Deals Groupon fährt weltweit Geschäft zurück, entlässt 1.100 Mitarbeiter

Es ist noch gar nicht lange her, da war der Rabatt- und Gutscheinhändler Groupon – einige sprechen auch von Deal-Händler - eine weltweite Erfolgsstory sondergleichen: Innerhalb kürzester Zeit dehnte Groupon das Geschäft mit den Rabattgutscheinen auf Dienstleistungen oder Produkte in weltweit 40 Länder aus. Ob in Berlin, London oder New York – Groupon schien omnipräsent. Doch jetzt scheinen die Kosten aus dem Ruder zu laufen, berichtete bereits im September techcrunch.

Groupon zieht sich aus diversen Ländern zurück.

Deshalb, so der US-Blog, wollte Groupon nun 1.100 Mitarbeiter entlassen und jährlich so mindestens 35 Millionen US-Dollar einsparen. Die meisten der Jobs fallen in der "deal factory" weg – eine in der Internetszene gerne verwendete Umschreibung für die Vertriebs- oder Verkaufsabteilung. Groupon selbst spricht davon, man wolle das einst gefeierte Internet-Unternehmen restrukturieren und sich von unprofitablen Ländern trennen. Davon scheint es eine ganze Menge zu geben. So stehen scheinbar Marokko, Panama, die Philippinen, Puerto Rico, Taiwan, Thailand auf der Abschussliste. Heißt: Laut techcrunch würde man das Geschäft dort ganz schließen. Erst kürzlich hatte Groupon in zwei anderen durchaus prominenten Ländern die Fahnen gestrichen: In der Türkei sowie in Griechenland.

Techcrunch zitiert Groupon-CEO Rich Williams mit dem, was man immer sagt, wenn man merkt, dass die Pläne mit der Realität schwer in Einklang zu bringen sind: Man fokussiere sich auf das Kerngeschäft in den Kernländern. Man wolle also weniger danach streben, einen globalen Fußstapfen zu hinterlassen, als darauf, dass die Dollar zusammengehalten würden, so Williams.

Groupon will sich aufs Kerngeschäft und Kernländer konzentrieren

Bis in einem Jahr, also bis circa September oder Oktober 2016, will Groupon seine Schrumpfkur überstanden haben und gestärkt daraus hervorgehen. Dass Groupon nun intensiver auf die Ausgabenseite schaut, liegt unter anderem daran, dass in der nächsten Zeit recht hohe Steuerzahlungen (pre-tax charges) ausstehen. Die Rede ist von über 20 Millionen US-Dollar alleine im 3. Quartal 2015.

Groupon ist auch in Deutschland über lange Zeit sehr erfolgreich gewesen, wenn auch in seinem aggressiven Geschäftsgebaren umstritten. Es gilt als ein Vorzeigeprojekt der Samwer-Brüder, die vom Berliner Alexanderplatz aus maßgeblich das Wachstum von Groupon steuerten. Viele sind sich einig, dass Groupon dabei so manches Mal in moralisch-rechtlichen Grauzonen fischte und so manchen Vertragspartner unbotmäßig über den Tisch zog, was aber auch dem harten Haifisch-Becken "making Internet-Business" geschuldet ist. Dennoch kann Groupon darauf verweisen, dass in Berlin immerhin gut 1.000 Arbeitsplätze geschafft worden sind.

Dass Groupon trotz des vor allem in den Anfangsjahren teils grenzwertigen Geschäftsgebarens dennoch recht erfolgreich in Deutschland expandieren konnte und viele Arbeitsplätze geschaffen hat, liegt wohl auch daran, dass Groupon im Gegenzug zum kaum empfehlenswerten Internetplatz Sachsen – hier regiert die wenig internetfreundliche, dafür aber umso razziafreundlichere "Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen", kurz Ines, - von Berlin aus Deutschland eroberte.

Berlin machte Groupon mit groß

Die "Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen" wurde vor bald 15 Jahren von Sachsens CDU-Regierung in Dresden mit dem Operationsgebiet ganz Sachsen ins Leben gerufen. Sie gilt seit Jahren als äußerst umstrittene und radikale sächsische Sondereinheit aus Staatsanwälten, Kriminalitätsbeamten oder Steuerfahndern, die im Ruf steht, gerne auch politisch verwendet zu werden. Sie hat in den vergangenen Jahren von kino.to bis Unister viele Unternehmen oder Institutionen existentiell angegriffen, darunter befindet sich sogar ein aktuelles Regierungsmitglied in Sachsen. Neuerdings soll sich Ines auch um die Demonstranten kümmern, die der Meinung sind, dass es in Deutschland zu viele Flüchtlinge gibt.

Ob die offensichtliche weltweite Krise von Groupon auch auf die Kernländer - also zum Beispiel Deutschland - übergreifen könnte, ist noch nicht klar. Klar ist, dass Groupon ein fester Bestandteil in der deutschen Internetszene ist und dass es einen regen Austausch zwischen Mitarbeitern gibt. Beispielsweise ist das Wechseln von Unister- oder Rocket Internet-Mitarbeitern zu Groupon oder umgekehrt, seit Jahren an der Tagesordnung.

Dennoch gilt Groupon als kein leichter Arbeitgeber. So erzählt beispielsweise eine höherrangige ehemalige Unister-Mitarbeiterin zu netz-trends: "Bei Unister gab es zwar immer wieder Einschläge, aber die Stimmung unter den Mitarbeitern war immer gut. Bei Groupon war von Anfang an die Stimmung in den Teams schlecht bis miserabel." Auch habe man ihr beim Wechsel Dinge versprochen, die später gar nicht eingehalten worden seien. Dennoch fessele sie nach vor das spannende Unternehmen Groupon sehr.