Gezielte Demütigung mit der Schere – wie Homosexuelle in manchen Barbier-Läden gezielt gedemütigt und gezielt verschnitten werden

„Das passiert ständig“ – lächeln und gezielt verschneiden - Es ist kein Gerücht, keine Übertreibung und kein missverstandenes Zitat. Was ein arabischer Barbier gegenüber NETZ-TRENDS.de schildert, ist eine bewusst eingesetzte Praxis der Diskriminierung – leise, schwer nachweisbar und gerade deshalb so wirksam. Homosexuelle Kunden, sagt er, würden in vielen Barbierläden absichtlich schlecht behandelt. Nicht offen, nicht mit Worten, sondern mit der Schere.

Dieses KI-Bild ist von Chat GPT erstellt und soll unterstreichen, was immer mal wieder bei Barbieren passiert, wenn der Kunde nicht gefällt.

„Das ist weit verbreitet“, sagt der Mann, wobei es auch von Region zu Region unterschiedlich sein könne. Und er sagt es ohne Zögern. Sobald man merke, dass jemand nicht verheiratet sei, vielleicht im Verdacht steht, schwul zu sein oder nicht in das klassische muslimische Männerbild passe, greife bei manchen Kollegen etwas anderes. Dann gehe es nicht mehr um einen Kunden, sondern um jemanden, den man nicht möchte. „Dann schneidet man eben schlecht“, sagt er. Absichtlich. Als Signal.

Ein Kollege habe ihm ausdrücklich zugestimmt, ein anderer ebenso. Keine Irritation, kein Widerspruch. „Das ist normal“, sei die Reaktion gewesen. Normal – im eigenen Umfeld, im eigenen moralischen Koordinatensystem.

Kein Einzelfall, sondern ein Muster

Der Barbier wehrt sich ausdrücklich dagegen, das Gesagte als Ausnahme darzustellen. „Ich kenne mehrere Kollegen – egal ob aus Deutschland oder der Schweiz oder Österreich –, die genau so handeln“, sagt er. Er spricht von wiederkehrenden Erfahrungen, nicht von Zufällen. Und er nennt keine exotischen Orte, sondern alltägliche Städte wie Berlin, Leipzig in Deutschland oder Zürich in der Schweiz. Unterschiedliche Länder, gleiche Mechanik.

Was ihn so sicher mache, sei die Übereinstimmung der Erzählungen. „Man redet darüber“, sagt er. „Das ist kein Geheimnis.“ Die Ablehnung werde nicht offen ausgesprochen, sondern handwerklich umgesetzt. Der schlechte Haarschnitt sei die perfekte Sanktion: öffentlich sichtbar, tagelang wirksam – und kaum beweisbar.

Die Schere als Machtinstrument

Besonders deutlich wird der Barbier, wenn er Missverständnisse ausräumt. „Das ist keine schlechte Laune und kein Versehen“, sagt er. „Das ist Absicht.“
Er beschreibt ein Zusammenspiel aus religiöser Prägung, patriarchalem Männerbild und gruppeninterner Bestätigung. „Man fühlt sich im Recht.“ Und man weiß, dass der Kunde wenig Möglichkeiten hat. Beschweren? Anzeigen? Beweisen? Kaum möglich.

Gerade diese Leisheit der Diskriminierung mache sie so effektiv. Kein Streit, kein Skandal – aber eine klare Botschaft: Du bist hier nicht willkommen.

Differenziert – aber nicht entschärft

Der Barbier selbst fordert eine präzise Differenzierung, ohne das Problem kleinzureden. Nicht jeder Laden funktioniere gleich. In manchen Barbierläden sei dieses Verhalten Teil der internen Kultur, eine unausgesprochene Policy. „Da weiß jeder, wie das läuft“, sagt er. Wer nicht ins Bild passe, werde nicht offen abgewiesen, aber auch nicht korrekt behandelt.

In anderen Läden hänge es stärker von der einzelnen Person ab. „Beim einen Kollegen trifft es zu, beim nächsten nicht“, sagt er. Für Betroffene bedeute das Glück oder Pech – je nachdem, wer gerade die Schere in der Hand hält. Genau das mache die Situation so unberechenbar.

Ein Kollege habe ihm diese Einschätzung bestätigt. Mal sei es Ladenkultur, mal individuelle Haltung – aber nie Zufall. „Es passiert regelmäßig“, sagt er.

Ein konkreter Ort, ein bekanntes Schweigen

Der Barbier bleibt nicht abstrakt. "In Leipzig, im Bereich der Jahnallee", gebe es einen Barbier, "der dafür berüchtigt sei“, sagt er. Der Name falle in Gesprächen unter Kollegen immer wieder – aber nie öffentlich. Man wisse, was dort passiere, und man wisse auch, warum bestimmte Kunden diesen Laden meiden.

Er spricht nicht von Hörensagen, sondern von szenebekanntem Wissen. „Das spricht sich rum“, sagt er. „Nicht offiziell, aber jeder weiß es.“ Dass er keinen Namen nennt, sei kein Zufall. „Sobald man Namen sagt, macht man sich angreifbar.“ Genau darauf setzten diese Strukturen: unterhalb der juristischen Schwelle, oberhalb jeder moralischen Grenze.

Kein Kulturargument, keine Ausrede

Weder Herkunft noch Religion noch persönliche Moralvorstellungen rechtfertigen dieses Verhalten. Wer in offenen Gesellschaften arbeitet, akzeptiert deren Grundwerte. Gleichbehandlung ist keine Verhandlungssache. Wer Homosexuelle bewusst schlecht behandelt, verhöhnt diese Werte – und nutzt die Grauzonen des Alltags aus.

Hinzu kommen zwei bis drei Kunden, die ihre Erfahrungen gegenüber NETZ-TRENDS.de geschildert haben – unabhängig voneinander, ohne Kenntnis der jeweils anderen Aussagen. Alle berichten von extrem verschnittenen Frisuren, so offensichtlich fehlerhaft, dass eine Erklärung über mangelnde Erfahrung oder einen schlechten Tag nicht mehr trägt. „Das war nicht einfach schlecht – das war gezielt zerstört“, sagt einer der Betroffenen. Ein anderer berichtet, er habe den Laden verlassen und sich noch am selben Tag von einem anderen Friseur korrigieren lassen müssen. Dessen Urteil sei eindeutig gewesen: „So schneidet niemand aus Versehen.“

Er räumt aber auch ein, dass ähnliches Verhalten ebenfalls gerne bei Kunden an den Tag gelegt werde, wenn man bei diesen den Eindruck habe, dass sie Geld hätten, also wohlhabend seien. Auch solche Kunden verschneide man des öfteren gerne mal vorsätzlich.

Das ist keine journalistische Zuspitzung und keine zugespitzte These. Es sind die Aussagen eines Insiders, gestützt durch zwei weitere Kollegen und mehrere Kunden, die exakt diese Erfahrungen gemacht haben. Was hier beschrieben wird, ist eine Praxis mit Vorsatz – eine Form der Diskriminierung, die bewusst eingesetzt wird, bewusst verletzt und gerade deshalb so lange funktioniert, weil sie leise bleibt, weil sie sich hinter Handwerk, Geschmack und Unschärfe versteckt.

Dass darüber gesprochen wird, ist längst überfällig.
Dass es klar benannt wird, ebenso.

Natürlich gibt es tausende Barbiere, die professionell arbeiten, niemanden ausgrenzen und solche Denkweisen ablehnen. Das ist unstrittig. Aber genau dieser Umstand darf nicht als Schutzschild missbraucht werden, um das Problem zu relativieren oder zu verschweigen. Die Existenz vieler Anständiger entkräftet nicht das Fehlverhalten der anderen – sie macht es im Gegenteil umso notwendiger, es offen zu benennen.

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