Finanzen Dauer Abschluss Geschäftsberichte: Dax-Konzerne sind langsam, sagt ifb-Studie

Geschäftsberichte sind wichtig. Doch viele Unternehmen - ob GmbHs oder DAX-Konzerne - lassen sich damit gerne Zeit. Eine Studie der Müncher Unternehmensberatung "ifb group" gemeinsam mit "EPM International" hat nun ergeben:

GRAFIK: ifb group / Close Cycle Ranking Studie 2015
So lange dauern Geschäftsberichte von AGs laut einer Studie.

Dax-Konzerne trödeln gerne bei der Vorlage ihrer Geschäftsberichte. Angeblich würden die Dax-Konzerne in einer Untersuchung von 1000 börsennotierten Unternehmen weltweit mit am schlechtesten abschneiden, heißt es. Die globale Konkurrenz sei also im Schnitt schneller. So bräuchten Dax-Konzerne im Schnitt 72 Tage, um die Jahresabschlusszahlen zu veröffentlichen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt benötigten die börsennotierten internationalen Konzerne nur 51,2 Tage - also rund eineinhalb Monate. Wenig schmeichelhaft ist, dass die Dax-Konzerne aus Deutschland tendenziell sogar über die Jahre noch länger bräuchten, als in früheren Zeiten. Noch 2005 hätten die Dax-Unternehmen im Durchschnitt nur 68 Tage benötigt.

Kritik gibt es auch am mangelnden Erfüllen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Angeblich würden 9% der Dax-Konzerne ihn nicht erfüllen, besagt die Studie von "ifb group" und "EPM International". Verwundert zeigen sich die Studienmacher vor allem deshalb, da in den vergangenen Jahren eigentlich ein deutlicher Fortschritt in der Technologie zu verzeichnen sei, was sich auch günstig auf die komplexe Erstellung eines Konzern-Geschäftsberichts auswirken hätte müssen.

Die Unternehmensberater schreiben: "... aber auch auf die Finanzbereiche der Konzerne (Industrie 4.0 mit automatischem Informationsaustausch zwischen Maschinen, Kunden und Lieferanten, Sofortüberweisung via Internet, virtuelle Sendungsverfolgung, uvm.), tritt der nach wie vor wichtigste Bereich der Finanzberichterstattung auf der Stelle – die Erstellung und Veröffentlichung des Jahresabschlusses."

In der Studie wird Jan Noeske, Director bei der ifb group und Leiter der Close Cycle Ranking Erhebung mit den folgenden Worten zitiert: "Deutschland hat den Anspruch, technologisch und wirtschaftlich an der Weltspitze eine führende Rolle zu spielen.

Dies gelingt in weiten Teilen sehr gut, im Financial Reporting wurde allerdings die Gelegenheit verpasst, sich auch in diesem Bereich zumindest dem globalen Durchschnitt zu nähern. Alles wird heutzutage vernetzt und auf maximale Effizienz getrimmt, das Reporting jedoch geschieht noch immer viel zu häufig mit Excel oder veralteten und nicht integrierten Systemen. Bislang tolerieren Investoren dies, vermutlich auch, da von DAX-Konzernen vorgelegte Zahlen vielfach hervorragend sind. Sollte dies aber zukünftig nicht mehr der Fall sein, ist es gut möglich, dass auch die deutschen Konzerne unter Druck kommen, sich dem globalen Standard anzupassen."

Immerhin konnte sich der deutsche Software-Riese und Dax-Konzern SAP im Ranking der "TOP Konzerne Global 500" Platz 27 sichern. Mit nur durchschnittlich 20 Tagen in Bezug auf die Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse sei er "der beste deutsche Konzern". Danach kämen die Deutsche Bank (Platz 123) sowie die Daimler AG (Platz 227). Mit nur 13 Tagen lägen aber Adobe Systems sowie die Qatar National Bank "an der Spitze aller Global 500 Konzerne".