Teil 2 der Serie "Steuern zurückholen beim Einkauf im Ausland": Wer beim Tax-Free-Verfahren von Planet Payment den digitalen Weg wählt, stößt unweigerlich auf einen sensiblen Moment. Für die Identitätsprüfung wird häufig der Reisepass verlangt, der digital hochgeladen werden soll. Die Sorge liegt nahe: Was passiert mit dieser Passkopie? Können Hacker darauf zugreifen und mir schaden?
Die nüchterne Antwort lautet: Ein Restrisiko existiert, aber es wird häufig falsch verortet. Das größere Problem liegt weniger bei Planet Payment oder vergleichbaren Anbietern, sondern im alltäglichen Umgang mit Fotos auf privaten Geräten – insbesondere durch weitreichende Zugriffsberechtigungen von Apps, die viele Nutzer längst vergessen haben.
Zunächst zur Einordnung. Planet Payment nutzt den hochgeladenen Reisepass ausschließlich zweckgebunden zur steuerrechtlich vorgeschriebenen Identitäts- und Ausfuhrprüfung im Rahmen von Tax Free. Es geht nicht um Kundenprofile, nicht um Marketing, nicht um dauerhafte Identitätsverwaltung. Rechtlich handelt es sich um eine klar definierte Verarbeitung nach DSGVO, mit engen Zweckbindungen und dokumentierten Lösch- und Archivierungsfristen.
Planet Payment ist Teil eines regulierten Zahlungs- und Tax-Free-Konzerns. Entsprechend unterliegt das Unternehmen strengen Sicherheits-, Prüf- und Haftungsanforderungen, vergleichbar mit denen von Banken oder Zahlungsdienstleistern. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, gespeichert und nur für einen eng begrenzten Personenkreis zugänglich gemacht. Ein unkontrollierter Zugriff wäre nicht nur ein Imageschaden, sondern ein massives regulatorisches Problem.
So paradox es klingt: Das größere Risiko entsteht meist schon vor dem Upload. In dem Moment, in dem ein Nutzer seinen Reisepass fotografiert oder scannt, beginnt eine Kette von Datenvervielfältigungen, die sich kaum noch überblicken lässt.
Auf dem Smartphone landet das Passfoto zunächst in der Fotogalerie. Von dort wird es häufig automatisch in Cloud-Dienste synchronisiert, etwa in iCloud oder vergleichbare Backup-Systeme. Gleichzeitig existieren oft weitere Kopien in Gerätesicherungen, temporären Ordnern oder Vorschaudateien. Schon an dieser Stelle ist die Passkopie nicht mehr isoliert, sondern Teil eines komplexen Ökosystems.
Besonders kritisch sind die Zugriffsrechte von Apps, die viele Nutzer im Alltag großzügig vergeben und später nie wieder überprüfen. Zahlreiche Anwendungen verlangen Zugriff auf Fotos und Dateien – oft pauschal, oft dauerhaft.
Dazu gehören soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook oder TikTok, die für Uploads und Bearbeitungen Zugriff auf die Fotobibliothek anfordern. Hinzu kommen Messenger, Cloud-Tools, Bildbearbeitungs-Apps, aber auch völlig unerwartete Kategorien. In der Praxis fragen sogar ÖPNV-Apps, Ticketing-Systeme, Kartenanbieter, Banking- oder Identifikationsdienste teils umfassende Dateizugriffe ab, etwa für Beleg-Uploads, Profilbilder oder Dokumentennachweise.
Das Problem ist weniger, dass diese Apps per se bösartig wären. Das Problem ist, dass einmal erteilte Zugriffsrechte oft dauerhaft bestehen bleiben. Viele Nutzer wissen Jahre später nicht mehr, welche Anwendungen theoretisch Zugriff auf ihre komplette Fotobibliothek haben. Eine einzelne Sicherheitslücke, ein kompromittiertes Update oder ein fremder Zugriff auf das Nutzerkonto kann ausreichen, um sensible Bilder abzugreifen.
Genau hier liegt der strukturelle Unterschied zu professionellen Systemen. Ein Anbieter wie Planet Payment speichert ein Dokument isoliert, zweckgebunden und zeitlich begrenzt. Ein privates Smartphone hingegen verteilt dieselbe Datei potenziell auf Dutzende Apps und Dienste, ohne dass der Nutzer aktiv eingreift.
Selbst ein iPhone, das im Vergleich zu vielen anderen Geräten als sicher gilt, ist kein Garant für Datensparsamkeit. Die Gerätesicherheit ist hoch, doch das Ökosystem ist auf Komfort ausgelegt, nicht auf minimale Datenhaltung. Fotos werden standardmäßig synchronisiert, Backups erstellt, Wiederherstellungen ermöglicht. Nicht jede dieser Ebenen ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, nicht jede Kopie ist dem Nutzer bewusst.
Das bedeutet nicht, dass Apple unsicher wäre. Es bedeutet lediglich, dass Sicherheit und Kontrolle zwei unterschiedliche Dinge sind. Kontrolle über die Verbreitung einer Passkopie geht im privaten Alltag schnell verloren.
Auch hier lohnt Nüchternheit. Eine einzelne Passkopie reicht in der Regel nicht aus, um gravierende Schäden anzurichten. Konten, Kredite oder Verträge lassen sich damit allein meist nicht eröffnen. Gefährlich wird es erst, wenn Passdaten mit weiteren Informationen kombiniert werden, etwa Adressen, Geburtsdaten, Kontodaten oder kompromittierten E-Mail-Zugängen.
Genau deshalb ist das Risiko dort am höchsten, wo viele Daten zusammenlaufen – etwa auf privaten Geräten mit breiten App-Zugriffen, nicht in spezialisierten, isolierten Prüfprozessen.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Postweg plötzlich weniger rückständig, als er erscheint. Wer Originalunterlagen per Einschreiben versendet, erzeugt keine digitalen Kopien, keine Cloud-Synchronisationen und keine App-Zugriffe. Das Risiko beschränkt sich auf den Verlust des Umschlags, nicht auf eine langfristige digitale Verfügbarkeit sensibler Daten.
Der digitale Weg ist schneller und bequemer, verlangt aber bewusste Disziplin. Wer ihn nutzt, sollte Passfotos nach dem Upload konsequent löschen, Cloud-Synchronisationen kontrollieren und App-Berechtigungen regelmäßig überprüfen.
Die Frage, ob man Angst haben muss, lässt sich klar beantworten. Nein, Panik ist nicht angebracht. Planet Payment arbeitet als regulierter Anbieter mit professionellen Sicherheitsstandards. Ein gezielter Hackerangriff auf Tax-Free-Dokumente ist unwahrscheinlich.
Gleichzeitig gilt: Die größte Schwachstelle sitzt oft vor dem Bildschirm. Unkontrollierte App-Zugriffe, automatische Cloud-Backups und jahrelang nicht überprüfte Berechtigungen sind ein deutlich realeres Risiko als der Upload bei einem spezialisierten Zahlungsdienstleister.
Wer seinen Reisepass digital einreicht, sollte das bewusst tun. Nicht aus Angst vor Planet Payment, sondern aus Verständnis dafür, wie schnell sensible Dokumente im privaten digitalen Alltag ihre Kontrolle verlieren.
Serie zu Planet Payment
Teil 3:
Planet Payment bietet bewusst keine Endkunden-App für das IDent-Verfahren an