Der Schweizer Messenger Wire existiert seit mehr als einem Jahrzehnt, war lange ein Nischenprodukt für Nutzer und Organisationen, die erhoffen, mit solchen Messengern möglicherweise mehr Sicherheit zu haben – und rückt seit 2024 deutlich stärker in den Fokus. Grund dafür ist eine strategische Partnerschaft mit der Schwarz Gruppe, der Holding hinter Lidl und Kaufland, inklusive einer wahrscheinlich deutlichen Minderheitsbeteiligung von eben dieser an Wire. Damit rückte Wire in einen größeren wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Kontext. NETZ-TRENDS.de schaut sich das Konstrukt hier etwas näher an.
Wire wurde 2014 in der Schweiz gegründet, obwohl das Gründerteam nicht aus der Schweiz stammte. Die Entscheidung für den Standort ist öffentlich nicht detailliert begründet worden. Sie dürfte jedoch – wie bei international aufgestellten Technologieunternehmen üblich – aus einer Kombination rechtlicher, organisatorischer und strategischer Erwägungen getroffen worden sein. Unabhängig davon war Wire von Beginn an international ausgerichtet und nicht als national begrenztes Projekt konzipiert.
Operativ aufgebaut worden sei Wire von einem Gründerteam aus drei Co-Gründern: Jonathan Christensen, Priidu Zilmer und Alan Duric. Christensen sei zuvor unter anderem bei Skype sowie später bei Microsoft tätig gewesen und habe dort Erfahrungen im Bereich digitaler Kommunikationsprodukte gesammelt. Zilmer und Duric seien ebenfalls aus dem technischen Umfeld gekommen und maßgeblich an der technischen Ausrichtung des Messengers beteiligt gewesen. Gemeinsam habe das Gründerteam Wire von Beginn an als Ende-zu-Ende-verschlüsselte Alternative zu etablierten Messaging-Diensten positionieren wollen.
Operativ wird Wire inzwischen von einer Doppelspitze geführt. Die Geschäftsführung wirkt für ein mittelständisches IT-Unternehmen durchaus etwas schillernd. An der Spitze steht der Franzose Benjamin François Schilz (Benjamin Schilz). Co-Geschäftsführerin ist die Schweizerin Pierrine Auberson, die nach Angaben in ihrem LinkedIn-Profil an der Ecole Hôtelière de Lausanne ausgebildet wurde.
Wie der berufliche Übergang von der Hotellerie in die IT konkret verlaufen ist, konnte NETZ-TRENDS nicht näher nachvollziehen. Ohne an dieser Stelle vertieft auf die Ausbildungsstätte der Co-Geschäftsführerin einzugehen, ist diese Konstellation dennoch einige Zeilen wert – nicht zuletzt, weil sie für ein technologiegetriebenes IT-Sicherheits-Unternehmen etwas ungewöhnlich ist.
Die Ecole Hôtelière de Lausanne beschreibt sich selbst als „weltweit führende“ Hotelfachschule und verweist zudem darauf, die älteste Institution dieser Art zu sein. Diese Selbsteinordnung ist Teil der öffentlichen Kommunikation der Hochschule. Ob und in welchem Umfang sich dieser Anspruch jedoch messbar auf das Niveau der Schweizer Hotellerie und Gastronomie auswirkt, lässt sich nicht eindeutig belegen.
In der Praxis berichten Gäste und Branchenbeobachter immer wieder von uneinheitlichen Serviceerfahrungen in Schweizer Hotels, unabhängig von Kategorie oder Preissegment. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem internationalen Renommee der Hochschule und der flächendeckenden Servicequalität im Land ist daraus jedoch nicht ableitbar. Der hohe Anspruch der Ausbildung und die heterogene Realität im Hotelalltag stehen damit nicht zwingend in einem kausalen Verhältnis, sondern bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen.
Schilz war vor seiner Tätigkeit bei Wire als Unternehmer in kleineren IT-Start-Ups tätig und prägt heute die strategische Außendarstellung des Unternehmens.
Im Frühjahr 2024 gab Wire eine strategische Partnerschaft mit der Schwarz Gruppe bekannt, der Holding hinter Lidl und Kaufland. Nach Angaben der Unternehmen beteiligte sich die Schwarz Gruppe im Rahmen einer Finanzierungsrunde an Wire. Grund: Man wollte den Messenger und die Microsoft-Teams-Erweiterung innerhalb der Unternehmensgruppe weiter einsetzen und gemeinsam weiterentwickeln. Konkrete Angaben zur Höhe, Struktur oder zum Einfluss dieser Beteiligung wurden bislang nicht veröffentlicht. Allerdings dürfte es sich, nimmt NETZ-TRENDS an, eher um eine Minderheitsbeteiligung handeln, um intern im Informationsloop zu bleiben.
Die operative Umsetzung der Zusammenarbeit erfolgt über die Digitalsparte Schwarz Digits. Vorgesehen ist, Wire künftig als „Wire on STACKIT“ anzubieten, also auf der Cloud-Infrastruktur der Schwarz Gruppe. Nach Unternehmensangaben befinden sich die STACKIT-Rechenzentren in Deutschland und Österreich.
Parallel richtet Schwarz Digits eigene Strukturen neu aus. Der zur Schwarz Gruppe gehörende Digitaldienstleister mmmake, zuletzt mit rund 350 Mitarbeitern, wird organisatorisch aufgeteilt. Teile der Belegschaft wechseln in Cloud- und IT-Einheiten der Gruppe, während das externe Agenturgeschäft eigenständig fortgeführt wird.
Mit der Beteiligung der Schwarz Gruppe ist Wire Teil einer öffentlich kommunizierten Kooperation mit einem der größten Handels- und IT-Unternehmen Europas. In diesem Zusammenhang wird auch die öffentliche Selbstdarstellung der Unternehmensführung relevanter.
In Profilen und Artikeln ist bei Benjamin François Schilz von „orchestrierten M&A-Transaktionen im Technologiesektor“ die Rede. Betrachtet man die öffentlich bekannten und konkret benennbaren Vorgänge, erweist sich der Umfang dieser Orchestrierung jedoch als überschaubar.
Nach extern zugänglichen Informationen bezieht sich diese Erfahrung vor allem auf die Fusion des Cybersecurity-Start-ups Acorus Networks mit dem US-Unternehmen Volterra im Jahr 2019. Acorus Networks wurde 2016 gegründet, beschäftigte zum Zeitpunkt der Transaktion rund 21 Mitarbeiter und hatte zuvor etwa 5 Millionen Euro Venture Capital aufgenommen. Volterra war ein junges Unternehmen im Bereich Edge Computing, das laut damaligen Angaben 25 Millionen US-Dollar Finanzierung erhalten hatte. Durch den Zusammenschluss entstand eine Organisation mit rund 100 Mitarbeitern.
In der Folge wurde Volterra vom US-Technologieunternehmen F5 Networks übernommen. Schilz war dort anschließend als Vice President tätig – ein im Technologiesektor gängiges Vorgehen, bei dem Gründer oder Führungskräfte nach einer Übernahme für eine Übergangszeit im Unternehmen verbleiben, um Integration und Wissenstransfer zu unterstützen.
F5 Networks wurde 1996 gegründet, hat seinen Sitz in Seattle, beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 2,7 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich damit um einen international tätigen, aber im Vergleich zu großen Plattformkonzernen ebenfalls einen überschaubaren Anbieter im Bereich Netzwerk- und Anwendungssicherheit.
Wire selbst finanziere sich "hauptsächlich über erweiterte, kostenpflichtige Versionen für Teams und Unternehmen (seit 2017), da es sich als sichere Alternative zu populären Messengern" positioniere, schreibt mobilsicher.de.
Der Einsatz alternativer Messenger-Lösungen, die höheren Datenschutz gewährleisten als WhatsApp oder Snapchat ist in Konzernen und größeren Organisationen unumgünglich. Neben Wire hätten hierfür auch Signal oder Threema in Betracht kommen können, die im Unternehmens-, Behörden- und Gesundheitsumfeld regelmäßig als datenschutzorientierte Kommunikationslösungen für Mitarbeiter oder Teams diskutiert werden.
Besondere Bedeutung gewinnt die Wahl des Kommunikationsmittels dort, wo Organisationen zur sogenannten Kritischen Infrastruktur (KRITIS) zählen. Als Kritische Infrastruktur (KRITIS) gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Einrichtungen und Systeme, deren Ausfall oder erhebliche Beeinträchtigung die Versorgungssicherheit, öffentliche Ordnung oder das Gemeinwesen gefährden würde. Dazu zählen – jeweils abhängig von Größe und Versorgungsrelevanz – unter anderem große Krankenhäuser, Energie- und Wasserversorger, Telekommunikationsnetze, Transport- und Verkehrssysteme, Finanz- und Versicherungswesen sowie IT- und Cloud-Dienste. Die Einstufung ist gesetzlich geregelt und an konkrete Schwellenwerte gebunden.
Unabhängig von der formalen Einstufung verarbeiten viele Organisationen hochsensible personenbezogene und betriebliche Daten. In Krankenhäusern betrifft dies insbesondere Gesundheits- und Patientendaten, in Behörden große Mengen vertraulicher Informationen, die ausdrücklich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. In der Industrie wiederum steht der Schutz vor Wissensabfluss und Industriespionage im Mittelpunkt.
Gerade hier zeigt sich, dass Deutschland seit Jahren strukturelle Schwächen im Umgang mit strategischem Know-how offenbart. Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes studieren derzeit rund 44.000 chinesische Staatsangehörige an deutschen Hochschulen, darunter mehr als 20.000 in ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Das Studium ist in vielen Fällen kostenfrei oder stark subventioniert.
Diese Offenheit ist wissenschaftspolitisch gewollt, wirft jedoch zugleich sicherheits- und industriepolitische Fragen auf – insbesondere dann, wenn erworbenes Wissen nahezu unmittelbar in Staaten mit staatlich gelenkter Industriepolitik transferiert wird. Parallel dazu haben deutsche Unternehmen in der Vergangenheit umfangreiche Technologiepartnerschaften in China aufgebaut, teils unter Bedingungen, die Beteiligungen staatlicher oder staatsnaher Akteure einschlossen.
Das Ergebnis ist heute sichtbar: Abhängigkeiten, Wissensverluste und ein verschärfter Wettbewerb, insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie. Während Unternehmen und ganze Branchen unter Druck geraten, bleibt die politische Debatte über Wissensschutz, strategische Technologiehoheit und den Umgang mit sensiblen Daten auffällig zurückhaltend. Man lässt es laufen, während China massenhaft deutsche an den Unis abgeschaute Ingenieurskunst verwendet, um die deutsche Industrie zu zerlegen und Produkte nachzubauen und zu verbessern.
Der Bedarf nach vertraulichen, kontrollierbaren und nachvollziehbaren Kommunikationswegen ist in der Industrie verständlich. Das ist aber angesichts des massenhaften Wissens-Klaus an deutschen Hochschulen vor allem durch chinesische kommunistisch-sozialistische Kader-Studenten und Studentinnen des Regimes in Peking auch etwas absurd. Das gleiche gilt für MS Teams - sicher sein kann wohl kein Unternehmen, dass das alles datenschutzrechtlich immer sicher ist. Deshalb haben vor allem viele deutsche Mittelständler auch lange gezögert ihre Kommunikation auf Microsoft Teams umzustellen. Erst Corona zwang ihren Widerstand in die Knie.
Im Bereich des Datenschutzes von Messengern wird Telegram häufig zurückhaltender bewertet. Zwar bietet der Dienst Verschlüsselungsmechanismen, diese gelten jedoch nicht standardmäßig für alle Kommunikationsformen. Die regulären Einzel- und Gruppenchats sind nicht durchgehend Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Eine solche Verschlüsselung kommt bei Telegram nur dann zum Einsatz, wenn Nutzer aktiv einen sogenannten „Geheimen Chat“ starten.
Diese Funktion ist über das Kontaktprofil erreichbar. Dort lässt sich über das Optionsmenü – erkennbar an den drei vertikal angeordneten Punkten (Drei-Punkte-Menü) oben rechts – die Option „Geheimen Chat starten“ auswählen. Erfolgt diese Auswahl nicht, findet die Kommunikation im regulären Chatmodus statt, der anderen technischen Rahmenbedingungen unterliegt.
Hinzu kommt, dass Telegram auch über eine Web-Oberfläche im Browser nutzbar ist, etwa über web.telegram.org und das weltweit. Dadurch können Chats auf mehreren Endpunkten global parallel synchronisiert werden. Gelangt ein Dritter (ein Hacker) unbefugt an aktive Sitzungsdaten oder Zugangsinformationen – etwa durch kompromittierte Geräte oder unzureichend geschützte Logins – kann er theoretisch zeitgleich auf laufende Kommunikation zugreifen, ohne dass dies zwingend auf dem Smartphone des Nutzers unmittelbar sichtbar wird. Geheimdienste, Staatsanwaltschaften, Polizeibehörden dürften hier zu den ungebetenen Stammkunden im Hintergrund gehören, die heimlich mitlesen.
Und für Gesundheitseinrichtunge, die für ihre Mitarbeiter nach Kommunikationslösen auf dem Smartphone suchen, so gilt: In Deutschland ist der Austausch von Patientendaten über die üblichen Smartphone-Messenger im Krankenhausalltag in der Regel unzulässig. Gesundheitsdaten gelten nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) als besonders schützenswerte personenbezogene Daten. Ihre Verarbeitung setzt zugelassene IT-Systeme, dokumentierte Prozesse und technisch besonders abgesicherte Kommunikationswege voraus. Viele Krankenhäuser untersagen daher die Nutzung privater Messenger für dienstliche Zwecke ausdrücklich.
Verstöße können aufsichtsrechtliche Maßnahmen, Bußgelder, arbeitsrechtliche Konsequenzen und zivilrechtliche Haftungsfragen nach sich ziehen. International bestehen jedoch abweichende Regelungen, sodass der Umgang mit Messenger-Diensten im Krankenhausalltag nicht weltweit einheitlich geregelt ist.
Messenger im Vergleich - eine subjektive Bewertung von NETZ-TRENDS.de ohne Anspruch auf eine generelle Aussage zu den Messengern. Es spiegelt unser Wissen wider.
Legende:
★★★★★ = sehr hoch | ★★★★☆ = hoch | ★★★☆☆ = mittel | ★★☆☆☆ = niedrig | ★☆☆☆☆ = sehr niedrig
| Messenger | Sitz / Rechtsraum | Datenschutz (Sterne) | Trustworthy Background* | Eigentümer / Finanzierung |
|---|---|---|---|---|
| Wire | Schweiz | ★★★★★ | ★★★★☆ | Privat, B2B-Lizenzen |
| Signal | USA | ★★★★☆ | ★★★★☆ | Stiftung, Spenden |
| Threema | Schweiz | ★★★★★ | ★★★★★ | Privat, Kauf-App |
| Telegram | VAE / wechselnd | ★★★☆☆ | ★★☆☆☆ | Privat, intransparent |
| USA | ★★☆☆☆ | ★☆☆☆☆ | Meta (werbefinanziert) | |
| iMessage | USA | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | Apple, Geräte-Ökosystem |
| Session | Australien | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | Open Source, Community |
* Dies Erhebung ist subjetiv von NETZ-TRENDS.de. Die Unternehmen selbst mögen ihre Messenger anders beurteilen. Jeder kann in den Kommentarzeilen gerne seine Bewertung abgeben. Wir haben bewertet: Transparenz, Eigentümerstruktur, Geschäftsmodell und rechtliche Einordnung, nicht Markenimage oder Marktanteil.