Der Ikarus-Komplex: Vom Aufstieg und Fall des Thomas Wagner. Eine investigative Analyse über Macht, Millionen und das tödliche Ende eines Internet-Imperiums. Wie Finanzierungslogik, Regulierung und Marktmechanik ein funktionierendes Asset in die Katastrophe führten
Die ökonomische DNA von Unister: Wachstum aus Cashflow – und seine Nebenwirkungen
Am 14. Juli 2016 um 10.16 Uhr startet am Flughafen Venedig ein einmotoriges Flugzeug des Typs Piper PA‑32R‑301T mit der US‑Registrierung N710CC in Richtung Leipzig. An Bord sitzen drei Passagiere und ein 73‑jähriger Pilot, „vsi štirje so bili nemški državljani“ (deutsch: „alle vier waren deutsche Staatsbürger“), wie das slowenische Nachrichtenportal 24ur.com im Artikel vom 08.10.2020, 18.25 Uhr berichtet. Keiner überlebt den fast senkrechten Einschlag nahe Predmeja bei Ajdovščina – „Nesreče nihče ni preživel, vzrok zanjo pa je bilo predvsem slabo vreme“ (deutsch: „Niemand hat den Unfall überlebt, Ursache war vor allem das schlechte Wetter“), fasst der Beitrag mit dem Titel „Končno poročilo o letalski nesreči pri Ajdovščini razkriva več nepravilnosti“ zusammen.24ur
Freunde und auch einige Journalisten sehen es aber anders: Sie gehen nach vor von einem Mordanschlag aus. Von einem perfide inszenierten Mord. Doch der Reihe nach, jetzt 10 Jahre nach den tragischen Ereignissen, die bis heute Nachbeben bei vielen haben.
Denn unter den Toten ist kein geringerer als der 38‑jährige Leipziger Unternehmer und Internet-Star Thomas Wagner, Gründer der Unister‑Gruppe, die mit Portalen wie Ab‑in‑den‑Urlaub.de, Fluege.de, Auto.de, Preisvergleich.de, News.de, Börsennews.de, Geld.de und Kredit.de einen der größten unabhängigen Online‑Reisekonzerne Deutschlands aufgebaut hatte. Die Tagesschau bezeichnete Unister rückblickend als „einen der größten Online‑Reiseanbieter in Deutschland“, der „mit aggressivem Online‑Marketing und umstrittenen Zusatzangeboten den Reisemarkt aufgemischt“ habe. Die Financial Times spricht vom „rise and tragic fall of [a] German internet star“.wikipedia+2
Die Mitteldeutsche Zeitung rekonstruiert in „Der Unister‑Krimi“, wie Thomas Wagner Anfang der 2000er‑Jahre in Leipzig mit einer kleinen Studentenplattform beginnt, sein BWL‑Studium abbricht und mit rund 40.000 Euro aus dem Freundeskreis ein wachsendes Netz von Webseiten primär im E-Commerce sehr erfolgreich aufbaut. Aus dem WG‑Zimmer entwickelt sich ein Konzern mit zeitweise bis zu 1.800 bis 2100 Mitarbeitern und Reisevolumen in Milliardenhöhe.tagesschau+2
Der Wikipedia‑Eintrag zu Unister listet mehr als 60 Portale aus den Bereichen Reise, Finanzen, Automobil, Vergleich und Nachrichten auf – darunter Ab‑in‑den‑Urlaub.de, bekannt durch Michael Ballack, Fluege.de, bekannt durch Reiner Calmund (Calli), Auto.de, Preisvergleich.de, News.de, Börsennews.de, Geld.de oder Kredit.de, aber auch pkv.de oder privaten-krankenversicherung.de. Die Tagesschau schreibt in „Unister‑Insolvenz: Eine mysteriöse Pleite und ihre Folgen“.
Ein Kern des Erfolgs sind Gattungsdomains. Die Welt zählt in „Online‑Portale: Die Machenschaften des Abzock‑Imperiums Unister“ Domains wie Ab‑in‑den‑Urlaub.de, Fluege.de, Shopping.de, News.de, Börsennews.de, Geld.de und Kredit.de auf und spricht von einem „Paket von Gattungsdomains“, das Wagner zusammengetragen habe. Der Tagesspiegel berichtet, Unister habe für Shopping.de rund 1,96 Millionen Euro bezahlt und die Domain Kredit.de sei 2008 für etwa 892.000 Euro verkauft worden – Rekordsummen für .de‑Adressen.welt
Die Financial Times beschreibt Unister hingegen als Deutschlands erfolgreichstes Unternehmens-Netzwerk von „travel and price‑comparison sites“, das mit Suchmaschinen‑Marketing und Affiliate‑Strömen zu „one of Germany’s biggest ecommerce groups“ geworden sei. Die Tagesschau der ARD wiederum sprach von einem Unternehmen, das „Reisen im Milliardenvolumen vermittelt“ habe.ft+1
Während in Berlin Modelle wie Rocket Internet Start‑ups mit massiven Venture‑Capital‑Runden und Konzernnetzwerken großziehen, bleibt Unister bewusst ohne dominanten Finanzinvestor. Das Gründungsportal Für‑Gründer.de beschreibt das Rocket‑Modell als Inkubator, der Kapital, Know‑how, Infrastruktur und internationale Netzwerke bündelt, die konkurrierenden Samwer‑Brüder setzten hingegen zielstrebig auf Venture Kapitalisierungsrunden, also Wachstumsgeldgeber. campaignlive
Unister geht aber seit Jahren konsequent einen anderen Weg. Spiegel Online schreibt nach dem Absturz in einem Hintergrundstück, der Konzern habe „einen Großteil seiner Einnahmen sofort wieder ins Marketing gesteckt“ – finanziert über laufende Cashflows und Kreditlinien. Also nicht über Milliarden-Investitionen durch Fonds. Große VC‑Investoren, Risikokapitalgeber oder ein Konzern als Anker fehlen.
Die ARD-Tagesschau berichtet, ebenso die Süddeutsche Zeitung, Unister habe nach eigenen Angaben mehrfach Millionenangebote potenzieller Investoren ausgeschlagen und sei damit bewusst unabhängig geblieben. Die Rede ist von Käuferangeboten die an die eine Milliarde Euro kratzten. Aber eben nur kratzen und nicht übersprangen, wie es der ostdeutsche Internetstar Thomas Wagner immer wollte.
Eine Start-Up-Konstruktion ohne große fremde Kapitelgeber verschafft maximale operative Freiheit, macht den Konzern aber auch abhängig von Banken, Versicherern und der laufenden Liquidität – ohne die Puffer, die große VC‑Geber oder Konzernmütter in Krisen oft bereitstellen.
Im Sommer 2012 kippt die mediale Wahrnehmung. Die Zeitschrift Computer Bild etikettiert Unister in Ausgabe 15/2012 in einem mehrseitigen Aufmacher-Artikel als „Deutschlands größtes Abzock‑Imperium“ und wirft dem Konzern „versteckte Gebühren, frei erfundene Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagene Service‑Gelder, Klick‑Fallen bei Urlaubsbuchungen und weitere Schwindelei“ vor. Die Welt übernimmt den Begriff „Abzock‑Imperium“ in ihrem Online‑Artikel „Die Machenschaften des Abzock‑Imperiums Unister“ und beschreibt detailliert, wie Serviceentgelte und Zusatzleistungen angeblich zu Mehrkosten für Kunden geführt hätten. Die Übernahme ist kein Wunder: Der Autor ist der gleiche wie im ComputerBild-Artikel.
Unister wehrt sich. Heise Online berichtet in „‚Computerbild‘ hält an Abzock‑Vorwürfen gegen Unister fest“, dass Unister beim Landgericht Leipzig eine einstweilige Verfügung beantragt. In „Verwirrung um Verbreitungsverbot der Computerbild“ zitiert Heise aus dem Beschluss (Az. 08 O 2057/12): die betroffene Ausgabe dürfe „in der bisherigen Version nicht mehr unverändert verbreitet werden“; vor allem eine Passage über angebliche Aktivitäten der Oberstaatsanwaltschaft Dresden muss geschwärzt werden.heise
Heise stellt zugleich klar, dass aber einige wichtige inhaltlichen Vorwürfe – etwa zu versteckten Gebühren – durch den Beschluss nicht untersagt worden seien. Die Ausgabe bleibe im Handel, nur der erwähnte Satz zur Staatsanwaltschaft dürfe nicht in neuer Auflage verbreitet werden. Dieses Spannungsfeld – kritische Berichte, teilweiser rechtlicher Erfolg, aber keine Rehabilitierung im öffentlichen Bild – verstärkt das Bild eines Unternehmens, das sich mit Medien und Behörden anlegt. Dennoch erreicht Unister für die ComputerBild bei einigen Pressegrossisten gemäß der Rechtslage ein Vertriebsstopp. Denn die Zeitschrift, die es damals noch auf eine Millionenauflage brachte, durfte auf einen Antrag von Unister in unveränderter Form nicht weiter vertrieben werden.
Den kritischen und von vielen als überzogen angesehenen Medienberichten folgen auf dem Fuß im Dezember 2012 strafrechtliche Probleme. Laut Medienberichten, u. a. im DER SPIEGEL oder in der ARD-Tagesschau, durchsuchte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden Räume der Unister‑Gruppe, wie später bekannt wird, mit fast 130 Ermittlern, lässt drei Spitzen-Manager, darunter Gründer Thomas Wagner, kurzfristig festnehmen und ermittelt wegen angeblich unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften und angeblicher Steuerhinterziehung. Im Fokus: die Zusatzprodukte „Stornoschutz“ (bei Hotelbuchungen) und „Flexifly“ (bei Flügen), mit denen Kunden gegen Aufpreis verbesserte Storno‑ bzw. Umbuchungsoptionen erhalten.spiegel+3
Die nach Ansicht von Insidern „fanatisch“ ermittelnden Dresdner Staatsanwälte Andreas Günthel und Dr. Dirk Reuter von der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen und ihrer politischen Antikorruptionseinheit INES (Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen) sehen in diesen Produkten Versicherungen, die einer Erlaubnis der BaFin bedurft hätten, außerdem den Vorwurf nicht abgeführter Versicherungs‑ und Umsatzsteuer in Millionenhöhe. Die Tagesschau fasst 2016 zusammen, man werfe Unister vor, „ohne BaFin‑Erlaubnis Versicherungsgeschäfte betrieben“ und „im großen Stil Steuern hinterzogen“ zu haben. Auch die BIlD und Hunderte andere Medien berichten ausführlich. Wagner ist auf der Seite 1 der BILD.
Die Ermittler waren morgens um 9 Uhr bei Wagner in Leipzig Gohlis in seiner kleinen 70 Qudratmeter-Wohnung aufgetaucht, wobei Staatsanwalt Günthel, so erzählt es Wagner später Insidern, gesagt haben soll: Unten warte ein grünes Wägelchen auf ihn. Dann habe eine Irrfahrt in einem Gefangenenwagen der Staatsanwaltschaft durch Deutschland stattgefunden. Wagner bezeichnete Günthel gegenüber Vertrauten als "hoch narzisstisch" und damit seiner Einschätzung nach "als sehr gefährlich". Damit sollte er Recht behalten.
Parallel waren 130 Ermittler in den Morgenstunden bei Unister eingelaufen und hatten das Unternehemn besetzt. Bei Unister wusste man bis zum späten Abend nicht mal wo Wagner war. Die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Angaben gemacht. Der Gründer war wie vom Erdboden verschluckt. „Uns einnerte das an Vorgehen in China“, sagt ein enger Wagner-Freund.
Es folgten drei weitere Razzien - wie Wagner empfand, "überwiegend aus Willkür". Die Staatsanwälte hätten auch Dinge beschlagnahmt, Festplatten, für die sie gar keine Untersuchungsbeschlüsse hatten. Stoppen ließen sich die Staatsanwälte vor Ort trotz Einwände nicht. "Sie meinten arrogant, sie nähmen erstmal alles mit, auch alles an Festpllatten, man finde da dann schon noch weitere Beweise".
Unister zieht mehrere spezialisierte Kanzleien hinzu. Nach Insider-Angaben kostet die Strafrechts-Verteidigung am Ende alle Beteiligten um die zwei Millionen Euro. Die Gründer hatten nicht einmal eine Geschäftsführer-Versicherung abgeschlossen. Wagner hatte sich das aus Kostengründen sparen wollen.
Eine zentrale Rolle spielt die Kieler/Hamburger/Berliner Sozietät Wiegert Werner Partner Partnerschaft mbB Rechtsanwälte Notare Complianceberater (LegalNord). In einer 268‑seitigen Verteidigungsschrift vom 14. April 2015 vertreten Dr. Ingmar Werner, Ulf Dresenkamp, Martina Botz und Franziska Titz die UNISTER GmbH als Verfallsbeteiligte im Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft Dresden (Az. 391 Js 5713/13).
Die Schrift beantragt, das Verfahren auszusetzen und dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorzulegen, ob § 140 VAG (Strafvorschrift zum unerlaubten Versicherungsgeschäft) mit Art. 103 Abs. 2 GG (Bestimmtheitsgrundsatz) und Art. 20 Abs. 3 GG vereinbar ist. Der Begriff „Versicherungsgeschäft“ sei so offen, dass „Tragweite und Anwendungsbereich“ für Normadressaten wie Unister nicht vorhersehbar gewesen seien; eine Konkretisierung habe nur durch verwaltungsgerichtliche, nicht durch strafgerichtliche Rechtsprechung stattgefunden.
Zu Flexifly argumentierte die Verteidigung von Unister: Flexifly sei ein Umbuchungsservice gewesen, bei dem die Leistungspflicht allein von der Entscheidung des Kunden, umzubuchen, abhing – nicht vom Eintritt eines zufälligen Ereignisses; das versicherungstypische „aleatorische Moment“ habe gefehlt. Das Produkt sei nicht nach dem „Gesetz der großen Zahl“ kalkuliert worden, sondern „allein auf Grundlage von Splittests“ mit dem Ziel, die höchstmögliche Prämie zu verlangen – ein versicherungsfremder Ansatz.
Flexifly sei ausschließlich in Verbindung mit Flugbuchungen über Unister‑Portale angeboten worden und daher eine unselbständige Nebenabrede zum Reisevermittlungsvertrag; die Umsätze hätten nur einen einstelligen Prozentsatz des Gesamtumsatzes ausgemacht.
Zu Stornoschutz verweist die Verteidigung auf ein Negativtestat des früheren Bundesaufsichtsamts für das Versicherungswesen (BAV) vom 20. März 2002 zum Vorgängerprodukt „Stornoservice“ der Klasen Consulting GmbH, die Unister später für kolportierte 11 Millionen gekauft hatte. Das damalige Bafin-Schreiben an die Klasen Consulting (kurz-mal-weg.de) habe den Stornoservice ausdrücklich als nicht genehmigungspflichtige Nebenabrede eingestuft; nach der Übernahme der Klasen‑Gesellschaft habe Unister das Produkt mit nur marginalen Änderungen fortgeführt, man habe daher auf die Rechtmäßigkeit vertrauen dürfen.
Im Steuerkomplex trägt die Verteidigung vor, dass auf Flexifly‑Einnahmen Umsatzsteuer abgeführt worden sei; im Fall einer Versicherungsqualifikation wäre diese mit der etwaig geschuldeten Versicherungssteuer zu verrechnen, das steuerliche Kompensationsverbot greife wegen Identität des Sachverhalts nicht. Der von der sächsischen Staatsanwaltschaft behauptete Steuerschaden von knapp 1,3 Millionen Euro sei tatsächlich deutlich niedriger. Insider sagen: Die Generalstaatsanwaltschaft habe angeblich extra die Millionen zusammenbekommen wollen, um vorm Amtsgericht eine U-Haft beantragen zu können. Die Staatsanwälte weisen das später zurück.
Parallel vertritt Rechtsanwalt Sewtz von der Kanzlei Zwanzig Hacke Meilke & Partner (Leipzig) Thomas Wagner persönlich. In einer „Zurückweisung der Vorwürfe“ vom 28. Januar 2016 hebt er hervor, Wagner habe sich auf das BAV‑Negativtestat, auf die Einschätzung der internen Rechtsabteilung und auf Chefjustitiar Mirko Richter verlassen; selbst die BaFin habe trotz Kenntnis über Jahre keine klare Untersagungsverfügung zu Stornoschutz und Flexifly erlassen.
In einem weiteren Schriftsatz vom 1. Februar 2016 beziffert Sewtz den durch das Strafverfahren verursachten Schaden für die Unister‑Gruppe – u. a. gekündigte Verträge, entfallene Produkte, abgesagte Investoren‑Deals, gekappte Kreditlinien – mit rund 43,5 Millionen Euro. Er spricht von einer existenzbedrohenden Wirkung des Verfahrens und deutet an, das Ganze sei ursprünglich auf Betreiben eines konkurrierenden Anwalts und „weiterer Akteure“ angestoßen worden. Man droht dem Land Sachsen mit Schadenersatzforderungen wegen der als überzogen eingestuften Ermittlungsverfahren. Zu diesem Zeitpunkt hat Wagner noch sechs Monate zu leben.
Bis zur Razzia am 11. Dezember 2012 galt die Unister Holding GmbH als ein außergewöhnlich cashflow-starker Internetkonzern mit Milliarden-Umsätzen bei bis zu 2 Millionen Reisekunden jährlich, der seine Expansion weitgehend aus dem operativen Geschäft finanzierte. Bankfinanzierung spielte – gemessen an der Unternehmensgröße – eine überraschend kleine Rolle. Im Kern existierte ein Konsortialkredit, der im Schreiben der Banken später ausdrücklich als „Kreditvertrag vom 28. November 2011“ bezeichnet wird. Die Summe wird dort als Gesamtbetrag von ursprünglich 28.000.000 Euro ausgewiesen.

Ab dem Moment der Razzia in jener legendären Adventswoche des 11. Dezember 2012 ist das Unternehmen Unister zwar formal nicht verurteilt, aber im Kapitalmarkt bereits „gebranntmarkt“: Kreditkomitees, Risikoabteilungen und Vertragspartner stellen plötzlich Fragen, die vorher nicht gestellt wurden – und sie stellen sie mit Fristen.
Ökonomisch entscheidend für Unister war weniger die Existenz des 28 Millionen Euro-Kredits als der Schock, den eine Razzia im Finanzierungssystem auslösen kann.
Nur zehn Tage nach der Razzia, am 21.12.2012, erhielt die Unister Holding GmbH in Leipzig ein Schreiben, das die finanzielle Normalität formal beendete.
Absender war: UniCredit Luxembourg S.A.
2, boulevard Konrad Adenauer, L-2180 Luxembourg
Boîte postale 493, L-2989 Luxembourg
Telefon +352 4272-1, Fax +352 4272-4500
Adressat war: Unister Holding GmbH – Geschäftsführung –
Barfußgäßchen 11, D-04109 Leipzig
Fax +49 341 49288 59
Im Briefkopf wird als Ansprechpartnerin benannt: Sarah M., mit einer Telefon-Durchwahl (im Dokument ausgewiesen). Der Brief nimmt Bezug auf die vorangegangene Korrespondenz, insbesondere auf ein Schreiben vom 19.12.2012, auf das Auszahlungsverlangen vom 20.12.2012 sowie auf eine „formale Waiveranfrage“.
Inhaltlich ist der Einstieg eine klare Zäsur. Die Banken schreiben wörtlich:
„Die aktuelle Entwicklung Ihrer Unternehmensgruppe sowie die aus unserer Sicht unzureichende Kommunikation mit dem Konsortium führen zu einer deutlichen Einschränkung der Vertrauensbasis.“
Es folgt die Feststellung, dass sich aus den Vorgängen nach Einschätzung der Banken Verletzungen konkreter Vertragsziffern ergeben könnten; weitere Prüfungen würden ausdrücklich vorbehalten.
Entscheidend ist dann die Konstruktion der Schonfrist, die im Ergebnis ein Vier-Wochen-Ultimatum darstellt. Das Konsortium erklärt sich bereit, „bis zum 28.01.2013 keine Rechte herzuleiten“ und „zum 28.12.2012 eine erneute Ziehung“ zuzulassen.
Diese Duldung wird an Bedingungen geknüpft, darunter die Vorlage einer Legal Opinion bis 23.01.2013 zu zentralen Vorwürfen (u. a. unerlaubte Ausübung des Versicherungsgeschäfts, Nichtabführung von Versicherungssteuer, Datensicherheit).
Der Brief wird dort besonders brisant, wo die Banken die Managementfrage ausdrücklich schriftlich fixieren. Sie halten fest, dass Thomas Wagner in der Telefonkonferenz vom 20.12.2012 als „vertrauensbildende Maßnahme“ nicht nur vorgeschlagen habe, das Management um einen erfahrenen CRO/CFO zu erweitern, sondern „als Signal nach außen“ auch bereit sei, sich selbst aus der Geschäftsführung zurückzuziehen.
Unmittelbar danach bieten die Banken an, bei der Suche nach einem (Interims)Management zu unterstützen – und nennen drei konkrete, „im Bankenkreis abgestimmte“ Vorschläge inklusive Ansprechpartnern, Anschriften, Telefon und E-Mail:
Management Link GmbH – Ansprechpartner: Herr Christoph Burk
Nymphenburger Straße 21, 80335 München
Noerr Consulting AG – Ansprechpartner: Herr Thomas Gole (so im Dokument ausgewiesen), Charlottenstraße 57, 10117 Berlin
Roland Berger Strategy Consultants GmbH – Ansprechpartner: Herr Klaus Kremers
Alt-Moabit 101b, 10559 Berlin
In dieser Kombination – Vertrauensentzug, Vertragsverletzungsprüfung, Vier-Wochen-Schonfrist, Legal-Opinion-Pflicht und faktische Einmischung in die Geschäftsführung – liegt der strukturelle Bruch. Es ist der Moment, in dem aus einer Kreditbeziehung ein Machtverhältnis wird.
Nach allem, was aus der späteren Entwicklung ablesbar ist, war der Kredit ab diesem Zeitpunkt zwar nicht automatisch beendet, aber er wurde politisch und psychologisch unter Vorbehalt gestellt. Für Dritte ist ein solcher Brief ein Signal: Hier ist ein Unternehmen, bei dem selbst die eigenen Banken Vertrauen nur noch befristet gewähren. Der Zugang zu klassischer Finanzierung wird in so einem Umfeld nicht größer, sondern kleiner.
Warum Thomas Wagner das Bankenkonsortium loswerden wollte, über welchen Kanal der Versicherer aus Hamburg ins Spiel kam – und welche Rollen Politik und Leipziger Akteure spielten
Der Weihnachtsbrief des Bankenkonsortiums vom 21. Dezember 2012 markierte für Thomas Wagner den endgültigen Bruch mit der Vorstellung, Unister könne künftig noch wie ein normaler Kreditnehmer behandelt werden. Die beteiligten Banken – UniCredit/HypoVereinsbank, Leipziger Sparkasse und Commerzbank – hatten darin nicht nur eine befristete Schonfrist eingeräumt, sondern zugleich einen Vertrauensentzug, die Prüfung möglicher Vertragsverletzungen sowie konkrete Governance-Eingriffe dokumentiert. Dass das Konsortium sogar namentlich Interims-Geschäftsführer vorschlug, machte deutlich, dass die Finanzierung in eine Kontrollbeziehung überzugehen drohte.
Für Wagner bedeutete das eine "strukturelle Erpressbarkeit", wie er einem engen Freund, der als Führungskraft bei ihm arbeitete, mehrmals geschockt sagte. Solange mehrere Banken gemeinsam agierten, konnte jede weitere Eskalation – ein kritischer Presseartikel, politische Nachfragen, neue Ermittlungsaspekte – eine Kettenreaktion auslösen. Wagner ging davon aus, dass dieser Zustand nicht vorübergehend, sondern dauerhaft sein würde. Die strategische Konsequenz lautete daher: Das Bankenkonsortium musste vollständig abgelöst werden.
Vor diesem Hintergrund suchte Wagner gezielt nach nicht-banklichen Finanzierungspartnern. Ein Verkauf des Unternehmens kam für ihn nicht in Frage, obgleich Angebote in Höhe von fast einer Milliarden Euro vorlagen. Zu groß war sein Selbstverständnis als Gründer, zu sehr identifizierte er sich mit der täglichen operativen Arbeit und dem Ausbau neuer Projekte.
Innerhalb des Unternehmens reifte deshalb ein anderer Gedanke: Versicherungen folgen anderen Logiken als Banken. Sie sind weniger von kurzfristigen Refinanzierungszyklen abhängig, bewerten Sicherheiten langfristiger und reagieren – zumindest zunächst – weniger reflexhaft auf einzelne Ermittlungsereignisse. Für Wagner versprach ein Versicherer vor allem Stabilität und eine Reduktion der Akteure: ein Gläubiger statt drei Banken.
Nach übereinstimmenden Darstellungen aus dem Umfeld von Unister kam der Kontakt zur Hanse Merkur nicht über klassische Finanzvermittler zustande, sondern über eine bestehende operative Schnittstelle: den Unister-Ableger Geld.de. Das Portal bewegte sich seit Jahren im Versicherungs- und Finanzvergleichsumfeld und war damit ein natürlicher Andockpunkt für Versicherer. Wagner verkaufte Geld.de im zeitlichen Umfeld dieser Vorgänge später für rund 12 Millionen Euro.
Im Zusammenhang mit dem Hanse-Merkur-Engagement wird Dirk Westermann, damaliger Geschäftsführer von Geld.de, als zentraler Kontaktkanal genannt. Aus dem Unister-Umfeld heißt es, dass über diese bestehende Geschäftsbeziehung Gespräche angebahnt wurden. Westermann verfügte über umfangreiche Branchenkenntnisse; zuvor war er Landes-Regionaldirektor bei Signal Iduna gewesen. Entscheidend für Wagner war die Einordnung: Er suchte keine Ergänzung, sondern einen Ersatz für das Bankenkonsortium.
Aus Wagners Sicht bot der Kredit der Hanse Merkur genau das, was die Banken nicht mehr boten: Zeit ohne Ultimaten. Der Deal sollte das Konsortium vollständig überflüssig machen. Deshalb wurde er in einer Größenordnung verhandelt, die eine Ablösung erlaubte; Insider sprechen von einem Kreditvolumen von rund 50 Millionen Euro.
Intern wurde diese Lösung als Befreiung wahrgenommen. Sie beendete den Zustand permanenter Unsicherheit und stellte die finanzielle Handlungsfähigkeit vorübergehend wieder her. Die Abhängigkeit verschwand jedoch nicht, sie konzentrierte sich – von drei Banken auf einen Versicherer.
Parallel zu diesen finanziellen Weichenstellungen blieb die Causa Unister politisch präsent. Unter Führung von Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke im Sächsischen Landtag von 2012 bis 2024, stellte die Linksfraktion mehrere Kleine Anfragen zu den Unister-Ermittlungen. Organisiert wurde dies ab 2012 maßgeblich über den Leipziger Landtagsabgeordneten Dr. Volker Külow, der sich früh öffentlich und intern mit Unister befasste. Ziel war es, Transparenz über den Stand der Verfahren und das Handeln der Behörden herzustellen.
Auch wenn die Antworten erwartungsgemäß begrenzt blieben, trugen diese Anfragen dazu bei, dass der Fall dauerhaft parlamentarisch begleitet wurde – ein zusätzlicher Faktor im öffentlichen Druckraum. Gebhardt stattete mit Teilen seiner Fraktion dem damaligen Unister-Kommunikationschef auch einen Besuch im Leipziger Barfußgässchen ab. Man werde die Sache weiter begleiten, hieße es, worüber man sich bei UNISTER freute.
Politisches Geleit wusste man in der Krise zu schätzen. Nicht umsonst dockte später der ehemalige Thüringer Regierungssprecher Peter Zimmermann als Geschäftsführer an, "der aber de Fakto neben Wagner nicht sehr viel zu sagen hatte", meint ein Insider rückblickend. Er sollte nach Wagners Vorstellungen unter anderem den amtierenden Kommunikationschef und sein Team beraten, was intern aber nicht immer als ganz einfach angesehen wurde, da jede Seite ihre eigenen Vorstellungen hatte und Wagner wollte, dass beide möglichst gut zusammenarbeiteten.
Derweil dockten immer mehr bis dahin operativ nicht in Erscheinung getretene Personen bei Unister auf. Dazu gehörte auch der Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel, der sich gerne auf Golf Charities feiern lässt.
Bereits im Dezember 2014 habe Wagner nach Darstellung der Leipziger Volkszeitung den Kontakt zu dem Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel gesucht. Göpel, Gründer der GRK Holding, galt als enger Vertrauter von Daniel Kirchhof, dem langjährigen Finanzverantwortlichen und Gesellschafter von Unister. Kirchhof spielte über Jahre eine zentrale Rolle in der Holding-Struktur und bei finanziellen Entscheidungen.
Wagner soll Göpel einen konkreten Vorschlag unterbreitet haben: Für einen kurzfristigen Kredit über vier Millionen Euro sei er bereit, Zinsen in Höhe von einer Million Euro zu zahlen. Göpel erhielt sein Kapital zuzüglich Zinsen zurück und wurde über seine Opus 30 Vermögensverwaltung zeitweise mit fünf Prozent Gesellschafter der Unister-Holding. Wagner sprach später von Wucherzinsen, unterlag jedoch vor Gericht und musste zahlen. Dieser Einstieg wurde später wieder rückabgewickelt.
Für die Einordnung ist entscheidend: Göpel trat nicht als operativer Entscheider auf und übernahm keine Managementfunktion – das soll auch ausdrücklich Wagners Willen entsprochen haben. Seine Rolle beschränkte sich auf die eines kurzfristigen externen Kreditgebers im niedrigen Millionenbereich. Dass Wagner nach der Auseinandersetzung um die Rückzahlungsmodalitäten und die Beteiligung erklärte, mit Göpel keine weiteren Geschäfte mehr machen zu wollen, unterstreicht die Zerrüttung der Finanzbeziehungen.
Der Göpel-Kredit war damit kein Ausreißer, sondern Ausdruck eines Systems, in dem Unister bereits vor dem Hanse-Merkur-Engagement Liquidität zunehmend über persönliche Netzwerke und teure Zwischenlösungen organisieren musste. Intern soll Wagner Göpel böse beschimpft haben, wird bis heute bei Unister-Nachfolgeunternehmen gesagt.
Der entscheidende Nachteil der Versicherungslösung zeigte sich, als das Engagement öffentlich problematisiert wurde. Mit dem prominent platzierten Handelsblatt-Artikel von Heinz-Roger Dohms („Unruhe bei Hanse Merkur – Millionenkredit an Portalbetreiber Unister wackelt“, 29. Oktober 2015) änderte sich die Wahrnehmung schlagartig. Für einen Versicherer ist ein öffentlich diskutiertes, potenziell haftungsrelevantes Kreditengagement etwas grundlegend anderes als eine diskrete strategische Partnerschaft. Die interne Neubewertung führte schließlich zur Fälligstellung des 50 Millionen Euro-Kredits im November 2015. In der Unister-Geschäftsführung brach Panik aus. Gleichzeitig ärgerte man sich, da immer wieder internas aus der Buchhaltung dem Handelsblatt zugespielt worden waren. Auch war ein eigener Anwalt der Rechtsabteilung zur Generalstaatsanwaltschaft als "Kronzeuge" übergelaufen. Er war Mitglied der SPD und schrieb sich vertrauliche Mails mit einem "Genossen"-Staatsanwalt in Bezug zu Unister.
Dass Peter Ludwig, der damalige rührige und erfolgreiche Hanse-Merkur-Vorstand, der als Architekt des Unister-Deals gilt, den Versicherer in dieser Phase plötzlich verlassen musste (offiziell wurde das so nie gesagt, aber unter vorgehaltener Hand), wurde als deutliches Signal gewertet, dass sich die Haltung im Konzern geändert hatte. Für Wagner brach damit die letzte stabile Finanzierungsoption jenseits einer kompletten Verkaufs-Option weg, die er nach vor kritisch bis ablehend sah. Er wollte seinen Königs-Thron nicht verlassen. Weggefährten sahen ihn auch nach wie vor sehr gerne dort, da sie auch viel Spaß in der Zusammenarbeit mit dem brillianten Internetgenie Wagner hatten.
Im April 2016, nur wenige Monate vor dem Sommer 2016, dokumentierte der Versicherungsbote im Beitrag „Hanse Merkur: Alles toll, Schweigen zu Unister“ eine auffällige Schere zwischen Rekordkommunikation und Schweigen zum Unister-Kredit. Die Hanse Merkur meldete für 2015 einen Überschussanstieg von 51 auf 62 Millionen Euro, Beitragseinnahmen von über zwei Milliarden Euro und Wachstum in mehreren Sparten – äußerte sich jedoch nicht zu dem medial begleiteten millionenschweren Darlehen. Das zeigte vor allem eins: Die Hanse Merkur stand wirtschaftlich nicht mit dem Rücken zur Wand. Das Schweigen war Strategie, nicht Notwehr. Nur Unister hatte man mit der kurzfristig gezogenen tatsächlichen Fälligstellung der gesamten Kreditsumme in Höhe von fast 50 Millionen Euro gehörig unter Druck und ins Straucheln gebracht.
Nach der Fälligstellung brachte Wagner in wenigen Wochen rund 15 Millionen Euro auf, die er an die HanseMerkur überwies, um Zeit zu gewinnen. Nach übereinstimmenden Darstellungen aus dem Umfeld gelang dies nur durch das Bündeln interner Liquidität: Kassenbestände, Zahlungsströme, eingefrorene Budgets und verschobene Ausgaben. Es war ein Zeitkauf, kein Befreiungsschlag. Rund 35 Millionen Euro blieben bis zu seinem Tod im Juli 2016 offen.
Parallel verschärfte sich der operative Druck. Der Focus berichtete nach dem Absturz im Juli 2016, Unister habe rund zehn Millionen Euro an offenen Forderungen bei Google gehabt – ein Hinweis darauf, wie stark Performance-Traffic und Marketingkosten die Liquidität zusätzlich belasteten. In dieser Lage genügt oft ein weiterer externer Impuls, um die Situation insolvenzrechtlich kippen zu lassen. Allerdings sahen und sehen Unister-Mitarbeiter das bis heute als relativ an: In Spitzenmonaten hatte Unister leicht über 12 Millionen Euro monatlich an Google überwiesen, übers Jahr bis zu 150 Millionen Euro – und das weit über 10 Jahre hinweg. Wir reden also über Milliardenbeträge, die an Google geflossen sein dürften über die Jahre. Unister gehörte global zu den Top-Google-Spendern. Hinzu kamen jährlich geschätzte 25 bis 35 Millionen Euro Nettowerbeaufwendungen für die RTL Group oder zuvor die Sat.1 Group, mit denen man lange Zeit sehr gut zusammenarbeitete.
Die Tragik des 14. Juli 2016 lässt sich heute, zehn Jahre später, in einer unerbittlichen Zahl beziffern: 240 Millionen Euro. Dies ist kein theoretischer Wert aus verstaubten Akten, sondern der reale Preis, den die polnische WP Holding (Wirtualna Polska) im April 2025 für die eine Übernahme der Invia Group – den technologischen Kern des alten Unister-Reisereichs – zahlte. Es ist der ultimative Beweis dafür, dass Thomas Wagner auf einem massiven digitalen Schatz saß, während er für ein Phantom-Darlehen von 15 Millionen Euro sein Leben riskierte.
Bereits ein Jahr vor dem Absturz war die Stimmung vergiftet. Unter dem Titel „Ab in den Irrsinn“ konstatierten die SPIEGEL-Autoren Isabell Hülsen, Martin U. Müller und Marcel Rosenbach im Juni 2015 treffend: „Nun zerlegt sich die Firma selbst, ihre Eigentümer sind heillos zerstritten.“ Die Autoren beschrieben ein Klima des Misstrauens, das Wagner in die Isolation trieb. Genau diese Isolation wurde zur tödlichen Falle, als die HanseMerkur den Druck erhöhte und die Politik versuchte, das „ostdeutsche Leuchtturmprojekt“ zu retten.
Schon vor dem HanseMerkur-Debakel, direkt nach der legendären Razzia im Leipziger Barfußgässchen und in Außenbüros von Unister suchten im Jahr 2013 die Leipziger Stadträte Reiner Engelmann und Dr. Volker Külow (DIE LINKE) im ehrlichen Bemühen um den Standort nach Auswegen.
Auch drei Jahre später, im Januar 2016, aktivierte Külow wieder ein Leipziger Netzwerk, dieses Mal zum Immobilienunternehmer Oliver Bechstedt, der Wagner proaktiv Unterstützung bei der Kapitalsuche anbot, um aus dem HanseMerkur-Desaster herauszukommen.
Doch hier geschah der entscheidende, tragische Bruch: Wagners ehemaliger Kommunikationschef warnte seinen Chef und engen Freund Wagner explizit. Er könne die Seriosität neuer genannten angeblicher möglicher Finanz-Kanäle um Unternehmer Bechstedt nicht einschätzen und mahnte zur Vorsicht; lediglich ein erstes Sondierungsgespräch mit Bechstedt sei oberflächlich gut verlaufen. Von den weiteren Kontakten, die sich im Hintergrund anbahnten, ahnte er nichts.
Getrieben von der Angst vor dem Verlust seines Lebenswerks und der Hoffnung auf Rettung und zeitnahe Ablösung der HanseMerkur, ignorierte Wagner die Warnung eines seiner treuesten Weggefährten. Über Bechstedt und Karsten Keune gelangte der fast schon erstaunlich naiv agierende Wagner an den Finanzvermittler Heinz-Horst Beck und schließlich an den verurteilten Betrüger Wilfried Schwätter, der das Phantom Levy Vass inszenierte: Ein angeblicher israelischer Milliardär und Diamentenhändler, ein Strolch, der nach Zeugen-Beobachtungen möglicherweise ein Roma, Kroate oder Serbe sei, der mit gefälschten Pässen seine dubiosen Deals eintütete.
Die ökonomische Bilanz zum Zeitpunkt des Absturzes entlarvt die Panik am Boden heute als historischen Fehler.
Nur 72 Stunden nach Wagners Tod peitschten Gesellschafter und Berater den Konkurs durch - gegen den Willen des ehemaligen Finanzchefs Daniel Kirchhofs und des von Wagner ebenfalls geschassten Unister-Co-Geschäftsführer Andreas Prokop, der bei Unister einen sehr guten Job gemacht hatte, wie Vertraute bestätigen. Die beiden hatten am Tag des Absturzes, den ehemligen Kommunikationschef von Unister überzeugt, umgehend aus Karlsruhe nach Leipzig zu fliegen, um einen Konkurs abzuwenden. Doch auch ihm war das nicht gelungen. Zu groß war der Hass zwischen den überlebenden Gesellschaftern. Einer davon, Christian Schilling, hatte immerhin seinen Zwillingsbruder Oliver Schilling in dem Flugzeug verloren. Oliver war gerade erst Papa geworden. Eine emotionale Katastrophe verbreitete sich bei Unister ohnegleichen. Man war komplett überfordert. Kannte sich weder im Strafrecht aus, noch im Umgang mit Kanzleien, geschweige denn Strafrechtlern.
Thomas Wagner starb im verzweifelten Versuch, 15 Millionen Euro zu erhalten, um den HanseMerkur-Kredit zeitnah weiter abbauen zu können, während er auf einem Imperium saß, das auch ein Jahrzehnt später noch hunderte Millionen wert war. Denn in 2025 war unter anderem das Unister-Reiseflaggschiff ab-in-denurlaub.de für über 240 Millionen Euro nach Polen an die WP Holding verkauft worden. Der Beweis, wie werthaltig Unister auch zum Zeitpunkt des Konkures am Ende doch noch war. Der kaufpreis aus der Insolvenzmasse hatte gerade einmal bei viel zu wenigen 80 bis 100 Millionen Euro gelegen. Kein schlechter Gewinn in nur 10 Jahren - und das fast ohne groß investiertes Geld ins Marketing, mit dem weiteres Wachstum möglich gewesen wäre.
Die sächsische Generalstaatsanwaltschaf, die Wagner in die Enge getrieben hatte, hat bis heute keine Spur von Levy Vass gefunden und das, obwohl es Stimmenaufzeichnungen und Filmaufnahme von ihm gibt, ebenso eine Zeugin, die angeboten hatte, dass sie eine Phantombildzeichner zur Verfügung stehe.
Das Fazit bleibt bitter: Ein technologisches Leuchtturmprojekt wurde für ein Phantom geopfert, weil man einem Visionär den Zugang zum legalen Kapitalmarkt versperrt hatte und seine engsten Vertrauten in der Stunde der Not als unwissende Türöffnern für das Verbrechen missbraucht wurden.
Ein Aspekt, der in der Rückschau auf den Fall Unister und den Tod von Thomas Wagner nicht ausgeblendet werden kann, ist die frühe und ungewöhnlich scharfe Kritik aus der überregionalen Wirtschaftspresse an dem Vorgehen der sächsischen Justiz. Am 5. Januar 2013 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) einen bemerkenswerten Beitrag, in dem sie die Unister-Razzia vom 11. Dezember 2012 sowie die anschließenden Maßnahmen ausdrücklich als „unverhältnismäßig“ einordnete.
Die FAZ kritisierte dabei insbesondere das „Vorpreschen der Staatsanwaltschaft“, das in dieser Form vom Oberlandesgericht Dresden abgesegnet worden sei, ebenso wie den Einsatz der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES). Diese sächsische Sondereinheit, in der laut FAZ Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte zusammenarbeiten, war bereits zuvor wegen ihres Vorgehens in Wirtschaftsverfahren in die Kritik geraten. Im Fall Unister habe sich diese Kritik nach Auffassung der FAZ in besonderer Weise verdichtet.
Konkret beanstandete die Zeitung nicht nur den Umfang der Razzia, bei der nach Medienangaben rund 130 Beamte eingesetzt wurden, sondern auch die mehrtägige Untersuchungshaft von drei Unister-Top-Managern, die teilweise sogar über die Weihnachtstage hinweg im rund 110 Kilometer entfernten Dresden vollzogen wurde. Die FAZ stellte dabei die Frage, warum eine Inhaftierung nicht auch am Firmensitz in Leipzig hätte erfolgen können, und problematisierte ausdrücklich die Erschwerung des Zugangs zu Anwälten und Angehörigen, die mit der Verlegung nach Dresden verbunden war.
Besonders bemerkenswert ist die steuerrechtliche Einordnung, die die FAZ in diesem Zusammenhang vornahm. In ihrem Beitrag führte sie aus, dass Unister seinen Stornoschutz nicht als Versicherungsleistung betrachtet habe und deshalb keine Versicherungssteuer abgeführt habe – stattdessen jedoch Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent an das Finanzamt gezahlt worden sei. Wörtlich argumentierte die Zeitung, selbst wenn man unterstelle, dass die rechtliche Einordnung der Strafverfolger zutreffe – was zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich noch offen gewesen sei –, hätte sich der tatsächliche fiskalische Schaden allenfalls auf die Vorsteuer beschränkt, die bei der Umsatzsteuer verrechenbar ist, nicht jedoch auf eine vollständig entgangene Steuer in Millionenhöhe.
Damit stellte die FAZ nicht nur die Dimension der Vorwürfe, sondern auch die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten strafprozessualen Mittel infrage. In der Gesamtschau, so das Fazit der Zeitung, habe das Vorgehen der sächsischen Justiz Unister erheblich in Misskredit gebracht, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine gerichtliche Klärung der zentralen Rechtsfragen vorgelegen habe.
Diese frühe und ungewöhnlich deutliche Kritik aus dem führenden deutschen Wirtschaftsfeuilleton bildet rückblickend einen wichtigen Kontrapunkt zu der späteren Eskalationskette. Sie macht deutlich, dass der Fall Unister von Beginn an nicht nur eine Frage möglicher Rechtsverstöße, sondern auch eine Debatte über Maß, Wirkung und Folgeschäden staatlichen Handelns war – gerade gegenüber einem Unternehmen, das mit zeitweise rund 1.900 Mitarbeitenden zu den größten privaten Arbeitgebern Ostdeutschlands zählte.
Zehn Jahre nach dem Absturz von Ajdovščina bleibt damit nicht nur die Erinnerung an einen tödlichen Flug, einen gescheiterten Rettungsversuch und ein zerschlagenes Unternehmen. Offen bleibt auch die grundsätzliche Frage, ob die frühe Eskalation – rechtlich zulässig oder nicht – ökonomisch, gesellschaftlich und letztlich auch menschlich verhältnismäßig war. Der Fall Thomas Wagner und Unister ist damit nicht nur eine Geschichte über unternehmerischen Aufstieg und Fall, sondern auch ein Lehrstück über die Macht von Ermittlungen, die Wirkung öffentlicher Vorwürfe und die Fragilität komplexer Finanzierungsmodelle, wenn Vertrauen einmal zerstört ist.
Der Artikel „Končno poročilo o letalski nesreči pri Ajdovščini razkriva več nepravilnosti“ (deutsch: „Der Abschlussbericht zum Flugzeugabsturz bei Ajdovščina offenbart mehrere Unregelmäßigkeiten“) fasst am 08.10.2020 den Bericht der Služba za preiskovanje letalskih, pomorskih in železniških nesreč in incidentov zusammen.24ur
Flugweg und Funkverkehr:
Start Venedig, 14.07.2016, 10.16 Uhr, Ziel Leipzig – „14. julija 2016 ob 10.16 so pilot in trije potniki vzleteli z letališča v Benetkah, cilj pa je bilo letališče v Leipzigu“ (deutsch: „am 14. Juli 2016 um 10.16 starteten der Pilot und drei Passagiere vom Flughafen in Venedig, Ziel war der Flughafen Leipzig“).24ur
Der Pilot meldet den Flug nach IFR‑Regeln an, der Flugplan wird an die KZPS übermittelt, die slowenische Flugsicherung übernimmt das Flugzeug um 10.45 Uhr.24ur
Bereits beim Eintritt in den slowenischen Luftraum weicht die Route vom Plan ab: „Že pri vstopu je bilo prvo odstopanje od prijavljenega načrta poleta, saj je pot odstopala“ (deutsch: „Schon beim Eintritt gab es die erste Abweichung vom angemeldeten Flugplan, da die Route abwich“).24ur
Auf Nachfrage erklärt der Pilot, er weiche einem Vereisungsgebiet aus: „73-letni pilot sporočil, da se je izogibal območju zaledenitve“ (deutsch: „der 73‑jährige Pilot teilte mit, dass er einem Vereisungsgebiet ausgewichen sei“).24ur
Als die Piper die freigegebene Höhe überschreitet, fordert der Controller zur Kontrolle der Flughöhe auf: „Preveriti vaš nivo leta, meni kaže indikacijo nivoja leta na 135 (13500 čevljev)“ (deutsch: „Überprüfen Sie Ihre Flughöhe, mir zeigt es Flugniveau 135 an“). Der Pilot antwortet: „ok, malo se bomo spustili, a imamo težave z zaledenitvijo, tako da če bi bilo možno, bi ostali na tem nivoju še nekaj časa“ (deutsch: „okay, wir werden uns etwas senken, aber wir haben Probleme mit Vereisung, sodass wir, wenn möglich, noch einige Zeit auf diesem Niveau bleiben möchten“).24ur
Um 10.52 Uhr folgt der letzte Funkspruch: „Mayday, mayday“ – danach verlieren die Controller den Kontakt.24ur
Die Untersuchung beschreibt das Wetter als „nestanovitno“ (unbeständig). Auf der Route von Venedig nach Slowenien gab es „nekaj nizke oblačnosti“ (etwas tiefe Bewölkung), über Südwest‑Slowenien bildeten sich konvektive Wolken, die Sicht war durch „padavine in oblake močno zmanjšana“ (Niederschläge und Wolken stark reduziert). Die Temperatur lag oberhalb von etwa 2.700 Metern unter dem Gefrierpunkt; in kräftigen Schauern konnte sich die Vereisungsgrenze nochmals absenken.24ur
Im Luftraum herrschten Bedingungen, die „ugodni pogoji za nastanek zmernih do močnih vertikalnih gibanj, zmerne do močne turbulence in zmernih do močnih zaledenitev na višinah med 8500 do 20.000 čevljev (2600–6100 metrov)“ boten (deutsch: „günstige Bedingungen für das Auftreten mäßiger bis starker vertikaler Bewegungen, mäßiger bis starker Turbulenzen und mäßiger bis starker Vereisungen in Höhen zwischen 8.500 und 20.000 Fuß (2.600–6.100 Meter)“).24ur
Die Kommission formuliert: „Meteorološke razmere (pojav zaledenitev) v času dogodka niso bile primerne za let z v nesreči udeleženim letalom“ (deutsch: „Die meteorologischen Bedingungen (Auftreten von Vereisung) zum Zeitpunkt des Ereignisses waren nicht geeignet für einen Flug mit dem am Unfall beteiligten Flugzeug“). Ein anderer Satz bringt es auf den Punkt: „Najverjetnejši ‘krivec’ je bilo vreme“ (deutsch: „Der wahrscheinlichste ‘Schuldige’ war das Wetter“).24ur
Während der letzten Sekunden sinkt die Piper mit einer extrem hohen Rate: „letalo se je spuščalo s precej konstantno hitrostjo 8000 čevljev na minuto (2440 metrov na minuto, normalna hitrost spuščanja bi bila nekje med 500 do 1000 čevljev na minuto)“ (deutsch: „das Flugzeug sank mit einer ziemlich konstanten Geschwindigkeit von 8.000 Fuß pro Minute (2.440 Meter pro Minute, die normale Sinkrate würde irgendwo zwischen 500 und 1.000 Fuß pro Minute liegen)“). Bei 5.500 Fuß (etwa 1.680 Meter) verlieren die Controller den Radarkontakt: „na višini 5500 čevljev … so na kontroli izgubili radarski stik z letalom“.24ur
Am Boden finden Ermittler den Rumpf in einem Radius von nur 5 bis 7 Metern um den Einschlag – „Trup letala so našli v ozkem radiju od pet do sedem metrov od trka“ –, die Spuren zeigen, dass die Maschine „skoraj pod kotom 90 stopinj“ (fast im 90‑Grad‑Winkel) aufgeschlagen ist.24ur
Auffällig: „A horizontalnega stabilizatorja letala na tem mestu ni bilo, to je verjetno odpadlo oziroma ‘popustilo’ pred trkom“ (deutsch: „Doch der horizontale Stabilizer des Flugzeugs befand sich an dieser Stelle nicht, er war wahrscheinlich vor dem Aufprall abgefallen bzw. gebrochen“). Das Höhenleitwerk wird „približno en kilometer jugozahodno od mesta trka letala“ – etwa einen Kilometer südwestlich – gefunden, zwei Monate später taucht noch ein kleineres Fragment desselben Stabilizers auf.24ur
In der metallurgischen Analyse heißt es, dass der horizontale Stabilizer durch „nekaj izmeničnih upogibnih obremenitev … pri katerih so napetosti presegale napetost tečenja“ versagt habe, was als „nizkociklično utrujanje (ang: low cycle fatigue)“ (Niedrigzyklusermüdung) beschrieben wird. Die Ermittler führen dies auf einen dynamischen, aeroelastischen Vorgang zurück, „flater“ (engl. flutter), ausgelöst durch vereiste und blockierte Ruderflächen, die plötzlich wieder in den Luftstrom geraten.24ur
Damit legt der Bericht nahe: Weil das Höhenleitwerk rund 1.000 Meter vom fast senkrecht eingeschlagenen Rumpf entfernt gefunden wurde und das Flugzeug kurz zuvor in rund 3.000–4.000 Metern Höhe unterwegs war, muss die Struktur bereits in größerer Höhe vor dem Einschlag versagt haben.24ur
Der Bericht vermerkt, dass der Pilot zwar IFR‑berechtigt und erfahren war, aber „po 65. letu starosti naj ne bi letel kot pilot v komercialnem zračnem prometu“ (deutsch: „nach dem 65. Lebensjahr nicht mehr als Pilot im kommerziellen Luftverkehr fliegen sollte“) – er führte den Flug jedoch „proti plačilu“ (gegen Bezahlung) aus, stellte also eine Rechnung. Zudem habe die Piper keinen Enteisungs‑/Anti‑Icing‑Zulassungsstatus für Flüge in solchen Vereisungsbedingungen gehabt („Piper PA‑32R‑301T … tega sistema ni imel in tako ne bi smel leteti v takšnih razmerah“ – deutsch: „… hatte dieses System nicht und hätte daher in solchen Bedingungen nicht fliegen dürfen“).24ur
In der Nähe der Unfallstelle kursierten zunächst Gerüchte über einen „Koffer mit Millionen“, doch 24ur zitiert die Polizei: Am Ort sei kein solcher Koffer gefunden worden, sondern ein Rucksack mit Dokumenten und knapp 10.000 Schweizer Franken (zum Teil wohl Falschgeld); die slowenische Polizei bestätigt, der 38‑jährige Deutsche sei zuvor in Italien „domnevno oškodovan za večjo vsoto denarja“ (deutsch: „mutmaßlich um einen größeren Geldbetrag geschädigt worden“) – ein klarer Verweis auf den Rip‑Deal in Venedig.24ur
User1538643: „Lep izčrpen članek. Škoda, da so padli le en, ali dva km razdalje od najbližjega letališča v Ajdovščini“ (deutsch: „Ein schöner, ausführlicher Artikel. Schade, dass sie nur ein oder zwei Kilometer von der nächsten Landebahn in Ajdovščina entfernt abgestürzt sind“).24ur
VAREN: „Najlažje je napisat krivo vreme. Pilot bi se lahko izognil temu območju ... Starček ni več obvladal razmer“ (deutsch: „Am einfachsten ist es, das Wetter verantwortlich zu machen. Der Pilot hätte diesem Gebiet ausweichen können … Der alte Mann hatte die Lage nicht mehr im Griff“).24ur
lord94: „Tale članek je pa tko ko uno na NG. Pohvalno“ (deutsch: „Dieser Artikel ist wie einer bei National Geographic. Lobenswert“), während olidata daran erinnert: „To niso pripravili novinarji. To je poročilo komisije“ (deutsch: „Das wurde nicht von Journalisten geschrieben. Das ist ein Bericht der Kommission“).24ur
Nur wenige Tage nach dem Absturz meldet Unister Insolvenz an. Die Tagesschau berichtet in „Nach Flugzeugabsturz des Gründers: Unister meldet Insolvenz an“ am 18.07.2016, mehrere Gesellschaften hätten beim Amtsgericht Leipzig Insolvenzanträge gestellt; der Betrieb der Portale solle zunächst weiterlaufen.tagesschau
Ende 2016 wird die Reisesparte mit Portalen wie Ab‑in‑den‑Urlaub.de und Fluege.de an die tschechische Invia‑Gruppe verkauft; Medien berichten von einem Kaufpreis im unteren zweistelligen Millionenbereich. Später kündigt die polnische WP Holding S.A. an, die Invia‑Gruppe für „nearly EUR 240 million“ zu übernehmen – ein Hinweis darauf, welchen Wert die ehemaligen Unister‑Assets im Verbund haben.zeit+2
Dem gegenüber stehen die von RA Sewtz bezifferten Schäden von rund 43,5 Millionen Euro durch Strafverfahren, Produktverbote, Kreditkündigungen und geplatzte Deals, die nach seiner Darstellung maßgeblich mit dem Dresdner Verfahren zusammenhängen.ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws
Der Fall Unister zeigt in einer Linie:
Aufstieg: Ein eigenständig aufgebauter Online‑Konzern, der mit starken Domains, aggressivem Marketing und einer Mischung aus Reise‑, Finanz‑ und Vergleichsportalen vom Osten Deutschlands aus zu einem der größten Player im europäischen E‑Commerce wird.ft+2
Angriff: Medienberichte über ein „Abzock‑Imperium“, strafrechtliche Ermittlungen wegen Versicherungsgeschäften und Steuern, Diskussionen mit der BaFin, ein langwieriger, umstrittener Strafrechtskomplex mit § 140 VAG, in dem Verteidiger wie Dr. Ingmar Werner, Ulf Dresenkamp, Martina Botz, Franziska Titz, Sewtz und Mirko Richter auf unklare Normen, BAV‑Negativtestate und fehlenden Vorsatz verweisen.ppl-ai-file-upload.s3.amazonaws+2
Krise: Wegfall der Zusatzprodukte, gekappte Kreditlinien, Rückzug von Geschäftspartnern, ein verzweifelter Versuch, über einen 15‑Mio‑Euro‑Kredit in Venedig frisches Geld zu beschaffen – und ein Rip‑Deal, bei dem 1,5 Millionen Euro in bar Thonas Wagner gestohlen wurden.
Quellen u.a.:
https://de.wikipedia.org/wiki/Unister
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unister-hintergrund-101.html
https://www.ft.com/content/e47a376e-5f04-11e6-ae3f-77baadeb1c93
https://app.insolvenz-portal.de/Nachrichten/tagesschau_-unister-schlug-millionen_angebote-aus/13629
https://www.heise.de/news/Verwirrung-um-Verbreitungsverbot-der-Computerbild-1634261.html
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unister-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-betrugs-a-1104338.html
https://www.stern.de/wirtschaft/news/unister-thomas-wagner-rip-dealer-6974326.html
https://www.spiegel.de/spiegel/unister-taeuscher-levy-vass-prellte-wohl-auch-andere-a-1109661.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unister-insolvenz-101.html
https://www.golem.de/news/unister-travel-ab-in-den-urlaub-de-verkauft-1612-125242.html