Paketlawine Prekäre Arbeitsbedingungen bei Schweizer Post für Paketzusteller – und Gewerkschaft Syndicom schaut zu

Die Schweizer Post gibt sich gerne seriös. Doch ihr Umgang mit ihren eigenen Paketzustellern ist skandalös.

Kommentar - Dass in der Schweiz die Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer häufig nicht gerade gut sind, ist bekannt: Arbeitgeber fordern von ihren Angestellten in der Regel 42 bis 45 Stunden-Wochen, während in Deutschland häufig nur noch 37,5 Stunden gearbeitet wird – also bis zu einem Arbeitstag pro Woche weniger als in der Schweiz. Aufs Jahr hochgerechnet ist man da schnell bei 40 bis 45 zusätzlichen Arbeitstagen pro Jahr in der Schweiz. Also bei zwei weiteren Arbeitsmonaten, wenn man im Schnitt 21,7 Arbeitstage pro Monat als Grundlage nimmt.

Natürlich sind in der Schweiz im Schnitt die Löhne auch höher als in Deutschland. Allerdings wiegt das höhere Gehalt häufig das erhöhte Arbeitsaufkommen bei oft weniger Urlaubsanspruch (oft nur 20 Tage) kaum auf.

Dass aber auch die Arbeitsbedingungen bei einem Großkonzern wie der Schweizer Post, beziehungsweise der Schweizerische Post AG in Bern, teils katastrophal sind, das ist noch nicht weit bekannt. Der Dienst eines Schweizer Paketzustellers ist grenzwertig:

Nicht selten sind bis zu 380 Pakete pro Tag zuzustellen. Und das nicht nur einmalig, sondern regelmäßig, oft auch Tage nacheinander. Mal sind es 270 Pakete, dann können es auch mehrmals hintereinander pro Tag zwischen 310 und 380 Pakete sein - beispielsweise in St. Gallen. Dabei ist es keinesfalls so, wie die für die Schweizer Post zuständige Gewerkschaft Syndicom (syndicom - Gewerkschaft Medien und Kommunikation) gegenüber Netz-trends.de sagte, dass besoders viele Pakete bei nur wenigen Firmen abgeben habe müssen. "In meinem Bereich sind vielleicht zwei bis drei Firmen, denen ich am Tag insgesamt zwischen 20 und 40 Pakete zuliefere," berichtet uns ein Paketbote. Alle anderen Pakete seien fast ausnahmslos Einzelzustellungen.

Bis zu 380 Pakete am Tag - ein menschenverachtendes Pensum bei der Schweizer Post

Zum Vergleich: In Deutschland müssen Paketzusteller im Schnitt "nur" 150 bis 200 Pakete pro Tag zustellen. Auch das ist bereits sehr viel und sorgt bei den dortigen Paketzustellern für massive Überbelastungen , was auch unter Arbeitnehmerschutzrechten zweifelhaft ist. Denn selbst die niedrigeren deutschen Zahlen bedeuten, dass pro Paketzustellung gerade einmal knappe 3 bis 5 Zeit ist - incl. Fahrzeit und Dokumentation.

Auch in den für Deutschland genannten Zahlen sind bereits Firmen-Zustellungen bereits berücksichtigt. In der Schweiz soll sich die maximale Zustellungszeit, die einem Postbote zugestanden werde, rund 90 Sekunden sein. Das ist ein Durchschnittswert und ob diese Zahl so stimmt, konnten wir nicht überprüfen, sie wurde uns aber genannt. Wenn ein Postbote das Glück hat, pro Haus drei Pakete abliefern zu können, summieren sich die rund 90 Sekunden x 3. Trotzdem sind die Werte offensichtlich menschenverachtend.

Selbst beim Konkurrenten der Schweizer Post, der DPD Schweiz, werden Paketzustellungen von über 200 pro Tag als kaum mehr als zu bewältigen angesehen, möchte man nicht die Grenze der Ausbeuterei von Arbeitnehmern überschreiten.

In Deutschland gilt seit Jahren der Konsens: Alles was das Limit von über 200 Paketen pro Tag überschreitet, ist Schinderei, sklavenartige Ausbeuterei, ganz so, wie man es noch aus Zeiten kennt, als das Recht des Stärkeren der Maßstab war, nicht aber moderne Arbeitsbedingungen, die Respekt mit Angestellten zu Recht einfordern.

In ESG-Ratings, sogenannten Environmental Social Governance-Ratings, werden Unternehmen gerne im Hinblick auf eine ausgewogene Work-Life-Balance der Mitarbeiter bewertet. Doch von einer Work-Life-Balance sind Schweizer Paketboten Lichtjahre entfernt. Es scheint so, als habe die Schweizer Post von modernen Arbeitsverhältnissen mit einer Work-Life-Balance noch nicht viel gehört.

Um alleine 270 Pakete in einem ländlichen Gebiet zustellen zu können, ist ein normaler 8 Stunden Arbeitstag kaum denkbar. Das Arbeitsbeginn beginnt bei der Schweizer Post in der Regel morgens um 6 Uhr. Bei 270 Paketen sei ein Paketzusteller oft erst um 17 Uhr fertig, wird uns berichtet. Das heißt: Nach einem 11-Stunden Tag. Sind es um die 300 Pakete oder mehr wird es nicht selten auch mal 17.30 Uhr oder 18 Uhr. So müssen die Schweizer Paketboten zunächst einmal die bis zu 300 oder mehr Pakete selber von Hand in Ihre Paketautos packen.

Nur: Wie findet man ein Paket aus der Straße xy in einem Auto mit 300 oder mehr Paketen? Die Paketboten müssen morgens selbst ihr Auto beladen. Sie bilden dabei in der Regel vier Stapel. Einen Stapel pro Ausliefergebiet. Dass man dann im Gebiet auch das entsprechende Paket im Auto findet, ist natürlich nicht einfach. Der logistische Aufwand ist beim Beladen enorm und irgendwie altertümlich. Denn eine maschinelle Lösung scheint es in der Regel nicht zu geben.

Dienstbeginn ist um 6 Uhr. Wer seine Handschuhe nicht trägt muss Strafarbeit schreiben

Wenn, wie bei der Schweizer Post, ein Arbeitstag um 6 Uhr beginnt und für Paketzusteller oft erst gegen 17.30 oder 18 Uhr zu Ende ist, sprechen wir also über einen 12 Stunden-Tag. Und das scheint in vielen Fällen keine Ausnahme, sondern die Regel, berichtet eine betroffene Frau.

Ein Paketbote verdient bei der Schweizer Post nicht selten wischen 4500 und 5500 Schweizer Franken. Zum Vergleich eine Aldi Verkäuferin oder ein Lidl Verkäufer liegt bei rund 4300 Franken. Nur mit dem Unterschied: Die müssen nicht Tag für Tag einen schweren Marathon durch Ortschaften mit Hunderten Paketen laufen. Und wenn das Paketaufkommen einmal geringer als üblich ist, kann es passieren, dass die Paketboten Nachmittags Kollegen aushelfen müssen, um die Paketflut zu bewältigen.

Unter solch prekären, ja skandalösen Arbeitsverhältnissen bei der Schweizer Post, getrauen sich nicht wenige Paketboten "nicht einmal krank zu sein, da man dann die Kollegen mit der Paketflut zurücklassen muss und die zuständige Führungskraft einen vielleicht schief anschaut und Krankfeiern unterstellt" berichtet ein MitarbeiterIn.

Eine "Zumutung" sei mittlerweile auch die Auslieferung von Paketen mit Lebensmitteln. "Manche Bürger lassen sich in einem Paket Lebensmittel für eine ganze Woche kommen. Solche Pakete sind sehr schwer, wie jeder weiß, der wöchentliche Einkaufstaschen aus Coop, Migros, Denner oder Aldi Suisse, beziehungsweise Lidl nach Hause schleppen muss", erklärt uns der Schweizer Paketbote. "Uns wird aber zugemutet, dass wir pro Tag im schlimmsten Fall gleich mehreren Bürgern solche Lebensmittelberge zustellen müssen".

Schweizer Post ruiniert Gesundheit von Paketzustellern

300 Pakete pro Tag zuzustellen, geht auf die Gesundheit, das Kreuz, die Beine, die Nerven, die Psyche. Zur menschenverachtenden Masse der Pakete kommt dann auch noch das Gewicht.

Denn manche Kunden bestellen ganze Paletten voller Getränke. Hinzu kommen schwere Pakete von Arztpraxen oder Krankenhäusern, die sich Medikamente liefern lassen. Da wiegt häufig die Verpackung erheblich mehr als der Inhalt, wenn beispielsweise nur ein Medikament drin ist.

Oft lassen sich auch Bürger täglich Zalando-Pakete oder ähnliches zustellen. Das treibt die unmenschliche Paketflug für die Paketboten weiter in die Höhe. Denn viele Pakete werden einfach wieder zurückgeschickt.

"Das sind Arbeitsverhältnisse wie im finsteren Mittelalter", sagt ein InsiderIn. Die Schweiz hinke im Bereich der Paketzustellung meilenweit hinter europäischen Arbeitnehmerstandards hinterher.

Laut Tarifvertrag der Schweizer Post beträgt die reguläre wöchentliche Arbeitszeit für Paketzusteller 42 Stunden, heißt es im Gesamtarbeitsvertrag Post CH, also dem zuständigen Tarifvertrag für Arbeitnehmer. Zwar erhalten Paketzusteller bei der Schweizer Post Freizeitausgleich, "aber was bringt mir das, wenn ich dann nach vier Tagen hintereinander, wo ich einen 11 bis 12 Stunden Arbeitstag hatte, davon eine Stunde Pause, jeden Abend tot ins Bett falle", fragt ein Schweizer PaketbotIn.

Verstößt die Schweizer Post regelmäßig gegen eigenen Tarifvertrag für Paketboten?

"Die Arbeitsbedingungen sind nicht nur ausnahmsweise, sondern bei uns in der Regel menschenverachtend", sagt die PaketbotIn weiter und erzählt weiter:

"320 Pakete am Tag bedeutet, dass ich im Schnitt geschätzt gut 280 Mal den Zündschlüssel des Paketautos an und ausmachen muss pro Tag." Genauso häufig ist natürlich dann die Handbremse zu ziehen, wenn es sich um kein Elektroauto handelt, was bei der Schweizer Post oft noch der Fall ist. "Ich habe teils schlimme Schmerzen in den Armen, den Handgelenken, den Sehnen", so die PaketbotIn weiter.

Absurd und kleinbürgerlich wird es, wenn man sich weitere Regeln bei der Schweizer Post für Paketzusteller anschaut: "Ich darf pro Tag maximal 2 Minuten in Summe das Auto im Leerlauf laufen lassen." Darin enthalten seien auch Standzeiten an einer Ampel. Das werde von der Schweizer Post sogar digital überprüft. Besonders im Winter sei das eine Zumutung: "Da die Fahrerkabine nach hinten zum Paketraum offen ist, bringt eine Fahrzeugheizung überhaupt nichts". "Im Winter sind meine Füße, Hände, ja mein ganzer Körper in diesen Postautos absolut ausgekühlt, da ich faktisch den ganzen Tag in einem eiskalten Auto sitze".

Wer Postauto länger als zwei Minuten am Tag im Leerlauf lässt, dem droht eine Abmahnung

Übersteige man die zwei Minuten Leerlauf drohe eine Abmahnung oder man müsse einen einseitigen Aufsatz schreiben, warum man mehr als zwei Minuten im Leerlauf das Postauto nicht stehen lassen dürfe.

Lächerlich spießbürgerlich und fast an Mobbing von Seiten der Schweizer Post als Arbeitgeber gegenüber ihren Paketboten mutet an, was uns der Schweizer Paketbote noch so erzählt: Wer verschläft, dem droht eine Abmahnung oder Verwarnung.

"Mein Körper ist aber keine Maschine. Irgendwann ist Finito und dann holt sich der Körper die Ruhe zurück, die er braucht", berichtet die PaketbotIn.

Die Schweizer Post schikaniert Mitarbeiter mit Aufsätze-Schreiben

Zudem erzählt er uns eine weitere seltsam kindische Vorschrift bei der Schweizer Post: Wenn jemand im Lager mal keine Handschuhe trage, komme gleich der Teamleiter oder Gruppenleiter und gebe als Strafarbeit einen einseitig zu schreibenden Aufsatz auf 'warum ich im Lager meine Handschuhe tragen muss'. Aber auch wegen anderer Kleinigkeiten müssten die Paketboten schnell einseitige Strafarbeiten schreiben. Das empfinde er als respektlosen Umgang mit Mitarbeitern und als Mobbing, da jeder einmal Handschuhe vergessen könne. Obendrein sei es im Hinblick auf die Ausbeutung im Bereich der Masse an zuzustellenden Paketen "absolut die Krönung der Missachtung von modernen Menschenrechten bei Konzernen, dass wegen Kleinigkeiten auch noch schriftliche Strafarbeiten wie zu Schulzeiten verhängt werden".

Zudem erzählt er uns: "Wir haben hier immer noch die alten Benziner im Einsatz, was unter Umweltschutzgründen eh nicht zu verstehen ist. Noch weniger verständlich ist, dass man mit den Benzinern unsere Gesundheit zerstört, da wir pro Woche bis zu Tausende Male den Zündschlüssel oder die Handbremsen betätigen müssen, was auf die Gelenke geht". Moderne E-Autos hätten das Problem nicht mehr.

Die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn die Paketboten nicht auch noch als Putzkräfte missbraucht würden: Einmal im Jahr ist, dieses Jahr im April, "Frühjahrsputz". Dann müssen die Paketzusteller ihre Autos in einer Rekordzeit innen und außen minutengenau reinigen. Ihr ahnt schon... wer sich nicht dran hält oder zu langsam ist...

Netz-trends.de konfrontierte die Schweizer Post mit den Vorgängen

Netz-trends.de fragte bei der Schweizer Post nach, was es mit den Vorwürfen und seltsamen Vorgängen auf sich habe. Daraufhin schrieb uns Silvana Grellmann, Mediensprecherin der Schweizerische Post AG unter anderem: "Wir sind uns sehr bewusst, was für eine herausfordernde Arbeit unsere Mitarbeitenden leisten – insbesondere mit dem durch Corona gestiegenen Paketvolumen. Das Wohl und die Gesundheit unserer Mitarbeitenden liegen uns am Herzen. Sie sind es, die tagtäglich in den Filialen, in den Paket- und Briefzentren und in der Zustellung eine ausserordentliche Leistung erbringen. Im letzten Jahr hat die Post allein im Bereich Logistik-Services rund 700 Mitarbeitende zusätzlich angestellt, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen."

Ganz offensichtlich sind das erheblich zu wenige neue Mitarbeiter. Zudem schreibt die Mediensprecherin der Schweizer Post: "Als Anerkennung für die Leistung unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie erhalten die Mitarbeitenden im April-Lohn Dankesprämien.

Zwar freut sich der Schweizer Paketzusteller "über die eher überschaubare Dankesprämie in Höhe von 500 Franken" und moniert aber gleichzeitig: "Die machen meine Gesundheit kaputt, halten sich an keine in Europa sonst üblichen Arbeitnehmerschutzrechte und glauben damit nun punkten zu können."

Zudem berichten andere Portale darüber, dass die Schweizer Post unterm Strich Stellen gestrichen habe und das, wo täglich bis zu 1,2 Mio. Pakete in der Schweiz zuzustellen seien, viele scheinen aus China zu kommen. Das sei, berichtete der SRF, seit 2019 eine Zunahme von 30 Prozent bis Ende 2021.

In Deutschland ist es beispielsweise Arbeitnehmern nicht erlaubt, länger als 10 Stunden pro Tag zu arbeiten. Bei der Schweizer Post sind es irrwitzige 12 Stunden. Da fragt man sich: Was macht eigentlich die zuständige Schweizer Gewerkschaft Syndicom, außer Mitgliedsbeiträge zu kassieren? Nicht viel, wie man sieht und auch der weiter unten in diesem Artikel durch Netz-trends.de veröffentlichten Syndicom-Stellungnahme erahnen kann.

Außerdem führt die Mediensprecherin der Schweizer Post gegenüber Netz-trends.de aus: "In der Schweiz wacht die Eidgenössische Postkommisission PostCom darüber, dass die branchenüblichen Arbeitsbedingungen im Postmarkt eingehalten werden. Die Post verfügt über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in dem die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden klar geregelt sind. Sie sind das Ergebnis konstruktiver Verhandlungen mit der Gewerkschaft syndicom und dem Personalverband transfair."

Was an solch prekären skandalösen Arbeitsverhältnissen von Paketboten gut sein soll, ergibt sich uns nicht. Auch nicht, wie eine "Postkommisission PostCom", ebenso eine Gewerkschaft Syndicom, nachhaltig Gutes leistet, wenn die Schweizer Post ganz offensichtlich hinter Arbeitnehmerschutz-Standards anderer europäischer Länder hinterherhinkt.

Netz-trends.de-Fragenkatalog an die Schweizerische Post AG

Den hier angeführten Fragenkatalog hatten wir der Schweizer Post zugesendet. Die Medienstelle der Schweizer Post schickte uns pro Frage ihre Antwort, die wir hier komplett mit veröffentlichen.

Unser Schreiben an die Schweizer Post lautete: "Geehrte Damen und Herren, Wir, www.NETZ-TRENDS.de, sind ein seit 2010 in Google News Deutschland, Österreich, Schweiz gelisteter Nachrichtenblog und berichten über Start-Ups, aber auch Verbraucherschutzthemen. Wir haben im Schnitt 400.000 Leser pro Jahr. Aktuell recherchieren wir im Zusammenhang mit Ausbeuterei unter Paketzustellern bei der Schweizer Post, also Ihrem Unternehmen. Wir haben diesbezüglich bereits Ihre zuständige Gewerkschaft angeschrieben und um Stellungnahme gebeten.

Wir würden gerne von Ihnen wissen:

Frage Netz-trends.de: Wie kann es sein, dass im Bezirk St. Gallen einem Paketzusteller regelmäßig Touren zugeteilt werden, die regelmäßig bis zu 280 bis 380 Pakete umfassen? Und: Nein, das sind nicht immer Pakete, die an Firmen gehen. Von den Paketen sind maximal 40 an Firmen, der Rest sind fast ausschließlich Einzelhaushalte.

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Lassen Sie mich das kurz einordnen: Wir sind uns sehr bewusst, was für eine herausfordernde Arbeit unsere Mitarbeitenden leisten. Die Coronakrise hat den Onlinehandel in der Schweiz bekanntlich stark befeuert. Experten gehen davon aus, dass der Onlinehandel aufgrund der Pandemie einen Schub von drei Jahren in der Entwicklung vorwärts gemacht hat – entsprechend sind bei uns die Paketzahlen seit Ausbruch der Pandemie auf einem höheren Niveau als vor der Pandemie. Entsprechend hat die Post auf die wachsenden Mengen reagiert: Sie hat im letzten Jahr allein im Bereich Logistik-Services rund 700 Personen zusätzlich angestellt, mehr Fahrzeuge im Einsatz und sie investiert bis zu 1.5 Milliarden Franken in die Verarbeitung in den kommenden Jahren. Die Zahlen, die Sie hier nennen entsprechen durchaus der Realität. Die Paketmengen im Bezirk St. Gallen variieren je nach Wochentag und Tour. Im Wochendurchschnitt verteilen die Pöstler rund 280 – 320 Pakete pro Tag."

Anmerkung Netz-trends.de: Damit räumt die Schweizer Post selber ein, dass 11 oder 12 Stunden Arbeitstage bei Paketzustellern der Schweizer Post mittlerweile Alltag sind und nicht Ausnahmen. Damit verstößt die Schweizer Post nach unserer Ansicht aber gegen ihren eigenen Tarifvertrag in dem es heißt:

"Wöchentliche Arbeitszeit: Die normale durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der vollzeitbeschäftigten Mitarbeitenden beträgt 42 Stunden." Diese Passage darf nach Meinung von Netz-trends.de nicht dergestalt ausgelegt werden, dass die Mitarbeiter üblicherweise an vier Tagen der Woche täglich 11 oder 12 Stunden arbeiten und dafür dann an einem fünften Werktag frei bekommen als Freizeitausgleich. Denn auch ein solcher Freizeitausgleich kann das Leid und die Schädigung der Gesundheit der Schweizer Paketboten, da die Ausnahme einer Arbeitsüberlastung zur Regel wurde, nicht mehr angemessen ausgleichen.

Zudem schreibt uns Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Fakt ist: Die Coronakrise hat den Onlinehandel in der Schweiz stark befeuert. Und: Wir gehen davon aus, dass das Paketvolumen mit dem immer beliebteren Onlinehandel auch in den kommenden Jahren weiterwachsen wird. Entsprechend richten wir uns mit Investitionen bis zu 1,5 Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur/Zustellung auf weiterwachsende Paketmengen ein. Bis 2030 werden wir unsere Sortierkapazitäten verdoppeln. Die Planung für neue Paketzentren läuft auf Hochtouren, teilweise sind die Bauarbeiten schon in Gang. 2030 soll das Logistiknetz der Post aus mindestens vier Standorten für die Briefsortierung und mindestens 15 Standorten für die Paketsortierung bestehen – das sind mindestens sieben mehr als heute. Der Ausbau sichert nicht nur bestehende Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue. Bis ins Jahr 2030 werden wir voraussichtlich bis zu 1500 zusätzliche Stellen schaffen. Dies immer mit dem Ziel, die Arbeit planbar zu machen und auf möglichst viele Schultern zu verteilen. "

Frage Netz-trends.de: Wie kann es sein, dass Ihre Paketzusteller so mit Paketen z.B. im Bezirk St. Gallen überlastet werden, dass diese regelmäßig wie zu Sklavenzeiten bis zu 12 Stunden täglich unterwegs sind? Das ist inhuman und nicht mehr zeitgemäß. Es macht die Menschen kaputt.

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Wir weisen diesen Vorwurf entschieden zurück. Uns liegt das Wohl unserer Mitarbeitenden am Herzen. Sie sind es, die tagtäglich in den Filialen, in den Paket- und Briefzentren und in der Zustellung eine ausserordentliche Leistung erbringen. Um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen haben wir den Personalbestand erhöht und in den vergangenen Jahren in die Verarbeitung der Pakete investiert. Die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeitenden sind im GAV klar geregelt und werden eingehalten. Der GAV ist das Ergebnis konstruktiver Verhandlungen mit der Gewerkschaft syndicom und dem Personalverband transfair. Dort ist auch alles bezüglich maximaler Arbeitszeit geregelt. Die Höchstarbeitszeit beträgt gemäss Arbeitsgesetz 50 Stunden pro Woche. Im Schnitt arbeiten unsere Paketpöstler und Pöstlerinnen bei einem 100% Pensum 42 Stunden pro Woche. Nicht nur bezüglich maximaler Arbeitsstunden, auch betreffend Nacht- und Sonntagsarbeit halten wir uns an den GAV (den Link dazu finden Sie weiter oben). Die Eidgenössische Postkommisission PostCom wacht zusätzlich darüber, dass die branchenüblichen Arbeitsbedingungen im Postmarkt eingehalten werden."

Frage Netz-trends.de: Wie kann es sein, dass Ihre Postautos immer noch mit altertümlichem Schaltgetrieben unterwegs sind? Von der Umweltbelastung ganz abgesehen, ist das für die Paketzusteller eine absolute gesundheitsgefährdende Zumutung! Bei 380 Paketen am Tag über 300 Mal manuell den Zündschlüssel anmachen, dann 300 Mal die Handbremse usw. usw. - da sind Sehnenscheidenentzündungen doch vorprogrammiert.

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Ich nehme an sie sprechen hier von den Lieferwagen. Tatsächlich sind die Autos, die in St. Gallen unterwegs sind, mehrheitlich Schaltfahrzeuge. Nachhaltigkeit ist uns aber wichtig. Entsprechend verfügt die Post in der Zustellung von Briefen und Paketen über die grösste elektrische Flotte von Dreiradrollern. Und wir investieren in den kommenden Jahren auch in eine vollständig elektronische Flotte von Vierradfahrzeugen. Die Post hat zum Ziel, ab 2030 alle Briefe und Pakete klimaneutral mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen zuzustellen. Ab 2024 werden alle Sendungen in den urbanen Zentren von Bern, Basel, Genf und Zürich vollständig mit elektrischen Fahrzeugen zugestellt. Diese Elektroautos fahren sich dann wie ein Automatikgetriebe. Aus ökologischer und ökonomischer Sicht wäre es aber nicht sinnvoll alle Autos auf einen Schlag auszutauschen.

Bezüglich der Gesundheit der Mitarbeitenden können wir Ihnen versichern, dass Sehnenscheidenentzündungen bisher kein Thema waren. Sollte ein Mitarbeiter oder Mitarbeiterin gesundheitliche Probleme haben, so hat sie jederzeit die Möglichkeit, dies mit ihrem Teamleiter zu besprechen, so dass dann nach einer individuellen Lösung gesucht werden kann. Solche Meldungen sind uns aber nicht bekannt."

Antwort Netz-trends.de: Die Aussage können wir auf Grund unserer Recherche so nicht bestätigen.

Frage Netz-trends.de: Warum müssen Paketboten im Bereich St. Gallen bei kleinsten Verstößen ganzseitige Aufsätze schreiben wie z.B. "Warum ich Handschuhe tragen muss" oder ähnliche Schikanen über sich ergehen lassen?

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Mit den Aufsätzen sprechen Sie vermutlich die Reflektionsschreiben an. Ein Schreiben, dass in der Distributionsbasis St. Gallen zum Einsatz kommt, damit die Mitarbeitenden gewisse Vorgehen reflektiert. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn ein Teamleiter möchte, dass sich ein Mitarbeitender mit einem konkreten Thema auseinandersetzt und eine bestimmte Situation reflektiert. Es kommt dann zum Einsatz, wenn eine Situation mehrmals vorgekommen ist und gewisse Risiken birgt – sei es für den Mitarbeitenden, seine Teamkollegen oder Kundinnen und Kunden.  Ziel ist in der Tat, dass sich die Mitarbeitenden Gedanken über ihr Verhalten machen."

Frage Netz-trends.de: Warum erhält bei Ihnen ein Paketbote, den man tags zuvor mit 280 bis 380 Paketen schikaniert hat und der am nächsten Tag eine halbe Stunde verschläft, aber zur Arbeit kommt, gleich eine Abmahnung? Paketzusteller, die bei der Schweizer Post um 6.00 Uhr anfangen und dann Schichten bis 17.00 Uhr oder 17.45 Uhr haben und wie Marathonläufer unterwegs sind, sind abends selbstverständlich dermaßen kaputt, dass sie um 21 Uhr ins Bett gehen und natürlich völlig erschöpft sind und so verschlafen vorprogrammiert ist! Wir haben es ja mit einem Menschen zu tun und nicht mit einer Maschine! Warum gibt es solche Zustände bei Ihnen, der Schweizer Post?

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Auch hier: 280 bis 320 Pakete sind die tatsächliche Menge, die die Pöstler und Pöstlerinnen bewältigen. Den konkreten Fall, den Sie hier schildern können wir nicht nachvollziehen, den Vorwurf weisen wir zurück. Was wir Ihnen aber sagen können: Bei hohen Paketmengen, kann es durchaus mal zu einem längeren Arbeitstag von etwa 10 Stunden kommen. In einem solchen Fall achten wir aber darauf, dass diese Arbeitszeit in der Folge auch wieder kompensiert wird. Dies ist in unseren Verträgen so geregelt.

Ebenfalls versichern wir Ihnen, dass es wegen einem einmalig eine halbe
Stunde Verschlafen zu keiner Abmahnung kommt. Was allerding sein kann, ist das ein Teamchef einen Mitarbeitenden auf das Verschlafen anspricht. Wir gehen davon aus, dass dies unabhängig von Branche und Arbeit ein normales Vorgehen ist. Bitte bedenken Sie, dass Abwesenheiten in erster Linie das Team betreffen und es sich kurzfristig neu organisieren muss, um die halbe Stunde wieder aufzuholen. Denn es ist unser tägliches Ziel, dass die Pakete pünktlich bei den Kundinnen und Kunden eintreffen."

Antwort Netz-trends.de: Uns ist eine Abmahnung im Kanton St. Gallen wegen Verschlafens bekannt.

Frage Netz-trends.de: Auch ein Freizeitausgleich ist doch nicht mehr angebracht, wenn man Leute regelmäßig 11 oder 12 Stunden Schichten machen lässt. Das Austragen von über 300 Paketen am Tag, erst recht wenn es fast 400 sind, ist skandalös! Dann stellen Sie in Gottes Namen mehr Paketboten ein. In Deutschland liegt die Grenze bei im Schnitt maximal 200 Paketen pro Tag!

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Wie eingangs erwähnt sind die Arbeitsverhältnisse in der Schweiz und in Deutschland nicht vergleichbar und wir bitten dies, im Sinne von «Best Argument» in Ihrer Berichterstattung auch klar zu formulieren Wir sind uns sehr bewusst, was für eine riesige Arbeit unsere Mitarbeitenden leisten."

Frage Netz-trends.de: Warum schikanieren Sie Ihre Paketboten selbst mit solch lächerlichen Vorgaben, wie, dass diese nur maximal 2 Minuten das Auto im Stehen laufen lassen dürfen und man sonst mit einer Abmahnung oder einem einseitigen Straf-Aufsatz rechnen muss?

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Zu den Fakten: Ja, wir geben die Vorgabe, dass ein Auto ausgeschaltet wird, wenn es steht. Das hat auch seine Gründe - einerseits ist es aus Nachhaltigkeitsgründen nicht sinnvoll, ein Auto im Stehen laufen zu lassen – andererseits birgt es auch ein Sicherheitsrisiko. Aus diesen Gründen ist diese Vorgabe entstanden.

Wenn auffällt, dass ein Mitarbeiter wiederholt gegen die Vorgaben verstösst, gibt es eine mündliche Ermahnung – liegt uns doch nicht zuletzt die Sicherheit unserer Mitarbeitenden am Herzen. Eine Stellungnahme, bzw. ein Reflektionsschreiben (siehe oben), kann von einem Teamleiter eingesetzt werden, um zu bewirken, dass der Mitarbeitende reflektiert, warum es im konkreten Fall sinnvoll ist, das Auto beim Parkieren abzustellen. Eine Abmahnung hingegen wird nur in nur in Ausnahmefällen eingesetzt und ist in jedem Fall mit der Personalabteilung der Post vor- und nachbesprochen. Sie wird nur in Situationen eingesetzt, wenn beispielsweise ein wiederholtes Fehlverhalten stattgefunden hat."

Frage Netz-trends.de: Warum sind Ihre Paketautos im Winter so kalt, dass den Fahrern die Hände abfrieren? Warum unterbinden Sie, dass die Autos beheizt werden und zwar so, dass Kälte in der Fahrerkabine kein gesundheitsbelastender Dauerzustand ist?

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Auch hier weisen wir den Vorwurf zurück. Die von Ihnen aufgebrachten Aussagen sind uns nicht bekannt und sind und in dieser Form nicht an uns getragen worden. Tatsache ist, dass die Autos bei deren Nutzung selbstverständlich beheizt werden können und dürfen. Aber es ist klar, dass ein grosser Lieferwagen etwas mehr Zeit benötigt, bis er aufgeheizt ist, als ein Kleinwagen."

Frage Netz-trends.de: Warum müssen Ihre Paketzusteller in den Ortschaften selbständig Parkplätze suchen wenn sie Feierabend haben und dann zur Not ständig umparken, um dann irgendwann in die freien Parkstunden zu kommen? Ist es nicht Ihr Job dafür zu sorgen, dass es für Ihre Postautos auch Parkplätze gibt?

Antwort Silvana Grellmann, Mediensprecherin Schweizerische Post AG: "Diese Frage können wir nicht nachvollziehen. Dies entspricht auch nicht den Fakten. Wenn ein Mitarbeitender als Paketbote angestellt wird, so wird gleich zu Beginn des Anstellungsverhältnis abgeklärt, ob der Mitarbeitende das Auto der Post jeweils nach Hause mitnehmen möchte. Dies, um ihm den Alltag zu erleichtern. So braucht er nicht nochmals in die Basis zu fahren, um dort auf den Privatwagen oder den ÖV umzusteigen, sondern kann direkt nach Hause fahren. Sollte er das wollen, so klären wir, ob ihm auch ein Parkplatz zur Verfügung steht. Nimmt ein Mitarbeitende das Auto nämlich nach Hause, so ist es für uns aus Versicherungstechnischen Gründen sogar nötig, die Adresse des Parkplatzes zu haben. Jene, die das Auto nicht nach Hause nehmen, sondern in der Stadt wohnen, können individuell entscheiden, wie sie zur Arbeitsstelle kommen wollen (ÖV, Fahrrad, Privatauto o.ä.)."

Antwort der für die Schweizer Post zuständigen Gewerkschaft Syndicom auf die Netz-trends.de-Anfrage

Wir konfrontierten auch die für die Schweizer Post zuständige Schweizer Gewerkschaft Syndicom mit den Vorgängen. Hier die Antwort von Matthias Loosli, Mediensprecher Sektor Logistik bei der Gewerkschaft Syndicom:

"Eine Übersicht der gesetzlichen Bestimmungen für die Schweiz finden Sie beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, hier: Arbeitsbedingungen (admin.ch). Was in der Schweiz nicht auf Gesetzesstufe reguliert ist, klären die Sozialpartner (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände) häufig in Gesamtarbeitsverträgen (GAV). Im Fall der Schweizerischen Post AG haben wir (syndicom) einen GAV unterzeichnet, der die Arbeitsbedingungen im Detail klärt. Eine Übersicht sowie die ausführlichen Bestimmungen finden Sie auf unserer Webseite: Der GAV ab 2021 | syndicom - Gewerkschaft Medien und Kommunikation.

Der GAV sieht vor, dass Paketbot:innen der Schweizerischen Post AG in einer 42 Stunden Woche arbeiten - im Gegensatz zum Gesetz, das sieht lediglich eine maximale Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche vor. Die Arbeitszeit wird erfasst, kontrolliert und geleistete Überstunden werden vollständig kompensiert. Ebenso regeln die sozialpartnerschaftlichen Bestimmungen das Lohnsystem oder die Lohnerhöhungen. Die Post-Angestellten beziehen 13 Monatslöhne und haben 6 Wochen Ferien (das Gesetz sieht 12 Monatslöhne und 4 Wochen Ferien vor).

Nun zu dem von Ihnen vorgebrachten Beispiel: Das Paketvolumen ist unseres Wissens nur in Ausnahmefällen derart hoch, wie Sie das beschreiben (bspw. an Weihnachten oder an Black-Friday), die genauen Zahlen wird Ihnen die Post nennen. Den geschilderten Fall könnte man eventuell so erklären, dass diese Person auf ihrer Tour möglicherweise einige Geschäftskunden ansteuert und dann je Adresse eine grosse Anzahl Pakete deponieren kann (bspw. bei 2-3 Firmen, die 50-60 Pakete gleichzeitig erhalten). Für eine abschliessende Beurteilung fehlen uns die Details.

Eine Bestimmung über eine maximale Anzahl Pakete gibt es nicht – seitens des Gesundheitsschutzes gibt es Vorgaben zu den maximalen Lasten, die Einzelpersonen heben dürfen. Was den genannten Lohn angeht, sind 4'500.- Schweizer Franken realistisch, beispielsweise für einen Neueinsteiger, abhängig von der Region und natürlich à 13 Monatslöhne. Sollten rechtliche Bestimmungen nicht eingehalten werden, können diese eingefordert werden – dafür muss niemand Mitglied einer Gewerkschaft sein. Sollte ihre Quelle den Eindruck haben, dass die Arbeitgeberin GAV-Bestimmungen nicht einhält, soll sie das bei ihrer vorgesetzten Stelle einfordern. Wenn das nichts nützt, soll sie sich unbedingt mit uns in Verbindung setzen (auch anonym möglich!): logistik@syndicom.ch oder 058 817 18 18.

Grundsätzlich sind Angestellte der Schweizerischen Post AG dank dem GAV gut geschützt und stehen relativ gut da – natürlich gibt es dennoch viele Punkte, die wir als Interessensvertreter der Post-Angestellten kritisieren und weiter verbessern wollen. Ein viel düstereres Bild zeichnet sich für Angestellte von privaten Postdienstleistern, bspw. DHL oder DPD. Diese Firmen haben keinen GAV abgeschlossen, für deren Angestellte gelten lediglich die gesetzlichen Vorgaben. Das Geschäftsmodell dieser Firmen basiert häufig auf Subunternehmerketten (auch die Schweizerischen Post arbeitet teils mit Subunternehmen, die dem GAV nicht unterliegen!). Die dortigen Arbeitsbedingungen sind um ein Vielfaches schlechter und werden von syndicom seit Jahren bemängelt und bekämpft. Ich empfehle Ihnen für Ihren Artikel, auch dort mal vorbeizuschauen."

Wie glaubhaft die Ausführungen von Syndicom im Überlastungs-System der Paketzusteller bei der Schweizer Post sind, möge jeder unserer Leser selbst beurteilen.

Problem der Mitarbeiterbefragungen bei der Post

Die Schweizer Post vergaß natürlich nicht, uns mitzuteilen, wie gut man doch angeblich in einer Mitarbeiterbefragung abgeschnitten habe.

Wir sehen das differenziert. Zum einen: Da es in der Schweiz kaum Kündigungsschutz für Angestellte gibt, sind prekäre Arbeitsverhältnisse noch schlimmer, da sich die Betroffenen kaum wehren können. Ob das dann immer so in einer Mitarbeiterbefragung zum Ausdruck kommt, sei mal dahingestellt.

Wie bei jedem Konzern können die Befragungsergebnisse einer Mitarbeiterbefragung lediglich eine Aussage über den Median-Bereich der Arbeitnehmer-Gruppen liefern.

Öffentliche Rückschlüsse auf einzelne Berufsgruppen, eben der Paketzusteller, oder gar Kantone, Bundesländer, sind kaum bis nicht möglich, beziehungsweise werden kaum bekannt. Deshalb ist auch die von der Deutschen Post gerne veröffentlichte Mitarbeitergefragung, ohne transparente öffentliche Ausweisung der Berufsgruppen möglichst nach Bundesländern, wenig aussagefähig und eher eine Farce.

Außerdem werden Mitarbeiterbefragungen primär von den Arbeitgebern in Auftrag gegeben und entsprechend häufig aufgesetzt.

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Welche Erfahrungen hast Du als Paketzusteller mit der Schweizer Post oder sonstigen Postzustellern. Bitte hinterlasse unseren 400.000 Lesern im Jahr gerne einen Kommentar. 

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