Tax-Free-Dienstleister mit völlig anderer Struktur.
Die Screenshots zeigen mehrere typische Warnsignale. Die App weist sehr wenige Bewertungen, eine extrem niedrige Durchschnittsbewertung von 1,0 Sternen und eine geringe Verbreitung auf. Solche Kennzahlen sind kein juristischer Beweis, aber ein starkes Indiz, dass es sich um eine regionale Spezialanwendung handelt und nicht um ein zentrales Produkt eines großen europäischen Payment-Anbieters.
Gerade bei sensiblen Finanz- oder Identitäts-Apps gilt: Relevante, offizielle Anwendungen großer Anbieter haben in der Regel hohe Downloadzahlen, viele Bewertungen und eine klare Zuordnung zur bekannten Unternehmensstruktur.
Das eigentliche Risiko liegt nicht darin, dass diese App per se betrügerisch wäre. Das Risiko liegt darin, dass Nutzer aus Europa dort Daten hochladen könnten, die für dieses System nie vorgesehen waren. Wer in einer solchen App Reisepassdaten, Fotos, Belege oder Zahlungsinformationen hinterlegt, gibt diese Daten einem fremden Rechtsraum preis, in diesem Fall den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit völlig anderen Datenschutz- und Haftungsregeln als in der EU.
Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem. Apps verlangen regelmäßig breite Zugriffsrechte, etwa auf Fotos, Kamera oder Dateien. Wer diese Rechte einmal vergibt, verliert schnell die Kontrolle darüber, welche Daten technisch zugänglich sind. In Kombination mit einer App, die nicht zum eigenen Steuer- oder Erstattungsfall passt, entsteht ein unnötiges Risiko.
Der App Store filtert nicht nach inhaltlicher Zuständigkeit, sondern nach Suchbegriffen. Wer „Planet Payment“ eingibt, erhält Apps, die das Wort „Planet“ tragen – unabhängig davon, ob sie funktional oder rechtlich passen.
Ein typisches Erkennungsmerkmal problematischer Treffer ist die geringe Verbreitung. Wenige Downloads, wenige Bewertungen, schlechte Bewertungen und unklare Anbieterangaben sind klare Hinweise darauf, dass es sich nicht um eine etablierte Kernanwendung handelt. Gerade bei Anwendungen, die mit Steuern, Geld oder Identitätsdokumenten arbeiten, sollte das ein Warnsignal sein.
Dass Planet Payment Europe keine allgemeine App anbietet, ist kein Mangel, sondern ein Schutzmechanismus. Der Anbieter zwingt Nutzer damit nicht, Reisepässe, Rechnungen und Steuerdaten auf privaten Endgeräten und in App-Backends zu hinterlegen, deren Zugriffsrechte und Datenflüsse kaum kontrollierbar sind.
Die Screenshots zeigen exemplarisch, wie schnell Nutzer durch Namensähnlichkeiten in die falsche Richtung gelenkt werden können. Wer Tax-Free-Erstattungen in Europa abwickelt, sollte sich immer fragen, ob eine App tatsächlich für das eigene Land, das eigene Verfahren und den eigenen Anbieter gedacht ist.
Im Zweifel gilt eine einfache Regel. Je sensibler die Daten, desto skeptischer sollte man gegenüber Apps mit geringer Verbreitung und unklarer Zuordnung sein. Manchmal ist der altmodische Weg ohne App der deutlich sicherere.
Serie
Teil 1: Planet Payment und der digitale Reisepass: Muss ich Angst haben, dass Hacker meinen Pass stehlen – und warum das eigentliche Risiko oft ganz woanders liegt